Besucht werden im neuen Zuhause

Moin aus Paraguay!

Jetzt sind es die letzten dreieinhalb Monate, die ich noch hier in Ciudad del Este lebe und meinen Freiwilligendienst mache. Wie eigentlich das ganze Jahr lang löst das ein Gemisch an Gefühlen aus. Während ich mich wirklich immer wieder sehr auf zuhause freue, hab ich auch total Lust auf die letzte Zeit hier. Denn so langsam beginnt hier die Zeit, in der man die Wochenenden zählen kann und irgendwann dann anfängt zu überlegen, was man alles noch machen möchte, bevor es zurück geht. Und mittlerweile habe ich sehr viel mehr Leute kennengelernt und kenne natürlich die Stadt recht gut. Von ein paar Sachen aus der letzten Zeit erzähl ich jetzt ein bisschen.

In den letzten Wochen hatten wir viel Besuch. Neben anderen Freiwilligen aus unserer Organisation aus Asunción und Argentinien haben auch meine Schwester und meine Cousine den über 10 Tausend Kilometer langen Weg auf sich genommen, um mich zu besuchen. Während meine Schwester 2019/2020 ihren Freiwilligendienst in Tansania gemacht hat, hab ich sie auch besuchen können und ich kann mich noch genau an meinen Eindruck und meine Gefühle erinnern. Ich weiß noch genau, wie beeindruckt ich von meiner Schwester war, dass sie sich in einer so fremden Umgebung ihr Leben aufgebaut hat und sich mit allem auskannte. Umso gespannter war ich natürlich auf ihren Besuch und wir haben hier schon monatelang immer gesagt, was wir alles unserer Familie zeigen wollen, wenn sie kommen. Natürlich konnte ich nicht alles, was ich in den 7 Monaten vorher gesehen hatte, zeigen. Aber einen sehr guten Eindruck von allem konnte meine Familie bekommen und es war wunderschön, denen zu zeigen, wie und wo ich hier so lebe. Denn ich erinnere mich selbst gut daran, dass die Erzählungen, nachdem man alles gesehen hat, natürlich viel besser vorstellbar sind. Für mich war es auch besonders, weil es das erste Mal nach 7 Monaten war, dass ich ein bisschen aus meiner Welt hier rausgekommen bin. Die mag ich zwar sehr gerne, aber vermisse trotzdem auch die Zuhause-Welt ab und zu. Der Besuch von meiner Schwester und meiner Cousine hat mir also auch ein bisschen ein wohles Zuhause-Gefühl gegeben.

Außerdem war es total schön, zu sehen, wie begeistert alle Gäste von der Stadt und Paraguay waren. Ich konnte allen die verschiedenen Ecken hier zeigen und nochmal deren Eindruck hören, wie besonders und wie anders Paraguay natürlich im Vergleich zu Deutschland aber auch im Vergleich zu Argentinien ist. Und die Begeisterung der Gäste wirkt sich dann auch auf einen selbst ab. Das Besondere am Leben in Ciudad del Este ist aus unserer Sicht wahrscheinlich, dass es ein sehr origineller Eindruck ist. Dadurch dass abgesehen vom Shoppingzentrum praktisch keine Fremden hierherkommen, ist es hier anders als in Asunción oder sogar Buenos Aires weniger globalisiert und ein größerer Kontrast zu Deutschland. Das bedeutet vielleicht, dass es keine Boulderhalle, keinen Hockeyverein und einige Lebensmittel nicht gibt, aber das bedeutet zum Beispiel auch, dass alle sehr interessiert sind, was wir hier machen und die meisten sehr positiv demgegenüber eingestellt sind. Letzten Samstag war eine Marktverkäuferin sogar so erfreut, dass sie uns die Erdnüsse, die wir kaufen wollten, einfach geschenkt hat. Von unserem mercado abasto, also dem Wochenmarkt,war Leon, der seinen Freiwilligendienst in Buenos Aires macht und uns hier ein Wochenende besuchen konnte, auch sehr begeistertsten und hat da einige Fotos geschossen:

Gestern hatte ich das zweite Mal in meiner Zeit hier eine dicke Lebensmittelvergiftung. Das sind dann Momente, in denen man lieber zuhause wär. Auch wenn sich meine Mitbewohnerinnen sehr lieb um mich gekümmert haben, krank und nicht zuhause zu sein ist ein bisschen blöder. Generell habe ich mich gut an Kakerlaken, Katzen, die ans Essen gehen, Stromausfälle und Sonstiges hier gewöhnt, aber insgesamt freue ich mich dann auch mein eigenes Bett zuhause und den Luxus dort. Eine oft erwähnte, aber wahre Erkenntnis eines Freiwilligendienstes ist auf jeden Fall, dass man alles Normale von zuhause dann sehr wertschätzen lernt. Und obwohl das Wasser aus der Leitung hier nicht trinkbar ist, unsere Wäsche nicht so richtig sauber wird und es immer mal nach Tierkot riecht, wenn man unsere Lebensbedingungen mit anderen in unserem unsere Viertel vergleicht, geht’s uns sehr gut. Hier gibt es auch ganz unterschiedliche Lebensbedingungen und eben auch Familien, die in Armut leben. In dem Projekt, in dem meine Mitfreiwillige Lene und ich arbeiten, dem Hogar Santa Teresa de los Niños, kommen die Kinder im Alter von 6 bis 17 Jahren aus verschiedenen familiären und finanziellen Hintergründen. Die tägliche Teilnahme am Nachhilfeunterricht, der Spielzeit und dem Essen sind für die Kinder umsonst und spendenfinanziert. Lene und ich finden, dass das Schönste am Hogar die alltägliche Geborgenheit ist. Wir kennen zwar die meisten Hintergründe der Kinder nicht, aber bei manchen wissen wir, zum Beispiel durch Erzählungen und Hausbesuche am Anfang des Jahres, dass die Verhältnisse schwierig sind. Bei vielen haben wir, soweit wir es einschätzen können, aber auch das Gefühl, dass die Kinder sehr geborgen sind. Jedenfalls schätze ich mich sehr glücklich, in einem Projekt zu arbeiten, wo ich stark das Gefühl habe, hilfreich zu sein: Den Kindern zuhören zu können, zu spielen oder in Mathe zu helfen. Jeden Tag erleben wir dabei die süßesten Situationen. Letzte Woche fragte mich ein neuer, kleiner Junge: „De que mundo sos vos?“, also aus welcher Welt ich herkomme. Normal sind auch Sprechgesänge mit unseren Namen, damit wir zum anschaukeln kommen sowie ganz viele Umarmungen und viele Kinder, die sich freuen uns zu sehen. Und auch ich freue mich immer sehr, die Kinder zu sehen. Über meinen Urlaub oder an langwierigen Besprechungstagen hab ich die auch schon immer mal vermisst.

Es gibt allerdings momentan recht große Veränderungen im Projekt. So wurde Anfang des Jahres der Kindergarten, der Teil des Projekts war, geschlossen. Außerdem wurden verschiedene Erzieher entlassen und die Kinder sind jetzt jeden Tag zwei Stunden länger da als vorher. Das bedeutet seit einigen Wochen also auch für uns zwei Stunden mehr arbeiten jeden Tag, von 7:30 bis 16:15. Das hat es nochmal deutlich energieaufwendiger gemacht. Gerade weil auch zwei Gruppen zusammengelegt wurden, also jetzt 25 Kinder in einem kleinen Raum unterrichtet werden und das nicht immer unter Kontrolle gehalten werden können, ist das teils sehr anstrengend. Diese Zusammenlegung oder auch, dass die kleinen Kinder zwischen 6 und 9 Jahren auch 2 1/2 Stunden im Klassenzimmer bleiben müssen neuerdings, sind aus unserer Sicht keine positiven Veränderungen. Die erneuten Zeiten sind zwar eine ministeriale Vorschrift, wie uns gesagt wurde, aber kaum ein Kind kann sich so lange konzentrieren, vor allem in einer großen Gruppe. Allerdings können wir daran nichts ändern, obwohl unsere Meinungen gehört sind, sind die Strukturen wie wir das mitbekommen haben etwas verstrickt und die Zeit gerade ein bisschen turbulent im Projekt. Mich stört eigentlich vor allem, dass immer mal die Dynamiken der Kindergruppen sehr unkontrolliert sind. Das liegt an Unterbesetzung, aber auch daran dass zum Beispiel eine Erzieherin oft sehr demotiviert und am Handy ist. An Tagen, an denen weniger Kinder kommen, beobachten Lene und ich, dass die Zeit im Klassenraum als auch draußen beim Spielen auf dem wunderschönen, großen Gelände viel qualitativer für die Kinder ist und nicht unkontrolliert. Ich denke, dass einen weiteren Erzieher oder eine weitere Erzieherin einzustellen helfen würde. Ich habe zwar vor, meine Sicht vielleicht bei der nächsten Besprechung zu mal darzulegen, aber tatsächlich verstehen wir dann auch nicht alles, was so vor sich geht. Und obwohl wir das Projekt sehr gut kennen und Teil der Arbeit sind, sind wir natürlich nur Freiwillige, die für ein Jahr mitarbeiten dürfen. Abgesehen von diesem Kritikpunkt ist das Hogar vor allem ein wunderschöner Ort für die Kinder.  Über 100 kommen jeden Tag in zwei Gruppen und verbringen dort eine schöne Zeit. Mir macht die Arbeit auch nach wie vor enorm viel Spaß und ich bin sehr dankbar, die Möglichkeit zu haben, das so machen zu können.

Womit ich auch sehr zufrieden bin, ist meine Freizeitgestaltung. Neben dem wöchentlichen Bachata- und Salsatanzkurs, wo wir jetzt das erste Mal zum Fortgeschrittenkurs gegangen sind und dem Fußballspielen mit einem Kollegen und seinen Freunden, habe ich endlich noch ein neues Hobby für mich gefunden. Mit unseren Besuch waren wir Padel-Tennis spielen, was wir schon immer mal ausprobieren wollten, und da habe ich eine Gruppe gefragt, ob ich mal bei denen mitspielen könne. Die haben mich direkt in ihre Gruppe hinzugefügt und seitdem spiele ich mindestens einmal die Woche mit denen Padel. Der Sport an sich macht mir sehr viel Spaß und vor allem sind alle sehr nett. Darüber freu ich mich sehr, auch die noch besser kennenzulernen. Ansonsten geh ich auch nach wie vor gerne Spazieren oder Joggen und relativ regelmäßig gehen wir mit unserem Besuch auf die große Projektwiese und schmeißen ein bisschen die Frisbee. Mir geht’s hier also insgesamt sehr gut!

Soweit von hier, liebe Grüße nach Deutschland!

Ben

Von einer außergewöhnlichen Frau…

Am 08. März 2025 verabredete ich mich mit Purity, einer der Hausmütter des PLCC. Wir nahmen uns beide ungestörte Zeit, setzten uns in den Schatten vor unserem Haus und ich bat sie, mir zu erzählen; von sich, von ihrer Arbeit, von ihrem Leben. Unser Gespräch zeichnete ich in ihrem Einverständnis auf und tippte es im Nachhinein ab. Ihre Erzählungen kürzte und übersetzte ich. Die Geschichten, die sie erzählt, ihre Gedanken und Ansichten sprechen für sich.

Wer bin ich und wie kam ich ins PLCC?

Mein Name ist Purity Mukami Abigael. Ich bin vierundvierzig Jahre alt und nun seit fast zwei Jahren im PLCC.

