Weihnachten im Sommer – (M)Eine Perspektive auf die Festtage in Brasilien und weitere Ausschweifungen

Es ist Mitte Dezember, in den meisten Straßen sieht man sofort Dekoration und Lichterketten sobald man sich umsieht – und es sind 25 °C mit üppig Sonne.

Einsatzstelle Ação Encontro – Weihnachtsstimmung bei 30°C

Wir befinden uns in Brasilien, in dem Bundesstaat Rio Grande do Sul, um genauer zu sein. Südlich des Äquators läuft hier ein komplett anderer Rhythmus, und doch ist irgendwie alles ähnlicher, als man vielleicht denkt. In unserer Einsatzstelle Ação Encontro (https://www.google.com/url?sa=t&source=web&rct=j&opi=89978449&url=https://abefi.org.br/acao-encontro&ved=2ahUKEwiXtMbF3OOSAxVyKrkGHXEhAnEQFnoECEcQAQ&usg=AOvVaw0H-Rf15Diciz6sXoNPLIBt) haben meine Mitfreiwillige Ally B. und ich mit unseren Kollegen und den Kindern über die Vorweihnachtszeit fleißig gebastelt, gemalt, gesungen und gebacken.

Einsatzstelle Ação Encontro – Vorbereiten von rund 200 Küchlein!

Und obwohl das Weihnachtsfest hier eher heiß ausfällt, gehören Dinge wie Schneemänner und Schneeflocken mit zum Festtagsimage. Ich fand das erstmal etwas merkwürdig, vor allem weil ich zumindest von meinen Kolleginnen mitbekommen hatte, dass diese Dissonanz schon bewusst war. Des Weiteren haben die Weihnachtsfilme, die wir mit den Kindern ansahen, überwiegend in den USA oder Europa gespielt.Ob diese Eindrücke die Folge einer globaleren Welt oder die spezifischen Einflüsse der Kolonialgeschichte Brasiliens sind, darüber bin ich mir unschlüssig -es freut sich trotzdem jeder über die besinnlichen Feiertage.

Einsatzstelle Ação Encontro – Weihnachtsbasteln

Man muss sich stets daran erinnern, dass obwohl wir oft von Brasilien hören, wir von einem Land ca. 24 mal der Größe und ca. 3 mal der Bevölkerung von Deutschland sprechen. Irgendein grobes, klischeehaltiges Bild Brasiliens ist weiter entfernt von der Realität als Spongebob Schwammkopf von echter Meeresbiologie. Viel eher ist die Quintessenz Brasiliens die Diversität in Traditionen, Küchen, Stilen und Geschichten. So ist beispielsweise die Gaúcho Kultur im Süden des Landes stark verbreitet. Ursprünglich aus den Steppen Argentiniens kam die Lebensweise der Rindviehhalter über die Grenzen bis in die Weiten Südbrasiliens. Bis heute ist in dieser Region die Rindviehhaltung ein großes Geschäft. Die Gaúchos Brasiliens haben eine eigene Tracht die sie auch von anderen südamerikanischen Cowboys klar unterscheidet. In Rio Grande do Sul sind Werte wie Solidarität und Courage immer noch Aushängeschild der traditionellen Gaúchos, die man dementsprechend auch in den Systemen der Sozialassistenz, Jugendräten u.ä. als Helfer, Schlüsselfiguren oder Organisatoren auffindet.

Einsatzstelle Ação Encontro – Gemeinsames Abendessen im vollen Gange

Doch zurück zur Weihnacht – Auch hier lieben Kinder es, Papa Noel (den Weihnachtsmann) zu treffen, der ihnen Geschenke bringt. Deshalb war der Höhepunkt der Weihnachtsfeier in Ação Encontro die Bescherung, nachdem ein Buffet mit typischen Gerichten -mein persönlicher Favorit war der „Arroz à Grega“, Reis mit Rosinen und verschiedenen gewürfeltem Gemüse- das rund 200 Gäste, Kinder, Familien und Freunde verpflegte. Mit einem kleinen Feuerwerk kam der Abend dann zu einem Schluss. Das ganze Team der Einrichtung hat jeweils einen Panettone geschenkt bekommen, nachdem abgebaut und aufgeräumt war. Dieser traditionell italienische Kuchen kam mit Migranten in den 1940ern nach Brasilien und erfreut sich seitdem großer Beliebtheit. Brasilien produziert jährlich die meisten Panettone weltweit!

