Bienvenidos a Paraguay

Heute ist der 13 Oktober, zumindest in Paraguay, vor genau zwei Monaten stand ich in Deutschland am Flughafen, voller Neugierde, Vorfreude, Zweifel und Ängste. Natürlich hatte ich die Blogbeitrage gelesen und meine Vorfreiwillige Malena etwas zu oft mit Fragen durchlöchert, aber vollständig vorbereitet habe ich mich natürlich trotzdem nicht gefühlt. Jetzt, nach zwei Monaten kann ich sagen, dass ich so viel erlebt und gelernt habe und immer noch nicht sagen kann, dass ich Bescheid weiß. Es ist in vielen Hinsichten noch immer ein Ankommen und Einleben, auch wenn sich mittlerweile schon Alltag eingeschlichen hat. Es ist ein Paradoxes Gefühl, ich kenne mich etwas mehr in der näheren Umgebung aus, gehe ganz normal Einkaufen, kann mich besser verständigen und werde auf der Arbeit immer hilfreicher. Andererseits merke ich doch noch immer wieder, dass eine Annahme falsch war, ich mich in der Stadt noch gar nicht auskenne und ich in Spanisch weder konjugieren noch Zeitformen nutzen kann. Ich bin Angekommen aber noch nicht hier.

unsere neue Unterkunft

Vieles von dem ich vor dem herkommen dachte, dass es ein Problem für mich sein könnte war im Endeffekt gar nicht so dramatisch, sondern eher eine Tatsache die ich zur Kenntnis nehmen und mein Verhalten entsprechend anpassen musste. Beispiele dafür sind, dass wir das Wasser aus dem Hahn nicht trinken sollten, Klopapier nicht in die Toilette darf, dass es Stromausfälle gibt oder dass wir Kakerlaken in der Küche haben. Für alles gibt es leichte Lösungen oder man lebt einfach damit.

Eine Sache gibt es allerdings, an die ich mich immer noch gewöhnen muss: Es gibt keinen Fahrplan der Regionalen Busse. Es macht mir nichts aus, dass der Bus keine Feste Zeit hat wenn er ankommt, was mich allerdings nervt, ist dass ich keine Buslinien kenne. Ich weiß nicht wo die Busse vorbeifahren und wohin sie gehen, nachdem ich nachgefragt habe, hat sich herausgestellt, dass es dazu keinen Plan gibt, man muss es einfach durch Zufall oder nachfragen herausfinden. Das bedeutet aber auch, dass wenn ich irgendwo spontan hinmöchte, ich immer einen Bolt (das ist etwas wie ein Uber oder Taxi hier) nehmen muss. Das ist natürlich auf lange Sicht Teurer und weniger Umweltfreundlich als ein Bus.

Generell läuft das mit den Bussen etwas anders hier und meiner Meinung nach vielleicht sogar besser als in Deutschland. Der Bus hat keine Haltestellen, sondern statdessen eine feste Strecke. Kommt der Bus vorbei, winkt man ihn raus und er hält an. Möchte man aussteigen sagt man schnell bescheid oder drückt auf einen Knopf und der Bus stoppt. Dadurch kann man überall entlang der Strecke ein und aussteigen. Es ist so eine kleine Veränderung aber sie macht so einen großen Unterschied. Wobei ich mir noch nicht ganz sicher bin, ist wie das mit den Preisen funktioniert, ich glaube man zahlt einfach egal wie lang man fährt den gleichen Preis (ca 60ct)

Meine größte Sorge als ich hierherkam war die Sprachbarriere. Ich hatte kein Spanisch in der Schule (oder wie es hier genannt wird: Castellano) und obwohl ich versucht habe mir selber möglichst viel anzueignen bevor ich hierherkam, hat das bei weitem nicht gereicht. Hier in Ciudad del Este spricht eigentlich kein Englisch oder Deutsch, und so muss ich wohl oder übel mit meinem Spanisch auskommen. Ich weiß noch nicht ganz ob ich das gut oder Schlecht finde, ich lerne so sehr viel mehr von der Sprache und wahrscheinlich auch schneller, aber es ist auch ein Stück anstrengender und manchmal wünsche ich mir einfach, dass man mich versteht, auch ohne dass ich wilde Gestik nutze. Wenn ich alleine bin, traue ich mich immer mehr zu sprechen, aber mit anderen lasse ich ihnen oft doch noch den Vortritt, ich habe also noch einen weiten Weg zu gehen.