Wir hatten eine Bekanntgabe in unserer Kirche, dass dort eine Hausmutter gebraucht wird. (…) Wir wussten, dass es ein Ort ist, an dem unter anderem Waisenkinder und Kinder mit schwieriger Vergangenheit leben. Als ich also hörte, dass die Anzeige von dort kam, wusste ich: Das will ich tun. Denn vor einigen Jahren war ich eine alleinerziehende Mutter. Ich habe mich alleine um meine und die Kinder meiner Schwester gesorgt. Gott war immer da für mich. Ich fragte mich: „Was kann ich tun, um zu würdigen, was Gott für mich getan hat?“ (…) Zwar habe ich nicht viel Geld oder andere Gaben, die ich der Kirche geben kann, aber das kann ich tun, um Gott zu zeigen, dass ich dankbar bin. Referentin Agnes trug mir auf, einen Brief zu schreiben. Das war 2019. 2019 verging, 2020 verging, 2021 verging. Ich hatte den Brief schon vergessen. Doch im März 2023 erhielt ich einen Anruf von Referentin Agnes. Ich traf unsere Direktorin Mary Mchana in Nairobi. Wir besprachen alles Nötige und wann anzufangen sei. Einerseits war ich aufgeregt und voller Vorfreude: Ja, ich hatte es geschafft! Andererseits fragte ich mich, was mit meinen
Kindern geschehen würde. Mein Mädchen war in der ersten und mein Junge in der dritten Klasse. Wer würde sich um sie kümmern?

Ich suchte unsere Evangelistin auf und erzählte ihr von meinem Kummer; wer würde für meine Kinder da sein? Ich wäre weit fort von ihnen, wie würde das sein? Sie sprach zu mir: „Mach dir keine Sorgen. Ich bin hier. Ich werde ihre Mutter sein.“ Ich war so dankbar. Für wahr, Gott wollte, dass ich dies tue. Ich war glücklich.

Was sind meine Aufgaben und wie sieht mein Arbeitsalltag aus?

Das Wichtigste ist die Betreuung der Kinder und die Sorge um ihre Gefühle. Das ist die größte Aufgabe. Ich habe realisiert, dass das Verhalten einiger der Mädchen darin begründet liegt, wo sie herkommen und was sie durchgemacht haben. Also ist es meine Aufgabe, mich um ihre emotionale Sicherheit zu kümmern, indem ich sie verstehe und auf sie eingehe, sodass sie stabil werden. Natürlich sorge ich mich auch um sie, indem ich für sie koche und ihnen die Liebe einer Mutter gebe.

Ich bin zu der Erkenntnis gekommen, dass die emotionale Stabilität auch mit der Förderung ihrer Begabungen verknüpft ist. Üben wir gemeinsam für eine Aufführung, hilft es ihnen. Sie vergessen ihre Vergangenheit. Sie konzentrieren sich. Dreißig Minuten sind genug und wir sind durch. Sie haben alles verstanden. Das macht mich so glücklich und ich fühle mich ermutigt. Jede Woche bereiten wir etwas vor. Wenn die Kinder in der Schule sind und ich die Hausarbeiten erledigt habe, muss ich für die Woche etwas Neues suchen; denn ich weiß, sie wollen etwas Neues lernen, was wir donnerstags in der Morgenandacht oder am Sonntag in der Kirche präsentieren können. Das motiviert mich.

Was liebe ich an meiner Arbeit? Was motiviert mich?

Was ich liebe und was mich am meisten erfüllt, ist, diese Mädchen zu sehen. Sie sind
glücklich, sie haben keinen Stress, sie fühlen sich wohl; das gibt mir ein Gefühl von: Ja, ich habe es geschafft! Ich habe es für meinen Gott getan. Und das ist mein Motto, das ist mein Thema, das ist mein Stolz; zu sehen, dass es ihnen gut geht, denn ich kann ihnen nichts anderes geben.

Wie fühlt es sich an, eine so lange Zeit so weit weg von der Familie zu sein?

Das ist eine sehr herausfordernde Frage. Manchmal vermisse ich sie sehr. Wie – wie jetzt. Ich habe sie seit dem 28. Dezember nicht mehr gesehen. Es ist manchmal so schwierig… so schwierig. Letzte Woche habe ich erfahren, dass mein Drittgeborener – er lebt in Nairobi und arbeitet mit seinem Bruder –, dass sie einen Streit hatten. Ich musste alles übers Telefon regeln. Ich musste sie beraten; alles übers Telefon. Und dann ging mein Guthaben leer und ich konnte nicht einmal mit ihnen reden. (…) Ich betete für sie.
Am nächsten Morgen erfuhr ich vom Erstgeborenen, dass sie das Problem gelöst hatten. Gott hat es für mich getan. Weil ich zu ihm gesprochen hatte: „Ich bin weit weg von ihnen. Ich sorge mich um diese Kinder. Bitte, Gott, tu es für mich.“

Über meine Kindheit…

Ich wurde in eine Familie mit sechs Kindern geboren. Ich bin die Zweitgeborene. Meine
Mutter verstarb 1998, als ich sechzehn Jahre alt war. Mein Vater ging zu seiner zweiten
Frau, als meine Mutter starb, und wir wurden zurückgelassen. Meine ältere Schwester
heiratete. Nun war ich die Erstgeborene für meine anderen Geschwister. Also habe ich mich um sie gekümmert. Meine jüngste Schwester war zwei, der eine Bruder vier, der
andere war in der sechsten und meine andere Schwester in der siebten Klasse. Ich hatte
eine sehr schwierige Zeit. Ich zog los, um nach etwas zu essen zu suchen, um irgendeine
Arbeit zu finden, damit wir einfach irgendwas bekommen.

Ich gab mein Bestes und Gott war da für mich. Denn nie kam eine Zeit, in der ich nicht
handeln konnte. Mein Vater zahlte die Schulgebühren für die Familie. Aber woher sollten die Bücher kommen? Die Kinder brauchten Radiergummis, Stifte und so weiter. Das lag alles an mir. Unsere Nachbarin sah, wie ich kämpfte, und wollte mir helfen. Sie ging zu
einer Organisation, die sich um Waisenkinder und Kinder in schwierigen Situationen kümmert.
Am ersten Tag kamen sie mit Essen, sie nahmen Informationen auf und versicherten
uns, sie würden sich um die Schule kümmern, um ein gutes Haus für uns, um alles, was
nötig sei. Doch am nächsten Tag – keine Ahnung, wie die Nachricht ihn erreicht hatte –
ging mein Vater ins Büro der Organisation und sagte ihnen: „Nein, ich bin am Leben. Niemand hat sich um meine Kinder zu kümmern, solange ich lebe.“ Als ich davon erfuhr, war mein höchstes Stresslevel erreicht. Und ich war wütend. Ich konfrontierte meinen Vater: „Wie konntest du uns das antun? Du ernährst uns nicht. Du tust nichts für uns. Und sobald wir jemanden finden, der uns helfen kann, zerstörst du alles. Vater, ich habe mein Bestes getan, aber bitte: Nimm dein Bündel.“ Schweren Herzens gab ich ihm meine Geschwister. Doch meine Stiefmutter sah nicht ein, warum sie sich um die Kinder einer anderen Frau kümmern sollte.

Was hätte ich tun sollen? Ich nahm sie wieder zu mir. Mein Gedanke war: „Jetzt werde ich sterben“ Ich kann es nicht in Worte fassen. Ich hatte keine Hoffnung mehr. Unsere Evangelistin besuchte uns, um zu sehen, wie es uns erging. Ich erzählte ihr von unserer Geschichte. Sie sprach zu mir: „Du kannst nie wissen, warum Gott es so entschieden hat. Doch bist du jemals hungrig ins Bett gegangen?“ Ich sagte ihr: „Nein.“ „Weil Gott immer für uns da ist.“ Und dann sagte sie mir: „Gott wird immer für dich da sein. Mach dir keine Sorgen. Gott wird für dich da sein.“ Sie munterte mich auf, wir sprachen viel und sie versprach, für uns da zu sein. Meine Geschwister wuchsen heran und gingen weiter zur Schule. (…)

Über meine Ehe…

Als ich heiratete, ging ich in eine neue Hölle. Meine Schwiegermutter konnte mich nicht in Frieden lassen. Sie missbilligte mich sehr. Sobald mein Ehemann zu ihr kam, erzählte sie Schlechtes über mich und verbreitete Lügen. Ich hätte dieses und jenes getan, ich hätte dieses und jenes gesagt. Es war wie die Hölle. Eines Tages bat ich ihn: „Bitte, ich flehe dich an. Hör deiner Mutter zu, aber entscheide. Du selbst kannst überlegen und verstehen, wann sie die Wahrheit spricht und wann sie Falsches sagt. Wenn es ein Problem gibt, komm, lass uns zusammensetzen und selbst eine Lösung finden. “
In jener Nacht wurde ich geschlagen. Ich wurde von meinem Ehemann geschlagen. Ich würde seine Mutter nicht sehen wollen, ich würde weder ihm noch seiner Mutter zuhören, ich würde sie nicht respektieren. Er sagte so viel Schlechtes. Ich dachte: „Mein Gott, wenn es dein Wunsch ist, dass ich in dieser Ehe bleibe, bitte, lass diesen Menschen sich ändern.

Und bitte, wenn es nicht dein Wunsch ist, bitte, mein Gott, ebne mir einen Weg, dass ich aus diesem Gefängnis fliehen kann und nie wieder zurückkehre.“

Das war nicht das Ende. Bei jeder Kleinigkeit, die er fand, wurde ich geschlagen und geschlagen. Schließlich sagte mein Erstgeborener: „Mutter, lass uns gehen. Unser Vater schlägt dich jeden Tag, jede Zeit. Das finden wir nicht gut. Er wird dich umbringen und wenn du stirbst, wo bleiben wir dann?“ Zu diesem Zeitpunkt war er sieben Jahre alt.
Eines Abends kam mein Mann nach Hause und sprach zu mir: „Ich will dich aus meinem Haus, jetzt. “ Stell dir vor, ich fühlte kein bisschen Kummer. Ich sagte: „Danke Gott!“ Er würde mir nicht nachkommen, denn er war es, der sagte, ich solle meine Habseligkeiten nehmen und gehen. Ich fragte ihn, ob es wirklich sei, was er wolle. Er sagte: „Ja.“ Ich konnte kaum glauben, dass er es war, der sprach. Aber ich erinnerte ihn: „Niemals, niemals, niemals wage es, mir nachzukommen. Versuch es nicht!“ Ich nahm meine Sachen und meine Kinder. (…)

An dieser Stelle ist die Geschichte noch nicht zu Ende. Puritys jüngster Sohn blieb zunächst bei seinem Vater und sie rang und kämpfte, um ihr Kind zu sich zu holen. Es war nicht nur der Wunsch einer Mutter, die ihr Kind über alles liebt, sondern auch ihr Wille und Ehrgeiz, ihrem Sohn Bildung zu ermöglichen; der Vater behauptete, er habe kein Geld, um den Jungen zur Schule zu schicken. Und obwohl Purity selbst nichts in den Taschen hatte, schaffte sie es mit Unterstützung lieber Mitmenschen; sie
behauptete sich im Rechtsstreit und bekam das Sorgerecht für ihren Sohn. Und allen Hindernissen zum Trotz ermöglichte sie ihm den Besuch der Schule.

Ich kämpfte. Und lass mir dir sagen, von da wurde ich nie gebrochen. Wenn ich an meine
Zukunft denke und mich daran erinnere, wie Gott für mich da war, fühle ich so viel Glück,
dass ich mich um diese Kinder hier kümmere. Denn das ist das Größte und Wichtigste, was ich für Gott tun kann. Denn von da an, obwohl es Höhen und Tiefen gab, war Gott immer und immer für mich da. Da war immer jemand, der mir geholfen hat. Natürlich machen die Kinder mal Sachen, die mich furchtbar fühlen lassen. Aber ich muss sie verstehen und mich an unsere Verbundenheit erinnern. Ich muss ihnen vergeben, damit wir weitermachen können. (…) Es gibt Einiges, was sie nie bekommen haben, als sie aufwuchsen. So bin ich wie ihre Mutter. Es ist meine Aufgabe, es ihnen zu geben. Ich
muss ihnen zeigen, was der nächste Schritt ist, was das richtige ist.

