…mit diesen Worten begrüßte mich mein Chef in Padilha. Aber bis dahin war es eine lange Reise:
Mein Freiwilligendienst startete leider erst 2 Wochen später als geplant, da mein Visum nicht rechtzeitig ankam. Deswegen konnte das Abenteuer erst am 24.08. in Frankfurt am Flughafen beginnen. Von dort aus flogen wir über Rio de Janeiro nach Porto Alegre. Es hieß also von der Familie Abschied nehmen und Koffer abgeben. Zum Glück konnte ich auf beiden Flügen schlafen und so ausgeruht mit den 4 anderen verspäteten Teilnehmern an dem Ankunftsseminar teilnehmen. Dieses fand in São Leopoldo (ca. 30 Minuten vom Flughafen entfernt) statt. Eine kleine Überraschung war, dass uns einige Freiwillige, welche schon 2 Wochen vorher angekommen waren, vom Flughafen abholten. Das Seminar war leider aufgrund unserer verspäteten Ankunft etwas kürzer (nur 3 Tage). Trotzdem hatten wir einen kleinen Sprachkurs, haben mehr über die Kultur gelernt und allgemein noch mehr Infos zu Brasilien bekommen. Natürlich hatten wir trotz des engen Zeitplans auch die Gelegenheit uns die Stadt anzugucken, das erste Mal Açaí zu essen und Xis (eine burgerähnliche Speise, typisch für Rio Grande do Sul) zu bestellen. Dabei konnten wir auch unsere neu erlernten Portugiesisch Kenntnisse anwenden.


Erster Tag
Am 28.08. hieß es dann erneut Abschied nehmen, aber diesmal von den anderen Mitfreiwilligen. Dafür durfte ich aber auch ganz viele neue Gesichter kennenlernen, nachdem mich mein Chef zusammen mit meiner Mitbewohnerin abgeholt hat. Wir sind von dort aus ca. 1,5 Stunden in das 700 Einwohner kleine Dorf Padilha gefahren. Auf dem Weg dorthin wurden die Empfangsbalken immer weniger, die Dichte der Häuser immer geringer und dafür die Natur immer schöner. Es tauchten im Regen viele verschiedene Baumarten auf, Hunde saßen neben der Straße und die Hühner liefen fast vor das Auto. Dann war auf der linken Seite ein Fluss zu sehen und es war nicht mehr weit, bis wir das charakteristische Ortsschild erblickten. Wenige Minuten später waren wir auch schon bei unserer Doppelhaushälfte angekommen.
Nun hieß es Koffer auspacken, Wände dekorieren und die Macken des Hauses kennenlernen. Schon am ersten Nachmittag bin ich zum ersten Mal zu meiner Einsatzstelle gelaufen und alles war neu. Ich lernte einige Mitarbeiter kennen, probierte die ersten Kindernamen zu lernen und mich an der Einsatzstelle zu Recht zu finden. Nach der Arbeit gingen wir in den Supermarkt, welcher nur 30 Sekunden von unserem Haus entfernt liegt. Dieser ist deutlich kleiner als die meisten in Deutschland und trotzdem findet man alles, was man zum Leben braucht. Mit den eingekauften Sachen haben wir dann das erste Mal zusammen in der WG gekocht und einen Filmabend gemacht.


Alltag in Padilha
Dieser Tag ist inzwischen schon fast einen Monat her und seitdem ist viel passiert.
Mein neuer Alltag begann. Dabei gibt es hier auch immer wieder kleine und große Highlights: Dazu zählen die regelmäßigen Spieleabende mit den Kollegen, das Lagerfeuer machen, Spaziergänge und auch einige Ausflüge.
Wie die erste Fahrt nach Taquara, was hier die nächstgrößere Stadt ist. Die Busfahrt über die Berge ist dabei schon ein Highlight für sich, da man die wunderschöne Natur der Region bestaunen kann. In Taquara haben wir erstmal in einem “großen” Supermarkt eingekauft und dann Açaí gegessen. Es gab noch viele weiter Aktivitäten über die man schreiben könnte: etwa der Ausflug zur Bundespolizei für die Registrierung, der Tag in Novo Hamburgo, bei dem wir mit anderen Freiwilligen und dem Chef unserer Hauptorganisation (ABEFI) in Kontakt gekommen sind oder die Teilnahme an lokalen Gottesdiensten.