Insgesamt, so glaube ich zumindest, ist es wichtig für einen ersten Eindruck Brasiliens zu verstehen, wie sehr verschiedene Teile des Landes von verschiedenen Wellen an Immigration geformt sind. Jedoch ist Brasilien wohl ein Paradebeispiel für einen kulturellen Schmelztiegel, wenn auch nicht ohne Aspekte und Geschichtsabschnitte, die man kritisch betrachten muss. So danke ich ihnen, werte Lesende, für ihre Aufmerksamkeit.

Abraços!(Umarmungen!)

-Andreas W.

(Frohe Weihnacht und ein friedliches Neues Jahr!)

Mein Frewilligendienst in Brasilien soweit

Bom dia, Boa Tarde oder vielleicht auch schon Boa Noite?🇧🇷

Hi, Hello Ich bin Yosii Und lebe seit einigen Monaten für meinen Freiwilligendienst in São Paulo, Brasilien. Meine Einsatzstelle ist aktuell ein Kindergarten.

São Paulo. Eine Stadt, die laut ist, schnell, riesig und vorallem  voller Leben. Ich lebe inzwischen hier, mitten in dieser Metropole, und manchmal kann ich selbst kaum glauben, wie schnell das hier alles mein Alltag geworden ist.

Eigentlich bin ich auch mit der Vorstellung nach Brasilien gekommen, mal raus aus meiner gewohnten Großstadt zu sein. Und jetzt? Lebe ich in einer der größten Städte der Welt. Aber São Paulo ist nicht mit deutschen Großstädten zu vergleichen. Hier sind die Entfernungen andere, die Zeit fühlt sich anders an. Strecken, die auf der Karte kurz aussehen, dauern plötzlich Stunden. Innerhalb Brasiliens fliegt man mehrere Stunden von einer Stadt zur nächsten, obwohl alles irgendwie nah beieinander liegt. Das hat mein Gefühl für Raum und Alltag komplett verändert.

Was mich selbst am meisten überrascht hat: wie schnell ich hier wirklich angekommen bin. Auch sprachlich. Portugiesisch war am Anfang natürlich eine Herausforderung  aber inzwischen komme ich unfassbar gut mit den Brasilianer*innen ins Gespräch. Im Alltag, in der Einsatzstelle, im Bus oder im Café. Sprache ist hier wirklich der Schlüssel zu allem, und je mehr ich spreche, desto mehr öffnet sich diese Stadt für mich. 

Meine Einsatzstelle war bisher ein Kindergarten, und dieser Ort hat meinen Freiwilligendienst stark geprägt. Die Kinder sind so offen, liebevoll und ehrlich, dass man gar nicht anders kann, als jeden Tag mit einem Lächeln dort anzukommen. Ich konnte mich dort richtig etablieren, Verantwortung übernehmen und Teil ihres Alltags werden. Bald werde ich in ein neues Projekt wechseln, darauf bin ich sehr gespannt, vor allem was für Lehren ich da mitnehmen kann. 

Ein Thema, das sich hier ebenfalls verändert hat, ist der Sport. In Deutschland war Volleyball ein fester Bestandteil meines Lebens. Regelmäßiges Training, Verein, Halle  all das gehörte dazu. In meinem neuen temporären zuhause ist das leider schwieriger als gedacht. Die Größe der Stadt, lange Wege und höhere Kosten machen es nicht leicht, einen passenden Hallenvolleyball-Verein zu finden. So hat meine Hallenvolleyball-Karriere hier vorerst ihr Ende gefunden:(( . Dafür habe ich gewechselt vom Hallenboden an den Strand. Beachvolleyball statt Halle. Auch das ist Freiwilligendienst : Umwege, neue Lösungen, neue Perspektiven.

