Heimweh, Höhenluft und Hostelhorror – Mein chaotisch-schöner Argentinien-Trip

Nach Monaten voller Kinderlachen, Alltagsabenteuer und Intensität war es Zeit für eine Pause  – für ein Abenteuer. Ich wollte Argentinien entdecken, Natur, Städte, Menschen, Pferde, Stille, Chaos und ich bekam alles und noch viel mehr.

Silvester in Córdoba – bröckelnder Putz, aber ein Herz aus Gold

Unser Silvester begann in einem ziemlich heruntergekommenem (was noch nett ausgedrückt ist) Hostel in Córdoba, mit knarzenden Betten und Badezimmern, bei denen man lieber nicht so genau hinschaut, aber der Vermieter war ein Schatz! Er lud uns und die Volunteers des Hostels zu einem Silvester-Asado ein, ein argentinisches Barbecue deluxe. Fleischberge, Lachen, Musik, Geschichten. 

Vollgefuttert zogen wir weiter in ein Airbnb mit Dachterrasse, welches Mitfreiwillige sich gemietet hatten. Das Feuerwerk welches um 0 Uhr zusehen war, war klein, aber wunderschön, es glitzerte zwischen den Hochhäusern. Danach ging’s noch in einen Club, die erste Nacht des neues Jahren war lang, laut und leicht.

Wir blieben ein paar Tage in Córdoba und unternahmen eine Wanderung zu einem Wasserfall. Wir waren keine 10 min unterwegs und schon schloss sich uns ein altaussehender Hund an,  grau im Gesicht, aber treu im Blick. Er wich uns nicht von unserer Seite. Wir tauften ihn Cordopi (Córdoba + Opi)  Er begleitete uns die ganze Strecke und zeigte uns den Weg, denn wir wussten garnicht so genau wo wir lang mussten, aber er schien es zu wissen. 

Ein weiteres Highlight, Reiten in den Bergen. Die Aussicht war fast endlos, der Wind in den Haaren befreiend und mein Herz erfüllte. Nach so langer Zeit endlich wieder auf einem Pferd zu sitzen, ließ mich all die Zeit mit meinen Ponys in Deutschland vermissen und gleichzeitig ganz im Moment ankommen.

Nach den ruhigen Tagen in den Bergen wollte ich eine Nacht in Buenos Aires schlafen und am nächsten Tag weiter nach Patagonien fliegen, doch das gebuchte Hostel existierte nicht. Drei Menschen bestätigten mir die Adresse, aber da war einfach nichts.Ohne Internet, völlig verloren, landete ich bei Starbucks, rief meine Familie an, kämpfte gegen Tränen und buchte schließlich ein Hotel für 30 € mehr als geplant. Wenigstens hatte ich eine Dusche und ein Bett und ich glaube es war sogar die beste dusche die ich seit einem halben Jahr hatte. 

El Calafate – Gletscherliebe & Kartendrama

In El Calafate bewunderte ich den berühmten Perito-Moreno-Gletscher, ein Naturwunder, das mich sprachlos machte, aber die Realität holte mich wieder schnell ein. Nach dem Ausflug musste ich natürlich noch bezahlen doch das Kartengerät akzeptierte meine Karte nicht, auf der Zweitkarte war zu wenig Geld. Ich telefonierte mit meiner Mutter, gab ihre Kreditkartennummer an, versuchte zu überweisen, oder irgendwie an Bargeld zu kommen, aber es war zu spät, es brauchte mindestens einen Werktag, heute war da nichts mehr zu machen. 

Am Ende gab ich der Dame mein letztes Bargeld (ein Viertel der Summe) und meinen Personalausweis. Sie willigte ein, sie hatte auch eigentlich keine Wahl. Am nächsten Morgen konnte ich zahlen und meinen Ausweis zurückholen. Die Erleichterung war grenzenlos.

El Chalten- Sturm, alte Freunde und der Fitz Roy

Mit dem Bus ging’s weiter nach El Chaltén, nur um dort zwei Tage lang wegen heftigem Sturm nichts tun zu können. Doch dann, Sonnenschein und alte Freunde. Ich traf Pia aus Brasilien und Hannah aus Paraguay, gemeinsam machten wir uns auf den Weg zum berühmten Fitz Roy.

