Die ersten Tage in Paraná

Am Freitag wurden Emil und ich morgens um halb 8 abgeholt und es ging los zum Busbahnhof von Buenos Aires. Nach einer kurzen Wartezeit und dem Abgeben unser viel zu vielen Koffer haben wir erstmal den Schlaf nachgeholt und kamen dann nachmittags um 5 Uhr in unserer neuen Heimat an. Hier wurden wir von unserer tollen Mentorin Mónica empfangen, mit der wir dann gemeinsam zu unserem Apartment und gleichzeitig unserer Einsatzstelle (direkt unter uns) gefahren sind. Dort haben wir zu zweit eine schöne Wohnung, die aus einem Wohnzimmer mit Küchenzeile, einem eigenen Bad und einem geteilten Schlafzimmer besteht.

Am Abend ging es dann nach einer kurzen Verschnaufpause und Frischmachen zu einem Treffen der „Jóvenes Paraná“, der Jugendgruppe der Kirche vor Ort. Hier haben wir uns mit anderen Student*innen und dem Pastor nett unterhalten und ein neues Kartenspiel kennengelernt: Chinchón de 4 cartas. Jede*r startet mit 4 Karten. Alle geben gleichzeitig eine Karte nach rechts und bekommen eine von links, dabei wird „¡Che va!“ gerufen. Ziel ist es, 4 gleiche Karten zu sammeln. Wer das schafft, ruft ein vereinbartes Signalwort und legt die Hand in die Mitte. Alle anderen legen nach, der letzte verliert. Durch die Schnelligkeit ist es ein spannendes und lustiges Spiel, bei dem auch Glück eine Rolle spielt.

Dabei haben wir Mate getrunken – für die, die sich jetzt fragen, was Mate überhaupt ist, hier eine kurze Erklärung: 

Mate ist ein Aufgussgetränk aus den Blättern der Stechpalme Ilex paraguariensis, das Yerba Mate heißt. Dafür braucht man drei Dinge. Den mate, also den Becher sowie die bombilla, ein Metallrohr mit einem Sieb am unteren Ende, das als Strohhalm dient. Und schließlich die yerba mate, die getrockneten und geschnittenen Blätter, aus denen der Aufguss bereitet wird. Es ist aber nicht nur ein Getränk, sondern ein Ritual: Mate wird meistens gemeinsam getrunken. Eine Person, der Cebador, bereitet den Mate zu und reicht ihn reihum. Jeder trinkt den Mate aus, gibt ihn zurück, und der Cebador füllt neu auf. Es gibt nur einen Becher und eine Bombilla für alle, das Teilen gehört fest dazu. Wenn man Danke sagt, bedeutet das dass man nichts mehr möchte. In Argentinien gibt es dabei je nach Region und Kontext Unterschiede, wie genau Mate zubereitet oder getrunken wird.

Dazu gab es Empanadas, Pizza und als Nachtisch verschiedene Eissorten. Auch hier gab es wieder die Sorte „Dulce de Leche“, eine süße Milchkaramell-Creme. Die hatten wir schon als Brotaufstrich in Buenos Aires und wird auch für Alfajores verwendet, die ich zufälligerweise gerade beim Schreiben neben mir liegen habe. Danach haben wir noch bis nachts unsere Sachen weiter einsortiert und soweit es ging die Wohnung eingerichtet, auch wenn Dekorationen und Pflanzen noch fehlen. 

Alfajores

Am Samstag haben wir erstmal lange ausgeschlafen und haben danach mit Sol und Cami unseren ersten Einkauf gemacht. Wir haben in der Nähe einen Supermarkt der üblichen Größe, aber auch einen sehr großen Markt, der von unseren Mitbewohner*innen mit einem Walmart in den USA verglichen wurde. Wir sind zu dem größeren “Chango Mâs” gegangen und haben erstmal alles gekauft, was wir die nächsten Tage brauchen – unsere neuen Freund*innen waren dabei eine große Hilfe, um nicht unnötig Geld auszugeben und um zu wissen, was wo gekauft wird. Fleisch, Käse, Obst und Gemüse werden in extra Läden gekauft, da es dort günstiger ist. Die Fleischerei war leider zu, aber an Obst und Gemüse haben wir fast genug für den gesamten nächsten Monat gekauft. Yerba für Mate haben wir schon gekauft, jetzt fehlt uns noch ein Mate Becher mit bombilla und eine Thermoskanne. 

Nach dem Einkaufen saßen wir noch etwas mit Sol und Cami zusammen, bis wir mit dem Abendessen bzw. eigentlich unserem Mittagessen angefangen haben. Wir haben uns für Burger, mit Bratkartoffeln und Salat entschieden. Und ohne hier zu viel Selbstlob zu vergeben, muss ich sagen, dass es echt gut geworden ist. 

Am nächsten Tag waren wir bei unserer Mentorin Mónica mit ihrer Familie zum Grillen eingeladen. Als Vorspeise gab es kleine Häppchen in Form von Chips, Käse, Salami und Schinkenscheiben. Danach gab es Ofenkartoffeln, verschiedenes Gemüse und vor allem Fleisch & gegrillten Kürbis mit Zucker. Nicht nur war das Essen sehr reichhaltig und vor allem sehr lecker, sondern auch die Gespräche mit der Familie waren sehr schön und interessant, auch wenn unser Spanisch (nett ausgedrückt) noch viel Potenzial nach oben hat. Mónica und Thiago sprechen etwas Deutsch und Thiago konnte uns mit seinem Englisch sehr gut unterstützen. Zur Familie gehört auch 2-Pac, eine süße Bulldogge, die konstant gestreichelt werden möchte.