Vielleicht ist jetzt der Punkt, an dem ich meine Zeit hier etwas konkreter beschreiben sollte.

Ich wohne hier in einer WG mit drei anderen deutschen Freiwilligen. Wir hatten uns alle in Buenos Aires kennengelernt. Nach zwei Wochen Vorbereitungsseminar sind wir in einem Bus nach Ciudad del Este gefahren, wobei wir prompt dem ersten Problem begegneten. Uns war eingetrichtert worden, dass wir an der Grenze nach Paraguay unbedingt einen Stempel im Reisepass brauchen, das haben wir Prompt in eigene Hand genommen, stiegen an der Grenze aus und holten ihn uns. Dann erst merkten wir, dass wir gestrandet waren, an der Grenze ohne Internet oder der richtigen Währung. Eigentlich hätten wir nämlich zuerst an die Endstation fahren sollen und wären mit unseren Ansprechpartnern nochmal zu der Grenze gefahren. Zum Glück schafften wir es einen Bus zur Endstation zu finden, zahlten in Dollarn und kamen sicher in unserem neuen Zuhause an.

Die erste Woche arbeiteten wir noch nicht. Wir verbrachten viel Zeit zuhause und gewöhnten uns an die Eigenheiten wie beispielsweise dem sehr niedrigen Wasserdruck oder an einem Gasherd zu kochen. Wir erkundeten unsere nähere Nachbarschaft und haben rausgefunden das es hier extrem viele Obstbäume gibt – Papayas, Mangos, Bananen und vieles mehr, sogar einige von denen ich noch nie gehört hatte. Unsere Nachbarin, die auch meine Arbeitskollegin ist, hat mir ein neues Obst gezeigt, dass, wenn ich mich nicht täusche, Nispero heißt, es schmeckt relativ Sauer und leicht süßlich und schmeckt mir unglaublich gut.

neue Frucht zum Ausprobieren

Dann, ging es endlich ans Eingemachte. Der erste Arbeitstag. Um ehrlich zu sein hat er mich etwas beunruhigt. Im Endeffekt saßen wir den Großteil des Tages nur in einer Ecke und beobachteten die Geschehnisse. Zum Glück weiß ich jetzt, dass so ein Tag eher die Ausnahme als die Regel ist. Ich arbeite in der Organisation Callescuela, die hat hier in Ciudad del Este zwei Standorte. Einer ist 10 Minuten weg und wird St. Anna genannt, da das Barrio (der Stadtteil) so heißt. Die andere liegt in Km9. sie wird auch Esmeralda genannt, wenn ich es richtig verstanden habe ist das weil die Straße so heißt, aber ich könnte damit ehrlich daneben liegen. Dort arbeite ich, zumindest für das erste halbe Jahr.

Esmeralda

Mein Arbeitsweg ist etwas länger. Zuerst laufe ich 25 Minuten zu meiner Bushaltestelle. Es gibt zwar eine Straße, aber keinen Fußgängerweg. In diesem Aspekt erinnert mich Paraguay ehrlich an das was ich von Nordamerika gesehen habe. Autos werden Fußgängern gegenüber sehr eindeutig priorisiert. Meistens gibt es Trampelpfade neben der Straße, aber an ein paar punkten muss ich mit den Autos laufen. Ein weiterer Unterschied zu den mit bekannten Straßen sind die vielen Geschwindigkeitsregelnde Hubbel (oder Bremsschwellen) das Problem damit ist, dass entweder die Hubbel größer oder die Autos tiefer liegen. Fakt ist, dass ich schon in so manchem Auto saß das recht heftig aufsetzte. die meisten fahren in einer extremen Schieflage rüber um das Aufsetzen zu vermeiden. ich habe sogar schonmal gesehen, dass jemand unvorsichtig war, und komplett Aufsetzte, der wackelte dann wie auf einer Wippe. Andere Menschen mussten helfen das Auto zu befreien. Die letzte Umgewöhnung ist wie oft ich auf meinem Heimweg an gehupt werde.. und das nicht, weil ich auf der Straße gehe. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich über eine Woche gebraucht habe um es zu realisieren. Normalerweise schaue ich beim Laufen auf den Weg um nicht zu stolpern, aber an dem Tag schaute ich hoch und mir wurde mit den Händen ein Herz gezeigt, außerdem beliebt ist das Handtelefon oder einfach nur ein intensives starren. Dazu muss ich aber sagen, dass es nie weiter geht als das. Noch nie hat jemand angehalten und ich habe mich kein einziges Mal unsicher gefühlt, es ist, wenn überhaupt, etwas nervig.

