Hi, ich bin Arne, 18 Jahre alt und mache zurzeit meinen Freiwilligendienst im „Hogar Amanecer“, einem Kinderheim in Montevideo, der Hauptstadt Uruguays. Das Heim ist das Zuhause für rund 20 Kinder, die nicht bei ihren Familien wohnen können.
Die ersten drei Monate hier in Montevideo vergingen wie im Flug. Ich war ganz damit beschäftigt, in dem für mich bis dorthin neuen Land anzukommen, alle Kinder und Mitarbeitenden im Projekt kennenzulernen und mich an die Abläufe und Aufgaben zu gewöhnen. Außerdem wollte ich schnellstmöglich Spanisch lernen, da mir der berühmte Satz aus der Vorbereitung „Nur sprechenden Menschen kann geholfen werden“ so im Kopf geblieben ist. Zudem habe ich schnell selbst erfahren, dass mein Grundwortschatz für die erste Verständigung, wie das Absprechen der Arbeitszeiten mit gelegentlicher Unterstützung des Übersetzers zwar ausreicht, ich für die alltägliche Kommunikation die Sprache jedoch gerne deutlich besser beherrschen würde.

Fußball spielen 
Mittagspause 
Abendstimmung im Projekt
Von Woche zu Woche konnte ich bei meinem Spanisch eine Verbesserung feststellen und wenn man bemüht ist zu lernen, auch wenn man zu Beginn sogar mehr Fehler macht, als dass richtige Wörter herauskommen, so habe ich die Erfahrung gemacht, dass so gut wie alle Menschen vor Ort die Bemühungen sehr wertschätzen und einen unterstützen. Mir ist bewusst geworden, was für einen hohen Stellenwert die Sprache im Prozess des Lernens einnimmt, denn mittlerweile kann ich Gespräche führen, über beispielsweise die Hintergründe einzelner Kinder oder das System der Kinderheime in Uruguay und mit welchen Herausforderungen es zu kämpfen hat, was zum einen super interessant ist und ich zum anderen unheimlich viel Neues lernen kann. Was mir beim Spanischlernen geholfen hat: sprechen, sprechen und noch mehr sprechen – außerdem spanische Bücher lesen, die man zuvor schon in seiner Muttersprache gelesen hat und so den Inhalt schon gut kennt (in meinem Fall Harry Potter). So ist es mir leichter gefallen, der Geschichte zu folgen, auch wenn ich des Öfteren einzelne Wörter und zu Beginn auch ganze Sätze nicht verstanden habe. Nebenbei war ich noch damit beschäftigt, die wunderschöne Stadt Montevideo zu erkunden, erste lokale Kontakte zu knüpfen und Zeit mit meiner WG zu verbringen.
Umso schneller stand dann schon der Dezember vor der Tür und ich konnte es kaum abwarten zu sehen, wie der Advent, eine für mich besondere Zeit, in diesem Kinderheim in Uruguay verbracht wird. Kurz zuvor hatte unsere Chefin uns gefragt, ob wir nicht Lust hätten, einen Adventskalender für die Kinder zu machen, weil sie den beidseitigen kulturellen Austausch im Rahmen des Freiwilligenprogrammes sehr schätzt und da Adventskalender in Uruguay nicht sehr typisch sind, empfand sie das als eine gute Gelegenheit.
Almut (meine Mitfreiwillige) und ich haben uns also Ende November an die Planung gemacht. Da es im „Hogar Amanecer“ drei Gruppen (Casa 1, 2 und 3) gibt, in denen jeweils sechs oder sieben Kinder sind, haben wir uns dazu entschlossen, für jedes Casa (Haus) einen Adventskalender zu machen. Ein eigener Kalender für jedes Kind wäre uns von dem zur Verfügung stehenden Budget und auch vom Aufwand nicht möglich gewesen. Wir wollten aber auch nicht, dass sich alle 20 Kinder einen einzigen Kalender teilen müssen und so haben wir, denke ich, einen ganz guten Kompromiss gefunden. Wir wollten von Anfang an nicht den typischen Schokoladen-Adventskalender machen, in dem es jeden Tag Süßes gibt, da wir in den ersten Monaten erlebt haben, dass durch viele zusätzliche zuckerhaltige Lebensmittel zusätzlich zu der landestypischen Ernährung bei den Kindern oft noch stärkere emotionale Reaktionen hervorgerufen werden, als das ohnehin regelmäßig der Fall ist.

