Weihnachten im Sommer – (M)Eine Perspektive auf die Festtage in Brasilien und weitere Ausschweifungen

Es ist Mitte Dezember, in den meisten Straßen sieht man sofort Dekoration und Lichterketten sobald man sich umsieht – und es sind 25 °C mit üppig Sonne.

Einsatzstelle Ação Encontro – Weihnachtsstimmung bei 30°C

Wir befinden uns in Brasilien, in dem Bundesstaat Rio Grande do Sul, um genauer zu sein. Südlich des Äquators läuft hier ein komplett anderer Rhythmus, und doch ist irgendwie alles ähnlicher, als man vielleicht denkt. In unserer Einsatzstelle Ação Encontro (https://www.google.com/url?sa=t&source=web&rct=j&opi=89978449&url=https://abefi.org.br/acao-encontro&ved=2ahUKEwiXtMbF3OOSAxVyKrkGHXEhAnEQFnoECEcQAQ&usg=AOvVaw0H-Rf15Diciz6sXoNPLIBt) haben meine Mitfreiwillige Ally B. und ich mit unseren Kollegen und den Kindern über die Vorweihnachtszeit fleißig gebastelt, gemalt, gesungen und gebacken.

Einsatzstelle Ação Encontro – Vorbereiten von rund 200 Küchlein!

Und obwohl das Weihnachtsfest hier eher heiß ausfällt, gehören Dinge wie Schneemänner und Schneeflocken mit zum Festtagsimage. Ich fand das erstmal etwas merkwürdig, vor allem weil ich zumindest von meinen Kolleginnen mitbekommen hatte, dass diese Dissonanz schon bewusst war. Des Weiteren haben die Weihnachtsfilme, die wir mit den Kindern ansahen, überwiegend in den USA oder Europa gespielt.Ob diese Eindrücke die Folge einer globaleren Welt oder die spezifischen Einflüsse der Kolonialgeschichte Brasiliens sind, darüber bin ich mir unschlüssig -es freut sich trotzdem jeder über die besinnlichen Feiertage.

Einsatzstelle Ação Encontro – Weihnachtsbasteln

Man muss sich stets daran erinnern, dass obwohl wir oft von Brasilien hören, wir von einem Land ca. 24 mal der Größe und ca. 3 mal der Bevölkerung von Deutschland sprechen. Irgendein grobes, klischeehaltiges Bild Brasiliens ist weiter entfernt von der Realität als Spongebob Schwammkopf von echter Meeresbiologie. Viel eher ist die Quintessenz Brasiliens die Diversität in Traditionen, Küchen, Stilen und Geschichten. So ist beispielsweise die Gaúcho Kultur im Süden des Landes stark verbreitet. Ursprünglich aus den Steppen Argentiniens kam die Lebensweise der Rindviehhalter über die Grenzen bis in die Weiten Südbrasiliens. Bis heute ist in dieser Region die Rindviehhaltung ein großes Geschäft. Die Gaúchos Brasiliens haben eine eigene Tracht die sie auch von anderen südamerikanischen Cowboys klar unterscheidet. In Rio Grande do Sul sind Werte wie Solidarität und Courage immer noch Aushängeschild der traditionellen Gaúchos, die man dementsprechend auch in den Systemen der Sozialassistenz, Jugendräten u.ä. als Helfer, Schlüsselfiguren oder Organisatoren auffindet.

Einsatzstelle Ação Encontro – Gemeinsames Abendessen im vollen Gange

Doch zurück zur Weihnacht – Auch hier lieben Kinder es, Papa Noel (den Weihnachtsmann) zu treffen, der ihnen Geschenke bringt. Deshalb war der Höhepunkt der Weihnachtsfeier in Ação Encontro die Bescherung, nachdem ein Buffet mit typischen Gerichten -mein persönlicher Favorit war der „Arroz à Grega“, Reis mit Rosinen und verschiedenen gewürfeltem Gemüse- das rund 200 Gäste, Kinder, Familien und Freunde verpflegte. Mit einem kleinen Feuerwerk kam der Abend dann zu einem Schluss. Das ganze Team der Einrichtung hat jeweils einen Panettone geschenkt bekommen, nachdem abgebaut und aufgeräumt war. Dieser traditionell italienische Kuchen kam mit Migranten in den 1940ern nach Brasilien und erfreut sich seitdem großer Beliebtheit. Brasilien produziert jährlich die meisten Panettone weltweit!