An der Bushaltestelle angekommen (oder eher an der Straße an der der Bus entlang fährt) fahre ich eine Viertelstunde mit dem Bus und bin dann schon so gut wie da. Meine Arbeitsstelle liegt am äußeren Rand der Stadt. Es sieht dort auf jeden Fall schon anders aus, viel ländlicher als wo wir wohnen, aber diese Qualität ist auch was ich so sehr daran liebe. Alle dort sind eine sehr enge Gemeinschaft, ich erkenne alle Mütter und weiß bei der Hälfte der Häuser an denen ich vorbei laufe welches Kind dort wohnt.

Mein Weg nach Hause

Mein Arbeitstag sieht je nach Wochentag unterschiedlich aus. Dienstag und Donnerstag ist Schule angesagt… oder zumindest so was ähnliches. Die Kinder gehen getrennt von der Callescuela zur Schule, aber was bei uns passiert ist etwas wie Nachhilfe oder weiterführender Unterricht. Meistens erklärt die Lehrerin nochmal was sie in der Schule gelernt haben oder es wird einfach nur Aufgaben geübt. Manchmal werden auch die Hausaufgaben gemacht. Ich kann mittlerweile auch schon richtig Mithelfen. Mathe kann ich richtig gut erklären und wenn sie schreiben üben müssen ist meine Aufgabe meistens ein Diktat aufzugeben, während sie meine Aussprache korrigieren. Oft helfe ich irgendwo hinten ein paar Kindern die bei der offiziellen Einheit nicht ganz so gut klarkommen.

Die Kinder sind alle sehr lustig drauf und haben schon viele kreative Wege gefunden mit mir zu kommunizieren. Immer wieder gibt es Missverständnisse über die wir gemeinsam lachen, zum Beispiel habe ich einen Ring getragen und die Kinder wollten wissen ob ich verlobt bin, die frage hab ich erst nach zwei Mal Umformulieren verstanden und um zu zeigen dass ich sie verstanden habe hab ich erst „ah ja ja“ und dann „nein“ gesagt. darüber haben sie noch eine ganze Weile gelacht und haben sich über mich lustig gemacht, weil ich „verlobt“ bin.

einem Mädchen wurde langweilig…

Mittwoch und freitags gibt es einen Kindergarten. Dort fällt es mir in dem Sinne leichter, dass es die Kinder nicht kümmert ob ich Spanisch kann oder nicht. solange ich ihnen „Oh, wie schön“, „Oh, wie groß“ oder „Ach wie toll“ sagen kann sind sie zufrieden. Die Kleinen sind Super süß und quirlig, es macht extrem viel Spaß mit ihnen zu spielen und tanzen. Der große Nachteil: die ständigen Ohrwürmer von Kleinkinderliedern. Sobald jemand einen Schmetterling sieht stecken sofort fünf Schmetterlingslieder in meinem Kopf.

Samstag ist der wohl interessanteste Tag, aber leider auch der an dem ich am wenigsten verstehe. Am Samstag sind nämlich die CONNATS (Kooperation der arbeitenden Kinder) oder NNTSM (Kinderarbeit ohne Mauern) oder NNATS en Lucha (Arbeitende Kinder im Kampf) treffen. Wie die Namen schon sagen sind sie Politisch. Kinderarbeit ist hier weit verbreitet, sei es im Familienladen, auf der Straße oder dass sie den Haushalt schmeißen, die meisten Kinder mit denen ich arbeite arbeiten selber auch. In diesen runden reden sie über ihre Lage, oder ihre Rechte, diskutieren verschiedene Politische Geschehen oder Sprechen über die CONNATS und ihre Ziele. Manchmal organisieren sie sogar Demos und andere Aktionen. das was ich aus den Runden verstehe ist extrem interessant, aber leider nehme ich noch nicht alles mit. Danach geht es immer auf den Spielplatz wo wir immer viel spaß zusammen haben. Wir spielen Fußball oder Volleyball, sogar Klatchsspiele habe ich beigebracht bekommen – obwohl die tatsächlich gleich sind wie in Deutschland mit etwas anderen Wörtern.