Was ich hier lerne, geht weit über nur meine Einsatzstelle hinaus. Flexibel zu sein. Pläne loszulassen. Sich auf Neues einzulassen  auch wenn es ganz anders kommt als gedacht. São Paulo fordert mich jeden Tag, aber genau das macht diese Erfahrung so intensiv und besonders.

Obrigada fürs Lesen – und bis zum nächsten Update aus Brasilien eure Yosi!  ✨

kurze freie Beschäftigung vor dem Mittagessen.
Unerwarteter Besuch von Papai Noel 🙂

Es Weihnachtet ein bisschen.

Viel passiert in letzter Zeit. Das beschreibt die vergangen Monate wahrscheinlich am besten. Es gab alles mögliche an Erlebnissen denn das Jahr neigte sich dem Ende, Weihnachten stand vor der Tür und mein Projekt würde bald für fast einen Monat schließen, was auch heißt, dass danach neue Kinder kommen würden, was für mich Abschied nehmen hieß. Im Urlaub waren wir auch noch, denn Wochenenden sind für Trips da und es gab schon wieder Tierischen Besuch, aber am besten lest einfach selbst. 

Schon seit wir hier sind sagen Kollegen und Bekannte uns, wir sollten mal nach Punta del Este, eine zwar touristische aber sehr schöne Stadt, im Nordosten von Montevideo, gehen. Wie gesagt so getan dachten wir uns, also buchten wir uns über ein verlängertes Wochenende einfach einen Bus, packten unsere Sachen und los ging’s. Die Stadt liegt ca. zwei Stunden von unserem Zuhause entfernt und man fährt so ziemlich nur durch die Pampa, wo man ab und zu, vereinzelt kleine Dörfer oder mal eine Wiese mit Pferden oder Kühen sieht, viel mehr gibt es dazwischen nicht. Als wir an einem sehr sonnig, warmen Morgen Anfang September ankamen mussten wir natürlich erstmal an den Stand, wo wir frühstückten und Mate trunken. Danach legten wir noch einen kleinen power nap ein, um danach mit voller Energie die Stadt erkunden zu können. Wir wanderten die Promenade entlang, guckten Surfern zu und und entdeckten „La mano de Punta del Este“ das ist eine Skulptur einer Hand, die aus dem Sand ragt. Danach gab es dann noch was zu essen und dann vielen wir auch schon tot ins Bett und schliefen aus.

Ein erlebnisreicher Tag lag vor uns, denn außer ein wenig Zeit am Stand zu verbringen, kam es, dass wir vier Seelöwen aus nächster Nähe beobachten konnten, die sich am Hafen getroffen hatten und ein wenig tobten und spielten. Nach diesem Anblick wanderten wir noch weiter, an einem Leuchtturm vorbei, zu einer Steinküste, wo der „Río de la Plata“ und der Atlantik aufeinander treffen. 

Als wir nach diesem Wochenende Nachhause kamen wartete auch schon wieder tierischer Besuch auf uns, denn in unserem Schrank war eine Maus eingezogen, die sich von uns durchfüttern ließ und sich ein Bett in einer Tüte Mais gebaut hatte. Wir mussten diesen ungebetenen Gast, so süß er auch war, irgendwie loswerden. Wir versuchten den Mäuserich während er schlief zu Überrachen und ihn mithilfe eines Topfes einzufangen, jedoch scheitete dieser Versuch, denn wir waren zu langsam, oder die Maus war zu schnell und er versuchte zu entkommen, was wir natürlich nicht zulassen konnten. Meine Mitbewohnerin hielt die Maus unter dem Topf fest, jedoch schaffte sie es ihren Kopf durch eine Lücke zu stecken und damit hat sie sich leider selbst keinen gefallen getan, denn sie Starb durch diese Aktion. Wir hatten zwar keinen Schrankbesetzer mehr, aber es war nicht unsere Absicht das Tier so loszuwerden. Ruhe in Frieden kleine Maus. 