Nun realisiere ich, dass da etwas hinter dem, was Gott getan hat, steckte, als ich durch all das durchmusste. Ich wurde vorbereitet. Denn eines Tages sollte ich hier ankommen.
Und ich weiß: Nichts ist unmöglich. Nichts ist unmöglich unter Gottes Augen. Wenn die Kinder manchmal etwas falsch machen, setzen wir uns zusammen und reden. Und nach etwas Zeit realisieren sie, was sie getan haben, war falsch und sie kommen und sagen: „Mutter, es tut uns leid. Wir bitten um Vergebung und werden es nicht wieder tun.“ (…)
Wenn wir ein Problem haben, müssen wir nach der Ursache suchen. Denn wenn wir den Ursprung nicht ergründen, wird das Problem kein Ende finden. Also setzen wir uns zusammen und reden.

Über meine Ausbildung…

Ich betete, dass ich eines Tages meine Ausbildung wieder aufnehmen könnte; damals
konnte ich nicht atmen. Ich konnte nicht zur Schule gehen. Doch ich sagte immerzu, eines Tages, wenn meine Kinder mit der Schule fertig wären, würde ich wieder zur Schule gehen. 2021 gab es eine Mitteilung in unserer Kirche, dass die Regierung ein Bildungsprogramm starten würde. Ich schloss mich der Klasse an. (…) Wir bestanden unser Exam 2023, als ich hierher kam (…), wo ich auch eine psychologische Ausbildung begann.

Ich danke Gott, denn diese hat mir viel weitergeholfen. Sei es nur, mich zu beruhigen, und zu wissen, alles – so schlimm es auch sein mag – mit Fröhlichkeit anzunehmen, denn womöglich steckt etwas dahinter; ein Problem, von dem Gott möchte, dass wir es lösen. Nächstes Jahr möchte ich mit dem Kurs fortfahren, denn ich habe erkannt, wie wichtig diese psychologische Bildung ist – sogar für mich selbst.

Wenn ich auf meine Vergangenheit zurückblicke und darauf schaue, wo ich jetzt stehe, möchte ich gerne sagen…

Mein Fazit ist: In meiner Vergangenheit hatte ich nichts. Doch jeder Abschnitt, durch den ich gegangen bin, war Teil einer Vorbereitung. Nun bin ich etwas Präsentables. Ich kann andere ermutigen, ich kann Hoffnung spenden, ich kann meine Familie versorgen. Ich kann Menschen, die bedürftig sind, etwas geben. Meine Vergangenheit war eine Vorbereitung für meine Zukunft.

Purity erzählte noch bei weitem mehr; wie ihr so viele Menschen aus dem Dorf halfen, ihrem Sohn die Schulgebühren zu finanzieren und Kleidung für seine Schuluniform zu beschaffen; wie sie voller Energie und Freude in der Kirche sang und sich engagierte; wie sie den Sohn ihrer jüngeren Schwester als ihren eigenen aufnahm, als die Ehe dieser zerbrach.

Wenn man diese Frau so sieht, kann man kaum glauben, wie ihre Vergangenheit
ausgesehen haben muss. Selten trifft man Menschen mit solcher Liebe, Klugheit und Weisheit. Und trotz ihrer lebhaften Erzählungen fällt es mir persönlich mit einer solch anderen Lebensrealität schwer, mir auszumahlen, wie ihre Welt aussah. Menschen können Inspirationen sein; als sie selbst und mit ihren Geschichten umso mehr. Wir können viel von Purity lernen; über Vertrauen; wahre Hilfsbereitschaft und Nächstenliebe, wenn es am meisten darauf ankommt; und darüber, nicht zu verzweifeln und aufzugeben, sondern Lösungen zu suchen und zu handeln, selbst wenn die Welt unlösbar düster zu sein scheint.

„In China Essen alle doch Reis!“

Die Klischees und Unterschiede zwischen dem Norden und Süden Chinas 

Wenn wir über China reden, ist vielen Leuten gar nicht bewusst, wie groß und vielfältig das Land ist. 

In Gesprächen bringe ich gerne den Vergleich:

„China ist ähnlich groß wie Europa und allein die Provinz in der ich meine Einsatzstelle habe (Gansu) ist größer als Deutschland. (Die Provinzen könnte man im deutschen den Bundesländern gleichsetzen.) 

Insgesamt besteht China aus 23 Provinzen und fünf autonomen Regionen. 

Die Diversität und Vielfalt Chinas lässt sich unmöglich in einem Blogbeitrag festhalten. 

Dennoch möchte ich ein paar Klischees über China, und vor allem Klischees über den Norden und Süden Chinas aufgreifen und darüber sprechen was an ihnen dran ist und wie ich sie wahrgenommen beziehungsweise wahrnehme. 

Dabei möchte ich mich vor allem auf zwei Provinzen beziehen, nämlich Yunnan und Gansu. 

An diejenigen, die meinen letzten Beitrag gelesen haben, die wissen schon, dass meine Mama aus China, um genauer zu sein aus Yunnan, kommt.

 Aus diesem Grund konnte ich schon einige (tolle) Erfahrungen und Erinnerungen als Kind hier in Yunnan sammeln. 

Desweiteren, sind gerade Ferien, die ich hier in Yunnan verbringe. 

Als Vergleich zu Yunnan (Süd-China) möchte ich mich auf die Provinz Gansu beziehen, die ich als zweites zu Hause hier in China betrachte. 

Gansu liegt im Norden Chinas, zwischen der Wüste Gobi, dem tibetischen Hochplateau und Xinjiang. 

Sie ist vom Gelben Fluss geprägt und weite Teile der Provinz sind gekennzeichnet durch Wassermangel. 

Gansu ist ein zentrales Bindeglied der Seidenstraße, auch deshalb leben dort unterschiedlichste Ethnien und Minderheiten. 

Die meisten ethnischen Minderheiten in China leben jedoch in den westlichen und südwestlichen Regionen des Landes, insbesondere in den Provinzen Yunnan, Guangxi (Süden), Guizhou (Süden), Xinjiang (Norden), Tibet und der inneren Mongolei. 

(In diesen Provinzen ist die Bevölkerungsdichte der Minderheiten deutlich höher, als in den anderen Teilen Chinas.) 

Doch warum leben gerade insbesonders in Yunnan so viele Minderheiten? 

Yunnan ist geschichtlich betrachtet eine entscheidende Landbrücke gewesen, über die immer wieder verschiedene Gruppen (Völker) aus dem heutigen Südchina nach Süd-Ostasien migrierten/auswanderten. 

Yunnan war/ist ein unvermeidlicher Knotenpunkt der südlichen Seidenstraße, die Sichuan (China) mit Indien verbindet und somit eine wichtige politische, militärische und historische Rolle darstellt. 

Meine Familie gehört nicht nur zu Dai-Minderheit, sondern hat auch „Anteile“ von anderen Minderheiten wie Lisu, etc..

In Dehong sind die beiden größten Minderheiten Dai und Jingpo. 

Die Dai gehören zu den Thai-Völkern und sind während ihrer Wanderung nach Süd-Ostasien hier geblieben. 

Sie leben vor allem in den Ebenen und praktizieren Reis-Anbau. 

Die Jingpo kamen vom tibetischen Plateau und wohnten traditionell in den benachbarten Bergen. 

Ihr wichtigstes Fest ist das Munao Zongge Fest in Dehong, meiner Heimat in Yunnan Mangshi, welches 15 Tage nach dem chinesischen Neujahr jährlich gefeiert wird. 

Es ist eines der wichtigsten Feste in der Jingpo Kultur und wird auch von ein paar anderen Minderheiten gefeiert. 

Munao Zongge wird als ,,Tanz in Maß“, oder ,,Tanz ins Paradies“ übersetzt. Früher hat man es vor allem vor einem wichtigen Kampf , nach einem Sieg oder einer guten Ernte gefeiert. 
Ich liebe dieses Fest und habe auch schon als Kind zweimal mitgetanzt.

Ähnlich wie in vielen anderen Ländern, gibt es auch viele Vorurteile und Klischees was den Norden und Süden Chinas betrifft.

 Doch was ist an den Klischees dran? Und was genau unterscheidet die ,,Südchinesen“ von den ,,Nordchinesen“? 

Als erstes muss man erwähnen, dass es keine klare geographische Grenze gibt, die den Norden vom Süden abgrenzt. Oft nimmt man die Einzugsgebiete zwischen Yangtze (Süd-China) und Gelber Fluss (Nord-China) als Grenze. 

(Alles was über dem Fluss ,,liegt“ zählt somit zu Nordchina und alles was ,,drunter liegt“ zu Südchina. 

Aufgrund der großen Ausdehnung von Nord nach Süd, von West nach Ost und der großen Höhenunterschiede kommen in China fast alle Klimate vor. 

In den nördlichen Teilen Chinas sind die Winter oft lang, kalt, trocken und oft unter dem Gefrierpunkt. 

An meiner Einsatzstelle beträgt die Temperatur im Winter oft um die -20 Grad sogar tagsüber. 

Der Sommer ist auch lang, heiß und trocken,  aber dafür sind die Übergangszeiten sehr kurz. 

In den südlichen Regionen, insbesonders in Yunnan, herrschen subtropische Klimabedingungen.

 In meiner Heimatstadt, Manghsi, liegt die Temperatur im Winter bei durchschnittlich 15/20 Grad. Aber Yunnan ist besonders im Sommer vom Monsum mit seinen vielen Starkregen geprägt. 

Gerade die unterschiedlichen Klimate lassen sich unter anderem in der Architektur widerspiegeln. 

Im Norden, wo das Klima rauer, kälter und trockener ist, wird die Architektur vor allem durch Baumaterialien wie Stein und Ziegel geprägt. 

Diese bieten nämlich mehr Schutz vor der Kälte und dem Schnee. 

Im Süden hingegen setzt man eher auf Materialien wie Holz und Bambus. Diese kommen nicht nur reichlich in der Natur vor, sondern ermöglichen gleichzeitig auch eine authentische Anpassung and die Umgebung. 

(Früher, denn heutzutage setzt man wie in vielen anderen Ländern auf Beton und einen moderneren Baustil.) 


Ein weiterer Unterschied der nicht nur zwischen Nord- und Südchina, sondern in allen Teilen erkennbar ist, ist die Sprache

Die allgemeine Amtssprache in China ist Mandarin. Die Realität ist aber, dass in den verschiedenen Provinzen unterschiedliche Dialekte gesprochen werden, die sich sehr stark vom Hochchinesisch unterscheiden. 

Ich vergleiche dies gern mit den Unterschieden zwischen Deutsch und Schweizerdeutsch, bzw. Dänisch. 

Allein in den Provinzen Yunnan und Gansu gibt es eine Vielzahl an Dialekten. 

In meiner Einsatzstelle habe ich mich mit ein paar Lehrer*innen über die Dialekte unterhalten. Sie alle sind in der Provinz Gansu aufgewachsen und meinten, dass selbst sie enorme Probleme haben den Dialekt („Hezhenghua“ im deutschen Hezhengsprache zu verstehen, der in meiner Stadt Hezheng gesprochen wird, da sie selbst mit anderen Dialekten aufgewachsen sind. 

Doch es ist nicht nur die Vielfalt der Sprache, der Kultur, des Klimas, der Architektur und noch vieles mehr, welches China so vielfältig und einzigartig macht, sondern auch das Aussehen der Menschen. 

Eigentlich schon paradox, dass ich diesen Punkt ansprechen muss. Aber nicht nur in meiner Kindheit, sondern auch jetzt noch höre ich leider sehr oft das Klischee: „In China sehen alle Menschen gleich aus“. 

Nein! Das tuen sie nicht! 

Ironischerweise finden auch viele Chinesen, dass wir „Europäer alle gleich aussehen“, welches wir wahrscheinlich überhaupt nicht bestätigen würden. 

Es gibt aber leider ein paar Vorurteile, die sich anscheinend nur schwer aus der Welt zu schaffen lassen. 

Ein weiteres Vorurteil über das Aussehen, welches man immer wieder hört, ist die Aussage, dass die Menschen im Norden größer sein sollen? 

An dem Klischee ist aber was dran. Tatsächlich ist die Durchschnittsgröße sowohl von Männern, als auch Frauen im Norden höher, als im Süden Chinas. 

