Mein Arbeitsweg ist unglaublich kurz. Meistens brauche ich keine Minute von meiner Wohnung zu dem nächsten Klassenraum.
Sobald ich aus der Tür gehe, befinde ich mich schon auf einem Schulgang und somit mitten im Geschehen drinnen.
Mir begegnen Energie geladene Teenager die schreiend durch die Gänge rennen. Mir begegnen sehr müde Schüler. (Ob sie so müde sind, weil sie, wie so oft, nach der langen Schule und drei Stunden Hausaufgaben noch gelernt haben oder weil sie unbedingt noch diese eine Serie zu Ende sehen wollten, ist für mich schwer zu beurteilen.) Mir begegnen Schüler die freudestrahlend meinen Namen rufen, und anderen, die ganz in Gedanken versunken mich gar nicht wahrzunehmen scheinen.
Der Schulgang ist zu einer Seite offen und so habe ich, vor allem wenn ich im vierten oder fünften Stock unterrichte, einen wunderschönen Ausblick.
Mein Arbeitsweg zum Kindergarten
Mein wöchentlicher Arbeitsweg zum Kindergarten ist zwar deutlich länger als der zu den Klassenräumen meiner Schule, aber für meinen Geschmack immer noch nicht so lang, dass es sich lohnen würde, uns jedes Mal persönlich mit dem Taxi abzuholen.
Wir fahren an Marktständen mit frischem Obst vorbei und an unglaublich vielen kleinen Läden. Man kann Essen, Kleidung, Getränke, Elektrozubehör, Motorräder und noch ganz viel mehr kaufen. Wir sehen viele Meituanfahrer, die gerade das bestellte Essen an die Leute verteilen und auch super viele kleine Postwagen, welche die ganzen online Shop Päckchen an die Packstationen abliefern.
Ich wundere mich ab und zu, wie die kleinen Läden es schaffen, trotz des ganzen Bestellens, noch zu überleben.
Mein Arbeitsweg zu den anliegenden Schulen
Wenn wir manchmal in Schulen in den anliegenden Dörfern unterrichten, fahren wir durch wunderschöne Landschaften. Die Region ist hier sehr Hügelig beziehungsweise schon eher Bergig. Auf den Bergen sind meistens entweder sehr wild Wälder oder Terrassenartige Felder auf den zurzeit vor allem Kohl angebaut wird.
Park in Huixian
Wege zum Spazieren gehen
Ich liebe es zu wandern und spazieren zu gehen, vor allem in der Natur. Sehr gerne gehe ich auf kleinen Pfaden durch sehr naturbelassene Gegenden. Dementsprechend habe ich mich bei meiner Ankunft super gefreut, als uns sehr viele Lehrer zum „mountain climbling“ und „hiking“ eingeladen haben. Bald habe ich dann herausgefunden, dass meine Vorstellung vom Wandern und Berge besteigen/ hochklettern sich doch etwas von den meisten Lehrern hier differenziert. Die vier größten Unterschiede die ich zwischen den beiden Vorstellungen vom Wandern finden konnten sind:
Die Länge: Für mich gilt eine Wanderung als Wanderung, wenn sie mindestens drei bis vier Stunden lang ist. Für einige von den Lehrern mit den ich mich getroffen habe, ist eine Wanderung auch gerne mal unter einer Stunde lang.
Der Ort: In Parks, durch Felder und Wälder, Flussbetten, … Hauptsache ruhig, wenig Leute, und viel Natur. Demgegenüber stehen hier häufig auf Besucher ausgelegte Parks, die auf Social Media bekannt und beliebt sind.
Die Wege: Gewohnt bin ich kleine Pfade und sehr Natur belassene Wege, desto mehr Baumstämme quer über dem Weg liegen desto besser. Im Gegensatz dazu findet man hier häufig breit ausgebaute Wege neben denen fein geschnittene Büsche wachsen und auf den Wegen liegen nur sehr sehr wenige Blätter.
Das Ziel: Der Weg ist das Ziel aber gegen einen schönen Aussichtspunkt habe ich auch nichts. Hier haben wir auch schon ganz häufig in einem Restaurant geendet (daran könnte ich mich auch gewöhnen).
Mittlerweile habe ich auch meine eigenen kleinen Wanderwege gefunden – abseits von den Ausflugsparks. Meistens sind das Wege die vor allem von den Bauern hier benutzt werden. Und so genieße ich hier sowohl mein gewohntes Wandern, als auch das hier sehr beliebte „climbing mountains“.
Ich lebe auf der Farm in einer WG mit meiner Mitfreiwilligen Lou. Das Gelände grenzt direkt an den Township Vryground und ist auch nicht weit von Lavenderhill entfernt, wo der Center ist. Der Center ist mit dem Auto nur einige Minuten entfernt, also haben wir auch keine weite Anfahrt, wenn wir den Tag im Center arbeiten. Auf Grund der schlechten Sicherheitslage dürfen wir auch nur mit dem Auto das Gelände verlassen. Das Gelände wir rund um die Uhr von Sicherheitspersonal bewacht und ist mit einem Zaun aus Stacheldraht umgeben. Es hat aber manchmal auch etwas Belustiges, wenn uns zum Beispiel der Uber-Fahrer auslacht, weil er nicht fassen kann, dass er zwei weiße (vermeintliche) Touris in ein Township fährt. Es kommt auch häufig vor das unsere Uberfahrten wieder und wieder abgelehnt werden, weil niemand in unsere Gegend fahren will oder die Fahrer sich mehrmals versichern, dass wir uns auch nicht in der Adresse vertan haben. Die Farm ist aber auch trotz der Lage sehr schön. Es ist ein relativ großes Gelände, auf dem wir uns frei bewegen können. Es beinhaltet sogar ein unter Naturschutz stehenden Teil und einen kleinen See mit vielen Ente und Gänsen.
Gedanken und Reflexion:
Auch wenn es vielleicht in meinen Blogeinträgen bisher so klang, als würde ich Kapstadt sehr genießen, ist dies leider nicht immer so. Die Arbeit an sich macht leider nur selten Spaß, denn auch nach 4 Monaten werden mir und auch meiner Mitfreiwilligen nur wenige Aufgaben anvertraut. Also beinhalten viele Arbeitstage nur Nichtstun und sich langweiligen. Was mich natürlich schon überlegen lässt, warum ich denn eigentlich hier bin. Solche Fragen treiben mich besonders um, wenn mir keine Aufgaben gegeben werden, oder auch, wenn die Aufgaben, die mir gegeben werden, nur wenig Sinn machen. Ein Beispiel ist, dass ich im Agrar-Kurs Berichte von jeder Stunde schreiben soll und mir dabei auch vermittelt wurde, dass das auch eine Art Feedback beinhalten soll, da ich ja vielleicht mit der Perspektive eines Außenstehenden etwas verbessern könnte. Ich baue nun seit fast zwei Monaten immer denselben Kritikpunkt ein, aber auch wenn ich Rückmeldungen auf die Berichte bekomme, wird nie auf meine Kritik eingegangen. Dies alles lässt einen dann natürlich auch reflektieren, wie sinnvoll ist überhaupt ist, hier zu sein. Vor allem wenn das Hauptargument meiner aussendenden Organisation immer war, dass die Organisation vor Ort den inhaltlichen Austausch ja wollen, weil sie nicht finanziell davon profitieren. Hier vor Ort höre ich allerdings durchaus Stimmen, die sagen, dass die NWF abhängig von der finanziellen Unterstützung des ZMÖs sei.
Auch ist die Kommunikation innerhalb der Organisation relativ schlecht. Da wir je nach Projekt, in dem wir innerhalb der NWF arbeiten, einen unterschiedlichen Ansprechpartner haben, macht es die Arbeit relativ schwer, wenn jeder etwas anderes sagt und anscheinend der interne Austausch relativ schlecht ist. Leider verlassen auch viel nette Arbeitskollegen die NWF, da sie auch das Arbeitsklima nicht sehr angenehm finden. Dies ist sehr schade, da man gerade mit einigen seiner Kollegen warmgeworden ist und nun gerade diese die Stelle verlassen. Der Umgang der Leitung mit den Arbeitnehmern wirft bei mir immer wieder Fragen auf: So habe ich davon gehört, dass eine Kollegin unter Druck gesetzt wurde, sich die Zähne machen zu lassen, weil schlechte Zähne nicht gut für das Image der Organisation seien. Diese schlechten Zähne waren durch eine überstandene Sucherkrankung verursacht, und ich hatte gedacht, dass die NWF eine Organisation sei, die Menschen aus dem Township, wo viele mit Drogenkonsum kämpfen, eine zweite Chance gibt. Ich verstehe also oft das Vorgehen und Strategie der Verantwortlichen nicht und es fällt mir noch schwer, einen Umgang damit zu finden.
Hey, hey, 4 Monate sind bereits vergangen und plötzlich steht schon Weihnachten vor der Tür. Und mit der Weihnachtszeit steht auch ein weiterer Abschied an: Nämlich der von einem großen Teil meiner Kitakinder. Denn hier endet, genau wie in Deutschland auch, das Kitajahr im Sommer und da gerade Sommer ist und die Ferien schon in ein paar Tagen beginnen, ist es langsam Zeit Tschüss zu den Ältesten zu sagen, bevor sie dann ab Februar zur Schule gehen.