Insgesamt, so glaube ich zumindest, ist es wichtig für einen ersten Eindruck Brasiliens zu verstehen, wie sehr verschiedene Teile des Landes von verschiedenen Wellen an Immigration geformt sind. Jedoch ist Brasilien wohl ein Paradebeispiel für einen kulturellen Schmelztiegel, wenn auch nicht ohne Aspekte und Geschichtsabschnitte, die man kritisch betrachten muss. So danke ich ihnen, werte Lesende, für ihre Aufmerksamkeit.

Abraços!(Umarmungen!)

-Andreas W.

(Frohe Weihnacht und ein friedliches Neues Jahr!)

Tanz der Dämonen

Anfang September ist die zweite der drei indischen Jahreszeiten in vollem Gange: Der Monsun, der nach einem heißen Sommer viel Regen und damit Abkühlung bringt, macht nicht nur viele Straßen gerade in den Randgebieten von Nagpur unbenutzbar, sondern läutet vor allem auch die Zeit der vielen Feste ein. Dann und im Winter ist nämlich die einzige Möglichkeit, sich längere Zeit oder besonders aktiv draußen aufzuhalten.

Und damit sind wir beim Thema. Luca und ich haben einen Tanzworkshop belegt, um den Garba-Kreistanz zu lernen. Garba wird am Navratrifest zu Ehren der Göttin Durga gespielt, wie man in Indien sagt. Diese hinduistische Gottheit kommt über neun Tage in unterschiedlich farbigen Erscheinungsformen daher und passend dazu bedeutet Navratri übersetzt auch „neun Nächte“. Daher trägt man jeden Tag unterschiedliche, in der Gruppe abgestimmte Farben. Beim Garba tanzt man im Kreis als Gruppe zu typisch indischer Musik des gleichnamigen Genres mit viel Getrommel, wobei die Schrittfolge besonders wichtig ist. Alle machen gleichzeitig Drehungen, Klatscher, Sprünge in diese und jene Richtung, was gerade von außen richtig elegant aussieht und sich synchron innen noch cooler anfühlt. Der „Doria“, eine Schrittfolge, die am ehesten noch dem Hoppserlauf ähnelt, bringt zusätzlichen Schwung in die Show.

Bevor es soweit war, standen wir aber 15 Tage vorher vor einer der vielen Veranstaltungshallen in Nagpur zur ersten Einheit des Workshops. Als einzige, die tatsächlich auf die englische Erklärung angewiesen waren, kriegten wir nach kurzer Zeit eigene Trainer abgestellt, die die Anweisungen des Vortänzers von Marathi (der Lokalsprache) ins Englische übersetzten. Von einfachen Grundschritten steigerte sich das Niveau schnell und als absolute Beginner waren wir bald auch am IPC am Üben, um nicht den Anschluss zu verlieren.

Das Team war wirklich nett zu uns und bevor Navratri starten sollte, gab es noch zwei Vorevents als Abschluss des Workshops und Generalprobe. Dafür waren wir mit ein paar der Teamern unterwegs und haben traditionell indische Kurtas gekauft. Für mich fühlte sich das unfassbar komisch an, in einem Blümchenpyjama und überweiter Hose tanzen zu sollen, aber die Garbaleute waren voll überzeugt.

Insofern waren wir gut ausstaffiert und kamen mit der zweiten Version von Kurta im dunklen Stil beim ersten Vorevent an. Warum denn so dunkel und rot? Das hängt mit der Mythologie des Hinduismus zusammen: Es war einmal ein böser Dämon. Niemand konnte ihn bezwingen und mit dunkler Magie ließ er immer wieder sein verfluchtes Blut auf die Erde regnen, aus dem dann neue Dämonen erwuchsen. Eines Tages war die gute Göttin Durga so erbost darüber, dass aus ihrer Stirn die Manifestation Kali entsprang. Sie war schwarz wie die Nacht, mit einem Kranz aus Totenköpfen auf dem Kopf und voller Zerstörungskraft, die so groß war, dass sie im Zorn sogar die Hauptgottheit Shiva übertraf. In einem großen Gefecht besiegte sie den bösen Dämon und seine Blutskopien und beendete so die große Tyrannei. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute. Ende.