Mein Alltag im Projekt hatte sich gefestigt und ich konnte, neben dem täglichen spielen und helfen beim essen, auch immer mehr selbst mitgestalten, wie zum Beispiel bei Bastelaktionen oder neuen Spielideen. Ich wechselte Vormittags auch ab und zu die Gruppen, um in alle Altersgruppen mal reinzuschauen und die Kinder kennenzulernen. Die Kinder nahmen mich immer herzlich in ihre Spiele auf und einmal hatte ich sogar das Glück, ein Haustier, welches eines der Kinder mitbrachte Kennenzulernen. Die Nachmittage hielt ich mich eigentlich immer in der Gruppe der dreijährigen auf, wo ich seit August auch täglich die meiste Zeit verbracht hatte. Die Kinder waren mir echt ans Herz gewachsen. 

Die Weihnachtszeit näherte sich und somit leider auch der Abschied einiger Kinder, denn die Ältesten werden im nächsten Jahr nicht mehr ins CAIF kommen, sondern in eine Art Vorschule gehen. Es gab Feste, Spiele, Geschenke, Umarmungen und einen sehr sehr süßen Kuchen. Dann hieß es auch schon auf wieder sehen. Ich war schon ein bisschen traurig, im nächsten Jahr nicht mehr in meiner kleinen süßen Gruppe sein zu können, aber natürlich auch ziemlich froh, denn für mich hieß der Abschied auch Urlaub, denn bis Februar würde mein Projekt schließen und sozusagen eine Sommerpause machen. Auch komisch, eine Sommerpause mitten im Winter. (zumindest ist die Weihnachtszeit für mich Winter) 

Wo wir auch schon beim Thema sind, denn während draußen über dreißig Grad Celsius sind, rückt das Weihnachtsfest immer näher. Für uns war das sehr komisch, denn normalerweise sitzt man zu dieser Zeit zuhause schön eingekuschelt auf dem Sofa, trinkt Kakao, backt Plätzchen und guckt einen Weihnachtsfilm oder man geht auf den Weihnachtsmarkt und trinkt Glühwein und isst gebrannte Mandeln.

Das sollte dieses Jahr alles ganz anders sein, denn statt Schlittschuh laufen und Schneemann bauen lagen wir am Stand, sonnten uns und platschten im Wasser. Komische Zeit. Trotzdem versuchten wir uns etwas Weihnachtlich zu stimmen und ein wenig Tradition von Zuhause hier nach Uruguay zu holen. Wir backten Plätzchen und machten Glühwein selber (zumindest probieren wir es) und gingen damit auf den „Weihnachtsmarkt“ der hier „Feria de Navidad“ genannt wird, aber mit einem Weihnachtsmarkt, den wir kennen nicht viel zutun hat. Wir besorgten uns auch einen Weihnachtsbaum, denn ein echter Tannenbaum gehört nunmal einfach dazu, jedoch mussten wir nach langer suche doch auf einen künstlichen Baum zurück greifen, da es hier einfach nirgends einen richtigen Baum zu finden gab. Wir bastelten Deko und eine Krippe und bereiteten ein Weihnachtsessen vor; dieses Jahr Asado, nicht wie sonst jedes Jahr Ente.