Ein letzter großer Punkt auf den ich noch eingehen möchte ist das Essen, denn bekanntlich geht die ,,Liebe ja durch den Magen“. 

Doch essen alle in China nur Reis? 

In China herrschen eine Vielzahl an unterschiedlichen Küchen. Offiziell gibt es 8 traditionelle Küchen, die sich nicht nur am Kochstil, sondern auch in den Zutaten unterscheiden. 

In Gansu im Norden essen viele Leute sehr gerne Weizen oder Nudelgerichte. Im Süden hingegen setzt man viel mehr auf Reis. 

Doch warum ist das so? 

Das liegt vor allem am Klima und der damit möglichen Agrarwirtschaft. Ein damit verbundenes ,,Klischee“ ist, dass sich die unterschiedlichen Anbauweisen auf die Mentalität der Menschen ausgewirkt haben soll. 

Kurzgefasst sagt man, dass man früher zum Bewässern von Reisfeldern eine Vielzahl an Menschen benötigt habe, beziehungsweise ein ganzes Dorf. 

Das heißt die Menschen waren auf die Hilfe von anderen angewiesen, was dazu führte, dass die Südchinesen tendenziell im Kollektiv denken mussten. 

Im Norden hingegen konnte man aufgrund des Klimas nur auf den Weizenanbau zurückgreifen.     Die Ernte von Weizen schafft ein Bauer auch „alleine“, was dazu führte, dass die Menschen im Norden dazu tendieren individuell zu denken. 

Was ich auf jeden Fall dazu sagen kann ist, dass die Menschen in Gansu noch jetzt trotz der Globalisierung noch sehr gerne Nudeln und Weizen essen. 

Meine Freunde in Hezheng sagen immer zu mir: „Ich könnte 3-Mal am Tag Nudeln essen, aber niemals 3-Mal am Tag Reis“.

 (Allein in der Schulkantine meiner Schule, kann man neben dem Reis jeden Tag zwischen fünf unterschiedlichen Nudelgerichten wählen. ) 

Zum Schluss möchte ich nochmals erwähnen, dass mir bewusst ist, dass es noch viel mehr Unterschiede und Klischees gibt auf die man eingehen könnte, wie zum Beispiel die Kultur, die Religion, das Aussehen und vieles mehr…. 

Leider ist es aber nicht möglich diese in einem so kleinen Rahmen zu erläutern, da es dem Thema und den Menschen nicht gerecht werden würde. 

Ich bin aber sehr dankbar einen so tollen Einblick in die zwei Provinzen zu bekommen und allein diese Vielfalt der zwei Provinzen so hautnah mitzuerleben. 

Ich möchte mich von euch damit verabschieden indem ich das Eingangsklischee,  („In China essen alle doch Reis“) aufgreife, um es als Metapher weiter zu nutzen. 

„Nein, nicht alle Chinesen essen Reis“. 

Das PLCC – ein Zuhause für viele Menschen

Grandios, heiß, sonnig, lustig, erfahrungsreich, genussvoll. All diese Worte beschreiben meinen ersten Kenia-Urlaub. Gemeinsam mit meiner Schwester Paula ging es an die Küste, wo uns ein Meer aus Licht und eine Welle an Moskitos erwartete. Wir sprangen in die Wellen und tauchten zusammen mit den Fischen und Krabben zwischen Algen und Korallen.

Meine Schwester Paula und ich in einem Mangobaum-Kanu auf dem Kongoriver

Obwohl es eine tolle Zeit war und ich die dortigen Momente als besondere Erinnerungen in mein Herz einschließen werde, war es ein eigenartig schönes Gefühl, als meine Schwester und ich uns auf den Rückweg nach Rongai machten, ich die bekannten Straßen wiedersah und wir schließlich am Tor zum PLCC standen.

Es war das Gefühl, nach Hause zu kommen. Schon die ersten Schritte auf dem Gelände und erst recht das Wiedersehen mit den Menschen des PLCC, das Umarmen und gemeinsame Lachen erfüllte mich mit Glück. Das PLCC scheint an manchen Tagen überquellen von diesem Glück. So geht es nicht nur den hier lebenden Menschen. Was sagte meine Schwester doch gleich, als sie das Gelände zum ersten Mal mit eigenen Augen sah? „Das ist hier ja ein richtiges Paradies!“ Doch im Grunde steckt noch so viel mehr dahinter.

Blick auf das PLCC von unserem Balkon aus

Es begann in den 90er Jahren mit der Gabe von Brot und Milch an Straßenkinder. Nun bietet das PLCC einen Wohnort für vierzig bis fünfzig Mädchen in Ongata Rongai und ermöglicht ihnen den Schulbesuch. Das Pangani Lutheran Children Centre als Hilfsprojekt der Kenya Evangelical Church hat es sich zur Aufgabe gemacht, Mädchen aus den Slums und von den Straßen Nairobis einen Ort zu bieten, an dem sie sicher sind, Chance auf Bildung haben und sich zuhause fühlen können.

Auf dem Gelände selbst befindet sich eine Primary School, durch deren Sein und Wirken bereits das Ziel des PLCC erfüllt wird, die Mädchen in die Regelschullaufbahn zu integrieren und ihnen formelle Bildung zu ermöglichen. Direktor dieser Schule ist Teacher Bosiri. Zusammen mit Teacher Esther, Teacher Rose, Teacher Belinda und Teacher Jakob unterrichtet er an der Maalum Schule Kinder der Stufen eins bis sechs und im Kindergartenalter. Ebenso besuchen Kinder außerhalb des Geländes die Schule. Die Teacher lehren ein Basiswissen von Mathe über Agrarwirtschaft, Naturwissenschaften hinzu Englischunterricht und sind bemüht, eine Lesekultur aufzubauen, indem Kurzgeschichten und Bücher sowohl auf Englisch als auch auf Swahili in den Unterricht eingebaut werden. Bei den Kleinen stehen zwar die Grundlagen von Lesen, Schreiben und Rechnen im Fokus, wenn gleich ebenso priorisiert wird, dass die Kinder genug Freiraum erhalten, um zu spielen, mit Händen und Füßen zu bauen und zu kneten und neue wie alte Lieder zu lernen. Kennt ihr „Simama kaa “? Ich kannte diesen Song bereits aus Deutschland, kommen tut er doch aus Tanzania und wird auf Swahili gesungen.

An dieser Stelle ist schon erkennbar, dass es auch um informelle Bildung geht; um Lernen, Erfahren, Ausprobieren, im Team arbeiten. Es mangelt den Mädchen absolut nicht an sozialer Kommunikation und Interaktion. In den Pausen wird Fußball gespielt, geschaukelt und gerutscht. Ich persönlich bin auch großer Fan des Spiels „Extender“ geworden, bei dem alle Mitspieler eine Spanne – durch Stöcker am Boden festgelegt – springend überqueren müssen, wobei nur der „Extender“ in der Lage ist, die Spanne in jeder Runde zu erweitern.

Die Mädchen sind kreativ und genau das wird neben Fertigkeiten, die sie abseits der Schule sich aneignen, wie Kleidung waschen, Essen kochen und Putzen, gefördert. Gerade in der Ferienzeit gaben wir im PLCC alles, um den Kids Raum und Zeit zu bieten, sich zu entfalten und auszuprobieren. Da wurde gespielt, gebastelt und getanzt. Backrezepte, die wir probierten, lernten die Kinder auswendig, um sie daheim ihren Familien zeigen zu können.

Ein anderes unserer Projekte war das Kreieren einer Wimpelkette: Ein Gemeinschaftsprojekt, zu dem jede ihren individuellen und eigenen Teil beigetragen hat. Viele Einzelteile führten zusammen zu einem wunderschönen Ganzem, das die Kirche in ein neues Licht stellte.

Dort in der Hall, wo auch die Gottesdienste stattfinden, kommt es hin und wieder zu kleinen bis größeren Vorstellungen der Mädchen. Zu Anlässen wie Feiertagen, wenn Gäste zu Besuch sind oder beispielsweise die Christmas-Party am Ende letzten Jahres, bevor die Kinder nach Hause zu ihren Familien gefahren sind, präsentieren sie Tänze, Poems oder singen vorm Publikum. Zu solcherlei Festtagen beteiligen sich auch stets die Hausmütter, sowohl bei der Unterstützung der Kinder als auch bei… quasi allem.

Ohne Purity, Tabitha, Patience und Rose wäre das PLCC nicht das PLCC. Die 37 Mädchen leben hier auf dem Gelände eine lange Zeit ohne ihre Familie oder haben keine Familie mehr. Die Hausmütter kümmern sich nicht nur darum, ihnen nahrhafte Mahlzeiten, Medikamente, Hygieneartikel und Kleidung bereitzustellen, sie sind auch zu ihrem Schutz da, für ihre emotionale Stabilität.

Natürlich ist dahingehend die Arbeit der Sozialarbeiterinnen Beryl und Charity ebenso bedeutsam. Doch bezieht sich deren Arbeitsfeld eher auf das Büro, die Koordinierung von Besorgungen, die Zusammenarbeit mit Krankenhäusern und Gesundheitszentren für die Sicherstellung der Gesundheit der Mädchen und die generelle Verwaltung. Bei konkreten Anliegen oder Problemen sind sie ideale Ansprechpartnerinnen für die Kinder und können eine neue Perspektive bieten und aus einer anderen Position heraus agieren.

Geht es jedoch um den Alltag, um ein wenig Trost, die üblichen Streitigkeiten untereinander oder einfach nur darum, jemandem vom besten Erlebnis des Tages zu erzählen, dann sind es die Hausmütter, die zur Stelle sind. Eine kleine Wamboi, die am ersten Tag nach den Ferien erstmal unter einem umstürzenden Regal landet, braucht eine feste Umarmung gegen den Schock und ein Kühlpack gegen die Beule. Allein der Name erklärt ihre Rolle und Funktion im PLCC. Sie kochen, lesen vor und erzählen Geschichten, hören zu, kümmern sich, umarmen, sie lieben die Mädchen vom ganzen Herzen wie ihre eigenen Kinder. Dabei ist jede von ihnen für eines der vier Häuser zuständig, die in einem großen Gebäude auf dem Gelände koordiniert sind; Tabitha für das blaue Haus mit den kleinsten, Purity für das orangene und Patience für das grüne. Im gelben Haus wohnen die ältesten Mädchen, die vieles schon selbstständig organisieren. Mom Rose ist eine großartige, ältere Dame, die über viele Jahre diesen 24/7 Job ausgeführt hat, sich nun langsam zurückzieht und für die dieses Jahr auch das letzte im PLCC sein wird.

Nicht zu vergessen sind natürlich auch Stephen, der Hausmeister, unterstützt von Moses. Die beiden übernehmen Aufgaben, die ich aufgrund mangelnder Kenntnisse gar nicht so recht verstehe. Elektrizität, der Kampf gegen das immerzu wachsende Gras, die Pflege der Ziegen und des Gartens und so weiter und so weiter. Auch Joseline ist so eine Wächterin über das ganze Gelände. Hauptsächlich ist sie für das Putzen zuständig, aber niemand kann behaupten, dass ihre täglichen energiegeladenen Begrüßungen nicht gewaltig zur guten Laune der Menschen beitragen und sie nicht ebenso eine innige Beziehung zu den Kindern führt. So viele Persönlichkeiten bilden diesen besonderen Ort und diesen Geist.

Nichtsdestotrotz zieht es nicht wenige der Mädchen zu ihren Familien. Dementsprechend ist der Kontakt zu ihnen für sie wie für das PLCC von hoher Bedeutung. Solcherlei Angelegenheiten liegen auch im Verantwortungsbereich der Social worker und des Office. Zu den Zielen des Projekts zählt, die Gesamtsituation der Familien zu verändern und die Kinder mit ihren Familien zusammenzuführen. Was für ein unglaublicher Tag es war, als die Kinder von ihren Eltern abgeholt wurden, um mit ihnen, ihren Geschwistern, Tanten und Onkels, Großeltern, Cousinen und Cousins die Feiertage zu verbringen. So viele Tränen, Sorgen und Zweifel, ob alles glatt gehen wird und so viel Strahlen, als die Mutter zum Abholen erschien. Susan, eine weitere Sozialarbeiterin des PLCC, die jedoch nicht auf dem Gelände in Rongai arbeitet, legte sich an diesem Tag mächtig ins Zeug.