Zehn Stunden wandern, lachen, vloggen und staunen. Die Aussicht war atemberaubend. Wir kamen kaputt, aber glücklich alle heil wieder in unseren Hostels an und trafen uns nach einer warmen Dusche noch auf ein Bier, zur Belohnung. 😉

Tür zu & Frida rettet die Nacht

Zurück in Calafate freute ich mich, nach einer ausgelassenen Nacht mit Frida und Jule, auf eine ruhige Nacht, bis ich um 2 Uhr nachts vor verschlossener Tür stand. Der Vermieter hatte vergessen, mir einen Schlüssel zu geben. Keine Rezeption mehr, niemand erreichbar.

Also 30 Minuten zurück zu Frida, die mich in ihr Hostelbett aufnahm. Wir kuschelten uns zu zweit ins Bett. Wenigstens startete der nächste Morgen mit einem schönen Frühstück und einem endlich erhaltenen Schlüssel.

Ushuaia – Dreck, Tränen & doch ein Zuhause

Dann ging es ans Ende der Welt, nach Ushuaia auf Feuerland. Und ich will nicht dramatisieren, aber das Hostel war ein Alptraum, dreckige Küche, schimmeliger Geruch, schwarze Matratzen, stinkende Toiletten. Ich kam an und brach in Tränen aus. Ich rief meine Familie an, suchte nach Flügen früheren zurück nach Montevideo und nach einer anderen Unterkunft, denn ich würde es dort keine Woche aushalten, aber vergeblich, alles ausgebucht oder nur für Unsummen, ich musste also bleiben.

Doch manchmal ist genau das der Wendepunkt. Der Vermieter, ein herzlicher Mann, bot mir eine Fahrt ins Zentrum an. Ich schrieb in einem Café über meine Gefühle; über Heimweh, Überforderung und das Bedürfnis nach einem sicheren Ort.

Zurück im Hostel traf ich Cami, eine Französin, die in Buenos Aires studierte. Wir verstanden uns auf Anhieb. Als wir im Aufenthaltsraum saßen, kamen drei Langzeitbewohner des Hostels und sagten: „Wir machen Pizza, kommt ihr mitessen?“ Dazu gab’s Fernet-Cola, Billard, und sogar eine Art Wii-Spiel. Die Stimmung war locker, schräg aber herzlich.

Ich verbrachte die gesamte Woche mit Cami. Wir gingen mit Volunteers zum Wasserfall, machten eine Bootstour zur Pinguininsel, standen früh auf, um gratis in den Nationalpark zu kommen (vor 8 Uhr ist der Eintritt frei!), wanderten bis zum „Zug am Ende der Welt“ und als Cami sich das Knie verknackte, trampten wir zurück.

Wir verbrachten die nächsten Tage ruhig, spazierten, entdeckten Ushuaia, sprangen sogar ins eiskalte Wasser, tranken Kaffee, Bier und lachten. Es wurde vertraut, fast familiär. Die Hostelbande grillte für uns, und obwohl ich Vegetarierin bin, wurde extra Gemüse für mich gemacht. So süß.

Der Dreck war zwar immer noch da, aber ich lernte, mich mit kleinen Tricks wohlzufühlen. Und am Ende der Woche war ich, dank Cami & Co, so dankbar, geblieben zu sein.

In Buenos Aires die Seele baumeln lassen 

Zurück in Buenos Aires wohnte ich drei Tage bei Frida. Sie zeigte mir Boca und nahm mich mit in ihr Projekt „La Casona“. Dort arbeitete auch Thea, eine gute Freundin von mir. Ich hatte so viel über das Projekt gehört und durfte nun selbst erleben, wie warm, familiär und besonders es war. Ein wunderschöner Abschluss.

Kurzer Zwischenstopp: Zuhause 

Nach über einem Monat war ich wieder in Montevideo. Frisch geduscht, frisch gewaschen, frisch im eigenen Bett. Ich war heilfroh und gleichzeitig voller neuer Erinnerungen. Ich blieb jedoch nicht mal 24 Stunden, bevor ich schon wieder mit alten Kolleginnen weiterzog und mich im Bus wiederfand.  Wohin? Dahin wo die Sterne am besten sieht. 😉