Als Nachtisch gab es noch Eis, danach sind wir mit Thiago (den wir schon Freitag Abend kennengelernt haben) und seiner Freundin Marti zu dem, laut ihm, schönsten Park “Parque Urquiza” gefahren. Und ich muss sagen, sie hatten recht! Der Park war riesig und direkt am Fluss gelegen, überall waren Palmen und blühende Lapacho rosado, die mich etwas an blühende Kirschbäume erinnert haben. Es war mega schön, auch wenn es echt heiß war – ich will nicht wissen, wie es sich im Sommer anfühlen wird. Ansonsten haben wir noch ein paar Aufgaben erledigt: Wäsche waschen, Aufräumen und neuen Content für unseren Instagram-Account kreiert. 

Am Montag hatten wir unseren ersten Arbeitstag im Kindergarten. Der Kindergarten Caminito („Ein Weg für die Kleinen“) wird von der örtlichen Kirche getragen und setzt sich seit mehreren Jahrzehnten für Kinderrechte und Gesundheitsförderung ein. Die Kinder erhalten hier Betreuung, Frühstück und Mittagessen. Es war schön, endlich die Einsatzstelle kennenzulernen und unsere erste Woche hat uns sehr gut gefallen. Sobald wir ein paar Wochen dort verbracht haben, wird zu unserer Arbeit und dem Projekt auch ein ausführlicher Blog-Beitrag kommen.

Insgesamt bin ich hier sehr glücklich (glaube das lässt sich ganz gut an der Anzahl von “sehr” in diesem Text heraushören) und wir haben direkt viele neue, tolle Menschen kennengelernt und unsere ersten Freundschaften geschlossen.

Gedankenwirrwarr und was sonst noch so ansteht…

Hey, hey, 10 Monate sind rum und damit ist das hier einfach der letzte Blog, den ich aus dem Ausland schreibe – verrückt, wie unfassbar schnell doch die Zeit vorbeigeht. Ich habe das Gefühl mittlerweile kann man echt langsam die Wochen zählen, viel ist schon vollgeplant und es entsteht schon eine ganz komische Gefühlsmischung aus Endlich-nach-Hause und Ich-will-gar-nicht-von-hier-weg. Alles Gedanken, die mich gerade irgendwie nicht loslassen… Ich denke die letzten anderthalb Monate werden eine emotionale und auf jeden Fall wunderschöne Zeit. Noch einmal alles aufsaugen, bevor man es dann erstmal für ganz lange nicht mehr so hat oder vielleicht auch nie wieder so haben wird:

Kinderlachen, Straßenlärm, Gespräche mit den Nachbarn im Flur, Papageienkrächzen, Spielerunden mit Freunden, Mate trinken und mit Keksen im Park sitzen, beim Volleyball in der Halle stehen, der tägliche Klang von Spanisch – all die Gerüche, die man täglich einatmet; die Geräusche, die man tägliche hört; die vielen Dinge, die man täglich aufs Neue sieht und die vielen Erlebnisse und Begegnungen, die einen den Alltag schöner machen.

All das und noch viel mehr wird fehlen, sobald ich gehe und es wird erstmal wieder eine Umstellung kommen. Man hat sich über ein Jahr ein Leben in einem anderen Land mit einer anderen Sprache, anderen Menschen und einer anderen Kultur aufgebaut und kommt dann auf einmal wieder zurück.

Aber ganz so weit will ich dann jetzt doch noch nicht denken. Denn mir bleibt hier ja schon noch ein wenig Zeit und die möchte ich auf jeden Fall gut nutzen und das werde ich bestimmt auch, denn es steht noch viel Tolles an:

Nächste Woche geht es nämlich schon nach Buenos Aires. Vom 24.-27.06. findet unser Endseminar statt! Und da am Freitag zuvor schon Feiertag ist, ist das eine super Gelegenheit, um nochmal ein verlängertes Wochenende in der Hauptstadt zu verbringen. In der Zeit sind dann auch schon die meisten andere Freiwillige da mit denen viel gelacht, gequatscht und erlebt wird, bevor es dann auf zum eigentlichen Seminar geht.

Auch auf die Seminartage freue ich mich schon sehr, denn was ich vor dem Auslandsjahr ein bisschen unterschätzt hatte, ist doch, wie sehr mir persönlich die Seminare helfen. Es ist Zeit, um mal kurz aus dem Alltag rauszukommen, um Freunde wiederzusehen, um ganz viel über sich selbst, seine Rolle, seine Art hier zu leben nachzudenken und zu lernen. Und es bietet auch direkt ganz viele Möglichkeiten zum Austausch. Denn man kann noch so viel Kontakt mit Familie und Freunden in Deutschland haben und denen noch so viel erzählen über sein Leben, seine Erfolge und seine Probleme hier – am Ende verstehen einen immer noch am besten die Mitfreiwilligen, die in der gleichen Situation sind, die oft auch die gleichen Gedanken und Probleme haben und wo man sich gegenseitig helfen und stützen kann. Und mit denen man sich umso mehr über schöne Erlebnisse, Erfahrungen und Erfolge freut. Dementsprechend denke ich, dass das Seminar wieder einmal wunderschön werden wird und wahrscheinlich, wie immer, viel zu schnell vorbeigehen wird.

Das Wochenende danach verbringe ich auch noch in Buenos Aires mit vielen Mitfreiwilligen und es wird schon ein erster Abschied werden. Denn da die Freiwilligen der IERP (Iglesia Evangélica del Río de la Plata – meiner Partnerorganisation) von mehreren deutschen Organisationen kommen und auch alle deutschen Organisationen ihre eigenen Rückflugdaten Ende Juli/Anfang August haben, wird es tatsächlich so sein, dass man einige der Freiwilligen zum letzten Mal sieht. Irgendwie komisch, wenn man darüber nachdenkt, dass einen diese Menschen schon seit 10 Monaten im Ausland begleiten und jetzt nach dem Jahr wieder alle ihre eigenen Wege gehen. Aber natürlich heißt das alles nicht, dass man sich in Deutschland nicht wiedersehen kann und vor allem die Freundschaften, die man hier innerhalb der Gruppe geschlossen hat, werden bestimmt noch weiterbestehen.