Aber eben in genau dieser Zeit ist es auch nochmal gut sich zu erinnern, was man die vergangenen 4 Monate schon alles im Projekt erlebt hat, und deswegen möchte ich in diesem Blog euch nochmal ein bisschen über ganz besondere Kitatage der vergangenen 4 Monate berichten, welche mir wahnsinnig schön in Erinnerung geblieben sind:
Frühlingsbeginn
Am 20.09., also erst einen Monat nach meiner Anreise, haben wir groß den Frühlingsbeginn gefeiert. In Deutschland wird der ja nicht wirklich zelebriert, aber hier wurde ein richtiges Event daraus gemacht. Schon die ganze Kitawoche zuvor haben meine Mitfreiwillige Lina, ich und teilweise auch die anderen Seños (so werden die Erzieherinnen hier genannt) viel geschmückt und gebastelt, damit alles bunt und voller Blumen ist. Am Tag selbst kamen dann die Kinder alle mit “medias locas“ und “peinados locos“, also verrückten Socken und Frisuren in die Kita. Mit ihren echt superkreativen Outfits konnten die Kinder sich dann auch auf einem selbstgemachten Laufsteg präsentieren und es wurde anschließend zusammen ganz viel getanzt und gesungen. Das war echt schön und es war einfach generell so eine Lebensfreude im Raum, die einfach nur ansteckend war.
Día de la familia
Am 18.10. war bei uns in der Kita „Día de la familia“, also Familientag und wir haben alle zusammen einen Ausflug gemacht. Dafür sind wir, nicht weit entfernt, zu einer Art Abenteuerspielplatz gefahren. Wir und die anderen Seños waren schon etwas früher da und haben vor Ort alles dekoriert und aufgebaut. Sobald die Kinder dann mit ihren Familien kamen, wurde getobt, gequatscht, gegessen und natürlich Mate getrunken. Denn bei wirklich keiner Veranstaltung in Argentinien darf Mate fehlen und auch in der Kita ist sie mittlerweile zu einem täglichen Begleiter für mich geworden. Ein wenig Programm fand dann an dem Tag auch noch statt: Es wurden Familienfotos gemacht, Geschenke überreicht und wir haben sogar mit den Kindern zusammen ein kleines Lied vorgesungen. Die Stimmung war super ausgelassen, alle waren glücklich und manche Kinder fanden es sogar so schön, dass sie beim Gehen geweint haben…
Día de la tradición
Am 10.11. ist in Argentinien jedes Jahr „Día de la tradición“. Also ein Tag, wo man sich an Argentiniens Traditionen nochmal besonders erinnert. Da das aber ein Sonntag war, haben wir am Montag, dem 11.11. den „Día de la tradición“ in der Kita nachgefeiert. Alle Erzieherinnen und Kinder kamen gekleidet in traditionellen Trachten, also als „Gaucho“ (historisch gesehen vor allem die Männer) oder „Paisana“ (historisch gesehen vor allem die Frauen). Auch wir haben typische Folklore-Röcke bekommen, die zwei der “Seños“ für uns mitgebracht haben. Es gab Empanadas zu essen, also ein typisch argentinisches Gericht und ein paar der Erzieherinnen haben Folklore vorgetanzt. Anschließend haben wir auch noch alle zusammen versucht Folklore zu tanzen. Das hat echt super Spaß gemacht und uns einen kleinen Einblick in die Welt der argentinischen Folklore gegeben, die echt super vielfältig und spannend ist.
Abschiedsfest
Am letzten Freitag, also am 13.12., stand in unserer Kita der Abschied der Ältesten und generell die Jahresabschlussveranstaltung, worüber ich auch bereits ganz am Anfang des Blogs geredet habe, an. Hinsichtlich dessen wurde ein großes Fest geplant, was unter dem Motto “Un mundo mejor para nuestros niños“ (übersetzt: „Eine bessere Welt für unsere Kinder“) stand. Dafür haben meine Mitfreiwillige und ich schon die letzten Kitawochen ein riesiges Wandbild als Bühnenhintergrund gebastelt. Im Vorhinein der Veranstaltung haben außerdem alle Altersgruppen Tänze gelernt und fleißig mit ihren Gruppenerzieherinnen eingeübt. Am Freitag sind dann alle Kinder abends mit ihren Familien, Freunden und Bekannten zur Kita gekommen. Es waren wirklich wahnsinnig viele Menschen da und man hat den Kindern richtig angemerkt, wie sehr sie sich darüber gefreut haben und wie stolz sie auch waren ihre Tänze vorzeigen zu können. Nach all den Tänzen gab es dann den offiziellen Abschlussteil für die 3jährigen, also die Ältesten der Kita, die ab Februar zur Schule kommen. Alle wurden nochmal einzeln hervorgehoben und haben einen ganz besonderen Platz in der Veranstaltung bekommen, was sehr süß und für viele der Eltern, verständlicherweise, auch sehr emotional war. Am Schluss gab es noch für alle Kinder Geschenke und Mappen mit Erinnerungen aus dem vergangenen Kitajahr und wir haben Weihnachtsplätzchen gebacken, die wir verteilen konnten. Es war ein richtig runder und schöner Abschluss und ich muss ehrlich sagen, dass die Kinder mittlerweile echt einen Platz in meinem Herzen haben und ich sie definitiv vermissen werde. Aber bis Ende Dezember ist es ja noch ein wenig hin und man kann die letzten Tage noch zusammen genießen.
Im Januar hat der Kindergarten ja dann komplett geschlossen und ab Februar kommen ja dann auch neue Kinder, mit denen bestimmt auch viele schöne Erlebnisse und Erfahrungen entstehen werden. Aber bis dahin steht noch Weihnachten, Silvester und mein erster Urlaub an, worauf ich schon mit viel Vorfreude blicke. Darüber werde ich dann bestimmt im nächsten Blog berichten.
Mein Alltag ist geprägt von neuen Erfahrungen, inspirierenden Freundschaften, aufregenden Orten und einer großen Portion Spaß. Seit vier Monaten lebe ich nun schon in Indien – eine lange Zeit, doch besonders die letzten beiden Monate sind wie im Flug vergangen. In dieser Zeit hatte ich die Gelegenheit, deutlich mehr zu erleben als in meiner Anfangsphase, was meinen Aufenthalt noch bereichernder und die Eingewöhnung leichter gemacht hat.
Mitte Oktober durfte ich ein außergewöhnliches Ereignis erleben: die Hochzeit eines guten Freundes. Indische Hochzeiten unterscheiden sich stark von denen in Deutschland. Sie erstrecken sich über mehrere Tage und beinhalten zahlreiche Zeremonien. Den Anfang machte die sogenannte Ringzeremonie, bei der sich das Paar gegenseitig die Ringe überreicht. Dieses Ritual ist ursprünglich westlich geprägt und daher kein traditioneller Bestandteil indischer Hochzeiten, wird jedoch immer häufiger integriert. Ich war zur Ringzeremonie eingeladen, und während meine indischen Freunde dies als völlig normal empfanden – viele von ihnen haben bereits an mehr als 20 solcher Zeremonien teilgenommen – war es für mich eine faszinierende Erfahrung, die mich sehr beeindruckt hat. Nun freue ich mich umso mehr auf die eigentliche Hochzeit mit bis zu 1.000 Gästen, die in etwa einem Monat stattfinden wird. Mehr dazu folgt im nächsten Blog 😉
Hochzeit
In der darauf folgenden Woche nahm ich an einem zweitägigen „Leadership Training Programme“ der YMCA teil, was mir viele wertvolle Kontakte einbrachte.
YMCA Team
Das Knüpfen von Kontakten ist für mich in den letzten Monaten besonders wichtig geworden, da es das Leben in einem fremden Land nicht nur erleichtert, sondern auch bereichert. So wurde ich beispielsweise von Dr. Tejinder Singh Rawal, einem ehemaligen Leiter des India Peace Centre, zu einem „Potluck“ eingeladen. Bei diesem Treffen brachte jeder Gast ein Gericht mit, wodurch ein vielfältiges Buffet entstand. Neben kulinarischen Genüssen bot sich mir die Gelegenheit, interessante Menschen kennenzulernen, lustige Spiele zu spielen und die indische Kultur weiter zu entdecken.
Potluck
Ein weiteres schönes Erlebnis war die Geburtstagsfeier eines guten Freundes. Zum ersten Mal hatte ich wieder das Gefühl, wie zu Hause zu sein: von Freunden zu einer Feier eingeladen zu werden und in einem kleinen Kreis ganz entspannt in den Geburtstag hineinzufeiern.
Geburtstag
Diese Erlebnisse mit meinen neu gewonnenen Freunden sind für mich unglaublich bereichernd, da ich auf der einen Seite einzigartige Momente genießen und auf der anderen Seite meine Faszination mit anderen teilen kann, was die Erfahrungen noch intensiver macht. Ich bin mir sicher, dass ich mich auch in vielen Jahrzehnten noch an die Runden Cricket am Morgen, das Fußball-Hallenturnier oder an kleine Tagesausflüge zu atemberaubenden Aussichtspunkten erinnern werde.