Indien – das bisher größte Abenteuer meines Lebens

Mein Abenteuer begann nicht erst mit der Landung am Dr. Babasaheb Ambedkar International Airport in Nagpur, im Bundesstaat Maharashtra. Nein, es startete bereits mit dem Betreten des Flugzeugs in Doha. Als einziger Europäer an Bord spürte ich sofort die neugierigen Blicke – eine Erfahrung, die ich so noch nie gemacht hatte. Dieses ungewohnte Interesse an meiner Person ließ mich zunächst unwohl fühlen, doch das Gefühl verflog schnell. Schon während des Flugs lernte ich die außergewöhnliche Herzlichkeit der indischen Gesellschaft kennen. Mein Sitznachbar, Shashank, stellte sich mir vor, und wir kamen rasch ins Gespräch. Er erzählte mir von seiner Arbeit als Softwareentwickler und dass er gerade auf dem Weg sei, seine Familie in der Nähe von Nagpur zu besuchen. Wir tauschten Kontaktdaten aus, und er bot mir seine Hilfe an, falls ich sie jemals benötigen würde. Diese unerwartete Freundlichkeit beeindruckte mich tief – ich war noch nicht einmal auf indischem Boden gelandet, und schon hatte ich eine wunderbare Bekanntschaft gemacht. Meine anfängliche Nervosität wich einem positiven Gefühl. Mein offizielles Willkommen in Indien erlebte ich am 15. August, dem Tag der indischen Unabhängigkeit von der Kolonialmacht Großbritannien. Als Zeichen des Willkommens wurde mir ein traditioneller Schal, der sogenannte „Shawl“, umgehängt. Meine physische Ankunft war also vollzogen – doch psychisch sollte es noch eine Weile dauern, bis ich mich vollständig angekommen fühlte.

Mein offizielles Willkommenheißen in Indien

In den folgenden Tagen lernte ich die Menschen und die Arbeit meiner Organisation, dem India Peace Centre (IPC), sowie der Dachorganisation, dem National Council of Churches in India (NCCI), kennen. Zudem bot sich mir die Gelegenheit, bedeutende religiöse Stätten in Nagpur zu besuchen. Einer der Höhepunkte war der Besuch von Deeksha Bhoomi, einem historischen Ort, an dem Dr. B. R. Ambedkar am 14. Oktober 1956 zusammen mit Millionen von Dalits zum Buddhismus konvertierte. Dieser Akt markierte den Beginn der Dalit-Buddhismus-Bewegung und war ein Protest gegen das Kastensystem. Deeksha Bhoomi ist ein starkes Symbol für soziale Gerechtigkeit und Gleichheit in Indien. Dalits sind jene Menschen, die im indischen Kastensystem die niedrigste Stellung einnehmen und oft die größte Diskriminierung erfahren.

Deeksha Bhoomi

Ende August hatte ich die Möglichkeit, mit dem Church of North India Social Service Institute ein Projekt in einem Slum am Stadtrand von Nagpur zu besuchen. Das Projekt zielte darauf ab, Kindern durch Bildung, Unterstützung und einen sicheren Rückzugsort zu helfen. Die Kinder konnten nach der Schule zu einer Lehrerin nach Hause kommen, um dort ihre Nachmittage zu verbringen, anstatt ihre Zeit auf der Straße zu verbringen. Für mich war dieser Besuch eine zutiefst bewegende Erfahrung. Einerseits war es bedrückend, die schwierigen Lebensumstände der Menschen zu sehen, doch andererseits war es wunderschön, zu erleben, wie den Kindern geholfen wurde und sie einen sicheren Raum erhielten. Besonders faszinierte mich die unglaubliche Herzlichkeit und Menschlichkeit der Menschen im Slum, trotz ihrer materiellen Armut. Eine so ausgeprägte Form der Gastfreundschaft hatte ich selten zuvor erlebt.

Das Klassenzimmer im Slum

So verging der erste Monat in Nagpur wie im Flug, und meine erste berufliche Reise stand bevor – es ging in den Bundesstaat Odisha. Wir planten ein Programm namens „School of Peace“ an der KT Global School. Im Rahmen dieses Projekts wählten wir Schüler und junge Menschen aus der Umgebung aus, um mit ihnen über globale Themen wie die SDGs (Sustainable Development Goals), Umwelt, Klimawandel, Frieden, Feminismus sowie die Bekämpfung von Vorurteilen und Diskriminierung zu reden. Das „School of Peace“-Programm soll viermal in verschiedenen Teilen Indiens stattfinden und es dem IPC ermöglichen, lokale Vertreter zu gewinnen, die dieselben Ziele und Vorstellungen teilen. Am letzten Tag vor der Abreise hatten wir die Gelegenheit, die Hauptstadt des Bundesstaates Odisha, Bhubaneswar, auch bekannt als „Stadt der Tempel“, zu erkunden. Gemeinsam mit zwei anderen französischen Freiwilligen der KT Global School besuchte ich mehrere Tempel und genoss das köstliche Streetfood. Dieser Ausflug in einen anderen Bundesstaat war eines meiner bisherigen Highlights hier in Indien.