Nach dem Seminar geht dann wirklich der Countdown langsam los, denn meine letzten 4 Wochen in Paraná stehen an. Am ersten Juliwochenende wird es nochmal auf ein Campamento, also ein Zeltlager der Jugendlichen der IERP in meiner Provinz (Entre Ríos) gehen, wo meine Mitfreiwillige und ich zusammen hinfahren werden. Unsere Nachbarn kommen auch mit und dadurch, dass wir im September, kurz nach unserer Ankunft, auch schon mal auf einem Campamento dort waren, kennen wir schon einige Leute und es ist schön, alle noch einmal wiederzusehen und eine weitere Fahrtenerfahrung zu machen. Jetzt vielleicht auch mit ein bisschen mehr Verständnis, besseren Sprachkenntnissen und nochmal einem neuen Blick auf einige Dinge.

Das Wochenende darauf bekommen wir nochmal Besuch. Mia, eine Mitfreiwillige aus Buenos Aires wird vorbeikommen und ich freue mich schon sehr darauf ihr Paraná zu zeigen und nochmal Zeit zusammen zu genießen. Bereits letztes Wochenende hatten wir schon Besuch von drei Mitfreiwilligen aus Buenos Aires und es war unfassbar schön. Wir konnten die schönsten Ecke von Paraná zeigen, zusammen zum Volleyball gehen und mit Freunden Billard spielen. Wir haben das Wochenende also in vollen Zügen genossen und konnten unsere Mitfreiwilligen auch von der Schönheit Paranás überzeugen, obwohl sie das vielleicht anfangs gar nicht so erwartet hatten.

Abgesehen davon haben die Universitäten hier im Juli vorlesungsfreie Zeit, was bedeutet, dass die Freunde, die studieren, dann mehr Freizeit haben und endlich mit ihrer gerade sehr anstrengenden Klausurenphase durch sind. Also viel Zeit für viele Aktivitäten!

Der Juli ist noch lang und der Juli hat noch viel Platz, um Dinge zu erleben – so sehe ich es zumindest. Noch einmal ins Lieblingscafé gehen, auf einen Markt gehen, einen Sonnenuntergang an der Flusspromenade genießen, Empanadas und Torta fritas machen, ein Volleyballspiel angucken, einen Glühwein mit den Leuten vom Deutschkurs trinken, eine Runde Fahrrad zum Hippodrom fahren, Mate nochmal so richtig genießen, Quatsch mit den Kindergartenkindern machen, den Babys in der Kita beim Laufen lernen zusehen und noch viel mehr.

Und dann auch am Ende anfangen Koffer zu packen, das Leben was man sich hier für ein Jahr aufgebaut hat, irgendwie versuchen „einzupacken“, Abschied nehmen und die letzten Tage genießen, bevor es am 28. Juli raus aus Paraná geht, um nach Buenos Aires zu fahren, wo meine Mitfreiwillige am 29.07. schon nach Hause fliegt. Für mich geht es dann am 04.08. in den Flieger zurück nach Hause, was auch gleichzeitig heißt mein anderes Zuhause zu verlassen… denn das ist Argentinien auf jeden Fall für mich in diesem Jahr geworden.

Bis dahin, wird die letzte Zeit aber nochmal umso mehr genossen und es werden noch ein paar mehr Erinnerungen für die Ewigkeit geschaffen, die sich dann zu all den schon hier entstanden wundervollen Erinnerungen dazugesellen können! <3

P.S.: Damit der Blog nicht so ganz ohne Fotos bleibt, hier noch ein paar Impressionen aus den letzten zwei Monaten:)

Neues aus Paraná

Hey, hey, jetzt ist es wirklich schon lange her seit meinem letzten Blog und es wird mal wieder Zeit euch auf den neusten Stand zu bringen, denn in den letzten Wochen und Monaten ist echt viel passiert. Was ich auf jeden Fall schon mal von vornerein sagen kann, ist, dass ich in letzter Zeit irgendwie nochmal mehr hier angekommen bin, meine Zeit hier total genossen habe, viel mit Freunden gemacht habe und es mir jetzt schon schwerfällt daran zu denken, dass ich mich in 3 Monaten von alldem hier wieder verabschieden muss… Aber erstmal zu alldem, was in letzter Zeit hier so los war:

Was meine Arbeit im Kindergarten betrifft, hat sich ein wenig was geändert. Einige Wochen nach unserem Zwischenseminar kam unser Referent (von meiner Partnerorganisation, der IERP) uns und unsere Einsatzstelle besuchen und da wir schon vorher einige Probleme hatten, wurde über mögliche Lösungen oder Alternativen gesprochen. Erst stand die Idee im Raum, dass wir auch noch zusätzlich in ein anderes Projekt gehen und dann quasi immer in Wechselwochen arbeiten, aber letztendlich hat sich das doch als zu kompliziert rausgestellt und wir haben entschieden in unserem Projekt zu bleiben. Jetzt wo auch mehr Babys da sind, ist auch automatisch mehr zu tun, da sie mehr Aufmerksamkeit benötigen und für Zeiten, in denen dann doch nichts los ist, kriegen wir teilweise zusätzliche Aufgaben oder haben halt einfach mal eine Pause. Heißt nicht alles im Projekt ist unbedingt besser geworden, aber es wurde sich auf jeden Fall drum bemüht und uns wurde ein besseres Gefühl gegeben für die letzten Monate in denen wir hier noch arbeiten. In zwei Wochen geht jetzt auch eine der Erzieherinnen in Rente und die Stelle wird erstmal nicht neu besetzt, deswegen wird das dann bestimmt auch nochmal mehr Arbeitsaufwand, aber wir werden sehen…

Zusätzlich zur Arbeit im Kindergarten sind meine Mitfreiwillige und ich jetzt auch noch jeden zweiten Samstag bei der Bibelschule in der, direkt am Kindergarten angrenzenden, Kirche der IERP dabei, wo wir einfach ein bisschen mithelfen, mit den Kindern spielen oder uns mit den Eltern unterhalten können.