Ausflüge
Vom 29. Oktober bis zum 3. November durfte ich das Diwali-Festival in Indien erleben. Diwali, auch als Lichterfest bekannt, ist eines der wichtigsten und bekanntesten Feste in Indien. Es symbolisiert den Sieg des Lichts über die Dunkelheit und des Guten über das Böse. Während dieses Festivals führen Hindus die sogenannte Puja-Zeremonie durch, bei der unter anderem die Göttin Lakshmi verehrt wird. Sie soll den Menschen Wohlstand in ihre Häuser und Geschäfte bringen. Ich hatte das große Glück, von meinem Freund Aniruddha zu dieser Puja eingeladen zu werden. Das Lichterfest wird anschließend mit viel Feuerwerk gefeiert – mir wurde erzählt, dass es an Diwali sogar mehr Feuerwerk gibt als an Neujahr.
Diwali
Mitte November stand dann wieder eine Reise auf dem Plan, auf die ich mich sehr gefreut hatte. Es ging in den Bundesstaat Meghalaya, genauer gesagt in die Hauptstadt dieses Staates, Shillong. Die Reise nach Shillong war bislang meine längste, da sie zwei 20-stündige Zugfahrten beinhaltete, was wirklich anstrengend war. Wir kamen nach Shillong, da wir dort unser zweites „School of Peace“-Programm veranstalteten, ähnlich wie bereits im September in Odisha. Shillong und der Nordosten Indiens allgemein sind atemberaubend schön und völlig anders als die Region, in der ich lebe. Die Gegend ist bergiger, das Klima kühler, die Luft sauberer, es gibt weniger Müll und eine faszinierende Natur. Neben dem Programm hatte ich fast zwei ganze Tage Zeit, die Stadt zu erkunden, was mir große Freude bereitete.
Shillong
Am 25. November kehrte ich aus Shillong zurück, doch schon am 26. November sollte es nach Ahmedabad weitergehen. Leider wurde ich in der Nacht von meiner ersten, für Indien berüchtigten Lebensmittelvergiftung erwischt und musste dieses Programm schweren Herzens aussetzen. Glücklicherweise erholte ich mich schnell und konnte Anfang Dezember das India Peace Centre im Süden Indiens, genauer gesagt in Bangalore, der Hauptstadt des Bundesstaates Karnataka, bei einem „Capacity Building“-Programm vertreten. Dort hatte ich erneut die Gelegenheit, die Stadt zu erkunden – diesmal auch allein. Diese Erfahrung war für mich sehr wertvoll, da es mir zeigte, wie wichtig es ist, mit sich selbst klarzukommen und das Alleinsein bewusst genießen zu können. Es macht die Momente, in denen man wieder mit anderen Menschen zusammen ist, umso wertvoller.
In Bangalore faszinierte mich vor allem der KR Market, auf dem man im Grunde alles kaufen kann, vor allem jedoch Obst und Gemüse. Es ist schwer, diesen Markt mit der Obst- und Gemüseabteilung eines deutschen Supermarkts zu vergleichen – der Lärm, die Menschenmassen, die überwältigende Vielfalt an Waren und die nicht immer optimalen Hygienebedingungen machen den Unterschied deutlich. Neben dem Markt besuchte ich den beeindruckenden Bangalore Palace, ein architektonisches Meisterwerk. Gleichzeitig zeigte mir die Stadt einen anderen Kontrast: moderne Einkaufszentren und eine Vielzahl an Start-ups, die Bangalore den Spitznamen „Silicon Valley“ Indiens eingebracht haben.
Bangalore
Die letzten zwei Monate waren für mich eine sehr eindrucksvolle Zeit. Ich habe viele neue Menschen, Städte und Lebensweisen kennengelernt. Mit jeder Woche gefällt mir meine Zeit in Indien besser, da ich zunehmend mit allen Eindrücken zurechtkomme und nach und nach tiefere Freundschaften entwickle. Ich bin gespannt, was die kommende Zeit noch bringen wird, und freue mich schon sehr darauf, Ende Dezember Zeit mit meiner Familie zu verbringen.
Um zu verstehen, wie ein Mensch lebt, reicht es nicht, Momentaufnahmen zu betrachten. Es reicht nicht, die Orte, Plätze und Situationen unter die Lupe zu nehmen, die wie Zeitinseln den Alltag markieren. Das Dazwischen, die Wege, sind ebenso entscheidend. Wie komme ich von einer Insel zur nächsten, von einer Situation in die andere?
Ein Vorhaben in Nairobi ist allein schon deshalb ein Abenteuer, weil mir auf meiner Reise dorthin so vieles vor die Nase kommt. Das geht schon los, bevor ich überhaupt das Gelände des PLCC (Pangani Lutheran Childrens Centre) verlasse. Denn trete ich aus der Haustür und schlendere an den Häusern der Mädchen, der Schule und der Hall vorbei, ist es fast unmöglich, den Mädels nicht zu begegnen und sich wilde Umarmungen abzuholen.
Blick vom Balkon unserer Wohnung auf das PLCC- GeländeBlick auf den Nationalpark und Nairobi
Kaum habe ich das Tor passiert, erwartet mich ein überragender Anblick; der Nationalpark erstreckt sich über die Weite und in der Ferne ist deutlich die Skyline Nairobis zu entdecken. Geht man hier, am Rande des Nationalparks, spazieren, geschieht es nicht selten, dass die Grenzen zwischen den Menschen und der Wildnis verschwimmen; Antilopen, Zebras und Giraffen kreuzen einem den Weg. Was einerseits einem Wunder gleichkommt, birgt andererseits ebenso Schattenseiten. Dass die Großstadt Nairobi und die Wildnis des Nationalparks lediglich durch einen Zaun getrennt werden, führt zuweilen zu Konflikten zwischen den Menschen und den Tieren. Besonders die Wanderrouten der Huftierherden sind gefährdet. Und nicht nur das bedroht die wilde Seite Kenias. Klimawandel, die Verschlechterung der Lebensräume, die Abholzung der Wälder, die Volatilität des Tourismusmarktes, veränderte Landnutzungen, Wildtierkriminalität und und und und und. So vieles gefährdet die Wildtiere und die Artenvielfalt in Kenia und auf der ganzen Welt. Umso mehr erscheint ein Ort wie der Nationalpark Nairobis hoffnungsspendend. Löwen, Leoparden, Geparden, Strauße, Flusspferde, Gazellen, Gnus, Büffel… Nur einige der rund 80 Säugetier- und ganzen 500 Vogelarten. Nicht erwähnt hier die Spitzmaulnashörner. Für diese ist der Nationalpark eines der erfolgreichsten Schutzgebiete in Kenia und einer der seltenen Orte, an denen sie in natürlicher Umgebung anzutreffen sind (Ich selbst hatte das Glück).
Nashörner Aufnahmen vom 15.09.2024
Vor Jahrzehnten war die Art in Zentral-Kenia durch Wilderer ausgerottet und in ganz Kenia stark bedroht. Mitte der 80er Jahre waren von ursprünglich 20.000 nur noch 350 Nashörner übrig. Zum Zeichen gegen Wilderei ließ 1989 Präsident Daniel Aral Moi öffentlich im Nationalpark Elfenbein im Wert von 760.000 US-Dollar verbrennen. Seither haben sich die Bestände ein wenig durch intensive Schutzmaßnahmen erholt. Die Gefahr des Aussterbens ist jedoch noch nicht gebannt. Ziel ist es, die aktuelle Anzahl von 1.000 Spitzmaulnashörnern innerhalb des nächsten Jahrzehnts zu verdoppeln, was laut Wildhütern einer Populationsgröße entsprechen würde, die vor dem Aussterben bewahrt werden könnte.
Masai Lodge Road
Auf der fortführenden Strecke blühen Büsche und Blumen am Straßenrand. Ich kann mich darauf gefasst machen, entweder in Staubwolken zu geraten, wenn vorbeifahrende Autos oder Bodabodas den Dust des Weges aufwirbeln, oder nasse Füße zu bekommen, wenn in der zuvorigen Nacht mal wieder der Himmel aufgebrochen ist und Regenstürze auf die Erde fallengelassen hat.
Doch ab der Schranke der Masai Lodge Road ist zu merken, dass man dem Innenleben Ongata Rongais näherrückt. Die Straße ist asphaltiert, lokale Supermärkte und Marktstände tauchen am Straßenrand auf und zahlreiche Tuctucs, Autos, Bodabodas und Schleppesel ziehen die Hügel hinauf und hinunter.
Tuctucs an der Kreuzung Masai Lodge und Magadi Road
Je weiter ich wandere, desto lebendiger wird dieses Treiben. Es ist ebenso der Weg zu unserem Lieblings-Marktstand bei Nancy. Hier kaufen wir stets unser Obst, Gemüse und – nicht zu vergessen – eine ungeheure Anzahl an Eiern ein. Auch wenn der Weg zum Einkaufen recht weit ist (man braucht etwa 30-40 Minuten zu Fuß bis zu Nancys Stand), ist es immerzu ein schönes Gefühl, einer bekannten Person zu begegnen und warmherzig begrüßt zu werden. Ein Stückchen weiter stehen schon die Matatus an der Magadi Road, die nach Nairobi fahren. Wann welches Matatu abfährt? Nun, das weiß niemand so recht. Wenn der Bus voll ist, geht es los. So viel steht fest. Also ein Päckchen Geduld und Gelassenheit einpacken – was ebenso für die Fahrt selbst gilt. Denn abhängig vom Verkehr ist die Fahrtzeit in die Innenstadt mal 40, mal 90 Minuten lang. Universitäten wie die Multimedia-University, Malls sowie Gärten und Parks fliegen an mir vorbei. Ziegen und Baboons streunen zwischen den Palmen am Straßenrand hindurch. Schließlich ist da Nairobi; mit seinen Hochhäusern, seiner Weite und den Slums.