Das ist letztlich der Kern. Die Mädchen, ihr Glück und ihre Zukunft stehen im Zentrum des PLCC. Sie sind das Herz, die Idee, der Antrieb für all die Menschen hier. Bei der Christmas Party Ende letzten Jahres richteten ehemalige PLCC-Girls ein paar Worte an das Publikum. Da waren Lehrerinnen dabei, Sozialarbeiterinnen, Angestellte; mutige, selbstbewusste Frauen, die unabhängig auf zwei eigenen gesunden Beinen im Leben standen. Sie sind der lebendige Beweis für das, was das PLCC bewirken kann; dass es eine Chance auf ein besseres Leben bieten kann. Von wohl kaum einer anderen Person werden die Werte des Projekts mehr getragen als vom Kopf des PLCC: Mary Mshana. Sie strahlt die Überzeugung aus, dass jedes Mädchen ein einzigartiges Individuum mit grenzenlosem Potenzial ist, das es verdient hat, zu träumen, zu lernen, Talente zu entdecken und zu entwickeln. Genau dafür schafft sie eine Umgebung. Das PLCC verändert das Leben der Mädchen; die Mädchen verändern die Welt.

Lust auf einen Spaziergang?

Um zu verstehen, wie ein Mensch lebt, reicht es nicht, Momentaufnahmen zu betrachten. Es reicht nicht, die Orte, Plätze und Situationen unter die Lupe zu nehmen, die wie Zeitinseln den Alltag markieren. Das Dazwischen, die Wege, sind ebenso entscheidend. Wie komme ich von einer Insel zur nächsten, von einer Situation in die andere?

Ein Vorhaben in Nairobi ist allein schon deshalb ein Abenteuer, weil mir auf meiner Reise dorthin so vieles vor die Nase kommt. Das geht schon los, bevor ich überhaupt das Gelände des PLCC (Pangani Lutheran Childrens Centre) verlasse. Denn trete ich aus der Haustür und schlendere an den Häusern der Mädchen, der Schule und der Hall vorbei, ist es fast unmöglich, den Mädels nicht zu begegnen und sich wilde Umarmungen abzuholen.

Blick vom Balkon unserer Wohnung auf das PLCC- Gelände
Blick auf den Nationalpark und Nairobi

Kaum habe ich das Tor passiert, erwartet mich ein überragender Anblick; der Nationalpark erstreckt sich über die Weite und in der Ferne ist deutlich die Skyline Nairobis zu entdecken. Geht man hier, am Rande des Nationalparks, spazieren, geschieht es nicht selten, dass die Grenzen zwischen den Menschen und der Wildnis verschwimmen; Antilopen, Zebras und Giraffen kreuzen einem den Weg. Was einerseits einem Wunder gleichkommt, birgt andererseits ebenso Schattenseiten. Dass die Großstadt Nairobi und die Wildnis des Nationalparks lediglich durch einen Zaun getrennt werden, führt zuweilen zu Konflikten zwischen den Menschen und den Tieren. Besonders die Wanderrouten der Huftierherden sind gefährdet. Und nicht nur das bedroht die wilde Seite Kenias. Klimawandel, die Verschlechterung der Lebensräume, die Abholzung der Wälder, die Volatilität des Tourismusmarktes, veränderte Landnutzungen, Wildtierkriminalität und und und und und. So vieles gefährdet die Wildtiere und die Artenvielfalt in Kenia und auf der ganzen Welt. Umso mehr erscheint ein Ort wie der Nationalpark Nairobis hoffnungsspendend. Löwen, Leoparden, Geparden, Strauße, Flusspferde, Gazellen, Gnus, Büffel… Nur einige der rund 80 Säugetier- und ganzen 500 Vogelarten. Nicht erwähnt hier die Spitzmaulnashörner. Für diese ist der Nationalpark eines der erfolgreichsten Schutzgebiete in Kenia und einer der seltenen Orte, an denen sie in natürlicher Umgebung anzutreffen sind (Ich selbst hatte das Glück).

Nashörner
Aufnahmen vom 15.09.2024

Vor Jahrzehnten war die Art in Zentral-Kenia durch Wilderer ausgerottet und in ganz Kenia stark bedroht. Mitte der 80er Jahre waren von ursprünglich 20.000 nur noch 350 Nashörner übrig. Zum Zeichen gegen Wilderei ließ 1989 Präsident Daniel Aral Moi öffentlich im Nationalpark Elfenbein im Wert von 760.000 US-Dollar verbrennen. Seither haben sich die Bestände ein wenig durch intensive Schutzmaßnahmen erholt. Die Gefahr des Aussterbens ist jedoch noch nicht gebannt. Ziel ist es, die aktuelle Anzahl von 1.000 Spitzmaulnashörnern innerhalb des nächsten Jahrzehnts zu verdoppeln, was laut Wildhütern einer Populationsgröße entsprechen würde, die vor dem Aussterben bewahrt werden könnte.

Masai Lodge Road

Auf der fortführenden Strecke blühen Büsche und Blumen am Straßenrand. Ich kann mich darauf gefasst machen, entweder in Staubwolken zu geraten, wenn vorbeifahrende Autos oder Bodabodas den Dust des Weges aufwirbeln, oder nasse Füße zu bekommen, wenn in der zuvorigen Nacht mal wieder der Himmel aufgebrochen ist und Regenstürze auf die Erde fallengelassen hat.

Doch ab der Schranke der Masai Lodge Road ist zu merken, dass man dem Innenleben Ongata Rongais näherrückt. Die Straße ist asphaltiert, lokale Supermärkte und Marktstände tauchen am Straßenrand auf und zahlreiche Tuctucs,  Autos, Bodabodas und Schleppesel ziehen die Hügel hinauf und hinunter.

Tuctucs an der Kreuzung Masai Lodge und Magadi Road

Je weiter ich wandere, desto lebendiger wird dieses Treiben. Es ist ebenso der Weg zu unserem Lieblings-Marktstand bei Nancy. Hier kaufen wir stets unser Obst, Gemüse und – nicht zu vergessen – eine ungeheure Anzahl an Eiern ein. Auch wenn der Weg zum Einkaufen recht weit ist (man braucht etwa 30-40 Minuten zu Fuß bis zu Nancys Stand), ist es immerzu ein schönes Gefühl, einer bekannten Person zu begegnen und warmherzig begrüßt zu werden. Ein Stückchen weiter stehen schon die Matatus an der Magadi Road, die nach Nairobi fahren. Wann welches Matatu abfährt? Nun, das weiß niemand so recht. Wenn der Bus voll ist, geht es los. So viel steht fest. Also ein Päckchen Geduld und Gelassenheit einpacken – was ebenso für die Fahrt selbst gilt. Denn abhängig vom Verkehr ist die Fahrtzeit in die Innenstadt mal 40, mal 90 Minuten lang. Universitäten wie die Multimedia-University, Malls sowie Gärten und Parks fliegen an mir vorbei. Ziegen und Baboons streunen zwischen den Palmen am Straßenrand hindurch. Schließlich ist da Nairobi; mit seinen Hochhäusern, seiner Weite und den Slums.

„Kibera“ bedeutet Dschungel. Es ist der größte Slum Nairobis; die Anzahl der Menschen kann nicht so recht erfasst werden, doch Schätzungen gehen von etwa 700.000 bis 800.000 Menschen aus. Auf zwei Hektar leben damit etwa 71.000 Menschen. Der enge Raum, kombiniert mit der Verschmutzung durch Abfälle, Abwässer und Fäkalien, treibt die Krankheitsrate in die Höhe. Armut, Gewalt und Kriminalität prägen die Region.

Diese Informationen konnte ich im Internet zu diesem Gebiet zusammentragen. Besonders faszinierend war auch zu lesen, dass die Menschen in „Wellblechhütten“ hausen würden. Was assoziierst du mit einer solchen Beschreibung? Wirst du in deinem Weltbild bestätigt?

Der Einfluss unserer Sprache auf die Wahrnehmung der Wirklichkeit ist enorm. Wir hören „Wellblechhütte“ und denken an einen armseligen Ort, an hungernde Kinder und düstere Lebensumstände. Bilder in unserem Kopf, die wieder und wieder aufgegriffen und reproduziert werden, sodass unsere Lebenswirklichkeit wieder und wieder bestätigt wird. Dabei ist es nie so klar und einfach. Solche Sprachbilder sind Konstrukte mit Ursprung in der Zeit europäischer Eroberung und Kolonialisierung. Sie gründen sich auf eine Gesellschaft, in der eine rassistische Ideologie und Hierarchie bestand. Noch heute ist diese in unserer Sprache verankert und damit auch unbewusst in unserer Wahrnehmung. Die Realität ist jedoch bei weitem komplexer.

Es wird von der Armut, dem Leid und der Kriminalität berichtet, aber nicht von den ganz normalen, liebenswürdigen Menschen, die dort kochen, arbeiten, lachen, in der Sonne dösen, leben. Vor kurzem fand in Kibera die sogenannte Kibera Arts Parade statt. Wir waren etwas spät dran, aber es war ein schöner, sonniger Tag und die Leute konnten uns den Weg zur Veranstaltung weisen. Dort angekommen führten verschiedene Künstler*innen, Kinder- und Jugendgruppen vorbereitete Präsentationen auf. Die Veranstaltung war voller Leben, Kreativität und Wohlwollen füreinander. Die Gruppen turnten und tanzten Afrobeats wie verrückt, andere sangen oder trugen Poetry vor wie das dreizehnjähriges Mädchen Wamboi, das ihr Herz in einem Gedicht zu gender-based violence ausschüttete. Eine Gruppe junger Mädchen und Frauen bot eine Modenschau dar. Die Kleidungsstücke hatten sie aus Resten und Zeitschriften selbst angefertigt und etwas völlig Neues kreiert. Der Nachmittag zeigte mir eine der vielen Seiten der Slums wie ich sie noch nie gehört oder gesehen hatte; Gemeinschaft, Spaß, Stärke, Intelligenz, Selbstvertrauen, Ehrgeiz und ein Miteinander.

Turngruppe Kibera Arts Parade

Dann ist da noch der Weg durch die Zeit. Ein Weg, der so lang ist und sich doch als fix zu wandern herausstellt. In den letzten sieben Wochen durften Chrissy und ich das Ferienprogramm für die Mädchen erarbeiten. Für diesen Pfad durch die Zeit bin ich schlicht und einfach dankbar. Ein bisschen wehmütig blicke auf die letzten Wochen zurück; wünsche mir fast, dass dieser Weg noch ein Stückchen länger gegangen wäre. Es war sicherlich auch steinig an nicht wenigen Stellen. Bei 37 Mädels ist es kaum zu verhindern, dass keine Konflikte entstehen. Aber gleichzeitig bargen all jene Herausforderungen so viel Wachstum für die Kinder und nicht zuletzt für uns und führten dazu, dass wir und die Mädels uns einen riesigen Schritt aufeinander zubewegt haben. Natürlich war das Programm selbst ein großer Spaß; wir werkelten und tüftelten, backten und spielten.

Sammeln von Blumen und Blättern für ein Naturmobile

Aber auch hier ist der Weg, das Dazwischen das Ziel. Wie kam es nur dazu, dass – ganz entgegen unserer eigentlichen Planung – am Halloween-Mottotag uns auf einmal bunte, wilde Fratzen begegneten? Die Mädchen hatten eigenständig angefangen, sich zu bemalen und sogar ihre Haare mit Farbe zu verzieren.

Es war nicht das einzige Mal, dass sie auf ihre erstaunliche und einzigartige Weise bewiesen, wie kreativ und fantasiereich sie doch sind. Es war nicht das einzige Mal, dass sie uns nur durch ihr Sein belehrten. All die Momente im Dazwischen, die kleinen Spielereien, die Gespräche und Konfliktlösungen knüpften ein Band zwischen uns und den Mädchen.