Auch etwas Neues, was die Kirche hier angeht, ist dass nun alle zwei Wochen ein Angebot für die Jugend der IERP in Paraná angeboten wird. Die Gemeinde hier hat kürzlich einen neuen Pfarrer bekommen und er hat die Jugendtreffen wieder eingeführt. Wir sind zwar nicht viele Jugendliche hier, aber es ist immer total nett!  Wir gehen zusammen mit unseren Nachbarn hin, quatschen dann dort ganz viel, spielen Spiele oder kochen auch – So haben Lina und ich uns auch direkt an typisch argentinischen Empanadas probiert; sehr lecker:)

Auch unabhängig davon ist meine Freizeit echt immer ziemlich gut gefüllt. Wir haben vor einigen Monaten über eine zufällige Begegnung mit einer Deutschlehrerin Kontakt zu weiteren Deutschlehrerinnen hier in Paraná und den Schüler*innen aus ihren Kursen bekommen und hatten auch schon einige Treffen mit den ganzen Kursen, gehen jetzt freitags immer den einen B1+ Kurs besuchen und es haben sich auch privat dadurch gute Freundschaften entwickelt, mit denen man mal in eine Bar geht, sich auf einen Filmeabend trifft oder typisch argentinisch Mate im Park trinkt. Es ist supercool zu sehen, wie Leute von hier sich auch für die deutsche Sprache und das Leben in Deutschland interessieren und vor allem auch dieses Verständnis haben, wie schwer es eigentlich ist eine neue Sprache zu lernen. Da fühlt man sich oft einfach echt gut verstanden! Man kann sich echt super ergänzen und auch wenn fast alle Gespräche auf Spanisch stattfinden, lernen letztendlich doch beide Seiten etwas und es ist einfach ein extrem schöner Austausch!!

Durch eine Freundin vom Sprachkurs sind wir auch nochmal zusätzlich auf ein neues Volleyballteam gekommen. Eine komplett gemischte Mannschaft, wobei die meisten von der technischen Uni hier sind, die komplett freizeitmäßig jeden Dienstagabend spielen, einfach um Spaß zu haben. So haben wir also zusätzlich zu den anderen beiden Malen Volleyball in der Woche, bei denen wir in einer Mannschaft hier mitspielen, noch ein drittes Mal Volleyball und es macht total Spaß!!

Tatsächlich habe ich mich aber in der Woche vor Ostern beim Training verletzt und somit ist die letzten Wochen Volleyball spielen natürlich ausgefallen und stattdessen standen ein kurzer Klinikbesuch, um abzuchecken, was es ist und im Anschluss ganz viel Physiotherapie und im „Bota“ (quasi einen Schuh als Schiene) laufen auf dem Programm. Gottseidank ist es nur eine Verstauchung und kein Bruch, aber leider bin ich immer noch nicht die Schiene los und muss auch nächste Woche noch öfters zur Physiotherapie. Danach sollte es dann aber auch so langsam wieder wie vorher sein, denn schon jetzt ist es auf jeden Fall deutlich besser als es anfänglich war. Natürlich gibt es Schöneres als über Ostern nichts wirklich machen zu können, aber ich hatte trotzdem ganz tolle Tage. Es hat mir auf jeden Fall gezeigt, dass man sowas auch im Ausland super schaffen kann und was für tolle Menschen ich hier eigentlich habe, die mich dabei unterstützen. Ich wurde von einer Freundin und ihrer Mama in die Klinik mitbegleitet, wahnsinnig viele haben mir angeboten für mich einkaufen zu gehen oder mir bei dem was ich brauche zu helfen und alle Pläne, die ich hatte, wurden einfach so umgelegt, dass ich sie trotzdem umsetzen konnte. Ich wurde entweder von Freunden abgeholt und irgendwo hingebracht oder Freunde kamen zu mir nach Hause, um mich zu besuchen. So hatte ich dann über die Ostertage, wo meine Mitfreiwillige etwas mit ihrer Familie gemacht hat, doch immer etwas zu tun, was richtig schön war. Einige Tage habe ich auch mit Lina und ihrer Familie verbracht, was auch richtig toll war!

Insgesamt hatte ich also trotz allem ein richtig schönes Ostern und in der Woche nach Ostern kamen dann tatsächlich auch schon meine Eltern zu Besuch! Ich habe mich wahnsinnig darauf gefreut, sie endlich wiederzusehen und obwohl ich natürlich nicht extrem viel laufen konnte, haben sie das Wichtigste hier gesehen und ich konnte ihnen mein Zuhause in Paraná zeigen:) Gerade sind sie noch ein wenig in Argentinien am Reisen (ich habe leider keinen Urlaub mehr bekommen), doch nächstes Wochenende sehe ich sie trotzdem nochmal wieder, denn vor ihrem Rückflug legen sie noch einen kurzen Zwischenstopp in Buenos Aires ein, wo ich dann auch hinfahre. Ich freue mich total darauf, sie noch einmal wiederzusehen, vielleicht auch einige der anderen Freiwilligen zu treffen und einfach ein schönes Wochenende in Buenos Aires zu verbringen!!

Nach den ganzen Familienbesuchen kam uns jetzt auch die letzten Tage noch eine weitere Freiwillige aus Asunción besuchen und wir hatten extremschöne Tage, in denen wir ihr ein wenig von Paraná und unserem Leben hier zeigen konnten. Es ist immer so schön andere Freiwillige wiederzusehen, sich mal wieder auszutauschen und einfach eine schöne Zeit zu haben.