„Kibera“ bedeutet Dschungel. Es ist der größte Slum Nairobis; die Anzahl der Menschen kann nicht so recht erfasst werden, doch Schätzungen gehen von etwa 700.000 bis 800.000 Menschen aus. Auf zwei Hektar leben damit etwa 71.000 Menschen. Der enge Raum, kombiniert mit der Verschmutzung durch Abfälle, Abwässer und Fäkalien, treibt die Krankheitsrate in die Höhe. Armut, Gewalt und Kriminalität prägen die Region.
Diese Informationen konnte ich im Internet zu diesem Gebiet zusammentragen. Besonders faszinierend war auch zu lesen, dass die Menschen in „Wellblechhütten“ hausen würden. Was assoziierst du mit einer solchen Beschreibung? Wirst du in deinem Weltbild bestätigt?
Der Einfluss unserer Sprache auf die Wahrnehmung der Wirklichkeit ist enorm. Wir hören „Wellblechhütte“ und denken an einen armseligen Ort, an hungernde Kinder und düstere Lebensumstände. Bilder in unserem Kopf, die wieder und wieder aufgegriffen und reproduziert werden, sodass unsere Lebenswirklichkeit wieder und wieder bestätigt wird. Dabei ist es nie so klar und einfach. Solche Sprachbilder sind Konstrukte mit Ursprung in der Zeit europäischer Eroberung und Kolonialisierung. Sie gründen sich auf eine Gesellschaft, in der eine rassistische Ideologie und Hierarchie bestand. Noch heute ist diese in unserer Sprache verankert und damit auch unbewusst in unserer Wahrnehmung. Die Realität ist jedoch bei weitem komplexer.
Es wird von der Armut, dem Leid und der Kriminalität berichtet, aber nicht von den ganz normalen, liebenswürdigen Menschen, die dort kochen, arbeiten, lachen, in der Sonne dösen, leben. Vor kurzem fand in Kibera die sogenannte Kibera Arts Parade statt. Wir waren etwas spät dran, aber es war ein schöner, sonniger Tag und die Leute konnten uns den Weg zur Veranstaltung weisen. Dort angekommen führten verschiedene Künstler*innen, Kinder- und Jugendgruppen vorbereitete Präsentationen auf. Die Veranstaltung war voller Leben, Kreativität und Wohlwollen füreinander. Die Gruppen turnten und tanzten Afrobeats wie verrückt, andere sangen oder trugen Poetry vor wie das dreizehnjähriges Mädchen Wamboi, das ihr Herz in einem Gedicht zu gender-based violence ausschüttete. Eine Gruppe junger Mädchen und Frauen bot eine Modenschau dar. Die Kleidungsstücke hatten sie aus Resten und Zeitschriften selbst angefertigt und etwas völlig Neues kreiert. Der Nachmittag zeigte mir eine der vielen Seiten der Slums wie ich sie noch nie gehört oder gesehen hatte; Gemeinschaft, Spaß, Stärke, Intelligenz, Selbstvertrauen, Ehrgeiz und ein Miteinander.
Turngruppe Kibera Arts Parade
Dann ist da noch der Weg durch die Zeit. Ein Weg, der so lang ist und sich doch als fix zu wandern herausstellt. In den letzten sieben Wochen durften Chrissy und ich das Ferienprogramm für die Mädchen erarbeiten. Für diesen Pfad durch die Zeit bin ich schlicht und einfach dankbar. Ein bisschen wehmütig blicke auf die letzten Wochen zurück; wünsche mir fast, dass dieser Weg noch ein Stückchen länger gegangen wäre. Es war sicherlich auch steinig an nicht wenigen Stellen. Bei 37 Mädels ist es kaum zu verhindern, dass keine Konflikte entstehen. Aber gleichzeitig bargen all jene Herausforderungen so viel Wachstum für die Kinder und nicht zuletzt für uns und führten dazu, dass wir und die Mädels uns einen riesigen Schritt aufeinander zubewegt haben. Natürlich war das Programm selbst ein großer Spaß; wir werkelten und tüftelten, backten und spielten.
Sammeln von Blumen und Blättern für ein Naturmobile
Aber auch hier ist der Weg, das Dazwischen das Ziel. Wie kam es nur dazu, dass – ganz entgegen unserer eigentlichen Planung – am Halloween-Mottotag uns auf einmal bunte, wilde Fratzen begegneten? Die Mädchen hatten eigenständig angefangen, sich zu bemalen und sogar ihre Haare mit Farbe zu verzieren.
Es war nicht das einzige Mal, dass sie auf ihre erstaunliche und einzigartige Weise bewiesen, wie kreativ und fantasiereich sie doch sind. Es war nicht das einzige Mal, dass sie uns nur durch ihr Sein belehrten. All die Momente im Dazwischen, die kleinen Spielereien, die Gespräche und Konfliktlösungen knüpften ein Band zwischen uns und den Mädchen.
.Nun ist ein Drittel des Weges bereits vorüber. Auf die weiteren zwei Drittel blicke ich voller Hoffnung und Zuversicht. Geht man aufmerksam seinen Pfad, entdeckt man so vieles am Wegesrand. Lektionen über das Land, das man besucht; Inspirationen, sich selbst neu zu entdecken, wenn nicht gar zu erfinden. Man geht nicht mehr einfach einen Weg. Man beginnt, die Umgebung zu beobachten und lernt, sie zu verstehen.
Die Zeit ist gekommen, die letzten Monate Revue passieren zu lassen. Bei dieser Aufgabe habe ich gemerkt wie schwierig es ist die Moment zu bewerten. So fällt es mir schwer zu entscheiden, welche Momente mir geholfen haben, welche Herausforderungen zu groß für mich waren, welche Aufgaben ich bewältigen konnte und welchen Gefahren ich aus dem Weg gegangen bin. So war bereits die Anreise ein Abenteuer wie kein Anderes. Eine meiner längsten Reisen, die ich je hatte. Über verschiedene Kontinente an einen Ort, von dem ich vor der Bewerbung bei der Nordkirche noch nichts gehört hatte. Das ganze Abenteuer fing an, als wir in Frankfurt gegen 21:50 Uhr unsere Familien verabschiedeten.
Aussicht aus dem Flugzeug
Ungewiss, wo die Reise uns hinführt und trotzdem voller Vorfreude, dass es ein Abenteuer wird. Worauf wir uns eingelassen hatten, wussten wir nicht und trotzdem hatten wir eine klare Vorstellung davon, was uns erwartet.
Auf der langen Reise von Frankfurt über Abu Dhabi, über Sydney, nach Fidschi, bis schließlich Kiribati erreicht wurde, wurde uns immer deutlicher, dass wir keine Idee hatten worauf wir uns eingelassen hatten.
Doch die wirkliche Einsicht kam erst, als wir in Kiribati landeten. Als wir aus dem Flugzeug ausgestiegen sind, hatte uns erstmal die Hitze erwischt. Die drückende, Super heiße, tägliche Hitze von Süd Tarawa. Jonathan und ich waren Erschöpft in den ersten paar Minuten des Ankommens.
Unsere besten Freunde
Nachdem wir die Visums und Passkontrolle und die Gepäckkontrolle erfolgreich überlisten konnten, holte uns ein Mitarbeiter der KUC in einem luxuriösen Auto ab. Zu diesem Zeitpunkt wussten wir noch nicht, dass diese Person später zu einem unserer besten Freunde auf dieser Insel wird. Nachdem ich die ersten Etappen beschrieben habe, möchte ich über die Gedanken und Gefühle reden, die mich seit der Ankunft begleiten.
Selbsterklärend
Was mich wieder und wieder beschäftigt, ist die isolierte Lage des Atolls. Das ist wirklich erstaunlich und immer wieder beängstigend, dass man mitten im Pazifik auf einem Atoll lebt. Zusätzlich ist Betio einer der bevölkerungsdichten Orte der Welt. Trotz einer so hohen Bevölkerungsdichte gibt es wenig zu machen für die persönliche Freizeitbeschäftigung. Dadurch kommt viel Langeweile und Einsamkeit auf. Anfangs war die Einsamkeit am stärksten, weil ich kaum Kontakt zu den Menschen vor Ort hatte. Glücklicherweise besteht eine gute Verbindung zum Internet. Diese ermöglicht es uns, sehr leicht mit den Verwandten und den Geliebten in der Heimat zu kommunizieren, wodurch die Einsamkeit schnell bei Telefonaten vergeht. Der Umgang mit der Langeweile stellt für mich immernoch eine der größten Herausforderungen dar. Es ist eine Art der Unterforderung in Verbindung mit einer Alternativlosigkeit, welcher ich in meiner Heimat noch nie begegnet bin. Sehr eindrucksvoll und erschöpfend.
te Kollege
Eine weitere Herausforderung stellt die Versorgungslage dar. Weil die Insel aus Koral Sand besteht und kaum nährstoffreichen Boden hat, werden die allermeisten Produkte importiert. Diese importierten Produkte beschränken sich jedoch meistens auf Konserven, Süßigkeiten und Haushaltsgegenständen in einer sehr beschränkten Auswahl. Auf der Suche nach frischen Lebensmitteln bleibt man bei Äpfeln, Orangen, Bananen, Mais, Aubergine, Paprika und PakChoi häng. Was eine zusätzliche Herausforderung darstellt ist die Größe der kulturellen Unterschiede. So können wir kaum die Sprache und es gibt keine mobilen Übersetzungsmöglichkeiten. Manche Verständnisse der Kultur entstehen durch Fehlschritte.