Odisha

Wenn ich mich jedoch auf ein Erlebnis festlegen müsste, wären es die Festivals, die mich am meisten beeindruckt haben. Während meiner Zeit hier konnte ich bereits zwei bedeutende Feste erleben. Mir wurde gesagt, dass der August die beste Zeit sei, um nach Indien zu kommen, da in diesem Monat viele Festivals stattfinden. Im September hatte ich das Vergnügen, das „Ganesh Chaturthi“-Festival mitzuerleben. Dieses Fest wird zu Ehren von Ganesha gefeiert, dem Gott, der Hindernisse beseitigt und Glück, Weisheit und Erfolg bringt. Das Fest markiert den Beginn neuer Unternehmungen und Gebete für Wohlstand.  Im Oktober feierte ich dann Navratri, ein Fest, das den Sieg der Göttin Durga über den Dämon Mahishasura symbolisiert. Es steht für den Triumph des Guten über das Böse und wird mit Tänzen, Gebeten und Ritualen begangen. Die Festivals sind für mich eine besonders schöne Zeit, da ich sie mit meinen neu gewonnenen Freunden genießen kann und dabei auch neue Bekanntschaften knüpfen kann.

„Ganesh Chaturthi“ und „Navratri Festival“

Am Anfang habe ich gesagt, dass ich mich nur physisch angekommen fühle, doch langsam fühle ich mich auch mental immer mehr in Indien zuhause. Mit dem Entstehen von Freundschaften und durch meine fortschreitende Anpassung an die indische Kultur fühle ich mich immer wohler. Ich bin gespannt, wohin mich dieses Abenteuer noch führen wird.

Out of my comfort zone

Ich glaube, es ist ganz normal, wenn ich sage, dass es Zeit gebraucht hat richtig anzukommen. Ich wollte so viel, wurde aber von eigener Unsicherheit, Ängsten und Vorurteilen gebremst.
Es hat seine Zeit gebraucht, bis ich das erste Mal alleine spazieren war oder bis der erste Ausflug getätigt wurde. Aber eins ist sehr wichtig, ich war stets immer offen für das, was auf mich zukommen würde.

Heute kann ich inzwischen über meine damaligen Gedanken lachen. Sie halte mir vor Augen, wie stark meine Entwicklung eigentlich ist.
Besonders in den letzten Monaten habe ich noch einmal einen großen Schwung gemacht.
Dinge die ich niemals für möglich gehalten habe, mache ich ohne große Zweifel und bin unendlich stolz auf mich selbst.
Alleine unterwegs sein und die öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen sind kein Problem mehr und ich genieße es teilweise sogar.
Inzwischen habe ich auch einige Treffen mit Freunden hinter mir, alleine… Klingt erst mal unspektakuläre, bedeutet mir aber doch schon einiges. Englisch zu sprechen, war für mich immer mit Unsicherheit und Angst verbunden. Inzwischen fühle ich mich dabei so sicher, dass ich nicht mehr darüber nachdenke und treffen sehr doll genieße.


Und da gäbe es noch eine Sache, von der ich euch gerne näher berichten möchte.
Ich habe den Schritt aus meiner Komfort Zone gewagt und war alleine reisen (auch wenn es nur ein Wochenende war).
Lasst mich euch auf diese Reise mitnehmen…

Auf dem Weg, im Stau.

Ich habe mich an einem Samstagnachmittag auf dem Weg gemacht. Mein ursprünglicher Plan war es um 18 Uhr in Salama (einem kleinen Dorf) anzukommen. Der Weg zur Matatu Station (Kleinbusse hier in Kenia) war aber schon ein kleines Abenteuer. Ich war froh, dass sich jemand bereit erklärt hatte, mich dorthin zu begleiten. Ich weiß nicht wie lange es gebraucht hätte, bis ich den Ort alleine gefunden hätte. Schließlich bin ich aber sicher angekommen. Die Matatus (Kleinbusse) warten aber meistens mit dem Losfahren, bis sie komplett voll sind. Also saß ich in dem Bus schließlich eine Stunde, bis wir losgefahren sind und unterhielt mich in der Zeit mit einigen Menschen, die mir unter anderem unterschiedlichste Dinge verkaufen wollten (Ich finde es immer wieder beeindruckend, welche Dinge man schnell auf der Straße kaufen kann). Nahezu alle waren überrascht, als ich berichtete, dass ich nach Salama reisen möchte. Dieser Ort ist sehr ungewöhnlich für “Touristen” und ich wurde mehrfach darüber ausgefragt, was ich dort machen möchte. Auch der Fahrer fragte mich beim Aussteigen mehrfach, ob ich hier wirklich richtig bin.
Aber ja, das war ich.