So, das war´s jetzt aber auch erstmal. Das nächste Mal, wenn es wieder Zeit für einen Blog ist, ist schon Juni und der Endspurt rückt immer näher. Aber bis dahin werde ich auf jeden Fall noch ganz dolle meine Zeit hier genießen:)

Schon Halbzeit

Hey, hey, einfach schon über die Hälfte meiner Zeit hier in Argentinien ist vorbei und ich kann es selber kaum glauben. Vor allem die letzten zwei Monate ist unfassbar viel passiert und ich versuche jetzt einfach mal euch ein bisschen davon zu berichten:

Weihnachten

Weihnachten das erste Mal getrennt von seiner Familie und in einem komplett anderen Land zu verbringen, hört sich vielleicht erstmal sehr beängstigend an – aber das ist es gar nicht.

Natürlich ist es nicht das gleiche wie in Deutschland, dennoch war es eine wahnsinnig schöne und vor allem sehr besondere Erfahrung: Meine Mitfreiwillige und ich hatten das große Glück Weihnachten, hier in Paraná, mit einer Freundin und ihrer Familie feiern zu dürfen. So sind wir also am 24.12. abends nach der Messe zu ihrer Familie gefahren. Es war ein richtig großes Fest mit der ganzen Verwandtschaft; ungefähr so 40 Personen waren vor Ort. Es wurde viel gequatscht, gespielt und natürlich gegessen. Um Mitternacht sind dann alle rausgegangen und es wurde sich Frohe Weihnachten (“Feliz navidad“) gewünscht, man hat Wunderkerzen angezündet und in der Ferne konnte man Feuerwerk hören und sehen. Mal eine ganz andere Tradition, die ich aus Deutschland nicht kannte, aber hier so schön miterleben konnte. Danach waren wir noch zusammen feiern – auch das ist etwas, was ich aus Deutschland nicht gewohnt bin und Heiligabend niemals machen würde. Aber hier machen das recht viele junge Menschen und es war extrem cool auch das mal mitzunehmen!

Zwar insgesamt ein anderes Weihnachten als gewohnt, aber genau deswegen wird es mir noch lange in Erinnerung bleiben!

Silvester

Silvester war mein erster richtiger Urlaubstag, denn die Kita hatte anschließend den ganzen Januar geschlossen, und den habe ich natürlich direkt genutzt und habe mich auf den Weg gemacht, um mit anderen Mitfreiwilligen zusammen in Córdoba zu feiern. Wir hatten uns zu fünft ein wunderschönes AirBnB gemietet, indem wir gut ins neue Jahr reinfeiern konnten. Da nicht nur wir, sondern auch noch ganz viele andere Freiwillige über Silvester in Córdoba waren, haben wir dann letztendlich alle zusammen gefeiert. Es war so schön, so viele Freiwillige nach langer Zeit mal wiederzusehen!! Die folgenden Tage haben wir dann auch noch entspannt zusammen verbracht, bevor es weiterging, ab in den Süden!

Urlaub

Nach Córdoba habe ich meinen weiteren Urlaub dann an den unterschiedlichsten Orten verbracht. Erst war ich im wunderschönen Patagonien, im Süden Argentiniens, wo ich mit zwei Freunden in El Bolsón wandern war und anschließend noch ein paar Tage in Bariloche verbracht habe. Vor allem in El Bolsón war das ein richtiges Abenteuer: mein erstes Mal richtig wandern und dann gleich von Hütte zu Hütte, das hatte es auf jeden Fall in sich. Aber es war sooo toll und die Natur dort ist wirklich einfach atemberaubend schön, das kann man gar nicht in Worte fassen!! Argentinien ist ja wirklich groß (Deutschland passt fast 8mal rein) und dadurch landschaftlich so unfassbar vielseitig und hat wirklich von allem etwas. Patagonien mit seinen Bergen, Wäldern und Seen war demnach ein großer Kontrast zu der Region, in der ich lebe (Provinz Entre Ríos).

Danach zog es mich dann nochmal in eine komplett gegenteilige Landschaft, und zwar nach Chile in die Atacama-Wüste. Sehr heiß tagsüber und nachts absolut frisch, aber sonst wunder-, wunderschön! Auch etwas, was ich zuvor noch gar nicht irgendwie ansatzweise ähnlich gesehen hatte und vielleicht auch deswegen nochmal beeindruckender. Dort verbrachte ich mit einigen Freundinnen ein paar Tage, bevor es dann in die Hauptstadt Chiles, nach Santiago, ging.

Auch dort konnte ich nochmal unfassbar viel Neues sehen und die Zeit einfach echt genießen. Santiago ist so eine tolle Stadt mit unglaublich vielen Möglichkeiten für Aktivitäten aller Art. Gehört definitiv zu einer der coolsten Städte, in denen ich bisher war!

2h entfernt von Santiago kommt man an den Pazifik, nach Valparaíso und Viña del Mar, wo ich dann mit meiner Mitfreiwilligen Lina meine letzten Urlaubstage verbrachte, bevor es wieder zurück nach Hause ging.

Wieder in Paraná angekommen wurden wir direkt erstmal von der Hitze erschlagen und wettertechnisch gesehen waren es ein paar sehr unangenehme Wochen die folgten, aber es war trotzdem ein schönes Gefühl mal wieder zu Hause zu sein… Mal richtig den Koffer auszupacken, alles an die Orte zu tun, wo sie ihren festen Platz haben, mal wieder richtig runterzukommen und sich zu entspannen. Das alles tut nach so langer Zeit auch mal wieder gut.