Erinnerungsfotos aus der Schule
Was macht diesen Ort aber so besonders und warum bin ich immer noch davon überzeugt, dass ich hier bin? Die Menschen! Jedes einzelne Lächeln mit jedem einzelnen Menschen auf der Straße wird erwidert. Jede Freude im Leben wird mit Allen geteilt. Viele Menschen hier nehmen sich selber nicht so ernst, und haben den Mut, über sich selber zu lachen. Quasi eine Selbstverständlichkeit in Kiribati. Erst durch diese große Offenheit entsteht eine so tiefe Verbindung zu dem Menschen vor Ort, wenn man die Zeit mit den Menschen teilt.
Das Lehrerkollegium
Die Menschen aus Kiribati haben mit das größte Herz welches ich je erleben durfte. Sie sind bereit, alles zu geben, was Sie besitzen, um anderen Menschen zu helfen. Was ich sogar glaube ist, dass sie manchmal bereit sind, mehr zu geben als sie besitzen, um anderen Menschen zu helfen. Auch wenn der erste Eindruck erstmal distanziert scheint, sind die allermeisten einfach nur interessiert und neugierig, haben jedoch manchmal Probleme sich auf Englisch auszudrücken. Und sobald man auch nur einmal um Hilfe fragt, kommt direkt ein vielfaches von dem was man braucht.
Lehrer-Tag Feier mit den guten Bre’s
Viele Menschen aus Kiribati Leben in extremer Armut, haben wenig Möglichkeiten an ihre Zukunft zu denken, wenig Möglichkeiten ihre Zukunft zu planen und kaum Möglichkeiten, sich etwas aufzubauen. Alle sind aber bereit zu teilen. Und alle sind immer bereit zu geben. Selbst Menschen, die ich nur einmal treffen durfte, die ich wahrscheinlich niemals wieder sehen würde, haben mich herum gefahren, mir versucht zu helfen und haben versucht mir den Weg zu weisen. Das ist es, was ich hier wieder und wieder erlebe. Die Großzügigkeit aller Menschen, Freude zu teilen, ihr Hab und Gut zu teilen und den Gästen die Zeit so erfüllt wie möglich zu machen. Ich glaube nicht, dass sie wirklich wissen wie es uns geht, aber wahrscheinlich verstehen sie uns doch besser als wir am Anfang geglaubt hatte.
Hey, hey, einfach 2 Monate hier in Argentinien sind schon rum! Die Zeit vergeht wirklich wie im Flug und ich bin immer noch erschrocken, wenn ich daran denke, dass schon 1/6tel vorbei sind… Aber fangen wir erstmal von vorne an:
Am 13.08. ging es für mich von zu Hause aus los. Am Hauptbahnhof in Berlin habe ich dann auf Lucy getroffen, noch die letzten Leute verabschiedet und schon stand der großen Reise nichts mehr im Weg. Nach einer entspannten Zugfahrt, in Frankfurt angekommen, haben wir die ersten Mitfreiwilligen wiedererkannt und schwuppdiwupp, einen Flug später, waren wir auch schon in Buenos Aires gelandet. Dort erwartete mich und fast 50 andere Freiwillige der IERP (Iglesia Evangélica del Río de la Plata; meine Partnerorganisation) ein zweiwöchiges Einführungsseminar. Zusammen verbrachten wir 2 Wochen, gefüllt mit Sprachkurs, inhaltlichen Workshops und Vorträgen, aber auch vor allem viel Spaß, Begegnungen, Kaffeepausen und mehr. Untergebracht war ich in einer riesigen WG, bestehend aus 18 Leuten und auch wenn das manchmal zu viel Chaos geführt hat, möchte ich diese Zeit auf keinen Fall missen! Generell die ganze Seminarzeit bleibt mir in extrem positiver Erinnerung, denn sie war superschön und bereichernd, auch wenn es natürlich teils anstrengend und überfordernd war, aber das gehört halt auch dazu, wenn alles neu ist und so viele Eindrücke und Emotionen auf einen prasseln. Doch dadurch, dass irgendwie alle Freiwilligen, was das angeht, im gleichen Boot sitzen, hat man während des Seminars superschnell neue Leute kennengelernt, schon erste Freundschaften geschlossen und in so kurzer Zeit so viel erlebt, dass das echt zusammengeschweißt hat. Und somit verging auch die Seminarzeit schnell und der zweite Abschied in zwei Wochen stand an, denn für mich ging es ja noch weiter.
WG-Trubel
Zwar musste ich diesmal keine Ländergrenzen überschreiten, denn ich wohne ja weiterhin in Argentinien, aber mein Weg führte mich ca. 500km nördlicher, nach Paraná. Paraná ist mit 250.000 Einwohnern die Hauptstadt der Provinz Entre Ríos und direkt am Río Paraná gelegen. Hier lebe und arbeite ich ein Jahr lang zusammen mit meiner Mitfreiwilligen Lina. Wir wohnen zusammen in einem kleinen Zimmer mit Küche und Bad direkt oberhalb des Kindergartens, in dem ich arbeite. Die Kinder dort sind zwischen 0 und 3 Jahre alt und neben alltäglichen Aufgaben wie Essen vorbereiten, die Kita dekorieren, spülen oder aufräumen bleibt uns auch viel Zeit, um mit den „nenes“ zu spielen, basteln oder draußen zu toben. Es ist wirklich wahnsinnig süß zu sehen, wie die Kinder sich an einen gewöhnen und einem so schnell ihr Lächeln und viel Liebe zurückgeben! Ein gewisser Kita-Alltag ist also eingekehrt und tägliche Ohrwürmer von spanischen Kinderliedern sind natürlich auch nicht mehr wegzudenken…
Deko für den Frühlingsbeginn
Basteln mit den Kindern
Das Einzige, was mich ein wenig beunruhigt ist, dass teilweise echt wenig Kinder nur in der Kita sind. Eine der Erzieherinnen erzählte mir, dass früher 40 Kinder dort zur Kita gingen und mittlerweile sind es maximal 19 Kinder. Mit fünf Erzieherinnen und uns zwei Freiwilligen hat man an manchen Tagen, wenn zum Beispiel nur 5 oder 6 Kinder da sind, echt wenig zu tun und ein wenig Langeweile kehrt ein, auch wenn wir uns dann meistens trotzdem Beschäftigungen suchen, indem wir basteln, dekorieren oder andere vorhandene Aufgaben machen. Was genau mit der Kita passiert, wenn im Laufe des Jahres die Ältesten gehen, wissen wir auch noch nicht, aber bis dahin ist es ja auch noch ein wenig hin und vielleicht kommen ja in der Zwischenzeit wieder viele neue Kinder.
Neben der Arbeit, die, aufgrund der Öffnungszeiten, jeden Wochentag nur von 7 bis 13 Uhr geht, bleibt Lina und mir außerdem noch viel Zeit um unseren Tag anderweitig zu gestalten. So haben wir uns schnell eine Möglichkeit gesucht mehrmals die Woche Sport machen zu können und haben in den letzten Wochen auch die Zeit gut genutzt, um die Stadt ein wenig zu erkunden. Neben der Costanera, also dem Teil Paranás, welcher am Fluss entlangführt (wo es auch Strand mit Palmen gibt und wo ich jedes Mal glücklich bin, wenn ich von dort aus aufs Wasser sehen darf:)) gibt es auch ein süßes Stadtzentrum mit netten Cafés, Parks und Einkaufsmöglichkeiten. Wir müssen uns zwar immer noch ein wenig einleben und ankommen, aber im Großen und Ganzen kommen wir supergut klar, das Leben zu zweit auf engem Raum funktioniert eigentlich perfekt, auch was Kochen, Putzen etc. angeht, wir lernen erste Bekanntschaften kennen und fühlen uns hier allgemein sehr wohl!
Impressionen aus Paraná
Wir waren sogar schon Teil einer Jugendfreizeit der IERP hier in Entre Ríos. Unser Nachbar hatte uns vor drei Wochen, also gar nicht so lang nach unserem Ankommen, eingeladen mit auf ein sogenanntes „Campamento“ zu fahren. Dieses fand in Crespo, einer Stadt, ca. 50 Minuten mit dem Bus entfernt von Paraná statt. Da wir das Wochenende über noch keine Pläne hatten und die Möglichkeit darauf neue Leute kennenzulernen, viel Spanisch zu sprechen und Etwas zu erleben für uns ideal erschien, sagten wir zu und fuhren mit ihm aufs Campamento. Es war letztendlich wirklich ein richtig tolles Wochenende mit viel Spiel, Spaß, Bewegung und natürlich – was hier nie fehlen darf – das Trinken von Mate beziehungsweise Terere (kalte Mate für die Sommermonate, die hier in der Region mit Saft zubereitet wird). Wir konnten wirklich wahnsinnig viel Spanisch reden, was echt Spaß gemacht hat, und haben auch neue Leute kennengelernt. Leider kommt zwar keiner von denen aus Paraná, sondern alle wohnen ein wenig verteilt, aber trotzdem kann man ja weiterhin Kontakt halten und sich über die nächsten Monate nochmal sehen.