Außerhalb von der Arbeit gibt es leider noch nicht so viel in meinem Leben. Es ist hier nicht so einfach, nach einer Sportart zu Googlen; die meisten Vereine haben nicht einmal eine Webseite. Ich habe ein paar Stunden gebraucht, um überhaupt herauszufinden, ob es von einem Sport eine Frauenmannschaft gibt. Wir wollen alle als WG zu einer Tanzschule gehen und uns dort ausprobieren, und ich habe mittlerweile sogar zwei Rugbymannschaften gefunden, welche ich vielleicht anschreiben möchte, aber mehr ist da noch nicht passiert. Wir waren aber mit der WG schon ein paar Mal unterwegs; wir sind Volleyball spielen gegangen an einem See, haben ein Einkaufszentrum besucht oder Spieleabende gemacht.

Schöner Abend am See mit Buch

Uruguay – ein kleines Land voller Überraschungen

Wir sitzen im – äußerst komfortablen – Autobus, es ist halb zwei Uhr morgens und wir haben gerade die uruguayische Grenze problemlos passiert. Jetzt ist es nicht mehr weit zu unserem Wohnort für das nächste Jahr. Meine Mitfreiwillige und ich zücken überrascht unsere Handys, um ein Foto zu machen, als schon einige Minuten nach der Grenze ein großes Ortsschild auftaucht:

Ankommen in der Stadt Mercedes

Und dass ich so pünktlich in meinem Einsatzort ankommen würde, das stand zwischenzeitlich auf Messers Schneide. Es kam nämlich dazwischen, was in den letzten zwei Jahren bei so Vielem dazwischenkam: Corona. Ein positiver Covidtest am Tag des Abflugs machte diesen leider unmöglich. Ich war also zwei Wochen in Quarantäne gewesen und dann zum Seminar in Buenos Aires nachgeflogen. Durch die super Betreuung durch das ZMÖ konnten die Flüge verlegt, die Dokumente verändert und die Einreise neu geregelt werden.

Und damit sind wir schon wieder in Mercedes und bei einer Konstanten durch meinen bisherigen Freiwilligendienst: Egal ob durch das ZMÖ in Deutschland, die Partnerorganisation IERP in Lateinamerika oder die Mentorinnen vor Ort, wir wurden immer hervorragend begleitet. So wurden wir nett am Busbahnhof empfangen und haben in den nächsten Tagen mit den Mentorinnen die Stadt mit ihren Möglichkeiten und die Einsatzstellen in einem sinnvoll organisierten Programm kennengelernt, das von vielen Jahren der Erfahrung mit Freiwilligen zeugte.

Wir, das sind übrigens ich und meine Mitfreiwillige Elisabeth. Wir wohnen gemeinsam, kommen aber von unterschiedlichen Entsendeorganisationen und Programmen und arbeiten in unterschiedlichen Einsatzstellen.

Mein neues Zuhause – die methodistische Kirche in Mercedes

Wir waren also in Mercedes angekommen, wurden zu unserer Unterkunft gebracht und fielen erstmal in unsere Betten. Wir wohnen in den Räumen der methodistischen Gemeinde in Mercedes direkt neben der Kirche und nahe am zentralen Platz. Als wir am nächsten morgen aufwachten, waren zwei Erkenntnisse gleich offensichtlich:

Der erste Morgen

Erstens war es laut. Über die Straße vor der Kirche fuhren Leute auf ihren Mofas zur Arbeit, die älteren Schüler:innen ließen die Motoren ihrer Zweiräder nochmal aufheulen, bevor sie an der nächsten Ecke an ihrer Schule zu Stehen kamen. Darüber hinaus fahren täglich private Lautsprecherwagen durch die Straßen, die Ansagen zu allen möglich Vorgängen in der Stadt machen: Das dieswöchige Theaterprogramm, den neuen Erlebnispark am Rand der Stadt, die derzeitigen Rabattangebote im Supermarkt. Allerdings sind die Lautsprecher nicht nur auf Autos, sondern auch auf Mofas und Fahrräder geschraubt, die, weil sie so langsam fahren, noch länger hörbar sind. So wird man pünktlich zu Schulbeginn zuverlässig geweckt.