Wir feierten das Fest als WG und luden noch zwei andere junge Menschen zu uns ein, die mit einer unserer Mitbewohnerin zusammenarbeiten. So waren wir eine bunte Truppe aus vier verschieden Ländern mit vier unterschiedlichen Traditionen und tauschten uns den ganzen Abend darüber aus, wie Weihnachten in den jeweiligen Heimatländern gefeiert wird. Um kurz vor null Uhr zogen wir uns an und gingen auf die Straße, denn hier wird in der Nacht vom 24. zum 25. Dezember mit Feuerwerk und Lichtershows gefeiert, währen der Weihnachtsmann in der Zwischenzeit, wo alle draußen sind und das Spektakel am Himmel beobachten, unbemerkt die Geschenke unter den Baum legt. Auch wir fanden ein paar kleine Geschenke der Wg-Mitbewohner unter unserem Tannenbaum, aber zuerst beobachteten ganz gespannt das Feuerwerk, in dieser warmen Nacht und danach ging es für eine Abkühlung noch kurz ins Meer.

So ein Weihnachtsfest hatte ich wirklich noch nie.

Anaphora – Dezember 2024

Wir haben jetzt schon den 29. Dezember 2025 und mein Blogbeitrag kommt verspätet. Das Gute daran ist aber, dass in der Zwischenzeit Weihnachten in Anaphora war und ich darüber berichten kann. Aber fangen wir erstmal da an, wo ich beim letzten Mal aufgehört hatte.

Meine Arbeit…

Zuletzt hatte ich ja noch auf dem Feld gearbeitet, doch kurz danach entschied ich mich, zu Emiliano auf die Baustelle zu kommen. Dort arbeitete ich über einen Monat und es war sogar noch besser als das Feld. Denn dort waren ungefähr 20 andere Mitarbeitende. Und ich verstand mich sofort sehr gut mit ihnen.

In Ägypten ist eine Baustelle ganz anders als in Deutschland. Es wird alles mit der Hand gemacht und dadurch ist es echt anstrengend und aufregend; es kann vorkommen, dass man sich auf einer selbst gebauten Leiter befindet und an einem Tag nicht eine, sondern zwei Sprossen dieser Leiter abfallen und das alles in einer Höhe von vier Metern… Die Leiter wird natürlich weiter genutzt danach. Und das ist genau das, was ich hier am Arbeiten liebe. Es ist ein ständiger Nervenkitzel und ich bin ein Mensch der braucht diesen Nervenkitzel im Alltag.

Dann gibt es auch Momente wo man mit zwei Eimern Zement den ganzen Tag von einem Dach zum anderem über eine kleine Holzplanke laufen muss. Und dies ist eine gute Situation, um den Humor von den anderen zu erklären, denn der, der diese Aufgabe hat wird meistens durch Sprünge auf die Enden der jeweiligen Planke zusätzlich auf die Probe gestellt, sein Gleichgewicht halten zu können.

Probleme und deren Lösung

Ich verstand mich mit den Arbeitern so gut, dass ich begann, auch nach der Arbeit mit ihnen Zeit zu verbringen. Es ist nämlich so, dass sie nicht in die Nähe des Zentrums von Anaphora dürfen; sie bekommen auch anderes Essen, welches sie an einem separaten Ort einnehmen. Ich fing irgendwann an, immer häufiger mit ihnen zusammen zu essen und vernachlässigte dadurch meine, von meiner Chefin erwünschte Präsenz im Zentrum der Einrichtung. Dies missfiel meiner zuständigen Schwester / Chefin sehr. Ich ging z.B. nicht in die Kirche oder zu den Morgen-Meetings. Es gab noch weitere Missverständnisse und Versäumnisse meinerseits. Doch diese ließen sich durch ein Gespräch und durch die sehr engagierte Hilfe der Organisation lösen. Natürlich musste ich auch mein Verhalten ändern. Dadurch lernte ich, dass es in Anaphora essenziell ist, neben dem Erledigen der täglichen Aufgaben, sich gut in die Gemeinschaft zu integrieren. Und man sollte nichts tun, ohne es vorher mit der zuständigen Schwester abzusprechen, was mir, aufgrund meiner Kultur schwer eher fällt. Aber darum geht es ja auch bei dem Abenteuer, sich einer anderen Kultur anzupassen.