Ein anderes Highlight war Linas und mein erster richtiger Wochenendtrip nach Buenos Aires. Dadurch dass letzten Freitag landesweit ein freier Tag war, konnten wir schon am Donnerstag direkt nach der Arbeit mit dem Bus losfahren und kamen abends am Retiro in Buenos Aires an, wo wir herzlich in Empfang genommen wurden. Das Wochenende über haben wir dann bei Mitfreiwilligen geschlafen, die etwas außerhalb von Buenos Aires wohnen, und haben mit ihnen und auch vielen anderen Freiwilligen, die in Buenos Aires beziehungweise Gran Buenos Aires (der Großraum um Buenos Aires rum) wohnen, Sachen erlebt. Von über den Markt schlendern, ins Café gehen, abends auf ein Konzert und dort sogar selber Musik machen, mal entspannt in der WG Spiele spielen und kochen, Buenos Aires und seine Sehenswürdigkeiten erkunden bis zu einem Geburtstag war alles dabei. Und wir haben es sogar zum Meer geschafft!
Es war echt die perfekte Mischung aus was Erleben und entspannt Zeit mit Freunden zu verbringen. Mal wieder rauszukommen und Leute wiederzusehen war echt wie Balsam für die Seele und das Wochenende ging aufgrund dessen auch superschnell vorbei und schon saßen wir am Sonntagabend wieder im Bus auf dem Rückweg nach Paraná, dem Ort, den ich für die kommenden 10 Monate noch mein Zuhause nennen darf:)
Am 16. August bin ich in Kapstadt angekommen. Es ging vom deutschen Sommer in den windigen südafrikanischen Winter trotzdem konnte ich mich mittlerweile einigermaßen einleben. Obwohl es einige Startschwierigkeiten wie Bettwanzen in der WG und einem frühen Kratzer im Auto vom Einparken gab, fühle ich mich in Kapstadt immer wohler.
Meine Arbeitsstelle
Meine Arbeitsstelle, die New World Foundation, hat zwei wichtige Standorte, in denen ich eingesetzt werde: zum einen den Center wo die Arbeit mit Kindern stattfindet, und zum zweiten die Farm, wo ein Agrar-Kurs angeboten wird. Im Moment bin ich immer abwechseld einen Tag im Center und einen Tag auf der Farm.
Im Center arbeite ich den Vormittag immer in der ECD (Early Childhood Development), das ist der Kindergarten. Dort spiele ich mit den Kindern oder helfe ihnen beim Basteln. Die Kinder bereiten sich im Moment auch auf eine Show vor, die im November stattfinden soll. Dafür lernen sie alle einen Tanz. Und ich bringe meiner Kindergartengruppe auch „alle meine Entchen“ bei, dass sollen Kinder dann bei ihrem Auftritt versuchen zu singen. Da der Tag immer recht durchgetaktet ist, ist es mir am Anfang relativ schwergefallen, mich einzubringen. Außerdem ist es schwierig, die Kinder zu verstehen, weil sie oft eine Mischung aus Afrikaans und Englisch sprechen. Leider haben sich meine Afrikaans-Kenntnisse noch nicht deutlich gebessert, seit ich hier bin. Das plane ich aber noch zu ändern. Am Nachmittag im Center nehmen wir manchmal am „Year beyond“-Programm teil. Dies beinhaltet 25 junge lokale Freiwillige, die Schulkinder unterstützen, die versetzungsgefährdet sind. Die Freiwilligen bringen die Kinder zur Schule, machen Hausbesuche bei den Eltern und geben ihnen Nachhilfe. Außerdem werden die Kinder über Themen wie Drogen oder Umgang mit Notfällen von den Freiwilligen aufgeklärt. Dabei gehe ich mit in die Schulen für die Hausaufgabenhilfe oder einfach für die Bespaßung der Kinder. Manchmal bieten wir auch einfach Unterhaltungsprogramme außerhalb der Schule an für die Kinder, die nicht mehr in die Schule gehen. Außerdem muss ich seit neustem auch einen Computerkurs leiten, der jungen Menschen den Umgang mit Word, Excel oder PowerPoint näherbringen soll. Damit starte ich ab nächster Woche.
Auf der Farm nehmen wir an einem Agrar-Kurs Teil. Dieser bringt Leuten aus der Umgebung den Umgang mit Anbauen, Ernten und Verkauf von Gemüse bei und ist auch mit einer Zertifizierung verbunden. Der Kurs hat mit relativ viel Theorie begonnen, ist aber nun auch praktisch und die ersten Setzlinge wurden eingepflanzt. Der Kurs soll drei Monate lang dauern und dabei neben landwirtschaftlichen Fähigkeiten auch den Umgang mit Computern und wirtschaftliches Denken fördern.
Die Gewalt
Was mich wirklich in den ersten Monaten nach meiner Ankunft beschäftigt hat, ist die Gewalt hier. Es ist erschreckend, wie viel Gewalt man hier miterlebt, oder vor allem, wie normal es hier für die meisten Anwohner geworden ist. An das Geräusch von Schüssen zum Beispiel hat man sich schon langsam gewöhnt. Aber vor allem welche Geschichten man hier hört, ist erschreckend – besonders, mit welcher Leichtigkeit diese erwähnt werden. So wird zum Beispiel im Nebensatz berichtet, dass vor ein paar Tagen eine Frau erschossen wurde, die nichts mit Kriminalität zu tun hatte, sondern von den Angreifern verwechselt wurde. Vor allem hat mich die Geschichte einer Arbeitskollegin entsetzt, die kaum älter ist als ich. Sie erzählte, dass sie vor ein paar Jahren gesehen hat, wie eine komplette Familie vor ihr erschossen wurden. Sie schilderte auch, dass die Kinder sehr viel Angst hatten. Was mich noch mehr geschockt hat als die Geschichte an sich, war mit welcher Kühle sie dieses so schreckliche Erlebnis erzählte. Es ist erschreckend sich vorzustellen, was eine Person hier schon alles an Gewalt erlebt haben muss, damit eine solches Erlebnis gar nicht mehr nahe geht.
Aber der Höhepunkt für mich war, als wir einmal im Rahmen des „Year beyond“-Programm unterwegs waren. Wir sind in die Community gegangen, um eines der Spaßprogramme für die Kinder anzubieten, die nicht mehr in die Schule gehen. Als wir dann dort auf einem Parkplatz saßen und mit ein paar Kindern spielten, kamen mehrere Personen über die Straße gelaufen. Plötzlich warnte uns einer der lokalen Freiwilligen, unser Handy wegzutun, und dann hieß es, wir sollen rennen und alle liefen weg. Später wurde uns erklärt, dass diese Leute so gelaufen seien, als würden sie Waffen tragen, und wahrscheinlich nach jemanden gesucht hätten. Zum Glück kam es aber nicht dazu, dass geschossen wurde. Und wieder fand ich es besonders befremdlich, mit welcher Leichtigkeit alle reagiert haben: Die lokalen Freiwilligen rannten zwar weg, fingen aber dabei an zu lachen, weil einer ihrer Freunde dabei ausgerutscht war. Beim Rückblick am Ende der Woche wurde bei den Highlights, die die lokalen Freiwilligen jede Woche sammeln das Ereignis als „the amazing race Ben & Lou“ benannt.
Vor 2 Monaten habe ich meine Sachen gepackt, mich von meiner Familie am Bahnhof verabschiedet und mich auf den Weg nach Buenos Aires gemacht, es fühlt sich an, als wäre es gestern gewesen, obwohl schon so viel passiert ist. Wir habe einen Argentinischen Silbermedaillengewinner der Olympischen Spiele im Segeln getroffen, haben einen Heiratsantrag bekommen, sind in einen brasilianischen Tanzkurs gelandet und hatten eine Ratte im Ofen. Aber erstmal alles auf Anfang.
Mit Sack und Pack standen Emi und ich nach einer langen Zugfahrt am Frankfurter Flughafen und wir fühlten uns als wären wir schon in den Subtropen angekommen, so heiß und feucht war die Luft dort. Wir machten uns schwitzend auf den Weg unser Gepäck abzugeben und setzten uns ans Gate. Die Zeit bis zum Boarding verging wie im Flug, da sich immer mehr Freiwillige der IERP versammelten und wir uns alle schonmal ein bisschen kennenlernten.
Abflug.
Jetzt saßen wir also endlich im Flieger und es sollte wirklich losgehen. Erschöpft vom Tag schlief ich im Flugzeug auch direkt nach dem Essen ein und habe mit wenigen Unterbrechungen auch fast bis zur Landung durchgeschlafen. Als wir es alle ohne Probleme durch die Passkontrolle geschafft hatten, wurden wir abgeholt und in unsere Unterkunft für die nächsten zwei Wochen gebracht.
Besser als gedacht.
Lichterloh.
Zuvor sahen wir am Flughafen jedoch, wie sich Leute versammelten und begannen zu klatschen. Wir gingen nähr heran und sahen, dass es sich um einen jungen Mann handelt, der gerade von den Olympischen Spielen aus Paris zurückkehrte, denn er trug eine Silbermedaille um den Hals. Wir fragten die Leute, die sich um den Sportler versammelten und fanden heraus, dass er im Segeln die Medaille für Argentinien gewinnen konnte. Gefecht und beeindruckt von der ersten Begegnung mit der Argentinischen Sportkultur fielen wir müde ins Bett. Am nächsten Tag starteten wir dann auch schon in unser Seminar.