Zweitens war es Ende August (noch) kalt. Da Uruguay auf der Südhalbkugel liegt, war gerade Spätwinter, weshalb nachts bis zu 0° waren. Die Kälte war auch im Zimmer gut zu spüren. Trotz der Kälte morgens wurde es mittags aber schon bis zu 27° warm. Und so kam es häufig zu der skurrilen Situation, dass ich mich morgens bei klirrender Kälte eincremte, um mittags keinen Sonnenbrand zu bekommen. Auch die Klamottenauswahl wird dadurch nicht erleichtert.

Essen

Mit der Organisation eines eigenen Haushalts kommt es zu dem, was zumindest ich als eine der größten Herausforderungen des Ausziehens wahrgenommen habe: Selbst kochen. Und das im Idealfall nach landestypischer Art und mit anderen Ressourcen als die, die man aus deutschen Supermärkten und Küchen gewohnt ist. So ist das uruguayische Essen klassischerweise relativ fleischlastig, das beliebte Grillbuffet „Asado“ ist dafür das beste Beispiel. Dies bietet sich allerdings nicht an, wenn man vegetarisch kochen will und so kommt es uns zu Gute, dass das Land auch eine ausgeprägte Kürbis- und Süßkartoffel-Tradition hat. Mit dieser Kombination lässt sich nämlich über Ofengemüse, Suppen und Pfannen eine breite Auswahl an Gerichten kochen.

Preise und Sicherheit

Uruguay wird gerne als die Schweiz Südamerikas bezeichnet, wozu es viele gute Gründe gibt. Es hat eine der höchsten Alphabetisierungsraten in Amerika, ist eine stabile Demokratie und hat äußerst niedrige Kriminalitätszahlen. Es gehört zu den wohlhabendsten Ländern Lateinamerikas. Dies führt auf der einen Seite dazu, dass man sich, gerade in einer Kleinstadt wie Mercedes, frei und ohne große Bedenken und mit einer gesunden, vorsichtigen Grundhaltung in allen Stadtteilen bewegen kann. Auf der anderen Seite haben aber z. B. Supermärkte mindestens deutsches Preisniveau. Milchprodukte, Gemüse und Hygieneprodukte liegen sogar deutlich darüber. Dafür gibt es aber auch hohe Hygienestandarts und hervorragend ausgestattete Läden.

Sprache

In Uruguay wird grundsätzlich Spanisch gesprochen. Die Sprache an sich trägt den Namen „Castellano“. Es gibt allerdings Besonderheiten des uruguayischen Spanischs. Es variiert nicht nur von dem, was in Spanien gesprochen wird, es gibt auch innerhalb Lateinamerikas Unterschiede. Dies führt dazu, dass man sich erstmal in die Eigenheiten des uruguayischen Spanischs einhören muss. Folglich merkte ich nach den ersten Wochen eine deutliche Verbesserung im eigenen Sprachverständnis. Dies wird auch dadurch befördert, dass Englisch nur sporadisch verbreitet ist, weshalb man keine Ausweichmöglichkeiten hat.

Die Arbeit

Was natürlich nicht fehlen darf, ist die Arbeit. Meine Einsatzstelle ist der Club de Niños San José Obrero. Im uruguayischen Schulsystem gibt es eine Vormittags- und eine Nachmittagsgruppe. Die Kinder, die jeweils nicht in der Schule sind, können in diesen Club kommen. Aufgrund der Lage des Clubs im sozial schwächeren Viertel der Stadt haben viele der Kinder besondere Familien- und Wohnsituationen. Deshalb arbeitet im Club neben Erzieherinnen und Lehrerinnen auch zusätzlich eine Psychologin. Es gibt täglich einen Workshop (Tanz-, Musik-, Sport- und Schwimmunterricht). Darüber hinaus gibt es Zeiten zum Spielen, zwei kleine Mahlzeiten sowie bei Bedarf Hausaufgabenhilfe. Dabei begleite ich die Kinder und unterstütze die Erzieherinnen.

Meine Arbeit ist zweifelsohne äußerst interessant. Ich erlebe jeden Tag etwas Neues, Tolles und freue mich jedes Mal, wenn ich aufs Fahrrad steige, um dorthin zu fahren. Mein Arbeitsweg ist allerdings ein ganzes Kapitel für sich und ein wahrer Slalom zwischen Einbahnstraßen, Straßenhunden und Mofas – eben voller Überraschungen, wie ganz Uruguay! Und deshalb ist er auch einen eigenen Blogeintrag wert, der von mir als nächstes erscheinen wird!