Kalis Dunkelheit symbolisiert hier also nichts „Böses“, sondern reine, grenzenlose Energie und das jenseits von Gut und Böse. Um zu zerstören, ja, aber nur, damit danach Neues entstehen kann. In den Ritualen (mit dunkler oder roter Kleidung und Bemalung) verbinden sich Gläubige mit dieser rohen, reinigenden Kraft. Soweit die Theorie für eine der neun Manifestationen Durgas und das heutige Motiv. An den nächsten Tagen wird es andere Farbkombinationen geben.

Um also stilgerecht und traditionell dabei zu sein, haben wir uns extra noch dunkle Kurtas geholt und kriegten vom Team am Abend diese roten Kreise verpasst. Hier trafen das erste Mal die Teilnehmer der unterschiedlichen Zeit-Slots zusammen, die leicht unterschiedliche Schritte gelernt hatten. Es war schon wild und machte richtig Spaß, wenn wirklich alle in die Dynamik eintauchten und sich mehrere Kreise bildeten, die umeinander tanzten. Innen waren dann meistens die Profis, die die Schritte vorgaben, in der Mitte diejenigen, die sich trauten und den Großteil problemlos hinbekamen, wie Luca, und im äußeren Kreis stolperte ich mir meine Drehungen zusammen.

In den nächsten Tagen gab es noch weitere Veranstaltungen mit Garba für uns: Am zweiten Vorevent gewannen wir den Preis für die pünktlichsten Teilnehmer, weil wir glatt die Dreistigkeit besaßen, spätestens fünf Minuten nach Workshopbeginn vor Ort zu sein, was den Zeitplan manchmal etwas durcheinander brachte; bei Dholida, der zweitgrößten Garba-Veranstaltung der Stadt, sahen wir mit unseren Freunden vom Workshop die Sängerin, die die bekannten Dakla-Lieder spielt und eine Art regionale Berühmtheit ist; mit einem anderen Freund waren wir bei einer Nachbildung der sieben wichtigsten Hindutempel, wo auch Garba gespielt wurde; und mit den Teamern des Workshops gewannen wir einen Gruppenpreis – dieses Mal für die beste Performance.

Und damit gingen gut gefüllte dreieinhalb Wochen für uns zu Ende. Wir freuten uns schon auf die nächsten Feste und sollten nicht enttäuscht werden.

Indien – das bisher größte Abenteuer meines Lebens

Mein Abenteuer begann nicht erst mit der Landung am Dr. Babasaheb Ambedkar International Airport in Nagpur, im Bundesstaat Maharashtra. Nein, es startete bereits mit dem Betreten des Flugzeugs in Doha. Als einziger Europäer an Bord spürte ich sofort die neugierigen Blicke – eine Erfahrung, die ich so noch nie gemacht hatte. Dieses ungewohnte Interesse an meiner Person ließ mich zunächst unwohl fühlen, doch das Gefühl verflog schnell. Schon während des Flugs lernte ich die außergewöhnliche Herzlichkeit der indischen Gesellschaft kennen. Mein Sitznachbar, Shashank, stellte sich mir vor, und wir kamen rasch ins Gespräch. Er erzählte mir von seiner Arbeit als Softwareentwickler und dass er gerade auf dem Weg sei, seine Familie in der Nähe von Nagpur zu besuchen. Wir tauschten Kontaktdaten aus, und er bot mir seine Hilfe an, falls ich sie jemals benötigen würde. Diese unerwartete Freundlichkeit beeindruckte mich tief – ich war noch nicht einmal auf indischem Boden gelandet, und schon hatte ich eine wunderbare Bekanntschaft gemacht. Meine anfängliche Nervosität wich einem positiven Gefühl. Mein offizielles Willkommen in Indien erlebte ich am 15. August, dem Tag der indischen Unabhängigkeit von der Kolonialmacht Großbritannien. Als Zeichen des Willkommens wurde mir ein traditioneller Schal, der sogenannte „Shawl“, umgehängt. Meine physische Ankunft war also vollzogen – doch psychisch sollte es noch eine Weile dauern, bis ich mich vollständig angekommen fühlte.