Was ich jetzt mache…

Nach der Baustelle hatte ich eine Woche im Restaurant gearbeitet und jetzt arbeite ich in der Tischlerei. Hier finde ich es perfekt. Ich arbeite in einer Werkstatt zusammen mit drei weiteren Kollegen. Dadurch formt sich eine enge Gemeinschaft und an manchen Tagen arbeitete ich auch auf einer Baustelle, um z.B. Fenster an der Kirche einzubauen.

Eine andere Neuigkeit ist, dass ich jetzt zwei Katzen habe. Schon seit zwei Monaten ungefähr. Ich habe sie adoptiert, da die Mutter gestorben ist. Und sie tun mir sehr gut. Immer, wenn ich mich schlecht fühle, muntern sie mich wieder auf. Ich muss mir nur noch überlegen, wie ich sie nach Deutschland bekomme. Eine weitere Sache, die mir aufgefallen ist, wie mich Anaphora verändert: Ich hatte mir kurz vor Weinachten fünf Tage Urlaub in Kairo genommen und schon ganz am Anfang dieser Zeit hatte ich gemerkt, wie verwildert ich war. Es ist in Anaphora total egal, wie man herumläuft. Dadurch bekam ich die ersten Tage komische Blicke. Doch habe ich das Gefühl, entspannter geworden zu sein oder eine andere Aura auszustrahlen als vorher.

Weihnachten

Das koptische Weihnachtsfest ist am 7. Januar; am 24. Und 25. Dezember hatten wir zwei freie Tage bekommen und alle waren ganz besonders nett zu uns. Emiliano und ich haben uns einen Film angeschaut und für mich war es perfekt.

Ein Wort der Warnung

Anaphora kann manchmal zu viel werden, denn es kann passieren, dass die zuständige Schwester wütend ist und du dich einsam fühlst. Mir z.B. ging es so, als ich keinen Kontakt mehr zu einer mir sehr wichtigen Freundin aus Deutschland hatte. Dadurch, dass man in Anaphora keine Frauen kennen lernen kann oder darf, habe ich mich total verloren gefühlt. Das Problem dann ist, dass man keine Zeit hat sich mit den Gefühlen auseinander zu setzen. Denn Momente der Schwäche sind in Anaphora schwierig. Der Alltag geht weiter und man muss funktionieren.

Allerdings…

ich liebe Ägypten und freue mich über die Erfahrung, hier sein zu können.

Viele Grüße aus Ägypten

Victor

Und auf einmal ist es Dezember…

Hey,

Ich denke, es ist wieder Zeit für ein Update aus Kenia, denn inzwischen hat sich doch schon wieder einiges verändert.

Inzwischen bin ich schon 4 Monate hier und über ⅓ meiner Zeit in Kenia ist um. Es ist wirklich sehr erschreckend. Ich meine, in meiner Vorbereitungszeit habe ich oft gehört, dass die Zeit schnell vergehen wird aber, dass es letztendlich so schnell geht, hätte ich nicht erahnen können. Der Gedanke, dass im kommenden Monat bereits die Hälfte um ist, lässt mich bedrückt wirken und macht mich nahezu etwas traurig. Ich möchte und kann mir noch nicht vorstellen, wie es wird, zurück in Deutschland zu sein. Ich bin mir sicher, dass die kommende Zeit auch noch mal wie im Fluge vergehen wird. In jedem der kommenden Monate stehen einige Sachen auf dem Plan, auf die ich mich wirklich sehr doll freue.

Trotz der bedrückenden Gefühle diesbezüglich lasse ich mich davon nicht unterkriegen. Stattdessen versuche ich die Momente noch intensiver zu genießen und verspüre durchgehend eine Dankbarkeit.

Durch den Regen ist es sehr matschig.