Jetzt nochmal kurz ein etwas anderer Gedanke zum Urlaub: Es ist wirklich unfassbar krass, wenn man darüber nachdenkt, was für Möglichkeiten wir hier in diesem unfassbar jungen Alter haben, dass wir so viel sehen, erleben und rumreisen können! Ich weiß, dass viele meiner Arbeitskolleginnen und Freund*innen hier noch nie die Chance hatte weit weg, geschweige denn überhaupt, in den Urlaub zu fahren und das lässt einen schon nochmal sehr über seine eigenen Privilegien nachdenken. Natürlich war auch für mich dieser Urlaub extrem groß und würde in Deutschland niemals in diesem Umfang stattfinden – da kommt dann doch durch, dass man das Gefühl hat, nur einmal so lange hier zu sein und möglichst viel sehen zu wollen – aber das spricht ja trotzdem nicht dagegen, dass es einfach unvorstellbar für viele hier ist, so viel Tourismus zu machen.

Gleichzeitig mit diesem Gedanken kommt natürlich aber auch die riesige Dankbarkeit, dass ich das alles hier erleben kann, so unfassbar viel sehen durfte und vor allem mit ganz tollen Menschen reisen durfte. Dieser Urlaub wird mir noch ewig in Erinnerung bleiben und war wirklich einzigartig!

Zwischenseminar

Nachdem wir dann wieder zwei Wochen in unserem Alltag angekommen waren, gearbeitet hatten und unsere Kitazeit vor allem mit basteln und die neuen Babys versorgen, verbracht hatten, ging es dann schon wieder los, und zwar zum Zwischenseminar. Dies fand letzte Woche (17.-22.01.) mit allen Freiwilligen der IERP (Partnerorganisation), die gerade ihren Freiwilligendienst in Uruguay, Paraguay oder Argentinien absolvieren, statt. Wir waren wieder ca. 50 Freiwillige und alle zusammen in einer Art Jugendherberge in Baradero (ca. 1-2h entfernt von Buenos Aires) untergebracht. Es war so eine unglaublich schöne Woche, die definitiv viel zu schnell vorbeiging!! Es wurde gequatscht, Mate/Terere getrunken, gebadet, gespielt, gesungen, gelacht und noch so viel mehr. Natürlich hatten wir auch wieder einige inhaltliche Einheiten, Workshops und vor allem ganz viel Zeit in Gruppen, um unsere bisherigen sechs Monate zu reflektieren und uns auszutauschen. Das tat so gut, mal mit anderen darüber zu reden und dadurch auch zu bemerken, dass wirklich viele auch die gleichen Probleme und Herausforderungen haben und man zu keinem Zeitpunkt allein damit ist. Die Gruppe der Freiwilligen ist echt so eine tolle Gemeinschaft und ich will die ganzen Menschen definitiv nicht missen!  

Wie ihr sehen könnt, ziemlich viel los gewesen, und echt alles so tolle Erlebnisse, die ich in der letzten Zeit hier sammeln durfte. Ich bin unfassbar dankbar für diese ganzen Möglichkeiten und die wirklich ganz, ganz vielen wunderbaren Menschen, die mich hier auf meinem Weg begleiten!! Auch in nächster Zeit stehen noch ganz viele tolle Dinge, wie zum Beispiel, Karneval an, aber darüber werde ich euch bestimmt dann berichten:)

Weihnachtszeit ist Abschiedszeit

Hey, hey, 4 Monate sind bereits vergangen und plötzlich steht schon Weihnachten vor der Tür. Und mit der Weihnachtszeit steht auch ein weiterer Abschied an: Nämlich der von einem großen Teil meiner Kitakinder. Denn hier endet, genau wie in Deutschland auch, das Kitajahr im Sommer und da gerade Sommer ist und die Ferien schon in ein paar Tagen beginnen, ist es langsam Zeit Tschüss zu den Ältesten zu sagen, bevor sie dann ab Februar zur Schule gehen.

Aber eben in genau dieser Zeit ist es auch nochmal gut sich zu erinnern, was man die vergangenen 4 Monate schon alles im Projekt erlebt hat, und deswegen möchte ich in diesem Blog euch nochmal ein bisschen über ganz besondere Kitatage der vergangenen 4 Monate berichten, welche mir wahnsinnig schön in Erinnerung geblieben sind:

Frühlingsbeginn

Am 20.09., also erst einen Monat nach meiner Anreise, haben wir groß den Frühlingsbeginn gefeiert. In Deutschland wird der ja nicht wirklich zelebriert, aber hier wurde ein richtiges Event daraus gemacht. Schon die ganze Kitawoche zuvor haben meine Mitfreiwillige Lina, ich und teilweise auch die anderen Seños (so werden die Erzieherinnen hier genannt) viel geschmückt und gebastelt, damit alles bunt und voller Blumen ist. Am Tag selbst kamen dann die Kinder alle mit “medias locas“ und “peinados locos“, also verrückten Socken und Frisuren in die Kita. Mit ihren echt superkreativen Outfits konnten die Kinder sich dann auch auf einem selbstgemachten Laufsteg präsentieren und es wurde anschließend zusammen ganz viel getanzt und gesungen. Das war echt schön und es war einfach generell so eine Lebensfreude im Raum, die einfach nur ansteckend war.

Día de la familia

Am 18.10. war bei uns in der Kita „Día de la familia“, also Familientag und wir haben alle zusammen einen Ausflug gemacht. Dafür sind wir, nicht weit entfernt, zu einer Art Abenteuerspielplatz gefahren. Wir und die anderen Seños waren schon etwas früher da und haben vor Ort alles dekoriert und aufgebaut. Sobald die Kinder dann mit ihren Familien kamen, wurde getobt, gequatscht, gegessen und natürlich Mate getrunken. Denn bei wirklich keiner Veranstaltung in Argentinien darf Mate fehlen und auch in der Kita ist sie mittlerweile zu einem täglichen Begleiter für mich geworden. Ein wenig Programm fand dann an dem Tag auch noch statt: Es wurden Familienfotos gemacht, Geschenke überreicht und wir haben sogar mit den Kindern zusammen ein kleines Lied vorgesungen. Die Stimmung war super ausgelassen, alle waren glücklich und manche Kinder fanden es sogar so schön, dass sie beim Gehen geweint haben…