Mein Plan in Salama war es dort einen Freund zu besuchen, der dort Pastor einer Kirchengemeinde ist.
Ich kam statt um 18 Uhr, erst um 21 Uhr an und es tat mir unendlich leid, dass mein Freund dort so lange auf mich gewartet hat.
Denn in Salama war noch nicht Schluss. Wir zogen mit dem Motorrad weiter aufs Dorf, um schließlich in seiner Kirchengemeinde anzukommen. Es war wirklich magisch im dunklen, unterm klaren Sternhimmel mit dem Motorrad zu fahren.

Ich wurde direkt sehr herzlich begrüßt. Mein Freund (der Pastor) hatte seiner Gemeinde bereits Bescheid gegeben, dass ich komme, alle waren sehr aufgeregt und freuten sich.
An seinem Zuhause wurde ich direkt von einigen Kirchenmitgliedern begrüßt und wir saßen noch einige Zeit zusammen.
Dadurch, dass das Dorf auf einem Hügel liegt, war es sehr sehr kalt und wir tranken ein Tee nach dem anderen und wärmten uns am Feuer.
Am nächsten Morgen stand der Gottesdienst vor der Tür, den ich mir definitiv nicht entgehen lassen wollte. Vom Gottesdienst habe ich leider nicht viel verstanden, aber trotzdem hat er mich extrem berührt. Es wurde sehr viel getanzt und gesungen. Die Gemeinde erzählt mir auch stolz, dass sie erst kürzlich selbst geschriebene Lieder professionell aufnehmen lassen haben. Schließlich war es dann auch meine Zeit und ich wurde aufgefordert zu tanzen. Selten habe ich so viel Sorgenfreiheit und Freude gespürt wie in diesem Moment.
Ich habe mich so willkommen gefühlt und es hat mich sehr berührt, als mir Menschen erzählten, dass sie am Morgen 20 km gelaufen sind, um mich zu sehen.

Nach dem Gottesdienst baten mich zwei Gruppen noch um ein Gespräch. Zum einen die Jugendlichen, die mich viel über den christlichen Glauben und den Schulen in Deutschland ausfragten. (Kleiner Funfact am Rande, für die meisten Kinder und Jugendliche war ich die erste weiße Person, die sie jemals gesehen haben.) Zum anderen suchten auch die Frauen der Gemeinde das Gespräch und stellten Fragen zum Thema „Rolle der Frau“ in Deutschland.
Auch ich habe die Gespräche sehr genossen und eine Aufgabe habe ich an die Hand bekommen, ich soll ganz liebe Grüße von der Kirchengemeinde Muthitha nach Deutschland ausrichten (Ich würde sagen, dass ich meine Aufgabe somit erfüllt habe.)

Grundschule des Dorfes

Nach dem Gottesdienst wurde ich noch bei einer Familie eingeladen, dessen Kind im PLCC (dort wo ich wohne und arbeite) lebt. Mich hat es sehr gefreut, die Familie kennenlernen zu dürfen und gleichzeitig hat es mich berührt die „ehemaligen“ Lebensumstände des Mädchens kennenzulernen. Nach diesem Gespräch wurde ich noch bei dem Gemeindeältesten zum Tee eingeladen. Ich weiß wirklich nicht wie viele Tassen Tee ich an diesem Wochenende getrunken habe, aber es tat sehr gut durch die Kälte.
Nachdem mich gefühlt jeder versucht hat zu überreden noch eine weitere Nacht zu bleiben, musst ich mich schweren Herzens verabschieden. Und dann startet die abenteuerliche Fahrt im Matatu zurück nach Nairobi.
Ich habe über das gesamte Wochenende wirklich jede Sekunde genossen und bin noch immer sehr gerührt. Es war definitiv eines der schönsten Wochenenden, die ich je hatte.

