Zwischen West und Ost | Teil 2: Odisha

Während wir für Weihnachten und Neujahr mit dem Direktor des IPC Angelious Michael in seinem Heimatort Koraput im Bundesstaat Odisha waren, nutzte er die Zeit auch für etwas Networking. Roshan Kartik ist stellvertretender Vorstandsvorsitzender der ‚Odisha Rural Development and Marketing Society‘, kurz ORMAS, ein vom Bundesstaat getragenes Unternehmen zur Entwicklung des ländlichen Raums. Ländlicher Raum ist hier fast schon ein Euphemismus – abgelegen trifft es eher, aber dazu später mehr. ORMAS jedenfalls stellt der armen Landbevölkerung Maschinen und eine Anschubfinanzierung zur Verfügung, damit die Bauern nicht ausschließlich die rohen Erzeugnisse verkaufen müssen, sondern ein verarbeitetes, höherwertiges Produkt anbieten können. Auch in den Geschäften des Unternehmens werden die Artikel später vertrieben.


Ein paar allgemeine Informationen vorweg: Koraput liegt im Süden Odishas, einem Bundesstaat an der Ostküste Indiens am Golf von Bengalen. Die Region war früher Hochburg einer kommunistischen Miliz und der damit verbundenen Gewalt. Auch infrastrukturell wurde sie lange vernachlässigt; so war es beispielsweise der Ort für Strafversetzungen für Beamte, die ihren Pflichten nicht nachgekommen waren, insbesondere Polizisten. Entsprechend grassierten lange Korruption und Willkür und die einfache Landbevölkerung musste zwischen den beiden Parteien irgendwie überleben. Noch heute sind Bewohner dieses Distriktes Diskriminierung aufgrund ihrer Herkunft in ihrem eigenen Bundesstaat ausgesetzt.

Als in den Bergen, die das Landschaftsbild um Koraput prägen, Bauxit gefunden wurde, wandelte sich die Lage. Bauxit ist ein rotes Aluminiumerz und für die großen Metallkonglomerate sehr wertvoll. Nun werden neue Minen gebaut, die Gegend langsam entwickelt und eine neue Gesellschaftsschicht wandert zu. Die Umwelteinflüsse des Bergbaus wirken sich enorm auf die Tier- und Pflanzenwelt aus und auch die indigene Bevölkerung, die noch immer in Stämmen lebt, leidet unter den Folgen. So treiben die Explosionen beim Sprengen neuer Schächte gefährliche Wildtiere aus den Wäldern in die umliegenden Dörfer. Der höchste Berg des Bundesstaates, der Deomali, liegt ebenfalls hier und die Lebenshaltungskosten sind im indischen Vergleich sehr gering.


Roshan war so nett, uns auf eine seiner Touren mitzunehmen, denn er besucht regelmäßig die Betriebe, die ORMAS zuarbeiten und erkundigt sich, wie das Programm noch besser unterstützen kann. Nach unserem Jeypore Besuch (s. letzter Broadcast) hatten wir schon mit seiner Familie zu Abend gegessen.

Nun saßen wir also im weißen Regierungsfahrzeug, in der Windschutzscheibe leuchtete rot „On Duty“. Es hatte nur noch die Polizeieskorte gefehlt und man hätte uns für ganz normale indische Politiker halten können, die sich ihre Route auch gerne von einem Heer von Polizisten absperren lassen, damit auf der Kaffeefahrt auch ja kein Stau passiert.

Ich habe einmal eine Kolonne erlebt, die sogar mehrere Feuerwehrfahrzeuge inkl. Drehleiter dabei hatten. Dass damit der gesamte Verkehr quer durch die Stadt lahmgelegt wird, stört niemanden, sondern zeigt vielmehr den hohen Status der Person, die eskortiert wird. Nachdem zehn Minuten später endlich alle Wagen davongefahren waren, erzählte mir die Polizistin, es sei die Präsidentin von Indien gewesen, die hier vorbeifuhr. Vorher hatte sie mit ihren Kollegen alle Personen von den Bürgersteigen in die nächstgelegenen Seitenstraßen gescheucht. Aber auch für weniger wichtige Persönlichkeiten wie den örtlichen Polizeipräsidenten oder Parlamentsvertreter (nur von der Regierungspartei natürlich) gibt es Kolonnen mit 3-5 Wagen.