Richte ich meinen Blick auf den Kalender, dann realisiere ich immer wieder aufs Neue, das nun Dezember ist und die Vorweihnachtszeit begonnen hat. Wirkt für mich gelegentlich etwas widersprüchlich, wenn ich nach draußen gehe und es um die 25 Grad sind. Allerdings wütet auch derzeit El Nino, der für extreme Regenfälle sorgt. Dies hat wirklich auch einige unschöne Folgen, für die es sich lohnt, mal etwas mehr zu recherchieren. Denn ich musste feststellen, dass davon in den Nachrichtenplattformen in Deutschland sehr wenig bis gar nicht berichtet wird. Dennoch gibt mir der Regen am Abend ein Gefühl von dem kühleren Herbst und Winter in Deutschland.

Spaziergang durch Ongata Rongai. Der Himmel und Boden spiegelt sehr gut das Wetter wider.

Jette und ich haben es uns inzwischen sehr gemütlich in unserer WG gemacht und holen so auch ein wenig die Vorweihnachtszeit in unser Zuhause. Wir haben eine große Lichterkette aufgehangen, zünden jeden Abend Kerzen an und unsere selbst gemachten Adventskalender zieren unseren Schrank im Eingangsbereich. Demnächst stehen noch weiteres Dekorieren, Plätzchen backen und verschiedene Aktivitäten, wie beispielsweise ein Besuch auf dem Weihnachtsmarkt der Deutschen Kirchengemeinde in Nairobi, auf dem Programm. In unserem Einkaufszentrum, in dem wir häufiger einkaufen gehen, wurde inzwischen auch weihnachtlich geschmückt. Die Gänge sind mit Lichterketten und Basteleien aus Perlen geschmückt und im Eingangsbereich stehen große geschmückte Tannenbäume. Ich habe auch die erste Begegnung mit einer Weihnachtsfrau gemacht und somit habe ich mein erstes “Merry Christmas” schon Mitte November gehört, was für mich zuerst etwas befremdlich wirkte. Dennoch komme ich nun auch in Weihnachtsstimmung, was vielleicht darauf zurückzuführen ist, dass Jette und ich unseren ersten Weihnachtsfilm geschaut haben, bei uns am Abend gelegentlich Weihnachtsmann und Co KG läuft und Jette dafür sorgt, dass Weihnachtsmusik nahezu täglich in unsere Wohnung zu hören ist. Ich freue mich wirklich unglaublich doll auf diese Weihnachtszeit und bin unfassbar dankbar, dies in Kenia erleben zu dürfen.

Ausblick von unserem Balkon. Zu sehen ist unter anderem ein Wohnhaus der Mädchen.

Nun möchte ich euch aber auch noch einen weiteren Einblick geben, und zwar in meinen Arbeitsalltag und meinem dazugehörigen Arbeitsweg.

Ich habe den wohl möglichst entspanntesten Arbeitsweg aller Zeiten.

Jette und ich leben im Gästehaus des PLCCs, welches sich auf dem Gelände befindet. Unsere Wohnung befindet sich gegenüber von den Häusern, in denen die Mädchen mit den jeweiligen Hausmüttern leben und neben dem Bürogebäude. Ich arbeite nun den dritten Monat im Büro. Sprich, ich muss nur einmal die Treppen des Gasthauses runter laufen, durch unser Tor und links zum Bürogebäude gehen. Das ist in einer Minute erledigt und ein großer Kontrast zu dem, was ich sonst gewohnt bin. Die letzten Jahre bin ich mit dem Auto 20 Minuten zur Berufsschule gefahren und bin dann noch über 5 Minuten vom Parkplatz bis zu meinem Klassenraum gelaufen. Ich genieße es sehr, hier nur 30 Minuten vor Arbeitsbeginn aufstehen zu müssen.

Links ist das Gasthaus zu sehen und rechts das Bürogebäude.

Momentan sind hier Ferien, diese haben Ende Oktober angefangen und gehen bis Anfang Januar. Dementsprechend hat sich mein Arbeitsalltag auch noch mal verändert. Zuerst möchte ich euch von meinem Arbeitsalltag während der Schulzeit berichten.