Mein offizielles Willkommenheißen in Indien

In den folgenden Tagen lernte ich die Menschen und die Arbeit meiner Organisation, dem India Peace Centre (IPC), sowie der Dachorganisation, dem National Council of Churches in India (NCCI), kennen. Zudem bot sich mir die Gelegenheit, bedeutende religiöse Stätten in Nagpur zu besuchen. Einer der Höhepunkte war der Besuch von Deeksha Bhoomi, einem historischen Ort, an dem Dr. B. R. Ambedkar am 14. Oktober 1956 zusammen mit Millionen von Dalits zum Buddhismus konvertierte. Dieser Akt markierte den Beginn der Dalit-Buddhismus-Bewegung und war ein Protest gegen das Kastensystem. Deeksha Bhoomi ist ein starkes Symbol für soziale Gerechtigkeit und Gleichheit in Indien. Dalits sind jene Menschen, die im indischen Kastensystem die niedrigste Stellung einnehmen und oft die größte Diskriminierung erfahren.

Deeksha Bhoomi

Ende August hatte ich die Möglichkeit, mit dem Church of North India Social Service Institute ein Projekt in einem Slum am Stadtrand von Nagpur zu besuchen. Das Projekt zielte darauf ab, Kindern durch Bildung, Unterstützung und einen sicheren Rückzugsort zu helfen. Die Kinder konnten nach der Schule zu einer Lehrerin nach Hause kommen, um dort ihre Nachmittage zu verbringen, anstatt ihre Zeit auf der Straße zu verbringen. Für mich war dieser Besuch eine zutiefst bewegende Erfahrung. Einerseits war es bedrückend, die schwierigen Lebensumstände der Menschen zu sehen, doch andererseits war es wunderschön, zu erleben, wie den Kindern geholfen wurde und sie einen sicheren Raum erhielten. Besonders faszinierte mich die unglaubliche Herzlichkeit und Menschlichkeit der Menschen im Slum, trotz ihrer materiellen Armut. Eine so ausgeprägte Form der Gastfreundschaft hatte ich selten zuvor erlebt.

Das Klassenzimmer im Slum

So verging der erste Monat in Nagpur wie im Flug, und meine erste berufliche Reise stand bevor – es ging in den Bundesstaat Odisha. Wir planten ein Programm namens „School of Peace“ an der KT Global School. Im Rahmen dieses Projekts wählten wir Schüler und junge Menschen aus der Umgebung aus, um mit ihnen über globale Themen wie die SDGs (Sustainable Development Goals), Umwelt, Klimawandel, Frieden, Feminismus sowie die Bekämpfung von Vorurteilen und Diskriminierung zu reden. Das „School of Peace“-Programm soll viermal in verschiedenen Teilen Indiens stattfinden und es dem IPC ermöglichen, lokale Vertreter zu gewinnen, die dieselben Ziele und Vorstellungen teilen. Am letzten Tag vor der Abreise hatten wir die Gelegenheit, die Hauptstadt des Bundesstaates Odisha, Bhubaneswar, auch bekannt als „Stadt der Tempel“, zu erkunden. Gemeinsam mit zwei anderen französischen Freiwilligen der KT Global School besuchte ich mehrere Tempel und genoss das köstliche Streetfood. Dieser Ausflug in einen anderen Bundesstaat war eines meiner bisherigen Highlights hier in Indien.

Odisha

Wenn ich mich jedoch auf ein Erlebnis festlegen müsste, wären es die Festivals, die mich am meisten beeindruckt haben. Während meiner Zeit hier konnte ich bereits zwei bedeutende Feste erleben. Mir wurde gesagt, dass der August die beste Zeit sei, um nach Indien zu kommen, da in diesem Monat viele Festivals stattfinden. Im September hatte ich das Vergnügen, das „Ganesh Chaturthi“-Festival mitzuerleben. Dieses Fest wird zu Ehren von Ganesha gefeiert, dem Gott, der Hindernisse beseitigt und Glück, Weisheit und Erfolg bringt. Das Fest markiert den Beginn neuer Unternehmungen und Gebete für Wohlstand.  Im Oktober feierte ich dann Navratri, ein Fest, das den Sieg der Göttin Durga über den Dämon Mahishasura symbolisiert. Es steht für den Triumph des Guten über das Böse und wird mit Tänzen, Gebeten und Ritualen begangen. Die Festivals sind für mich eine besonders schöne Zeit, da ich sie mit meinen neu gewonnenen Freunden genießen kann und dabei auch neue Bekanntschaften knüpfen kann.