.Nun ist ein Drittel des Weges bereits vorüber. Auf die weiteren zwei Drittel blicke ich voller Hoffnung und Zuversicht. Geht man aufmerksam seinen Pfad, entdeckt man so vieles am Wegesrand. Lektionen über das Land, das man besucht; Inspirationen, sich selbst neu zu entdecken, wenn nicht gar zu erfinden. Man geht nicht mehr einfach einen Weg. Man beginnt, die Umgebung zu beobachten und lernt, sie zu verstehen.

Die ersten zwei Monate in Paraguay

Moin moin nach Hause und in die ganze Welt aus Ciudad del Este, Paraguay!

Wir haben heute den 13. Oktober, was heißt, dass ich tatsächlich seit genau zwei Monaten in Südamerika bin! Verrückt. Obwohl ich mich tatsächlich immer mehr angekommen fühle, hab ich noch ganz genau den Reisetag vor Augen, wie ich am Hamburger Hauptbahnhof auf den Weg gebracht wurde und einen Tag später auf einmal in Buenos Aires war. Bis jetzt müssen wir, also meine Mitfreiwilligen und ich, uns immer wieder sagen, dass wir tatsächlich in Paraguay leben, für ein Jahr!
Naja genug Realisation betrieben, denn obwohl man sich schnell an einen so anderen Alltag gewöhnt, war die letzten zwei Monate für mich so viel neu wie noch nie. Begonnen hat das Ganze schon in Frankfurt am Gate, weil wir Nordkirche-Freiwilligen da direkt andere Freiwillige unserer Empfängerorganisation, der Iglesia Evangelica Rio de la Plata (IERP), kennengelernt haben. Insgesamt sind wir bei der IERP fast 50 Freiwillige, die in Argentinien, Uruguay und Paraguay in unterschiedlichen Projekten unseren Freiwilligendienst machen. Verbunden durch unsere Aufgeregtheit und Freude haben wir uns sehr schnell sehr gut kennengelernt und in Buenos Aires beim Anfangsseminar ne unglaublich schöne und intensive Zeit gehabt, die nach zwei Wochen auch schon wieder vorbei war. Schon wieder ein Abschied und das Gefühl, jetzt geht’s wirklich richtig los!


Und dann ging´s wirklich richtig los. Direkt nach  unserer 27-Stundenbusfahrt haben wir eine kleine Führung durchs Projekt bekommen und waren ein bisschen überwältigt davon, wie schön es ist. Ganz viel Platz zum Volleyball- und Fußballspielen, liebevolle Waldgemälde, riesige Mangobäume und viele Blumen machen irgendwie klar, warum das Projekt Hogar, also Zuhause, heißt. Nach einem Wochenende frei zum Ankommen und Organisieren waren meine Mitfreiwillige und ich den ersten Tag in unserem Projekt. Ganz viele Eindrücke und Kinder waren das für uns, aber wir wurden super herzlich empfangen vor allem auch von den Kindern, die uns direkt mit herzlichen Umarmungen willkommen hießen.
Unser Projekt heißt „Hogar de Niños Santa Teresa“ und ist ein Kindergarten und eine Kinderbetreuung für Kinder und Jugendliche bis 17 Jahren. Jeweils vormittags und nachmittags kommen die insgesamt ca. 100 Kinder und essen zusammen, lernen und machen Hausaufgaben, basteln, machen viel Quatsch und am Ende spielen alle zusammen im Patio. Die ersten Arbeitswochen konnten wir jeweils verschiedene Altersgruppen kennenlernen und besser verstehen, wie alles so funktioniert.


Teil vom Kennenlernen war natürlich auch immer mal rumzusitzen, zuzugucken und nichts machen zu können. Das fiel mir im Projekt am Anfang am schwersten: keine Hilfe zu sein und manchmal auch das Gefühl zu haben, dass es egal ist, ob man gerade da wäre. Allerdings wurde das schnell immer weniger. Durch das anfängliche Beobachten konnten wir den Erziehern und Erzieherinnen besser helfen. Mit einfachen Sachen wie Tragen und Sortieren aber auch Mathe und Spanisch können wir mit einigen Kindern üben. Und hauptsächlich machen wir sehr viel Quatsch mit den Kindern beim Spielen oder geben Anschwung wenn jemand mal wieder: „Tocame más fuerte!“ ruft. Die Arbeit im Projekt ist zwar an manchen Tagen sehr anstrengend, vor allem bei teilweise 38 Grad, erfüllt mich aber sehr. Ich habe mittlerweile das Gefühl, eine sinnvolle Hilfe zu sein. Mal gibt’s mehr und mal weniger zu tun, aber gerade die Liebe, die die Kinder einem geben, macht mich immer wieder sehr glücklich.


Obwohl die Arbeit im Projekt viel Energie und Zeit eingenommen hat in den ersten Wochen, war das nicht alles, was ich hier schon so erlebt habe. Immer besser lernen wir unsere Stadt, die direkt an der Grenze zu Argentinien und Brasilien liegt, kennen. Die Hauptattraktion von Ciudad del Este ist ein riesiges Shoppingcenter, das wir am Anfang einmal besichtigt haben. Allerdings fanden wir, dass diese Shoppingmall aussieht wie jede andere auf der Welt. Zusammen mit viel Verkehr und Smoq hat mich dieser Eindruck am Anfang ein bisschen belastet. Wir hatten nach unserem Empfinden noch keinen richtig schönen Ort in der Stadt gefunden und das Gefühl, dass es den nicht gäbe. Umso besser hat mir getan, bei unseren nächsten Ausflügen mehr zu sehen wie einen schönen und mückigen Stadtsee, über den uns ein Kind überraschend erzählt hat, dass es da ein Krokodil gibt. Oder einen tropischen Fluss mit schöner Natur zum Spazierengehen bei uns in der Nähe, den Gemüse-und-Alles-Markt, ein Café, unser Viertel und mehr. Und jetzt schon kann ich sagen: es gibt unglaublich viele sehr schöne Orte, an denen ich noch viel Zeit verbringen möchte.


Allein diesen Sonntag hat mich sehr erfüllt, einen Spaziergang zu machen, neben einem Fußballplatz unter einem Mangobaum bei drei verschiedenen spanischen Musiken Siesta zu machen und auf dem Rückweg bei einer kleinen Tienda ein kaltes Sprudelwasser mit Limette zu trinken.

Für die nächste Zeit nehme ich mir jetzt vor, hier noch mehr kennenzulernen. Nächsten Mittwoch haben wir vier Freiwilligen zum Beispiel vor, einen Salsatanzkurs auszuprobieren. Da bin ich sehr gespannt drauf und auch sonst fühle ich mich jetzt so angekommen, dass ich mehr von und über mein neues Zuhause lernen und Menschen kennenlernen möchte.

Ich freue mich auf alles, was noch so kommt, hab aber auch jetzt schon die Sorge, dass ich viel zu schnell dann wieder am Hamburger Hauptbahnhof stehe und alles vorbei ist. Wobei ich dann endlich wieder die weltbesten Franzbrötchen habe, ohne die ich jetzt noch 10 Monate hier in Ciudad del Este, Paraguay, leben werde.
Insgesamt kann ich jetzt schon sagen, dass trotz vielen emotionalen Aufs und Abs und Schwierigkeiten oder gerade deswegen, ein Jahr einen Freiwilligendienst in Paraguay zu machen das absolut Richtige für mich ist.

Galigrü oder ortstypischer:
Un beso y un abrazo fuerte,

Ben

Zwei Monate, zwei Länder, und viele Eindrücke

Meine Reise hat nun vor 2 Monaten begonnen. Je nach Tagesstimmung frage ich mich, wie diese zwei Monate so schnell vergehen konnten und gleichzeitig, wie ich so vieles in nur zwei Monaten erleben konnte. Unter anderem habe ich mehr als nur ein Ankommen an einem neuen Ort erlebt.

Erstes Ankommen – Argentinien

Mein erstes Ankommen war nicht direkt in Uruguay, sondern zunächst in Buenos Aires. Dort nahm ich gemeinsam mit anderen Freiwilligen aus den Einsatzländern Argentinien und Paraguay an einem zweiwöchigen Einführungsseminar der IERP (Iglesia Evangélica del Río de la Plata), unserer Partnerorganisation, teil. Neben einem Spanischkurs wurden wir in diesem Seminar auf die uns bevorstehende Zeit vorbereitet. Zusätzlich hatten wir die Möglichkeit, einige schöne Orte und Märkte in Argentinien zu entdecken, und sind natürlich direkt in den Genuss von Mate und Empanadas gekommen. Während dieser Zeit wohnte ich mit elf weiteren Freiwilligen in einer WG im Zentrum von Buenos Aires.


Obwohl ich von vielen anderen Freiwilligen umgeben war, die sich in derselben Situation wie ich befanden, fiel mir das Ankommen dort nicht leicht. Die neue Sprache, die fremden Orte, die vielen neuen Eindrücke und das ständige Zusammensein mit anderen – kombiniert mit dem Vermissen meines vertrauten Alltags – waren anfangs eine große Herausforderung für mich. Emotionen, die ich so von mir nicht kannte und auch nicht erwartet hatte, da ich noch nie wirklich Heimweh verspürt habe. Doch am anderen Ende der Welt fühlt sich plötzlich alles etwas anders an.

Dennoch sind die zwei Wochen voller Neuheiten schnell vergangen, und ehe ich mich versah, saß ich mit meinen Mitfreiwilligen aus Uruguay im Bus von Buenos Aires nach Montevideo.

Zweites Ankommen – Uruguay

Um 6 Uhr morgens in Montevideo angekommen, wurden wir am Busbahnhof von unserem deutschsprachigen Ansprechpartner vor Ort in Empfang genommen. Bevor wir unser neues Zuhause beziehen konnten, mussten wir uns aber noch ein wenig gedulden. Bei einem gemeinsamen Frühstück in der Kirche haben wir unsere argentinische Mitbewohnerin kennengelernt und gönnten uns, völlig erschöpft, ein kurzes Nickerchen auf den Kirchenbänken.

Für das kommende Jahr werde ich mit vier anderen Freiwilligen aus Deutschland, einer Freiwilligen aus Argentinien und einer aus den USA in einer WG leben. Unser Haus liegt nur fünf Minuten vom Strand entfernt, was unglaublich angenehm ist. Nach einem anstrengenden Tag gehe ich gerne am Strand spazieren, telefoniere dort mit Familie und Freunden oder wir sitzen gemeinsam bei Sonnenuntergang im Sand zum Karten spielen. 

Drittes Ankommen – Hogar Amanecer

In diesem Jahr arbeite ich gemeinsam mit zwei Mitfreiwilligen im Hogar Amanecer, einem Heim für Kinder im Alter von 5 bis 18 Jahren. Unser erster Arbeitstag folgte kurz nach unserer Ankunft in Montevideo. Wir wurden morgens von einer Arbeitskollegin mit ihrem Auto abgeholt. Völlig gespannt und aufgeregt saß ich auf der Rückbank – immer mal wieder abgelenkt von dem rasanten Straßenverkehr in Uruguay. Ich war froh darüber, dass immerhin das Auto einige Geräusche von sich gab, denn auf die Fragen unserer zukünftigen Arbeitskollegin konnten wir aufgrund unseres gebrochenen Spanisches – wenn überhaupt – nur kurz antworten. Im Kinderheim angekommen haben wir einige Mitarbeiter, den Koch, sogar die Hündin und den Kater kennengelernt. Nur kein Kind war zu sehen, was mich vorerst verwirrte. Es lag jedoch daran, dass die Kinder in der Schule waren. Nach und nach kamen sie wieder und haben uns voller Freude begrüßt. Man wurde direkt zum Malen, Haare flechten oder UNO spielen aufgenommen. 