Willkommen auf den Philippinen

Am 17.08.2022 begann meine große Reise auf die Philippinen. Nach einem 17 Stunden Flug bin ich abends, am 18.08.2022, wohlbehalten in Manila gelandet und wurde dort direkt von der Jugend (Youth) der Iglesia Filipina Independiente, auch YIFI genannt, empfangen.

Nach meiner Ankunft blieb ich erstmal einige Tage in Manila, bevor es in meine Einsatzstelle nach Burgos, Isabela ging. In Manila habe ich am 120. Jubiläum der Iglesia Filipina Independiente (IFI) teilgenommen, einen Tagalog Crash-Kurs besucht, an einer Historical Tour durch Manila teilgenommen, den Obispo Maximo (höchster kirchlicher Rang in der IFI) kennengelernt und etwas über die Geschichte der IFI und ihrer Programme gelernt.

Nach dem die 8 Tage auch schon vorbei waren, sind wir mit dem Bus 13 Stunden zu meiner Einsatzstelle nach Burgos, Isabela gefahren.

Mein Alltag/Meine Einsatzstelle:

Ich arbeite von Montag bis Donnerstag an der Saint Peter’s Academy, einer Junior High School, mit den Jahrgängen 7 – 10. Die Saint Peter’s Academy ist in Burgos anzufinden und hat etwa 68 Schüler*Innen. In jedem Jahrgang ist nur eine Klasse vertreten mit ca. 17 Schüler*Innen. Ich bin als Assistenzlehrerin an dieser Schule und mache Vertretungsunterricht, falls einer der Lehrer*Innen mal krank oder nicht da ist. Die Schule ist eine gemischte Schule aus Jungen und Mädchen, eine Schuluniform ist jedoch für jeden Pflicht.

In der restlichen Zeit nehme ich am Unterricht teil und schaue den Lehrern beim Unterrichten zu beobachte wie verschiedene Lehrer verschiedene Unterrichtsstyle bei verschiedenen Jahrgängen verwenden. Dazu gibt es insgesamt 6 Lehrer*Innen, welche neben Fächern die uns allen bekannt sind (Mathe, Englisch, Geschichte, Filipino, Wissenschaft, etc.) auch Mapeh unterrichten. Mapeh = Musik, Art (Kunst), PE (Sport), Health (Gesundheit). Dort wird zum Beispiel in einer Stunde über verschiedene Aspekte der Kunst und ihrer Geschichte gesprochen, in der nächsten wird darüber geredet, wie eine optimale Ernährung aussieht und in der Stunde danach wird Sport gemacht. Da der Schulhof nicht so aussieht, wie ein deutscher, sind dort teilweise die Möglichkeiten beschränkter. Eine der Sportstunden, bei denen ich bei Klasse 9 mitgemacht habe, bestand aus 3 Sportlichen Aktivitäten. Zum 1. Sprinten, dann Sackhüpfen und dann Bücher weitergeben.

Ebenso gibt es ein Fach hier, welches ich mit Hauswirtschaftslehre gleichsetzten würde, jedoch hatte ich nie Hauswirtschaftslehre in Deutschland und das beruht nur auf meiner Vorstellung. Die Schüler lernen Kochen und Nähen, ebenso wird ihnen beigebracht wie man sich ordentlich die Fingernägel schneidet und Computerwissenschaften, soweit man das ohne Computer unterrichten kann, denn diese ließen sich nach der Coronapandemie nicht mehr anschalten. Da auf den Philippinen von 2020 bis August 2022 nur Online Unterricht/ kein Unterricht stattgefunden hat.

Da ich nicht alleine zur Schule gehen darf, treffe ich mich jeden Morgen um 06:45 mit Shena und Mikaela aus Klasse 9 um gemeinsam zur Schule zu gehen. Der Unterricht startet um 07:30 Uhr, jedoch müssen wir schon um 07:00 in der Schule sein, oder eher die Schüler*Innen. Die ersten 30 Minuten räumen die Schüler*Innen den Schulhof auf, fegen Blätter zusammen und räumen Müll weg. Das wird gemacht, damit die Schüler „sich körperlich anstrengen“ und sich somit bewegen. Dann startet um 07:30 bis 08:30 die erste Stunde. Eine Unterrichtsstunde geht 60 Minuten.