Star getroffen.
In den zwei Wochen besprachen wir Themen wie den historischen Hintergrund der Kultur, Gender und Sexualität, Psychische Gesundheit und vieles mehr. Außerdem fand ein Spanisch Kurs statt und wir besuchten Museen. Es war auch möglich ein Projekt in Buenos Aires zu besuchen, in denen einige Freiwillige später arbeiten würden. In unserer Freizeit erkundeten wir noch ein wenig die Stadt. Es war eine sehr intensive Zeit, in der wir nochmal viel gelernt haben.
Obelisco de Buenos Aires.
Hallo Argentinien.
Mate.
Sprachkurs..
Und dann sollte es auch schon losgehen. Nach einem langen Nachmittag am Bahnhof, saßen wir dann endlich im Bus auf dem Weg nach Montevideo. Bei der Passkontrolle hatte ich dann nochmal kurz Angst, dass ich doch noch länger in Argentinien bleiben muss, denn nachdem die Frau am Schalter bei allen anderen das Visum in den Pass gestempelt hat, nahm sie meinen Pass und lief damit in ein anderes Gebäude. Nach einigen Minuten kam sie zum Glück mit meinem Reisepass zurück und auch ich bekam mein Visum. Es ist also doch nochmal alles gut gegangen und wir konnten ohne Probleme weiterfahren.
Um 5 Uhr Morgens kamen wir dann in Montevideo an, wurden vom Bahnhof abgeholt und in unser neues Zuhause gebracht. Wir frühstückten in der Kirche direkt neben unserem zukünftigen Zuhause, jedoch konnten wir noch nicht sofort in unser Haus, weshalb wir erstmal noch 2 Stunden auf den Kirchbänken schliefen. Endlich in unserm Zimmer angekommen, packten wir aus und wollten eigentlich nochmal ein bisschen schlafen, bevor wir nachmittags abgeholt werden sollten, um die wichtigsten Sachen wie eine SIM-Karte oder Busfahrkarte zu besorgen, aber an Schlaf war nicht zu denken, denn dafür war alles viel zu neu und aufregend. Es war garnicht zu glauben und fühlte sich an, als würde ich das alles nur träumen.
Wir erfuhren außerdem, dass wir nicht nur zu 7. in dem Haus wohnten, sondern noch einen tierischen Mitbewohner hatten, denn eine Ratte hatte sich unseren Ofen als ihr neues Zuhause ausgesucht.
Übernachtungsparty in der Kirche.
Am nächsten Tag stand ich um 6 Uhr morgens auf, denn heute sollte mein erster Tag im Projekt sein. Belkis, unsere Mitbewohnerin aus Argentinien, zeigte mir wie ich mit dem Bus zum Projekt komme. Dort angekommen erwartete uns schon der Pastor, die Chefin des Kindergartens und einige Erzieher. Sie zeigten mir alles und erklärten mir das Wichtigste und dann ging es auch schon los. An diesem ersten Tag war ich bei den 1 jährigen Kindern, denn die Erzieherin dort ist die Einzige, die Englisch spricht. Den restlichen Tag verbrachte ich dann mit Spielen und damit, die ganzen neuen Dinge zu verarbeiten.
Der zweite Tag war dann nochmal viel intensiver, denn ab jetzt war ich in der Gruppe der 3 Jährigen, die ältesten Kinder im Projekt. Die Kinder waren sofort begeistert und texteten mich zu, denn die meisten können schon sehr gut sprechen. Ich wusste garnicht, wie mir gescheit und verstand fast nichts. Auch die Erzieherin sprach nur Spanisch, natürlich versuchte sie sehr langsam und in einfachen Worten zu sprechen, damit ich sie verstand, denn sie wusste, dass mein Spanisch noch ziemlich ausbaufähig ist, die Kinder jedoch begriffen das nicht, da sie es einfach nicht kannten, dass jemand nicht ihr Sprache spricht.
Lesestunde.
Fee.
Ein Karton und alle glücklich.
Huiiii.
Am Ende des Tages tat mir der Kopf ziemlich weh, denn es ist sehr anstrengend, wenn man den ganzen Tag eine Sprache hört, die man nicht versteht und sehr viel nachdenken muss, um irgendwie zu antworten. Ich fiel nach diesem Tag also direkt ins Bett und schlief fest ein. Am nächsten Tag sollte dann unsere Ratte ausziehen, denn der Kammerjäger kam zu uns und nahm die Ratte samt Ofen mit, denn dieser war nicht mehr zu benutzen, da unser Haustier es sich dort etwas zu bequem gemacht hatte. Wir standen also erstmal ohne Ofen da. Nach wenigen Tagen gab es dann aber zum Glück einen neuen.
Mittlerweile hat sich das Ganze gut eingependelt. Ich verstehe immer mehr und kann auch mal auf Fragen antworten. Die ersten Wochen war ich trotzdem immer sehr erschöpft und bin sofort nach der Arbeit ins Bett gegangen und auch am Wochenende habe ich so ziemlich nur geschlafen und war vielleicht nochmal am Strand spazieren, aber das war es dann auch. Nach einiger Zeit war ich dann aber immer motivierter auch mal was zu unternehmen so kam es, dass wir neue Leute kennenlernten und auch mal ein bisschen was von Montevideo sehen konnten. Wir trafen in unserer Kirche eine nette junge Frau, welche uns spontan zu einer Forró Tanzstunde (ein brasilianischer Volkstanz) mitgenommen hat. Obwohl ich keine Ahnung hatte, was ich da eigentlich mache und nichts so aussah, wie es aussehen sollte, hatte ich jede menge Spaß und hab sehr viel gelacht.
Strandabendteuer.
Cozy.
Vogelperspektive. .
Neben der Arbeit im Projekt und dem Entdecken der Stadt, waren wir auch schon einmal Feiern, wo wir dann auch direkt eine neue Freundin kennenlernten. Das Interessante ist jedoch, wie wir sie kennenlernten. Kaum waren wir im Club kam eine Gruppe von Leute auf uns zu und fragte woher wir kommen, denn sie hatten uns offenbar Deutsch reden hören. Wir kamen ins Gespräch und unterhielten uns eine Weile. Irgendwann gingen wir dann wieder unseren eigenen Weg in den Außenbereich. Ein junger Mann kam jedoch mit uns mit nach Draußen und sagte, er fände uns alle total hübsch und sei verliebt und ehe wir uns versahen ging er mitten im Club auf die Knie und fragte „Do you want to marry me?“ Wir waren natürlich total verwirrt und lehnten dankend ab. Zwei Mädchen bekamen das mit und nahmen uns wieder mit nach Drinnen. Wir verbrachten dann den ganzen restlichen Abend mit ihnen und trafen uns auch die Wochen danach immer mal wieder, um gemeinsam was zu unternehmen. So fanden wir also unsere ersten neuen Freunde.
Die Eingewöhnung geht zu Ende und so langsam beginnen wir Anzukommen. Vor uns liegen noch viele Abendteuer und ich bin gespannt auf das, was kommen wird.
Ankommen stellt sich manchmal als eine langwierigere Angelegenheit heraus, als man das im ersten Augenblick vielleicht vermutet. Zumindest trifft das auf mich zu. Selbst jetzt könnte ich die Frage „Bist du gut angekommen?“ oder „Hast du dich inzwischen eingelebt?“ nicht vollends mit „Ja“ beantworten. Dazu herrscht in mir noch zu viel Chaos.
Flughafen in Nairobi am 14. August (Beryl, Chrissy, Nora, Charity)
Physisch angekommen bin ich am späten Abend des 14. Augusts. Dort haben meine Füße zum ersten Mal in meinem Leben kenianischen Boden betreten. In jener Nacht erfüllte mich ein regelrechter Wirbelsturm. Der Abschied war nicht leicht, es wurden viele Tränen vergossen und auf einmal saß ich alleine in einem Flugzeug. Umso schöner und wohliger das herzliche Willkommen am Flughafen in Nairobi. Mit strahlendem Lächeln und einem großen „Karibu“ wurden wir von Mary, der Leiterin der Organisation, die für die nächsten elf Monate auch mein Zuhause darstellen wird, und den beiden Sozialarbeiterinnen, Beryl und Charity, begrüßt. Im PLCC (Pangani Lutheran Children Centre) erwartete uns – meine Mitfreiwillige Chrissy und mich – ein kenianisches Mitternachtsmahl, bereitet von Purity, nicht nur eine der Hausmütter, sondern auch eine der herzlichsten Menschen, denen ich bis jetzt begegnen durfte. Sie führte uns bereits in die Kunst des Chapati-Kochens ein (kenianisches Fladenbrot) – einfach köstlich.
