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von Helena Bedenk – Einen richtigen Arbeitsweg habe ich nicht. Da wir in der Schule wohnen, brauche ich nur meine Tür zu öffnen und bin direkt an meinem Arbeitsplatz. Das hat Vorteile und Nachteile. Vorteil ist, dass es ziemlich schwer ist, zu spät zur Arbeit zu erscheinen. So kann ich es auch, wenn ich 5 Minuten vor dem Unterricht aufwache, hinbekommen, pünktlich zu sein. In Deutschland wird das eine riesige Umstellung. Ich werde wirklich öffentliche Verkehrsmittel nutzen müssen und früh genug aufstehen, um meinen Lebensunterhalt zu verdienen? Ganz schlimm!
Riesenvorteil ist, dass meine Schüler mich mega einfach erreichen können. Manche meiner Schüler klopfen inzwischen sogar am Wochenende an meine Tür. Das letzte Mal habe ich Süßigkeiten zur Belohnung dafür bekommen, dass ich mir nun endlich die englischen Namen meiner Schüler merken konnte.
Unsere Schule veranstaltet regelmäßig Basketballturniere, und als stolze Lehrerin lasse ich es mir natürlich nicht nehmen, meine Klasse anzufeuern.
Deshalb überraschen mich meine Schüler auch mal mit einem Klopfen, damit sie mich anschließend zum Basketballplatz bringen und mir ein Schild in die Hand drücken, sodass ich meine Schüler auch ordentlich anfeuern und supporten kann.
Nachteil ist, dass auch Lehrer mich jederzeit besuchen können. Diese muss ich höflicherweise, wie es sich eben gehört, in meine Wohnung hineinbitten. Deswegen muss es bei mir nun mal ordentlich sein, was für mich als Chaos-Manager manchmal ziemlich schwer zu regeln ist. Doch bis jetzt gab es keine Beschwerden, und ich finde, dass meine Unordnung noch ordentlich genug aussieht.
Nach ein paar Wochen, in denen wir uns daran gewöhnt haben, in der Schule zu unterrichten, wurde uns angeboten, auch im Kindergarten in Huixian Englischunterricht zu gestalten. Somit singen wir an jedem Montag überwiegend Lieder oder spielen einfache Spiele, mit denen man sich ein paar Vokabeln aneignen kann, da die 0- bis 6-Jährigen natürlich noch kein enorm großes Englischverständnis haben. So kann man eine Basis an Englischkenntnissen schaffen.
Dafür werden wir mit dem Taxi abgeholt. Ich denke, dass das nicht wirklich nötig ist, da man hierbei von einem 15-minütigen Spaziergang sprechen könnte und ich in Deutschland einen Fußweg von 50 Minuten zur Arbeit hatte. In China nimmt man oft schon für kurze Strecken ein Taxi. Alles über fünf Minuten Fußweg gilt für Einige schon als weit. Ich sehe das einfach als kulturellen Unterschied und genieße den damit verbundenen Komfort.
Weil mir die Arbeit mit den Kindern im Kindergarten so gefällt (sie sind wirklich unglaublich süß, und ich bekomme nach jeder Stunde ordentlich Umarmungen – dementsprechend ist Montag sogar mein Lieblingstag hier geworden), habe ich gefragt, ob es möglich wäre, noch mehr Unterricht im Kindergarten zu geben.

Unsere Ansprechperson hat mich daraufhin einem weiteren Kindergarten zugeteilt, an dem ich jeden Dienstag für ca. 4 Stunden unterrichte. Innerhalb dieser Zeit arbeite ich nicht nur, sondern nehme auch an ein paar Aktivitäten dort teil. Mein Weg zu diesem Kindergarten sieht ein wenig anders aus. Als ich zum ersten Mal dorthin gegangen bin, hatte ich wirklich Angst, da ich eine halbe Stunde den Bus nehmen muss, um dort anzukommen. Die Bushaltestellen werden hier nicht wirklich sichtbar gemacht (zumindest nicht für mich als Ausländerin), sodass es am Anfang ein Ratespiel war, ob ich aussteigen sollte oder nicht. Doch nach einiger Zeit fiel es mir immer leichter, abzuwägen, ob ich mich schon an der richtigen Stelle befinde.
Mittlerweile sehe ich auf jedem Weg so viele bekannte Gesichter und vertiefe mich immer öfter und schneller in Gespräche. Alles fühlt sich mit jeder Woche immer vertrauter an, und mir wird immer bewusster, wie dankbar ich dafür bin, hier zu sein, und wie sehr ich all die Wege vermissen werde.
Auch zu erwähnen ist, dass Huixian, die Stadt, in der sich meine Arbeitsstelle befindet, relativ unbekannt ist. Doch wenn den Leuten einfällt, was genau Huixian für eine Stadt ist, dann ist meist das Erste, woran sie denken, die Möglichkeit, wandern zu gehen. Grund dafür sind die vielen Berge und die wunderschönen Aussichten hier. Diese Wertschätzung kann ich nachempfinden.
Bis zum nächsten Blog!
Eure Heli! ⸜(。˃ ᵕ ˂ )⸝♡