In den Pausen wird die Schulkantine immer sehr stark besucht. Es werden hauptsächlich Snacks wie Chips, Kekse und Saft verkauft. Mittlerweile bin ich auch ein anerkanntes Mitglied der Crew. Die verkauften Snacks oder Snacks generell werden hier als „Meryenda“ bezeichnet. Von 11:45 bis 13:00 Uhr geht die Mittagspause los, in der die meisten Schüler*Innen wieder nach Hause gehen um dort zu Essen. Wir Lehrer essen parallel dazu in der Schule und kochen meistens selbst.

Nach der Mittagspause geht der Unterricht bis 16:15 Uhr weiter. Dann wird noch bis 17:00 Uhr der Schulhof erneut sauber gemacht und das Klassenzimmer aufgeräumt. Und das Schulgelände darf erst um 17 Uhr verlassen werden. Dann ist auch schon wieder Schulschluss und ich gehe zusammen mit den Schülern nach Hause. Wie es auch bei uns in Deutschland ist, kommen die Lehrer in die Klassenräume, jedoch gibt es keine Fachräume hier, so dass alle Fächer, auch Wissenschaft im normalen Klassenzimmer unterrichtet wird. In den Pausen und im Unterricht verbringe ich viel Zeit mit den Schülern und wir verstehen uns sehr gut! Es macht mir immer sehr viel Spaß die Zeit zusammen mit ihnen zu verbringen.

Freitags habe ich frei und somit Wochenende.

Wenn ich im Folgenden von wir spreche, meine ich die YIFI (Youth/Jugend der Iglesia Filipina Independiente).

Am Samstag ist um 16:00 Uhr in der Regel „Family Ministry“. Dann gehen wir zu einer Familie und halten einen kurzen Gottesdienst ca. 30/45 Minuten bei der Familie zu Hause ab. Es wird dabei immer über ein vorher festgelegtes Thema gesprochen. Zum Beispiel, wie Gott eine Hoffnung gibt, stärkt, wenn man durch verschiedene Phasen seines Lebens geht und generell erfährt man viel über die Lebensgeschichten, der Menschen und Familien bei denen man das Family Ministry abhält. Danach wird man häufig noch zum Essen bei der Familie eingeladen.

Samstags treffen wir uns in der Regel so gegen 14/15 Uhr an der Kirche und unterhalten uns, schauen fern, singen zusammen oder ruhen uns zusammen aus. Nachdem das Family Ministry vorbei ist, gehen wir wieder zurück zur Kirche und lassen den Abend gemeinsam ausklingen.

Meistens übernachten wir von Samstag auf Sonntag in der Kirche, natürlich nicht alle, aber diejenigen von uns, welche weiter weg wohnen oder Lust dazu haben. Denn am Sonntag geht es schon um 06:00 Uhr morgens los zum ersten Gottesdienst nach „Furao“ danach fahren wir zurück nach Burgos und haben hier unseren zweiten Gottesdienst. Nachdem der Gottesdienst vorbei ist fahren wir zu unserem dritten und letzten Gottesdienst nach „Quirino“. Meistens essen wir dort dann auch Mittag und fahren dann wieder nach Burgos zurück. Wenn wir wieder ankommen, heißt es erstmal Mittagsschlaf oder zumindest Mittagserholzeit an. Einige Fahren nach Hause, andere bleiben in der Kirche, so wie ich, und wir schauen etwas fern und schlafen dann ca. 1-2 Stunden. Danach unterhalten wir uns, planen den Abend, sind ab und an noch zu Geburtstagen eingeladen und verbringen einfach viel Zeit zusammen. Und lassen den Abend dann zusammen ausklingen.

Das Wetter:

Auf den Philippinen herrscht ein tropisches Klima. Die Temperaturen liegen im Schnitt zwischen 28-33 °C. Da jedoch meistens etwas Wind weht und wir viele Klimaanlagen haben und ich mich mittlerweile an die Temperaturen gewöhnt habe, macht mir das nicht mehr wirklich was aus. Mir ist mittlerweile sogar kalt, wenn wir unter 29 °C haben.

Ebenso gibt es eine Regenzeit und eine Trockenzeit. Zurzeit ist Regenzeit, was so viel bedeutet, wie, dass es einmal am Tag oder alle paar Tage einmal etwas doller/stark regnet. Jedoch habe ich in meiner Zeit hier bereits zwei Taifune miterlebt. Die Regenmassen, die dabei runterkommen, habe ich so vergleichbar noch nirgendwo erlebt. Und es fällt mir ein wenig schwer dies näher zu erläutern.

