Geschichte und Gegenwart des Ökumenewerks der Nordkirche
Das 2024 gegründete Ökumenewerk der Nordkirche ist ein rechtlich selbstständiges Werk der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland. Es verbindet die Geschichte der Breklumer Mission mit dem heutigen Engagement für globale Gerechtigkeit, ökumenische Partnerschaften und für eine Kirche in weltweiter Verantwortung.
Von der Breklumer Mission zum Ökumenewerk
1876 legte Pastor Christian Jensen in Breklum den Grundstein für die spätere Schleswig-Holsteinische Evangelisch-Lutherische Missionsgesellschaft. Aus dieser Geschichte entwickelte sich zunächst das Nordelbische Zentrum für Weltmission und Kirchlichen Weltdienst, auch Nordelbisches Missionszentrum (NMZ) genannt. Es war seit 1971 ein selbständigen Werk der Nordelbischen Kirche. Nach der Gründung der Nordkirche 2012 wurde daraus das Zentrum für Mission und Ökumene – Nordkirche weltweit. Die Nordkirche ist der Zusammenschluss der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche, der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs und der Pommerschen Evangelischen Kirche.
Am 26. Januar 2024 wurden das Zentrum für Mission und Ökumene und die ökumenischen Dienste und Werke des damaligen Hauptbereichs Mission und Ökumene zusammengeführt. Seitdem trägt das Werk den Namen Ökumenewerk der Nordkirche.
Im September 2026 erinnert das Ökumenewerk gemeinsam mit Partner*innen an 150 Jahre Breklumer Mission. Dieses Jubiläum ist Anlass, die eigene Geschichte differenziert in den Blick zu nehmen: ihre theologischen, sozialen und ökumenischen Impulse ebenso wie ihre Verflechtungen mit kolonialen Machtverhältnissen, Rassismus und asymmetrischen Beziehungen.
Das Christian Jensen Kolleg in Breklum

Der Sitz des Ökumenewerks befindet sich weiterhin in Breklum. Seit der Gründung der Breklumer Mission im Jahr 1876 entwickelte sich dort schrittweise ein kirchlicher Bildungs- und Arbeitsort. Es entstanden das Missionsseminar (1877), die Brüderanstalt sowie das evangelische Gymnasium, das später Martineum genannt wurde (1879). Hinzu kamen eine Druckerei und um die Jahrhundertwende ein Sanatorium.
Von Breklum aus wurden Missionare und Pastoren in unterschiedliche Regionen der Welt entsandt, darunter nach Indien, China, Tansania, Papua-Neuguinea, in die Demokratische Republik Kongo, nach Kenia sowie nach Nord- und Mittelamerika. Diese Arbeit stand im historischen Kontext der damaligen Missionsbewegung und begründete zugleich internationale Beziehungen, die sich im Laufe der Zeit grundlegend verändert haben.
In der Zeit des Nationalsozialismus entwickelte sich die Breklumer Mission zu einem wichtigen Ort der Bekennenden Kirche in Schleswig-Holstein. Von Breklum gingen unter anderem Bildungs-, Publikations- und Veranstaltungsaktivitäten aus, die sich gegen die Gleichschaltung der Kirche richteten (Siehe dazu „Breklumer Hefte“). Nach 1945 blieb der Ort mit dem Predigerseminar und dem Katechetischen Seminar ein Standort kirchlicher Bildungs- und Ausbildungsarbeit (Dazu einen Vortrag zum Download).
2001 wurde das Christian Jensen Kolleg gegründet und am 30. September 2005 eingeweiht. Es ist ein ökumenisches Begegnungs- und Tagungszentrum, das von kirchlichen und kommunalen Trägern verantwortet wird.
Geschäftsstelle am Agathe-Lasch-Weg in Hamburg

Der größte Teil der mehr als 70 Mitarbeitenden arbeitet in der Geschäftsstelle des Ökumenewerks in Hamburg-Othmarschen. Dort nutzt das Werk die 1906 erbaute Villa am Agathe-Lasch-Weg. Das Gebäude wurde der Evangelisch-Lutherischen Missionsgesellschaft zu Breklum zunächst zur Nutzung überlassen und ihr 1918 zusammen mit dem Grundstück vom Hamburger Bankier Richard Henry von Donner geschenkt. Es war vor allem als Zuhause für die Kinder von Missionarinnen und Missionaren vorgesehen, die nach Übersee entsandt worden waren. Später bot das Haus zeitweise Flüchtlingen, durch Bombenangriffe obdachlos gewordenen Hamburgerinnen und Hamburgern sowie Menschen, die von Sturmfluten betroffen waren, Unterkunft.
Heute ist die Geschäftsstelle ein Arbeitsort für die vielfältigen Aufgaben des Ökumenewerks: für ökumenische Beziehungen, internationale Partnerschaften, Bildungsarbeit, Menschenrechts- und Klimagerechtigkeitsarbeit sowie Beratung und Begleitung in der Nordkirche.
Dekoloniale und rassismuskritische Aufarbeitung
Im September 2026 blickt das Ökumenewerk auf 150 Jahre Breklumer Mission zurück. Eine Arbeitsgruppe arbeitet die Geschichte des Werks bereits heute aus rassismuskritischer und dekolonialer Perspektive auf.
Das Missionsarchiv
Das Missionsarchiv in Breklum umfasst den Archivbestand der Arbeit der Schleswig-Holsteinischen Evangelisch-Lutherischen Missionsgesellschaft zu Breklum (Breklumer Mission) von deren Gründung 1876 bis 1971 sowie der später damit verschmolzenen „Pastor Christian Jensen Anstalten für Innere Mission zu Breklum“.
Der Archivbestand umfasst neben den Protokollen des äußeren und inneren Vorstandes der Missionsgesellschaft auch die Korrespondenz mit den Missionarinnen und Missionaren in den Missionsgebieten Indiens, Afrikas, Chinas und Papua Neuguineas und damit einmalige Zeitzeugnisse von unschätzbarem Wert. Neben schriftlichen Zeugnissen gehören auch Fotos und Tonträger zum historischen Archivbestand. Interessierten kann auf deren Antrag hin Einsicht in das Archiv gewährt werden. Recherche im OPAC-System
Recherchieren Sie im historischen Bildarchiv:
Die Nutzung der Bilder ist ausschließlich für Recherchezwecke zulässig. Eine Speicherung, Bearbeitung oder Weitergabe ist nur mit schriftlicher Genehmigung durch das Ökumenewerk der Nordkirche gestattet. Eine zweckentfremdete Nutzung zieht juristische Konsequenzen nach sich.
Name: Recherche und Kennwort: !Vino123