Ich hoffe, ich konnte euch einen authentischen Einblick bieten. Und ich kann nur sagen „Out of my comfort zone“ ist hier zu einem neuen Lebensmotto geworden, was ich auch definitiv beibehalten möchte. Ich wachse ständig an mir selbst und bin unendlich dankbar.

Eure Lena

Chengdu – Zwischen Pandas und Hot Pot

Reisetagebuch

Eintrag 1

Chengdu – Zwischen Pandas und Hot Pot

Es ist so weit, dass erste Mal verreisen, in China. Ein verlängertes Wochenende haben wir Zeit. Ziel: Die Provinz Sichuan. Sichuan ist auch außerhalb Chinas sehr bekannt, aufgrund der berühmten Sichuan Sauce. Sichuan grenzt im Norden, an die Provinz Gansu, in welcher ich lebe. Von Hui Xian, meinem Standort aus, ist es bis zu Grenze von Sichuan nicht weit.

Genaues Ziel in Sichuan ist die Provinzhauptstadt Chengdu. Chengdu hat in etwa 11,4 Millionen Einwohner, was für chinesische Verhältnisse zwar nicht mehr wenig ist, aber auch lange noch nicht viel.

Und so geht es für mich und Konstantin los zum Hui County Bahnhof, dem Bahnhof unserer Region. Eine halbe Stunde Busfahrt durch wunderschöne Berglandschaft, über sehr steile und wendige Straßen, durch Täler und Wälder. Dort angekommen müssen wir erstmal Tickets lösen. In China werden dir deine Tickets nicht online zugeschickt, sondern nur eine Nummer, mit der du dann zum Schalter gehst und gegen Vorlage deines Passes deine Tickets bekommst. Dann einen Eingang weiter, in den Bahnhof, Ticket- und Passkontrolle, das Reisegepäck wird durchleuchtet und wenn man denn nichts dabei hat, was man lieber nicht dabei haben sollte, darf man in die Wartehalle. Dadurch, dass der Bahnhof von Hui County, nicht sonderlich groß ist, kommt immer nur ein Zug zur Zeit. Unser Zug wird aufgerufen und beinahe die ganze Wartehalle setzt sich mit uns in Bewegung. Wieder Ticketkontrolle, dann müssen sich die Reisenden in zwei Schlangen aufstellen, eine für die die Schlafabteile gebucht haben und eine für die die normalen Sitzplätze auf ihrem Tickets stehen haben. Wir stehen an der Schlange für die normalen Sitzplätze an, denn bis Chengdu, sind es „nur“ neun Stunden, was für chinesische Verhältnisse eine angenehme Zeitspanne ist. Eine Schaffnerin nimmt uns mit zu dem Abschnitt des Bahnsteiges, wo unsere Wagons halten werden. Der Zug fährt ein, alle steigen ein, doch vorher, wieder Ticketkontrolle, es hätte ja sein können, dass sich doch jemand durchgemogelt hat. Wir nehmen unsere Plätze am Fenster ein und haben es uns gerade bequem gemacht und fangen an Karten zu spielen, da kommt ein Schaffner vorbei. Wieder Ticketkontrolle. Mittlerweile Nummer vier. So geht es neun Stunden durch Berge, an Flüssen vorbei und die Sonne scheint. Man vertreibt sich die Zeit mit Karten spielen, Musik hören, Filme gucken und Instant-Nudelsuppen.

Und dann ist es soweit, endlich angekommen. Raus aus dem Zug, zum Ausgang und wer hätte es gedacht, wieder Ticketkontrolle. Insgesamt fünf Kontrollen, für eine Fahrt. (Wenn es irgendjemand schafft in China schwarz zu fahren, dass wäre was fürs Guinnesbuch der Rekorde) Mittlerweile ist es schon 20:00 und dunkel. Menschenmassen, strömen aus dem Bahnhof und wir müssen uns erstmal zurechtfinden. Nach einiger Zeit haben wir dann endlich den Taxistand gefunden. Ein Taxifahrer läuft uns schon aufgeregt entgegen und zeigt auf sein Taxi. Ich halte ihm die Adresse des Jugendhostels hin, welches wir gebucht haben. Er stutzt, holt sein Handy raus und sucht wild, nach der Adresse, welche ich ihm gezeigt habe. Nun ruft er ein paar Kollegen zur Hilfe und letztendlich suchen sage und schreibe fünf Taxifahrer zusammen, nach einer Adresse. Nach etwa fünf Minuten scheint unser Taxifahrer zu wissen wo es hingeht. Wirklich sicher scheint er sich aber nicht zu sein. Na das kann ja was werden. Nach 15 bis 20 Minuten Fahrt scheinen wir da zu sein. Wir wollen bezahlen und der Taxifahrer verlangt 100 RMB. Was umgerechnet zwar in etwa nur zwölf Euro sind, was für Deutsche Verhältnisse, sehr günstig ist, aber nicht für Chinesische. 40 müssten wir eigentlich zahlen, wir handeln den Preis auf 80 herunter und steigen etwas frustriert aus.