„Ganesh Chaturthi“ und „Navratri Festival“

Am Anfang habe ich gesagt, dass ich mich nur physisch angekommen fühle, doch langsam fühle ich mich auch mental immer mehr in Indien zuhause. Mit dem Entstehen von Freundschaften und durch meine fortschreitende Anpassung an die indische Kultur fühle ich mich immer wohler. Ich bin gespannt, wohin mich dieses Abenteuer noch führen wird.

Uruguays kulinarische Top 5

Jedes Land hat besondere Gerichte, von denen man manche doch lieben lernt. Deswegen stelle ich euch hier die typischsten Gerichte Uruguays, die mir im Laufe des Jahres begegnet sind, inklusive Bewertung vor: 

1. Chivito — das Nationalgericht Uruguays. Wenn ihr mich am Anfang des Lerndienstes gefragt hättet, was das ist, hätte ich vermutlich gesagt, dass es ein Burger mit ganz viel Zeug drauf ist. Diese Formulierung habe ich mittlerweile ein bisschen verfeinert. Der Chivito besteht aus einem Brötchen, welches gefüllt ist mit Rindfleisch, Speck, Tomaten, Zwiebeln, Spiegelei und Mozzarella. Wenn ihr mich fragt, immer noch ein Sandwich oder Burger, aber sagt das bloß keinem Urguayo. 
⭐️⭐️⭐️⭐️

2. Tortas Fritas — Ein aus Mehl, Wasser, Backpulver und Fett bestehender Teig, der wie ein Donut geformt und anschließend frittiert wird. Sie werden meist von Mate begleitet zur Merienda (Nachmittagssnack), vor allem an regnerischen Tagen, gegessen und oft an Ständen auf der Straße verkauft.
⭐️⭐️⭐️

3. Dulce de lecheOder auch: das Nutella Uruguays, eine Karamellcreme, die aus Milch, Zucker und Vanille hergestellt wird. Sie kommt sowohl als Brotaufstrich zum Einsatz als auch z.B. als Füllung beim Backen.
⭐️⭐️⭐️⭐️ (mittlerweile gibt es das sogar auch bei mir zum Frühstück) 

4. Alfajores — Diese gibt es an jedem Kiosk und in jedem Supermarkt in verschiedensten Ausführungen zu kaufen. Es sind zwei Kekse, die mit Dulce de leche gefüllt sind. Oft sind sie auch mit Schokolade und manche auch noch mit Nüssen, Kokosflocken oder Krokant ummantelt.             ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ (meine persönliche Lieblings-Merienda)

5. AsadoWie ich mittlerweile gelernt habe, lieben die Uruguayxs Fleisch. So kann man sich auch das Asado vorstellen: ganz viel gegrilltes Fleisch (meistens Rindfleisch) und als Beilage Salate und Brot. Für Vegetarier gibt es gegrilltes Gemüse. Besonders beliebt ist es natürlich im Sommer, wenn man auch draußen essen kann, aber im Vergleich zu dem Grillen in Deutschland, werden Asados das ganze Jahr über an Wochenenden und Feiertagen wie z.B. Weihnachten oder Ostern veranstaltet. Für uruguayische Häuser ist es sehr typisch, draußen eine sogenannte parilla zu haben, also einen eingebauten Grill. Beim Asado geht es neben dem Essen an sich vor allem aber auch um das Zusammensein und das gemeinsame Vorbereiten des Asados.
⭐️ ⭐️ (Ich bin einfach kein großer Fleisch-Fan, aber den sozialen Aspekt finde ich sehr schön)

Parilla im Garten von unserem Mentor

Insgesamt sind typisch uruguayische Gerichte meiner Meinung nach eher recht simpel gestaltet, was aber nicht gleich bedeutet, dass sie weniger lecker sind. Anhand meiner vergebenen Sterne sieht man, dass ich einige Gerichte mittlerweile sehr gerne mag und sowohl Alfajores als auch Dulce de leche werden mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit in meinem Koffer landen.  