Bewusst angekommen bin ich Stück für Stück in den gedankenvollen Momenten des Alltags. Aus dem Fenster schauen während des Autofahrens; all die Menschen, die Schleppesel und Affen auf den Straßen zu erblicken; sich selbst durch den dichten Verkehr zu winden, zwischen den Autos, Matatus (Bus/ Sammeltaxi in Kenia und eines der wichtigsten Transportmittel des öffentlichen Nahverkehrs) und Bodabodas (Motorradtaxi in Ostafrika); während des Spazierens den Blick über den Nationalpark zu genießen und in der Ferne die Skyline Nairobis zu betrachten – in solchen Momenten kam der Gedanke: „Ich bin tatsächlich in Afrika. Ich stehe hier in Kenia.“
Ongata Rongai
Nun, das „seelische Ankommen“ ist wohl noch im Gange. Ich bin noch nicht fertig. Doch einige Schritte bin ich schon gegangen. Nachdem wir die ersten zwei Wochen in Nairobi verbracht hatten, um in der Language school unsere Kiswahili-Kenntnisse zu entwickeln (was mehr oder weniger funktioniert hat), ging es endlich in unser Projekt. Die Kinder haben uns vom ersten Tag an mit leuchtenden Augen aufgenommen, zeigten uns das Gelände und begegneten uns mit unvorstellbarer Wärme. Und einen Sonnenaufgang später begann bereits der erste Schultag.
Die Schüler*innen der Maalum Schule laufen zur Morning devotion in die Kirche auf dem Gelände.
Jeden Morgen findet vor dem Unterricht eine Morning devotion „Morganandacht“ statt. Rund 80 Prozent der kenianischen Bevölkerung sind dem Christentum zuzuordnen, zehn Prozent gehören dem Islam an. Als multiethnischer Staat hat Kenia über 40 verschiedene Volksgruppen und auch weitere zahlreiche Naturreligionen vorzuweisen. Auch im Unterricht oder im Gottesdienst auf dem Gelände am Sonntag ist die Bedeutung des Glaubens für die Menschen zu spüren. Er nimmt nicht nur in dieser Hinsicht einen großen Teil des Lebens ein, sondern im alltäglichen Miteinander. Nicht selten beeindrucken mich die Kinder in ihrem Verhalten. Christliche Werte werden nicht einfach nur in der Theorie besprochen, sondern ausgelebt. Wir teilen, wir helfen und trösten einander. Weint eines der Mädchen, wird es nur wenige Sekunden später von einem der anderen Kinder in den Arm genommen. Radiergummis, Stifte und Scheren werden bereitwillig für den Nachbarn zur Verfügung gestellt. Es reicht ein „Colour red“ und ein roter Stift wird von der anderen Seite des Tisches herbeigeworfen. Einfach überwältigend großartig und rührend war der Gottesdienst anlässlich des Weltkindertags, den die Kinder mit etwas Unterstützung der Hausmütter selbst gestalten durften. Eine wundervolle Erfahrung. Die Liebe und Mühe, die die Mädchen in dieses Projekt gesteckt haben, war nicht zu übersehen. Sie inszenierten Tanzaufführungen, sangen und lasen aus der Bibel vor den Gästen. Selbst die Predigt wurde von einem der Mädchen vorbereitet. Was für ein Mut – sich vor all die Menschen zu stellen und frei von seinen Gedanken und seinem Glauben zu erzählen. Dementsprechend heftig ist der Applaus ausgefallen. Jubel, Lachen, Trubel – die Kirche war erfüllt von Euphorie.
Gottesdienst Weltkindertag
In der Schule assistiere ich in der ersten Hälfte des Tages Teacher Esther, die Lehrerin der Kleinsten, beim Unterricht und der Unterrichtsvorbereitung. Abends geht es zu den Mädchen, die im PLCC wohnen, um sie bei den Hausaufgaben zu unterstützen. Es sind Tätigkeiten, in die ich mich erst reinfuchsen musste, doch mit etwas Zeit und einer Prise Eigeninitiative entdeckte ich Aufgaben, die ich in der Schule übernehmen, oder Stellen, an denen ich mich gut einbringen konnte. So wurde es schnell ein Nehmen und Geben; einerseits Bastelprojekte mit den Kindern leiten, Materialien kreieren oder bewegungsreiche Spieleinheiten draußen integrieren, andererseits von den Lehrkräften Neues lernen (besonders, was die Kompetenz betrifft, die Aufmerksamkeit von einem Dutzend Kinder zu fesseln) und von den Kindern Finger-Fadenspiele beigebracht zu bekommen. Allein durch Zuhören und Zusehen nehme ich von meinen Mitmenschen allerlei mit.
Spiel in der Schule: Mit verbundenen Augen einem Schnur-Pfad folgen
Die liebevolle und herzliche Weise der Menschen hier, ob die der Hausmütter, der Lehrkräfte oder der Kinder – sie ist eine unfassbare Hilfe, um hier Fuß zu fassen und diesen Ort mit Geduld und Spucke zu einem Zuhause zu gestalten. Besonders am Abend bei den Mädchen entstehen oft ganz unerwartet Momente gegenseitiger Zuneigung, wenn Hausaufgaben erledigt sind oder für zehn Minuten beiseite geschoben werden. Singen, Tanzen, auf dem Sofa beisammen liegen und der Musik lauschen. Sie bringen mich zum Lachen und lehren mich, wahrhaftige Freude zu empfinden und, dass Radiergummis wirklich lebenswichtig sind. Zu Beginn war es gar nicht so einfach, die Individuen hinter dem Trubel der Truppe zu erkennen. Mit der Zeit zeigen sich jedoch die ganz eigenen Facetten und einzigartigen Charakteristika der Mädchen. Das eine ist vernarrt in Mathematik und Wissenschaften, das andere kann fantastisch zeichnen. Wieder ein anderes hat es faustdick hinter den Ohren und stellt das offen durch ein freches Grinsen zur Schau. Da ist ein Mädchen, das es liebt, Quatsch zu machen, das vergnügt glucksend durch das Haus rennt, während das andere eine sanfte Seele in sich ruhen hat und die Stille genießt.
Außerhalb des PLCC haben wir ebenso die Chance ergriffen, Erinnerungen zu schaffen. So zum Beispiel durch unseren Ausflug auf die Ngong Hills, eine Hügelkette im Rift Valley südöstlich von Nairobi. „Ngong“ bedeutet so viel wie „Knöchel“ nach der Sprache der Massai und ist auf die charakteristische Silhouette der Gipfel der Hügelkette zurückzuführen. Erinnerungen einer sagenhaften Landschaft und einem unbegreiflichen Blick über die Weite. Möglich gemacht wurde uns dieses kostbare Erlebnis durch eine beeindruckende Frau; Jerusa. Jerusa organisiert nicht nur Trips und setzt diese um, sie ist erfinderisch und ehrgeizig, um das Geld für den Lebensunterhalt und das Schulgeld für ihren Sohn herbeizuschaffen. Ob Catering, Online-Verkauf von Kleidung, Umsetzung von Ausflügen oder private Workouts – die alleinerziehende Mutter ist kreativ und packt ihre Ideen pragmatisch und rational an. Jerusa ist einer der vielen Menschen, bei denen ich zutiefst dankbar bin, ihnen begegnet sein zu dürfen. Jene Kontakte zu den unterschiedlichsten Menschen sind es, die mich inspirieren und bewundern lassen.
Wanderung auf den Ngong Hills (Jerusa, Chrissy)
Nichtsdestotrotz stolpert man auch über das Ungewohnte und wird von all den neuen Eindrücken schlicht überwältigt – ich wurde nicht vom Kulturschock verschont. Wiederum kann ich mich inzwischen kaum noch daran erinnern, wie es gewesen ist, als all die Normalitäten hier für mich noch keine solchen waren. Der Mensch gewöhnt sich schnell an sein Umfeld und ich spüre schon jetzt, dass mir nach meiner Rückkehr nach Deutschland vieles fremd vorkommen wird. Innerhalb unserer ersten Woche im PLCC mussten wir auf die praktische Weise lernen, dass unsere Tür zugeschlossen werden sollte; eine Horde Affen war überraschend zu Besuch und stibitzte uns die Bananen vom Küchentisch. Bei den Schurken handelt es sich um Trockennasenaffen der Gattung Chlorocebus. Sie sind bekannt für ihren Mangel an Anstand, Manieren und ihren Heißhunger, den sie auch an Feldern von Dörfern auslassen.
Ongata Rongai (grüne Meerkatze)
Es wäre jedoch gelogen, würde ich behaupten, es gebe keine Herausforderungen. In die Fremde gehen, fremd sein, sich fremd fühlen. Kleinigkeiten verwandeln sich in Hürden, die überwunden werden müssen; die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel oder der erste Markteinkauf. Kleinigkeiten, die man zuvor als selbstverständlich wahrgenommen hat, erweisen sich hier als Einschränkungen, mit denen ein Umgang gefunden werden muss; nach Einbruch der Dunkelheit zu Fuß hinauszugehen, entpuppt sich mit dem Gedanken an die wilden Tiere, die als Bewohner des Nationalparks unsere Nachbarn sind, als keine gute Idee. Dunkel wird es jedoch bereits zwischen 18 und 19 Uhr. Es sind also Wege zu suchen, mit den hier gegebenen Möglichkeiten zu hantieren und zu werkeln. Und sie sind auch zu finden. Es braucht lediglich Zeit. Umso leichter ist das Gefühl, wenn Hürden überwunden, Grenzen überschritten wurden. Noch nie konnte ich eine Entwicklung der Situation und eine Veränderung meiner selbst derart detailliert beobachten. Jeder Schritt ist deutlich zu spüren, jeder Schritt lässt mich selbstständiger und mutiger werden. Ein schönes Gefühl, dieses Wachsen.