Das Projekt
Aber bei einem Freiwilligendienst geht es ja hauptsächlich um etwas anderes, nämlich ein Projekt, das man mit seiner Arbeit unterstützt: bei mir ist es Lar Padilha, was ich nun genauer vorstellen möchte.
Lar Padilha ist ein Kinderheim, das Kinder und Jugendliche aufnimmt, die aus verschiedenen Gründen nicht bei ihren Eltern oder anderen Familienangehörigen leben können. Einige haben auch gar keine Familie mehr und sind dann zur Adoption freigegeben. Das oberste Ziel bleibt es dennoch, die Kinder wieder bei ihren Familien wohnen zu lassen, weshalb den Kindern (je nach Situation) der Telefonkontakt, ein Besuch der Eltern/Verwandten oder auch ein Wochenende bei ihrer Familie ermöglicht wird. Das besondere bei diesem Projekt ist es, dass es für Kinder ein Zuhause ist (wenn auch nur zeitweise) und sie dadurch eine stärkere Bindung zu ihren ErzieherInnen aufbauen. Diese werden von den Kindern oft als “tia” bzw. “tio” (Tante bzw. Onkel) bezeichnet werden. Durch diese Besonderheiten ist das Projekt sehr lebhaft und die Kinder wachsen einem schnell ans Herz.
Die Kinder und Jugendlichen werden in vier Gruppen bzw. Häuser eingeteilt: Es gibt die Krippe (0-5 Jahre), die Kleinen (6-11) Jahre und dann die Großen (12-17), die aber in Jungs und Mädchen unterteilt werden. Jedes Haus enthält ca. 20 Kinder, wovon die Hälfte Vormittags und die andere Hälfte Nachmittags die Schule besucht. Die Aufgaben der Freiwilligen bestehen darin, die Erzieher während des Vor- und Nachmittags zu unterstützen und die Kinder zu beschäftigen. In meinen ersten Wochen habe ich unter anderem Fußball gespielt oder an Kartenspielen teilgenommen (bei denen jeder mehr oder weniger nach seinen eigenen Regeln spielt). Im weiteren Verlauf des Jahres sollen die Freiwilligen dann auch eigene Projekte/Workshops anbieten, was meine Mitbewohnerin, die schon seit Januar da ist, bereits macht. Hierbei unterstütze ich sie auch regelmäßig. So haben wir letztens mit Hilfe von Hand Umrissen verschiedenste Tiere erschaffen oder mit Wattestäbchen und Farbe wunderschöne Landschaften entstehen lassen.


Wetter, Stromausfall und mehr
Das Wetter ist dabei meistens schön, aber eben auch nicht immer: Als ich letztens schlafen ging, wurde ich mitten in der Nacht von heftigen Sturmböen geweckt, welche das Haus erschütterten. Noch halb im Schlaf habe ich die Wäsche auf der Terasse vor dem Regen gerettet. In der restlichen Nacht habe ich kaum ein Auge zu bekommen. Als ich dann morgens endgültig von einem Donnerschlag geweckt wurde, ist mir schnell klar geworden, dass wir einen Stromausfall hatten – dies ist in Padilha allerdings keine Seltenheit. Im Dorf konnte man die Verwüstung sehen: Bäume waren umgefallen und Brücken wurden überschwemmt. Dadurch, dass wir diesen Tag mit einer Odyssee zur Bundespolizei verbrachten, wurden wir aber kaum beeinflusst. Leider war der Strom auch nach der Rückkehr nicht wieder da. Dies führte einzigartigen Situationen: das Einkaufen mit Taschenlampen, das nicht bezahlen können (wie haben dann nen Zettel bekommen um die Rechnung am nächsten Tag zu begleichen) oder auch das Heim als Treffpunkt, da es dort Satelliteninternet und einen Stromgenerator gab. Ab 18 Uhr war es schon dunkel und wir konnten nur noch bei Kerzenlicht am Küchentisch sitzen. Die Situation war auch am nächsten Tag nicht besser, da nun zusätzlich das Wasser ausgefallen ist, wodurch wir nicht mehr duschen, kochen oder spülen konnten. Zum Glück waren die Probleme gegen Mitte des Tages gelöst und der Alltag im wunderschönen Padilha konnte weitergehen.



Inzwischen kenne ich alle Menschen und Tiere auf dem drei Minuten langen Weg zur Arbeit, kann schon viele der Kinder beim Namen nennen und habe meine Kollegen näher kennengelernt. Ich bin gespannt, was mich in den nächsten Monaten erwartet!


























































