Día de la tradición

Am 10.11. ist in Argentinien jedes Jahr „Día de la tradición“. Also ein Tag, wo man sich an Argentiniens Traditionen nochmal besonders erinnert. Da das aber ein Sonntag war, haben wir am Montag, dem 11.11. den „Día de la tradición“ in der Kita nachgefeiert. Alle Erzieherinnen und Kinder kamen gekleidet in traditionellen Trachten, also als „Gaucho“ (historisch gesehen vor allem die Männer) oder „Paisana“ (historisch gesehen vor allem die Frauen). Auch wir haben typische Folklore-Röcke bekommen, die zwei der “Seños“ für uns mitgebracht haben. Es gab Empanadas zu essen, also ein typisch argentinisches Gericht und ein paar der Erzieherinnen haben Folklore vorgetanzt. Anschließend haben wir auch noch alle zusammen versucht Folklore zu tanzen. Das hat echt super Spaß gemacht und uns einen kleinen Einblick in die Welt der argentinischen Folklore gegeben, die echt super vielfältig und spannend ist.

Abschiedsfest

Am letzten Freitag, also am 13.12., stand in unserer Kita der Abschied der Ältesten und generell die Jahresabschlussveranstaltung, worüber ich auch bereits ganz am Anfang des Blogs geredet habe, an. Hinsichtlich dessen wurde ein großes Fest geplant, was unter dem Motto “Un mundo mejor para nuestros niños“ (übersetzt: „Eine bessere Welt für unsere Kinder“) stand. Dafür haben meine Mitfreiwillige und ich schon die letzten Kitawochen ein riesiges Wandbild als Bühnenhintergrund gebastelt. Im Vorhinein der Veranstaltung haben außerdem alle Altersgruppen Tänze gelernt und fleißig mit ihren Gruppenerzieherinnen eingeübt. Am Freitag sind dann alle Kinder abends mit ihren Familien, Freunden und Bekannten zur Kita gekommen. Es waren wirklich wahnsinnig viele Menschen da und man hat den Kindern richtig angemerkt, wie sehr sie sich darüber gefreut haben und wie stolz sie auch waren ihre Tänze vorzeigen zu können. Nach all den Tänzen gab es dann den offiziellen Abschlussteil für die 3jährigen, also die Ältesten der Kita, die ab Februar zur Schule kommen. Alle wurden nochmal einzeln hervorgehoben und haben einen ganz besonderen Platz in der Veranstaltung bekommen, was sehr süß und für viele der Eltern, verständlicherweise, auch sehr emotional war. Am Schluss gab es noch für alle Kinder Geschenke und Mappen mit Erinnerungen aus dem vergangenen Kitajahr und wir haben Weihnachtsplätzchen gebacken, die wir verteilen konnten. Es war ein richtig runder und schöner Abschluss und ich muss ehrlich sagen, dass die Kinder mittlerweile echt einen Platz in meinem Herzen haben und ich sie definitiv vermissen werde. Aber bis Ende Dezember ist es ja noch ein wenig hin und man kann die letzten Tage noch zusammen genießen.

Im Januar hat der Kindergarten ja dann komplett geschlossen und ab Februar kommen ja dann auch neue Kinder, mit denen bestimmt auch viele schöne Erlebnisse und Erfahrungen entstehen werden. Aber bis dahin steht noch Weihnachten, Silvester und mein erster Urlaub an, worauf ich schon mit viel Vorfreude blicke. Darüber werde ich dann bestimmt im nächsten Blog berichten.

Seminar und Paraná – Ankommen

Hey, hey, einfach 2 Monate hier in Argentinien sind schon rum! Die Zeit vergeht wirklich wie im Flug und ich bin immer noch erschrocken, wenn ich daran denke, dass schon 1/6tel vorbei sind… Aber fangen wir erstmal von vorne an:

Am 13.08. ging es für mich von zu Hause aus los. Am Hauptbahnhof in Berlin habe ich dann auf Lucy getroffen, noch die letzten Leute verabschiedet und schon stand der großen Reise nichts mehr im Weg. Nach einer entspannten Zugfahrt, in Frankfurt angekommen, haben wir die ersten Mitfreiwilligen wiedererkannt und schwuppdiwupp, einen Flug später, waren wir auch schon in Buenos Aires gelandet. Dort erwartete mich und fast 50 andere Freiwillige der IERP (Iglesia Evangélica del Río de la Plata; meine Partnerorganisation) ein zweiwöchiges Einführungsseminar. Zusammen verbrachten wir 2 Wochen, gefüllt mit Sprachkurs, inhaltlichen Workshops und Vorträgen, aber auch vor allem viel Spaß, Begegnungen, Kaffeepausen und mehr. Untergebracht war ich in einer riesigen WG, bestehend aus 18 Leuten und auch wenn das manchmal zu viel Chaos geführt hat, möchte ich diese Zeit auf keinen Fall missen! Generell die ganze Seminarzeit bleibt mir in extrem positiver Erinnerung, denn sie war superschön und bereichernd, auch wenn es natürlich teils anstrengend und überfordernd war, aber das gehört halt auch dazu, wenn alles neu ist und so viele Eindrücke und Emotionen auf einen prasseln. Doch dadurch, dass irgendwie alle Freiwilligen, was das angeht, im gleichen Boot sitzen, hat man während des Seminars superschnell  neue Leute kennengelernt, schon erste Freundschaften geschlossen und in so kurzer Zeit so viel erlebt, dass das echt zusammengeschweißt hat. Und somit verging auch die Seminarzeit schnell und der zweite Abschied in zwei Wochen stand an, denn für mich ging es ja noch weiter.