Nun geht es auf die Suche nach dem Hostel. Vor uns steht ein relativ hohes Haus und davor eine Pforte, mit Pförtner. Das sieht schon mal gar nicht so schlecht aus. Wir fragen ihn ob er uns reinlässt, was er dann auch tut. Nun suchen wir nach einem Eingang, laufen um das Haus herum und finden nichts anderes als einen Friseur und einen kleinen Eingang, der ins Haus führt und tatsächlich an einer Rezeption endet. Der Nachtwächter an der Rezeption weiß allerdings weder etwas mit uns anzufangen, noch mit dem Namen des Hostels, welchen ich ihm zeige. Wir stehen etwas verwirrt da, bis eine Gruppe Jugendlicher aus dem Fahrstuhl steigt und ich ihnen mein Handy hinhalte. Das einzige was wir verstehen, sind die Nummern sieben, null und zwei. Nun denn, wir fahren in den siebten Stock und suchen nach Zimmer 702. Und tatsächlich da ist es, aber es stellt sich heraus, dass Zimmer 702 kein Zimmer, sondern eine Wohnung ist, welche als Jugendhostel fungiert. Wir setzen uns ins Wohnzimmer und ein Gast hält uns eine Übersetzter-App hin, welche uns sagt etwas zu warten. Nach zehn Minuten betritt eine junge Dame die Wohnung und heißt uns in halbwegs gutem Englisch Willkommen. Sie zeigt uns unsere Betten, wir teilen uns einen Raum mit zwei anderen Männern und einem Jungen in unserem Alter. Es ist mittlerweile schon gegen 22:00 und wir haben Hunger. Wir machen uns auf um etwas Essbares zu finden, doch die meisten Läden haben bereits geschlossen und letztendlich teilen wir uns einen Teller Dumplings und essen jeder einen Wrap, für viel zu viel Geld für unseren Geschmack. Was darin endet, dass wir beide völlig bedient ins Hostel zurückgehen und uns schlafen legen.

Am nächsten Morgen heißt es früh aufstehen für uns. Wir wollen zu dem Ort, wegen welchem wir hergekommen sind. Die Giant Panda Breeding Base. Ein großer Park, wo Pandas leben und großgezogen werden. Pandas sehen, live und in Farbe. Nach einem schnellen Frühstück nehmen wir uns ein Taxi und fahren 20 Minuten, bis wir da sind.

Der Eingang, vor dem sich viele Menschen tümmeln, erinnert an einen großen Panda, durch den wir zehn Minuten später schreiten. Um uns nur Menschenmassen und Bambus, soweit das Auge blickt. Das Erste, was wir uns angucken, ist eine Ausstellung über die wissenschaftliche Arbeit, welche hier betrieben wird. Pandas sind vom Aussterben bedroht und hier wird daran gearbeitet, sie wieder in ihren natürlichen Lebensraum zurückzubringen.

Auf dem Weg zu den Pandagehegen, wird uns dann klar, wie sehr wir uns schon an das chinesische Umfeld gewöhnt haben, denn nach all der Zeit wieder Europäer zu sehen, die es hier zu Hauf gibt, fühlt sich doch etwas komisch an. Schon von Weitem können eine Traube von Menschen sehen, was nur eines bedeuten kann: Pandas. Und dann können wir sie sehen, ziemlich groß, mollig und einfach nur zum Knuddeln. Pandas sind wirklich zu süß. Einige am Schlafen, andere am Essen und wieder andere Hängen einfach nur rum. Ganz entspannt, so als wären die ganzen Menschen, alle mit gezückten Handys und Kameras gar nicht da.