Adventskalender vorbereiten 
Casa 1 
Casa 3 
Nächtliches Basteln
Also sollte es ein Adventskalender werden, der mehr mit gemeinsamen Aktionen und anderen kleinen Geschenken gefüllt war. Wir haben uns einen Plan für die 24 Tage gemacht und in jedem Haus 24 Papiertüten aufgehängt. Trotz dessen, dass sich jeweils ein Haus einen Kalender geteilt hat, sollte dennoch jedes Kind jeden Tag eine kleine Überraschung bekommen. So durfte zwar immer das Kind, dessen Name auf der Tüte stand, die jeweilige Tüte öffnen, der Inhalt war aber jeden Tag zum Teilen mit allen Kindern des Hauses. Oft haben wir zusammen mit den Kindern beispielsweise Girlanden für den Gemeinschaftsraum oder Deko für den Weihnachtsbaum gebastelt. An anderen Tagen haben Almut und ich von uns vorbereitete Dinge mitgebracht, wie einen Dankbarkeitsstern für jedes Kind, auf den wir geschrieben haben, was wir an dem Kind schätzen und wofür wir dankbar sind. Samstags haben wir immer mit einem der Häuser Plätzchen gebacken, wo es dann für die Kinder der anderen beiden Häuser einen Gutschein gab, dass wir alle Teller vom Mittagessen abwaschen. Einmal haben wir Faltsterne zusammen mit den Kindern gebastelt und viele von ihnen sind in so ein Bastelfieber verfallen, dass wir noch praktisch den gesamten Dezember weitere Sterne zusätzlich zu den Tagesaktionen gebastelt haben und natürlich sind auch Bewegungsaktivitäten wie Stopptanz nicht zu kurz gekommen. Am 6. Dezember haben wir die Schuhe der Kinder, wie in Deutschland typisch zum Nikolaus, mit Orangen und anderen kleinen Dingen gefüllt und das Highlight war am 23. Dezember eine große Wasserschlacht mit allen Kindern, die bei 35 Grad eine gute Abkühlung für uns alle war.
Der Adventskalender im „Hogar Amanecer“ hat mir wirklich viel Spaß bereitet. Trotz dessen, dass das spontane Umplanen auf Grund des Wetters oder dem teilweise nächtlichen Vorbereiten der Aktion für den nächsten Tag (bei dem uns unsere anderen Mitbewohner*innen oft fleißig geholfen haben) ab und zu schon etwas stressig war, war es ein positiver Stress. Almut und ich konnten unserer Kreativität freien Lauf lassen und durch die täglichen Aktivitäten hatten wir jeden Tag einen festen Programmpunkt, den wir mit den Kindern machen konnten, was besonders ab Mitte Dezember, als die Schulferien begonnen hatten und so die Kinder praktisch den ganzen Tag bei uns im Projekt waren, ein oft hilfreiches Mittel gegen eventuell aufkommende Langeweile bei den Kindern war.
Wir haben den Kindern noch kleine Weihnachtskarten geschrieben und dann ein zwar sehr anderes, aber dennoch wunderschönes Weihnachten am 24. Dezember bei der Familien einer Freundin hier vor Ort gefeiert und am 25. noch im kleinen Kreis nur mit der WG gefeiert. Nach den letzten beiden Arbeitstagen am 26. und 27. Dezember haben wir das Jahr dann mit einem Urlaub über den Jahreswechsel ausklingen lassen.
Und so schnell, wie der Dezember gekommen war, war er dann auch schon wieder vorbei. Jetzt geht es mit frischer Energie ins neue Jahr!