Ich habe um 8 Uhr am Morgen angefangen zu arbeiten. Ich habe zuerst das Büro aufgeschlossen, den Laptop hochgefahren und auf meine Kollegin gewartet. Von 08:15 Uhr- 08:30 Uhr hat die Morgenandacht stattgefunden, die wir jeden Morgen besucht haben. In den Tag zu starten mit Musik und Tanz, die wesentliche Bestandteile der Andacht sind, ist wirklich etwas sehr Schönes. Nach der Andacht sind wir zurück ins Büro gegangen, haben meistens einen kurzen Smalltalk gehalten und haben dann angefangen zu arbeiten. Ich war in der Zeit viel damit beschäftigt, die Unterlagen des PLCCs zu digitalisieren, bei der Bürokratie zu helfen oder verschiedene Unterlagen zu übersetzen. Um 11 Uhr gab es dann immer eine Teepause für alle. Es wurde Chai getrunken und Brot mit Blueband gegessen. Anschließend wird von 11:30 Uhr bis 13 Uhr weiter gearbeitet, denn um 13 Uhr wird gemeinsam Mittag gegesse. Daraufhin hatte ich erst mal Pause. Von 18 Uhr bis 21 Uhr habe ich dann in einem der Häuser gearbeitet, in denen die Mädchen leben. Dort habe ich die Mädchen bei ihren Hausaufgaben unterstützt oder gemeinsam mit ihnen für Klausuren gelernt. Wenn alle fertig waren, haben wir gemeinsam gemalt, gesungen und/oder getanzt.

Am Nationalen Baumpflanztag haben wir 30 Bäume gepflanzen.
Begutachtung des Apfelkuchens

Nun sind aber Ferien und dies bedeutet, dass die Mädchen nicht zur Schule gehen und sich zurzeit alle Mädchen auf dem Gelände befinden. Zur Betreuung der Mädchen wurde ein Ferienprogramm erstellt, indem auch wir Freiwilligen involviert sind. Beispielsweise backen wir gemeinsam mit den Mädchen einmal die Woche für alle auf dem Gelände. Inzwischen haben wir schon Apfelkuchen, Kekse, Schokoladenkuchen, Zitronenkuchen und Pizza gebacken. Die Freude diesbezüglich ist immer sehr groß. Dennoch arbeite ich auch während der Ferien im Büro. Meine Arbeitszeiten hier sind von 08 Uhr-13 Uhr, dazwischen mache ich auch immer eine kleine Teepause. Anschließend bin ich bis 16 Uhr dann noch bei den Kindern und unterstütze das Ferienprogramm.

Ich genieße meine Arbeit wirklich sehr. Auch wenn Büroarbeit nicht die Tätigkeit ist, in der ich mich in Zukunft sehe, macht es mit meiner Kollegin großen Spaß. Sehr oft verbringen wir auch unsere Pausen zusammen und unterhalten uns über die verschiedensten Themen. Dabei lerne ich auch immer unfassbar viel über die Kultur und das Land, aber genauso viel auch über mich selbst. Auch die Arbeit mit den Kindern ist jeden Tag eine Bereicherung und sowohl die Kinder als auch das Team gibt mir unglaublich viel Liebe und nahezu täglich die Chance, mich weiterzuentwickeln.

Bis zum nächsten Blogeintrag wird sich auch bezüglich der Arbeit einiges verändert haben. Im Januar tauschen Jette und ich nämlich unsere Arbeitsplätze. Jette arbeitet dann nämlich im Büro und ich starte in der Schule. Dazu kommen im Januar 10 neue Mädchen zum PLCC, mit denen ich durch die Schule sehr viel zusammenarbeiten werde. Ich bin wirklich sehr gespannt und voller Vorfreude auf die neuen Herausforderungen und Eindrücke.

Wir hören dann spätestens im Februar wieder voneinander. Ganz liebe Grüße und frohe Weihnachten aus Kenia