Die Tage sind zwar oft anstrengend – das dauerhafte Nachdenken über die Sprache und das neue Arbeitsleben zieht viel Kraft – aber wir leben uns allmählich ein, finden unsere Aufgaben und ein Tag vergeht wie der nächste. Einmal die Woche haben wir uns vorgenommen, mit den Kindern zu backen – ein kleines Ritual, das uns allen Freude bereitet. 

Brezeln

Ankommen im Alltag

Nach sechs Wochen leben in Montevideo, konnte ich dank bekannten Hobbys, alten Essgewohnheiten (Haferflocken zum Frühstück = guter Start in den Tag) und einem täglichen Arbeitsablauf langsam in meiner Routine ankommen.

An einem typischen Wochentag verlasse ich gegen 9 Uhr das Haus Richtung Bushaltestelle, da mein Arbeitstag um 10 Uhr beginnt. Vormittags, wenn wenige bis keine Kinder da sind, sortieren wir oft Kleiderschränke der Kinder, räumen Zimmer auf oder fegen und wischen den Boden. Den übrigen Morgen nutzen wir häufig, um Aktivitäten zu planen oder auch weiter Spanisch zu lernen. Gegen Mittag holen wir die ersten Kinder von der Schule ab und der Nachmittag gestaltet sich mit den verschiedensten Aktivitäten wie Fußball spielen, Basketball spielen, Malen, Basteln, Backen, usw…

Um 18 Uhr endet der Arbeitstag, und etwa eineinhalb Stunden später bin ich wieder zu Hause. Wenn ich noch genügend Energie habe, gehe ich spazieren oder ins Fitnessstudio. Ansonsten gibt es Abendbrot und dann ab ins Bett.


In den letzten 2 Monaten habe ich nun schon so viel erleben dürfen und doch habe ich das Gefühl, dass das Abenteuer gerade erst begonnen hat. Ich bin gespannt auf die kommenden Monate und freue mich darauf, Euch davon zu berichten.

Ankommen

Am 26.08.2024 ging es für meinen Mitfreiwilligen Julian und mich auf die Reise nach South Tarawa, Kiribati. Wir haben unsere Reise ab dem Flughafen Frankfurt gestartet, an dem wir uns von unseren Familien verabschiedeten. 

Von dort aus flogen wir nach Abu Dhabi, dass wir in den Morgenstunden des 27.08. erreichten.

Nun ging es für uns mit unserem längsten Flug, der in etwa 13 Stunden dauerte, von Abu Dhabi nach Sydney.Dort kamen wir früh morgens am Mittwoch den 28.08 an.

Weil wir über 7 Stunden Aufenthalt hatten, sowieso nochmal durch die Sicherheitskontrolle mussten und man mit dem Zug vom Flughafen weniger als eine halben Stunde in die Innenstadt Sydneys braucht, beschlossen wir einen kleinen Teil Australiens zu  erkunden.

Wir haben uns das Opernhaus, die Skyline Sydneys, und den Royal Botanical Garden angeschaut. Für eine atemberaubende Atmosphäre hat gesorgt, dass wir um 7:30 Uhr in der Woche die einzigen Touristen waren, und sonst nur joggende Australier unterwegs waren. 

Danach ging es für uns nach Fiji, wo wir spätabends ankamen, und dann mit einem Taxi ins Backpacker Hotel zu fahren. 

Noch in der Nacht wurden wir dann wieder von einem Taxi zum Flughafen Nadi gefahren, wo wir dann unseren letzten Flug zum Bonriki International Airport, Bonriki, South Tarawa, Kiribati antraten.

Schon aus dem Flugzeug konnten wir einen Blick auf die Schönheit der Natur von Kiribati werfen. 

Blick aus dem Flugzeug

Am Flughafen wurden wir sehr herzlich von Vertretern der Kiribati Uniting Church(KUC), empfangen. So waren wir also in Kiribati angekommen.

Nun fuhren wir zu einem Restaurant auf der Insel, KoaKoa. Auf dem Weg dorthin sahen wir schon die Schule an der wir als Assistenzlehrer aushelfen, das William Goward Memorial College, das zur KUC gehört. 

Dann ging es für uns zum Immigration Office nach Bairiki, wo wir unser Visum endgültig erhalten haben. Dort kauften wir uns auch im Vodafone Store SIM-Karten und Guthaben. Bairiki ist so ziemlich das Zentrum der Insel.

Anschließend ging es für uns in das KUC-Headquarter in Antebuka, wo wir erst einmal in die Gästezimmer einzogen. Die Zimmer waren wirklich gut, und zum Glück hatten sie auch eine Klimaanlage, was bei den Temperaturen hier wirklich angenehm ist.

Später wurden wir von unserer Vorfreiwilligen Sara und ihrem Mann Oten, die glücklicherweise zu dem Zeitpunkt auch in Kiribati waren, abgeholt und sind mit ihnen nach Betio, den bevölkerungsreichsten Teil Tarawas, gefahren.Dort machten wir erste Einkäufe und setzten uns danach in ein Strandcafé. 

So ging unser erster Tag in Kiribati zu Ende. In den nächsten vier Tagen passierte dann viel spannendes, so sahen wir unseren ersten Sonnenaufgang, für den wir um 5:00Uhr aufstanden, haben uns zum ersten Mal mit einer Gruppe von australischen und neuseeländischen Freiwilligen getroffen, besuchten unseren ersten Gottesdienst auf der Insel, und vieles mehr.

So hatten wir am Montag auch unseren ersten Tag an der Schule.

Doch ein ganz besonderes Ereignis war für uns unser butaki, also die Willkommensfeier der KUC , die in ihrem Maneaba, dem traditionellen Gebäude in dem hier in Kiribati Feste(butaki) stattfinden, gehalten wurde. Dort versammelten sich alle die hier auf dem Compound leben, und jede Familie brachte etwas leckeres zu essen mit, wie es hier üblich ist. 

Genau in dem Moment als der Moderator des butaki uns sagte, dass wir nach dieser Feier ein Teil der großen Familie des compounds sind, sind wir wirklich in Kiribati angekommen.

Indien – das bisher größte Abenteuer meines Lebens

Mein Abenteuer begann nicht erst mit der Landung am Dr. Babasaheb Ambedkar International Airport in Nagpur, im Bundesstaat Maharashtra. Nein, es startete bereits mit dem Betreten des Flugzeugs in Doha. Als einziger Europäer an Bord spürte ich sofort die neugierigen Blicke – eine Erfahrung, die ich so noch nie gemacht hatte. Dieses ungewohnte Interesse an meiner Person ließ mich zunächst unwohl fühlen, doch das Gefühl verflog schnell. Schon während des Flugs lernte ich die außergewöhnliche Herzlichkeit der indischen Gesellschaft kennen. Mein Sitznachbar, Shashank, stellte sich mir vor, und wir kamen rasch ins Gespräch. Er erzählte mir von seiner Arbeit als Softwareentwickler und dass er gerade auf dem Weg sei, seine Familie in der Nähe von Nagpur zu besuchen. Wir tauschten Kontaktdaten aus, und er bot mir seine Hilfe an, falls ich sie jemals benötigen würde. Diese unerwartete Freundlichkeit beeindruckte mich tief – ich war noch nicht einmal auf indischem Boden gelandet, und schon hatte ich eine wunderbare Bekanntschaft gemacht. Meine anfängliche Nervosität wich einem positiven Gefühl. Mein offizielles Willkommen in Indien erlebte ich am 15. August, dem Tag der indischen Unabhängigkeit von der Kolonialmacht Großbritannien. Als Zeichen des Willkommens wurde mir ein traditioneller Schal, der sogenannte „Shawl“, umgehängt. Meine physische Ankunft war also vollzogen – doch psychisch sollte es noch eine Weile dauern, bis ich mich vollständig angekommen fühlte.

Mein offizielles Willkommenheißen in Indien

In den folgenden Tagen lernte ich die Menschen und die Arbeit meiner Organisation, dem India Peace Centre (IPC), sowie der Dachorganisation, dem National Council of Churches in India (NCCI), kennen. Zudem bot sich mir die Gelegenheit, bedeutende religiöse Stätten in Nagpur zu besuchen. Einer der Höhepunkte war der Besuch von Deeksha Bhoomi, einem historischen Ort, an dem Dr. B. R. Ambedkar am 14. Oktober 1956 zusammen mit Millionen von Dalits zum Buddhismus konvertierte. Dieser Akt markierte den Beginn der Dalit-Buddhismus-Bewegung und war ein Protest gegen das Kastensystem. Deeksha Bhoomi ist ein starkes Symbol für soziale Gerechtigkeit und Gleichheit in Indien. Dalits sind jene Menschen, die im indischen Kastensystem die niedrigste Stellung einnehmen und oft die größte Diskriminierung erfahren.

Deeksha Bhoomi

Ende August hatte ich die Möglichkeit, mit dem Church of North India Social Service Institute ein Projekt in einem Slum am Stadtrand von Nagpur zu besuchen. Das Projekt zielte darauf ab, Kindern durch Bildung, Unterstützung und einen sicheren Rückzugsort zu helfen. Die Kinder konnten nach der Schule zu einer Lehrerin nach Hause kommen, um dort ihre Nachmittage zu verbringen, anstatt ihre Zeit auf der Straße zu verbringen. Für mich war dieser Besuch eine zutiefst bewegende Erfahrung. Einerseits war es bedrückend, die schwierigen Lebensumstände der Menschen zu sehen, doch andererseits war es wunderschön, zu erleben, wie den Kindern geholfen wurde und sie einen sicheren Raum erhielten. Besonders faszinierte mich die unglaubliche Herzlichkeit und Menschlichkeit der Menschen im Slum, trotz ihrer materiellen Armut. Eine so ausgeprägte Form der Gastfreundschaft hatte ich selten zuvor erlebt.

Das Klassenzimmer im Slum

So verging der erste Monat in Nagpur wie im Flug, und meine erste berufliche Reise stand bevor – es ging in den Bundesstaat Odisha. Wir planten ein Programm namens „School of Peace“ an der KT Global School. Im Rahmen dieses Projekts wählten wir Schüler und junge Menschen aus der Umgebung aus, um mit ihnen über globale Themen wie die SDGs (Sustainable Development Goals), Umwelt, Klimawandel, Frieden, Feminismus sowie die Bekämpfung von Vorurteilen und Diskriminierung zu reden. Das „School of Peace“-Programm soll viermal in verschiedenen Teilen Indiens stattfinden und es dem IPC ermöglichen, lokale Vertreter zu gewinnen, die dieselben Ziele und Vorstellungen teilen. Am letzten Tag vor der Abreise hatten wir die Gelegenheit, die Hauptstadt des Bundesstaates Odisha, Bhubaneswar, auch bekannt als „Stadt der Tempel“, zu erkunden. Gemeinsam mit zwei anderen französischen Freiwilligen der KT Global School besuchte ich mehrere Tempel und genoss das köstliche Streetfood. Dieser Ausflug in einen anderen Bundesstaat war eines meiner bisherigen Highlights hier in Indien.

Odisha

Wenn ich mich jedoch auf ein Erlebnis festlegen müsste, wären es die Festivals, die mich am meisten beeindruckt haben. Während meiner Zeit hier konnte ich bereits zwei bedeutende Feste erleben. Mir wurde gesagt, dass der August die beste Zeit sei, um nach Indien zu kommen, da in diesem Monat viele Festivals stattfinden. Im September hatte ich das Vergnügen, das „Ganesh Chaturthi“-Festival mitzuerleben. Dieses Fest wird zu Ehren von Ganesha gefeiert, dem Gott, der Hindernisse beseitigt und Glück, Weisheit und Erfolg bringt. Das Fest markiert den Beginn neuer Unternehmungen und Gebete für Wohlstand.  Im Oktober feierte ich dann Navratri, ein Fest, das den Sieg der Göttin Durga über den Dämon Mahishasura symbolisiert. Es steht für den Triumph des Guten über das Böse und wird mit Tänzen, Gebeten und Ritualen begangen. Die Festivals sind für mich eine besonders schöne Zeit, da ich sie mit meinen neu gewonnenen Freunden genießen kann und dabei auch neue Bekanntschaften knüpfen kann.