Zwar musste ich diesmal keine Ländergrenzen überschreiten, denn ich wohne ja weiterhin in Argentinien, aber mein Weg führte mich ca. 500km nördlicher, nach Paraná. Paraná ist mit 250.000 Einwohnern die Hauptstadt der Provinz Entre Ríos und direkt am Río Paraná gelegen. Hier lebe und arbeite ich ein Jahr lang zusammen mit meiner Mitfreiwilligen Lina. Wir wohnen zusammen in einem kleinen Zimmer mit Küche und Bad direkt oberhalb des Kindergartens, in dem ich arbeite. Die Kinder dort sind zwischen 0 und 3 Jahre alt und neben alltäglichen Aufgaben wie Essen vorbereiten, die Kita dekorieren, spülen oder aufräumen bleibt uns auch viel Zeit, um mit den „nenes“ zu spielen, basteln oder draußen zu toben. Es ist wirklich wahnsinnig süß zu sehen, wie die Kinder sich an einen gewöhnen und einem so schnell ihr Lächeln und viel Liebe zurückgeben! Ein gewisser Kita-Alltag ist also eingekehrt und tägliche Ohrwürmer von spanischen Kinderliedern sind natürlich auch nicht mehr wegzudenken…

Das Einzige, was mich ein wenig beunruhigt ist, dass teilweise echt wenig Kinder nur in der Kita sind. Eine der Erzieherinnen erzählte mir, dass früher 40 Kinder dort zur Kita gingen und mittlerweile sind es maximal 19 Kinder. Mit fünf Erzieherinnen und uns zwei Freiwilligen hat man an manchen Tagen, wenn zum Beispiel nur 5 oder 6 Kinder da sind, echt wenig zu tun und ein wenig Langeweile kehrt ein, auch wenn wir uns dann meistens trotzdem Beschäftigungen suchen, indem wir basteln, dekorieren oder andere vorhandene Aufgaben machen. Was genau mit der Kita passiert, wenn im Laufe des Jahres die Ältesten gehen, wissen wir auch noch nicht, aber bis dahin ist es ja auch noch ein wenig hin und vielleicht kommen ja in der Zwischenzeit wieder viele neue Kinder.

Neben der Arbeit, die, aufgrund der Öffnungszeiten, jeden Wochentag nur von 7 bis 13 Uhr geht, bleibt Lina und mir außerdem noch viel Zeit um unseren Tag anderweitig zu gestalten. So haben wir uns schnell eine Möglichkeit gesucht mehrmals die Woche Sport machen zu können und haben in den letzten Wochen auch die Zeit gut genutzt, um die Stadt ein wenig zu erkunden. Neben der Costanera, also dem Teil Paranás, welcher am Fluss entlangführt (wo es auch Strand mit Palmen gibt und wo ich jedes Mal glücklich bin, wenn ich von dort aus aufs Wasser sehen darf:)) gibt es auch ein süßes Stadtzentrum mit netten Cafés, Parks und Einkaufsmöglichkeiten. Wir müssen uns zwar immer noch ein wenig einleben und ankommen, aber im Großen und Ganzen kommen wir supergut klar, das Leben zu zweit auf engem Raum funktioniert eigentlich perfekt, auch was Kochen, Putzen etc. angeht, wir lernen erste Bekanntschaften kennen und fühlen uns hier allgemein sehr wohl!   

Wir waren sogar schon Teil einer Jugendfreizeit der IERP hier in Entre Ríos. Unser Nachbar hatte uns vor drei Wochen, also gar nicht so lang nach unserem Ankommen, eingeladen mit auf ein sogenanntes „Campamento“ zu fahren. Dieses fand in Crespo, einer Stadt, ca. 50 Minuten mit dem Bus entfernt von Paraná statt. Da wir das Wochenende über noch keine Pläne hatten und die Möglichkeit darauf neue Leute kennenzulernen, viel Spanisch zu sprechen und Etwas zu erleben für uns ideal erschien, sagten wir zu und fuhren mit ihm aufs Campamento. Es war letztendlich wirklich ein richtig tolles Wochenende mit viel Spiel, Spaß, Bewegung und natürlich – was hier nie fehlen darf – das Trinken von Mate beziehungsweise Terere (kalte Mate für die Sommermonate, die hier in der Region mit Saft zubereitet wird). Wir konnten wirklich wahnsinnig viel Spanisch reden, was echt Spaß gemacht hat, und haben auch neue Leute kennengelernt. Leider kommt zwar keiner von denen aus Paraná, sondern alle wohnen ein wenig verteilt, aber trotzdem kann man ja weiterhin Kontakt halten und sich über die nächsten Monate nochmal sehen.

Ein anderes Highlight war Linas und mein erster richtiger Wochenendtrip nach Buenos Aires. Dadurch dass letzten Freitag landesweit ein freier Tag war, konnten wir schon am Donnerstag direkt nach der Arbeit mit dem Bus losfahren und kamen abends am Retiro in Buenos Aires an, wo wir herzlich in Empfang genommen wurden. Das Wochenende über haben wir dann bei Mitfreiwilligen geschlafen, die etwas außerhalb von Buenos Aires wohnen, und haben mit ihnen und auch vielen anderen Freiwilligen, die in Buenos Aires beziehungweise Gran Buenos Aires (der Großraum um Buenos Aires rum) wohnen, Sachen erlebt. Von über den Markt schlendern, ins Café gehen, abends auf ein Konzert und dort sogar selber Musik machen, mal entspannt in der WG Spiele spielen und kochen, Buenos Aires und seine Sehenswürdigkeiten erkunden bis zu einem Geburtstag war alles dabei. Und wir haben es sogar zum Meer geschafft!

Es war echt die perfekte Mischung aus was Erleben und entspannt Zeit mit Freunden zu verbringen. Mal wieder rauszukommen und Leute wiederzusehen war echt wie Balsam für die Seele und das Wochenende ging aufgrund dessen auch superschnell vorbei und schon saßen wir am Sonntagabend wieder im Bus auf dem Rückweg nach Paraná, dem Ort, den ich für die kommenden 10 Monate noch mein Zuhause nennen darf:)