Nach etwa einer Stunde, fängt es erst leicht an zu regnen, dass wird sich gleich wieder legen denken wir. Etwas später wird der Regen stärker, bis er in einem Wolkenbruch endet, wie ich ihn lange nicht mehr erlebt habe. Erst überlegen wir uns in ein Kaffee zu setzen, aber die Preise sind selbst für deutsche Verhältnisse nicht mehr tragbar. Also geht’s Richtung Ausgang, da sind wir natürlich nicht die Einzigen. Draußen warten schon alle aufgereiht an der Straße auf Taxis. Dies machen sich Taxifahrer natürlich zur Nutze und treiben die Preise in die Höhe, hier wird nicht mehr nach Kilometern bezahlt, sondern pauschal. Doch nicht nur Taxifahrer, sondern auch Privatpersonen, bieten Fahrten an, so auch uns, doch auch wenn es in strömen regnet, lehnen wir ein Angebot, das sich auf 25 Euro belaufen hätte dankend ab. Mittlerweile haben sich schon so hohe Pfützen gebildet, dass Leute ihre Schuhe ausziehen und barfuß durch die Wassermassen laufen, richtige Weltuntergangsstimmung. Wir warten und warten und nach etwa zwanzig Minuten finden wir ein Taxi, dass uns für einen noch akzeptablen Preis zurück ins Hostel fährt.

Dort angekommen sofort unter die Dusche und anschließend heißt es Kleidung und Schuhe trockenföhnen. Nachdem uns wieder warm ist und unsere Kleidung trocken, geht es auf um Chengdu zu erkunden. Tianfu Square und Sunken Plaza sind unsere ersten Ziele. Ein großer Square mit einer Art Einkaufszentrum darunter, wo es doch einige interessante Geschäfte gibt, vor allem das Essen duftet verlockend. Nach einer Stärkung geht es weiter durch Parks, vorbei an eindrucksvollen Gebäuden. Nicht nur traditionelle Architektur gibt es hier zu sehen, sondern auch moderne, welche besondere Formen aufweist oder Wolkenkratzer, aus Glas und Stahl, die an ihrer Fassade eine unglaubliche Lichtshow präsentieren, wie wir abends bemerken. Gerade abends hat Chengdu einen ganz eigenen Flair. Viele, gerade junge Menschen, sind auf der Straße und Schaufenster und Neonleuchtreklamen versuchen sich gegenseitig zu übertrumpfen.

 Ein weiterer Grund, für den wir nach Chengdu gekommen sind, ist Hot Pot.

Hot Pot ist im Norden Chinas und gerade in Sichuan sehr beliebt. Wie der Name schon sagt, ist Hot Pot ein heißer Pott. Gefüllt mit einer Art Suppe, die man aus verschiedenen Geschmacksrichtungen wählen kann. Meist sehr scharf. Diese Suppe wird zum Brodeln gebracht, woraufhin man anfängt verschiedenes Essen hineinzuschmeißen, verschiedenes Fleisch (und was Tiere noch so zu bieten haben), Pilze, Gemüse, Fisch usw. Vorher hat sich jeder eine Art Sauce selber zusammengestellt, mit Knoblauch, Erdnüssen, verschiedenen Ölen und vielem mehr. In diese Sauce tunkt man dann das Essen, welches man mit besonders langen Stäbchen aus dem Hot Pot holt. Ich kann versprechen, beim Hot Pot ist wirklich für jeden was dabei.

Nachdem wir ein Restaurant gefunden haben stehen wir vor einer neuen Herausforderung, denn wirklich viel können wir auf der Speisekarte nicht lesen. Es dauert eine ganze Weile, bis wir, dank einer Kellnerin und einer Übersetzer-App unsere Bestellung aufgeben können, doch letztendlich fallen wir nach unserem Hot Pot Dinner und einem erlebnisreichen Tag satt und glücklich ins Bett.

Am folgenden Morgen machen wir uns auf den Weg zu einer Mooncake-Expo. Für alle die Mooncakes nicht kennen, Mooncakes, oder Mondkuchen, sind in China traditionelles Gebäck, welches zur Zeit des Nationalfeiertags gegessen wird. Sie sind rund, verschieden verziert und gefüllt, anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, halt gar nicht so wie deutsches Gebäck, doch nach einem oder zwei schmecken sie immer besser. Und so stehen wir eine Stunde später in einer riesigen Messehalle, voll mit Ständen, die verschiedenste Mooncakes verkaufen. Doch nicht nur Mooncakes, auch Honig, Tee und vieles mehr. Nachdem wir uns erfolgreich durchprobiert haben, geht es zurück ins Zentrum Chengdus. Mit einem Spaziergang lassen wir auch diesen Tag ausklingen und fallen fertig ins Bett. Ein schöner letzter Abend.