Das Essen:

Auf den Philippinen gibt es sehr vielfältiges und leckeres Essen. In Manila wird sehr viel Fleisch gegessen (fast jede Mahlzeit besteht aus fast nur Fleisch), während in Burgos oder besser generell Isabela viel Gemüse gegessen wird. Ebenso wird zu jeder Mahlzeit Reis gegessen und nach eigenen Aussagen, fühlen sich die Philippinos sogar schlecht oder nicht gut, wenn sie kein Reis zu den Mahlzeiten essen. Neben Reis mit Gemüse und Fleisch, einfach nur Reis und Gemüse und vielen anderen Konstellationen wird hier auch z.B. als Snack zwischendurch gebratener Hühnerkopf, Hühnerfuß oder Blut, gemischt mit Fleischresten und dann gekocht gegessen. Oder Kikiam und Kweck-Kweck. Tatsächlich habe ich bis jetzt noch nichts gegessen, bei dem ich sagen würde, dass ich das nicht mag. Das Essen hier ist echt wahnsinnig lecker.

Der Straßenverkehr:

Der Straßenverkehr in Manila ist sehr anders. Für mich wirkte es die ersten paar Male eher so, dass jeder fährt wie es ihm passt und keiner so richtig auf die anderen Achtet, jedoch habe ich über die Zeit langsam verstanden wie der Hase läuft. Es ist als würden alle Fahrer eine Einheit bilden, aber andererseits auch jederzeit mit allen möglichen Aktionen rechnen. Die Autos überholen rechts und links und es wird viel gehupt.

Neben normalen Autos und Motorrädern, sind auch sogenannte Jeepney und Trycicles sehr weit verbreitet. Jeepneys sind kleine Busse, welche Leute von A nach B bringen, mit unterschiedlichen Halten, an denen sie die Leute aufsammeln, wenn man aussteigen möchte, muss man das dem Fahrer laut zurufen. Eine Besonderheit ist ebenfalls das man hinten einsteigt, da dort die Tür ist. Nachdem man eingestiegen ist, heißt es allerdings Kopf einziehen. Zur Stoßzeit sind die meisten Jeepneys voll, dass man manchmal sogar ein oder zwei Leute sieht, die hinten draußen am Jeepney stehen und sich festhalten. Meine größte Herausforderung war jedoch immer auf die schnelle erkennen zu können, in welche Richtung oder welche Linie das Jeepney ist.

Ebenfalls sind Trycicles sehr weit verbreitet. Das sind Motorräder, welche einen Beiwagen haben und Leute oder Ware transportieren.

Als Fußgänger muss ich gestehen traue ich mich nicht alleine die größeren Straßen zu überqueren. Wenn man ohne Ampel die Straße überqueren will, muss man winken, wenn man auf der Straße ist, damit die Autos anhalten. Manche halten dann an, andere nicht, man kommt sich wie in einem Videospiel vor – meiner Meinung nach zumindest. Wenn ich alleine war, bin ich immer nur mit der Masse über die Straße gegangen, da mir alles andere zu unsicher war.

Der Verkehr in meiner Einsatzstelle in Burgos, ist noch einmal ganz anders. Da wir uns hier in einer Provinz auf dem Dorf befinden fahren alle ein wenig gesitteter, da man nicht alle 2 Sekunden mit einem anderen Auto rechnen muss. Das Motorrad ist hier das am meisten genutzte Verkehrsmittel, so gut wie jeder hat eins. Ebenso wird hier nicht wegen des Verkehrs gehupt, sondern um anderen Fahrern „Hallo“ zu sagen und ihnen mitzuteilen, dass diese auf sich aufpassen sollen.

Ebenso sind hier auch einige Trycicles zu finden. Da wir uns allerdings in einem Ladwirtschaftssektor befinden, gibt es hier viele Kuligligs, welche von den Farmern verwendet werden um die Ernte einzufahren und um von ihrem Zuhause zum Feld zu kommen.

Generell wird sich eigentlich auch nicht angeschnallt, wenn man nicht der Fahrer ist und Motorrad wird auf dem Land auch ohne Helm gefahren.

Ich hoffe, dass ich Euch einen guten ersten Eindruck über mein Leben in Burgos geben konnte!

Liebe Grüße

Carola