„Ganesh Chaturthi“ und „Navratri Festival“

Am Anfang habe ich gesagt, dass ich mich nur physisch angekommen fühle, doch langsam fühle ich mich auch mental immer mehr in Indien zuhause. Mit dem Entstehen von Freundschaften und durch meine fortschreitende Anpassung an die indische Kultur fühle ich mich immer wohler. Ich bin gespannt, wohin mich dieses Abenteuer noch führen wird.

Angekommen. Ankommen. In welcher Hinsicht?

Ankommen stellt sich manchmal als eine langwierigere Angelegenheit heraus, als man das im ersten Augenblick vielleicht vermutet. Zumindest trifft das auf mich zu. Selbst jetzt könnte ich die Frage „Bist du gut angekommen?“ oder „Hast du dich inzwischen eingelebt?“ nicht vollends mit „Ja“ beantworten. Dazu herrscht in mir noch zu viel Chaos.

Flughafen in Nairobi am 14. August
(Beryl, Chrissy, Nora, Charity)

Physisch angekommen bin ich am späten Abend des 14. Augusts. Dort haben meine Füße zum ersten Mal in meinem Leben kenianischen Boden betreten. In jener Nacht erfüllte mich ein regelrechter Wirbelsturm. Der Abschied war nicht leicht, es wurden viele Tränen vergossen und auf einmal saß ich alleine in einem Flugzeug. Umso schöner und wohliger das herzliche Willkommen am Flughafen in Nairobi. Mit strahlendem Lächeln und einem großen „Karibu“ wurden wir von Mary, der Leiterin der Organisation, die für die nächsten elf Monate auch mein Zuhause darstellen wird, und den beiden Sozialarbeiterinnen, Beryl und Charity, begrüßt. Im PLCC (Pangani Lutheran Children Centre) erwartete uns – meine Mitfreiwillige Chrissy und mich – ein kenianisches Mitternachtsmahl, bereitet von Purity, nicht nur eine der Hausmütter, sondern auch eine der herzlichsten Menschen, denen ich bis jetzt begegnen durfte. Sie führte uns bereits in die Kunst des Chapati-Kochens ein (kenianisches Fladenbrot) – einfach köstlich.

Bewusst angekommen bin ich Stück für Stück in den gedankenvollen Momenten des Alltags. Aus dem Fenster schauen während des Autofahrens; all die Menschen, die Schleppesel und Affen auf den Straßen zu erblicken; sich selbst durch den dichten Verkehr zu winden, zwischen den Autos, Matatus (Bus/ Sammeltaxi in Kenia und eines der wichtigsten Transportmittel des öffentlichen Nahverkehrs) und Bodabodas (Motorradtaxi in Ostafrika); während des Spazierens den Blick über den Nationalpark zu genießen und in der Ferne die Skyline Nairobis zu betrachten – in solchen Momenten kam der Gedanke: „Ich bin tatsächlich in Afrika. Ich stehe hier in Kenia.“

Ongata Rongai

Nun, das „seelische Ankommen“ ist wohl noch im Gange. Ich bin noch nicht fertig. Doch einige Schritte bin ich schon gegangen. Nachdem wir die ersten zwei Wochen in Nairobi verbracht hatten, um in der Language school unsere Kiswahili-Kenntnisse zu entwickeln (was mehr oder weniger funktioniert hat), ging es endlich in unser Projekt. Die Kinder haben uns vom ersten Tag an mit leuchtenden Augen aufgenommen, zeigten uns das Gelände und begegneten uns mit unvorstellbarer Wärme. Und einen Sonnenaufgang später begann bereits der erste Schultag.

Die Schüler*innen der Maalum Schule laufen zur Morning devotion in die Kirche auf dem Gelände.

Jeden Morgen findet vor dem Unterricht eine Morning devotion „Morganandacht“ statt. Rund 80 Prozent der kenianischen Bevölkerung sind dem Christentum zuzuordnen, zehn Prozent gehören dem Islam an. Als multiethnischer Staat hat Kenia über 40 verschiedene Volksgruppen und auch weitere zahlreiche Naturreligionen vorzuweisen. Auch im Unterricht oder im Gottesdienst auf dem Gelände am Sonntag ist die Bedeutung des Glaubens für die Menschen zu spüren. Er nimmt nicht nur in dieser Hinsicht einen großen Teil des Lebens ein, sondern im alltäglichen Miteinander. Nicht selten beeindrucken mich die Kinder in ihrem Verhalten. Christliche Werte werden nicht einfach nur in der Theorie besprochen, sondern ausgelebt. Wir teilen, wir helfen und trösten einander. Weint eines der Mädchen, wird es nur wenige Sekunden später von einem der anderen Kinder in den Arm genommen. Radiergummis, Stifte und Scheren werden bereitwillig für den Nachbarn zur Verfügung gestellt. Es reicht ein „Colour red“ und ein roter Stift wird von der anderen Seite des Tisches herbeigeworfen. Einfach überwältigend großartig und rührend war der Gottesdienst anlässlich des Weltkindertags, den die Kinder mit etwas Unterstützung der Hausmütter selbst gestalten durften. Eine wundervolle Erfahrung. Die Liebe und Mühe, die die Mädchen in dieses Projekt gesteckt haben, war nicht zu übersehen. Sie inszenierten Tanzaufführungen, sangen und lasen aus der Bibel vor den Gästen. Selbst die Predigt wurde von einem der Mädchen vorbereitet. Was für ein Mut – sich vor all die Menschen zu stellen und frei von seinen Gedanken und seinem Glauben zu erzählen. Dementsprechend heftig ist der Applaus ausgefallen. Jubel, Lachen, Trubel – die Kirche war erfüllt von Euphorie.

Gottesdienst Weltkindertag

In der Schule assistiere ich in der ersten Hälfte des Tages Teacher Esther, die Lehrerin der Kleinsten, beim Unterricht und der Unterrichtsvorbereitung. Abends geht es zu den Mädchen, die im PLCC wohnen, um sie bei den Hausaufgaben zu unterstützen. Es sind Tätigkeiten, in die ich mich erst reinfuchsen musste, doch mit etwas Zeit und einer Prise Eigeninitiative entdeckte ich Aufgaben, die ich in der Schule übernehmen, oder Stellen, an denen ich mich gut einbringen konnte. So wurde es schnell ein Nehmen und Geben; einerseits Bastelprojekte mit den Kindern leiten, Materialien kreieren oder bewegungsreiche Spieleinheiten draußen integrieren, andererseits von den Lehrkräften Neues lernen (besonders, was die Kompetenz betrifft, die Aufmerksamkeit von einem Dutzend Kinder zu fesseln) und von den Kindern Finger-Fadenspiele beigebracht zu bekommen. Allein durch Zuhören und Zusehen nehme ich von meinen Mitmenschen allerlei mit.

Spiel in der Schule: Mit verbundenen Augen einem Schnur-Pfad folgen


Die liebevolle und herzliche Weise der Menschen hier, ob die der Hausmütter, der Lehrkräfte oder der Kinder – sie ist eine unfassbare Hilfe, um hier Fuß zu fassen und diesen Ort mit Geduld und Spucke zu einem Zuhause zu gestalten. Besonders am Abend bei den Mädchen entstehen oft ganz unerwartet Momente gegenseitiger Zuneigung, wenn Hausaufgaben erledigt sind oder für zehn Minuten beiseite geschoben werden. Singen, Tanzen, auf dem Sofa beisammen liegen und der Musik lauschen. Sie bringen mich zum Lachen und lehren mich, wahrhaftige Freude zu empfinden und, dass Radiergummis wirklich lebenswichtig sind. Zu Beginn war es gar nicht so einfach, die Individuen hinter dem Trubel der Truppe zu erkennen. Mit der Zeit zeigen sich jedoch die ganz eigenen Facetten und einzigartigen Charakteristika der Mädchen. Das eine ist vernarrt in Mathematik und Wissenschaften, das andere kann fantastisch zeichnen. Wieder ein anderes hat es faustdick hinter den Ohren und stellt das offen durch ein freches Grinsen zur Schau. Da ist ein Mädchen, das es liebt, Quatsch zu machen, das vergnügt glucksend durch das Haus rennt, während das andere eine sanfte Seele in sich ruhen hat und die Stille genießt.

Außerhalb des PLCC haben wir ebenso die Chance ergriffen, Erinnerungen zu schaffen. So zum Beispiel durch unseren Ausflug auf die Ngong Hills, eine Hügelkette im Rift Valley südöstlich von Nairobi. „Ngong“ bedeutet so viel wie „Knöchel“ nach der Sprache der Massai und ist auf die charakteristische Silhouette der Gipfel der Hügelkette zurückzuführen. Erinnerungen einer sagenhaften Landschaft und einem unbegreiflichen Blick über die Weite. Möglich gemacht wurde uns dieses kostbare Erlebnis durch eine beeindruckende Frau; Jerusa. Jerusa organisiert nicht nur Trips und setzt diese um, sie ist erfinderisch und ehrgeizig, um das Geld für den Lebensunterhalt und das Schulgeld für ihren Sohn herbeizuschaffen. Ob Catering, Online-Verkauf von Kleidung, Umsetzung von Ausflügen oder private Workouts – die alleinerziehende Mutter ist kreativ und packt ihre Ideen pragmatisch und rational an. Jerusa ist einer der vielen Menschen, bei denen ich zutiefst dankbar bin, ihnen begegnet sein zu dürfen. Jene Kontakte zu den unterschiedlichsten Menschen sind es, die mich inspirieren und bewundern lassen.

Wanderung auf den Ngong Hills (Jerusa, Chrissy)

Nichtsdestotrotz stolpert man auch über das Ungewohnte und wird von all den neuen Eindrücken schlicht überwältigt – ich wurde nicht vom Kulturschock verschont. Wiederum kann ich mich inzwischen kaum noch daran erinnern, wie es gewesen ist, als all die Normalitäten hier für mich noch keine solchen waren. Der Mensch gewöhnt sich schnell an sein Umfeld und ich spüre schon jetzt, dass mir nach meiner Rückkehr nach Deutschland vieles fremd vorkommen wird. Innerhalb unserer ersten Woche im PLCC mussten wir auf die praktische Weise lernen, dass unsere Tür zugeschlossen werden sollte; eine Horde Affen war überraschend zu Besuch und stibitzte uns die Bananen vom Küchentisch. Bei den Schurken handelt es sich um Trockennasenaffen der Gattung Chlorocebus. Sie sind bekannt für ihren Mangel an Anstand, Manieren und ihren Heißhunger, den sie auch an Feldern von Dörfern auslassen.

Ongata Rongai (grüne Meerkatze)

Es wäre jedoch gelogen, würde ich behaupten, es gebe keine Herausforderungen. In die Fremde gehen, fremd sein, sich fremd fühlen. Kleinigkeiten verwandeln sich in Hürden, die überwunden werden müssen; die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel oder der erste Markteinkauf. Kleinigkeiten, die man zuvor als selbstverständlich wahrgenommen hat, erweisen sich hier als Einschränkungen, mit denen ein Umgang gefunden werden muss; nach Einbruch der Dunkelheit zu Fuß hinauszugehen, entpuppt sich mit dem Gedanken an die wilden Tiere, die als Bewohner des Nationalparks unsere Nachbarn sind, als keine gute Idee. Dunkel wird es jedoch bereits zwischen 18 und 19 Uhr. Es sind also Wege zu suchen, mit den hier gegebenen Möglichkeiten zu hantieren und zu werkeln. Und sie sind auch zu finden. Es braucht lediglich Zeit. Umso leichter ist das Gefühl, wenn Hürden überwunden, Grenzen überschritten wurden. Noch nie konnte ich eine Entwicklung der Situation und eine Veränderung meiner selbst derart detailliert beobachten. Jeder Schritt ist deutlich zu spüren, jeder Schritt lässt mich selbstständiger und mutiger werden. Ein schönes Gefühl, dieses Wachsen.