Tomamos un mate?

Mittlerweile bin ich bereits seit neun Monaten in Uruguay und vor einiger Zeit habe ich mir endlich eine eigene Thermo und einen Matebecher gekauft. Da dachte ich mir, ich könnte ja mal ein bisschen über dieses typische Getränk berichten. Es ist nämlich viel mehr als nur ein Getränk. Es ist ein nicht wegzudenkender Teil der Kultur Uruguays und hat im Alltag einen festen Platz. Egal ob am Strand, im Bus, bei der Arbeit oder sogar im Gym, für die meisten Uruguayxs ist der Mate immer dabei. Am liebsten wird er mit der Familie oder Freunden geteilt. 

Jetzt aber zur eigentlichen Frage: Was genau ist Mate überhaupt? Mit Club Mate hat das Ganze nämlich eher wenig zu tun. Mate ist ein traditionelles Getränk, bei dem die Yerba, die getrockneten Blätter des Matebaumes, mit heißem Wasser aufgegossen werden. Kalt funktioniert das Ganze auch, heißt dann aber Tereré und wird vor allem in sehr warmen Regionen, wie dem Norden Argentiniens und Paraguay getrunken. In Uruguay dagegen wird selbst an den wärmsten Tagen bei 37 Grad Mate getrunken. Der Geschmack ist bitter und lässt sich am ehesten mit grünem Tee vergleichen. Da auch Mate Koffein enthält, wirkt es wachmachend, aber im Gegensatz zu Kaffee eher auf eine konzentrationfördernde und entspannende Weise.

Aber wo hat der Mate eigentlich seinen Ursprung? Die Antwort variiert nämlich je nachdem, ob man die Argentinxs oder die Uruguyxs fragt. In diesem Punkt muss ich aber tatsächlich den Argentinxs Recht geben, denn wenn man sich die Geschichte mal etwas genauer anschaut, gelten die Guarani als die ersten Nutzer des Mate. Diese lebten sowohl in Paraguay als auch im Norden Argentiniens sowie in Südbrasilien, aber nicht in Uruguay. Abgesehen davon gibt es hier auch gar keine Matebäume. Die Guarani tranken Mate vor allem der Wirkung wegen und verwendeten die Yerba auch in ihrer Medizin. 

Kommen wir nun zur Vorbereitung (auf uruguayische Art): Für euren Mate braucht ihr zunächst natürlich den Mate, also den Becher. Dieser bestand ursprünglich aus Kürbis, mittlerweile wird er aber aus ganz vielen verschiedenen Materialien hergestellt. Meiner ist innen zum Beispiel aus Keramik. Außerdem benötigt ihr auch eine Bombilla, den „Strohhalm”, aus dem der Mate getrunken wird. Diese gibt es in unterschiedlichen Varianten, besteht meist z.B. aus Stahl oder Silber und hat unten immer eine Art Sieb, damit man die Yerba nicht mittrinkt. Natürlich braucht man auch Yerba und nicht zu vergessen die Thermo, damit man seinen Mate überall trinken und teilen kann.  

Im ersten Schritt füllt man die Yerba in den Mate, verschließt mit der Hand den Matebecher und schüttelt ihn, sodass der Staub der Yerba an der Hand haften bleibt. Anschließend gibt man sowohl etwas kaltes als auch etwas warmes Wasser dazu. Das lässt man dann erstmal ein bisschen stehen, während man nebenbei Wasser erwärmt. Wichtig: Das Wasser darf nicht kochen, sonst wird der Mate zu bitter. In Uruguay baut man mit der feuchten Yerba dann erstmal eine Art Mauer, also bewegt mit Hilfe der Bombilla die ganze Yerba auf eine Seite, sodass man das warme Wasser auf die andere Seite füllen kann. Und schon ist euer Mate trinkbereit! Kleiner Tipp: Man kann zu der Yerba z.B. auch noch Zucker, Orange, Zitrone oder worauf man sonst gerade Lust hat, dazugeben. Mein aktueller persönlicher Favorit ist Zimt.

Mate ist ein Getränk, was man lieben lernt. Am Anfang verzieht man noch das Gesicht, aber irgendwann gehört es zum Tag dazu.