Ganz ohne Eskorte schafften wir es nach einstündiger Fahrt zu einer Kaffeeplantage. Eine Familie aus zwei Töchtern und ihrer Mutter betreibt die Farm seit vielen Jahren. Sie verfügt durch Roshans Unterstützung nun auch über ein Gewächshaus zum Trocknen der Früchte. Entsprechend bereitwillig zeigte die jüngere Tochter uns, wie der Kaffee angebaut wird: Obstbäume bilden ein Blätterdach für den Schatten, weil der Kaffee ohne zu viel direkte Sonneneinstrahlung wohl besser wächst. An ihren Stämmen ranken sich die Triebe vom schwarzen Pfeffer und am Boden wachsen schließlich die Kaffeepflanzen. Es war gerade Erntezeit und so konnte ich zum ersten Mal überhaupt eine Kaffeekirsche probieren. Die zähe Schale abgepult schmeckte sie ziemlich süß, bloß klebte diese süße Masse fest an der Bohne. Man kann sich das am ehesten wie einen dieser übersüßen Bonbons vorstellen, der zwar Geschmack abgibt, aber einfach nicht schrumpft.

Wir spazierten weiter und kamen bei einer Pflanze an, deren roter Farbstoff als Extrakt in der Lebensmittelproduktion genutzt wird. Beim Experimentieren machte ich die spannende Entdeckung, dass es auch auf Stoff wirkt. Das Hemd war dadurch erfolgreich orange-rot eingefärbt und das ließ sich auch nicht wieder herauswaschen. Ist es eigentlich gesund, so etwas Intensives zu essen?

In der Zwischenzeit kümmerte Roshan sich um wichtigere Fragen. Kürzlich hatten die Bauern nämlich vermehrt mit wilden Tieren zu tun, die in besiedeltes Gebiet eindrangen. Die ältere Schwester berichtete, dass das hier ebenfalls ein Problem sei. Die Affen würden das Obst auffressen, sodass die Ernte effektiv zunichte gemacht würde. Hin und wieder gebe es Schlangen und im letzten Winter wären sie sogar morgens von einem Bären überrascht worden.

Grund dafür sind die Bauxitminen in der Umgebung. Die für die Region typischen roten Felsen enthalten dieses Mineral, was für die Aluminiumproduktion essenziell ist. Deshalb sprengen sich die großen Bergbauunternehmen durch die bislang unberührten Berge. Die Tiere werden dabei aus den Wäldern vertrieben und finden neue Nahrungsquellen bei den Menschen und das sind meistens Bauern oder indigene Stämme, die nicht die finanziellen Mittel haben, um sich zu schützen.

Dabei kann das Entwicklungsunternehmen aber nicht helfen und so machten wir uns auf den Weg, uns das Gewächshaus anzusehen. Schon bei unserer Ankunft waren uns die Bahnen von Kaffeebohnen ins Auge gesprungen, die zum Trocknen in der Sonne lagen. Nun erklärte die ältere Schwester, wie sie hier die Bohnen unterschiedlich lange lagerten, bis sie für unterschiedliche Getränke wie Espresso oder klassischen Kaffee optimal getrocknet seien. Dann würden sie einen Packen nach dem anderen selber rösten und nach Kundenwunsch mahlen. Anschließend könnten die vorgetrockneten Bohnen von draußen hereingebracht werden.

Roshan war zumeist interessiert bis wohlwollend den Frauen gegenüber, doch auch sie mussten zugeben, dass die Arbeiterinnen aus dem nahegelegenen Dorf, die draußen gerade die Bohnen mit Haken umdrehten, ziemlich jung seien und nach der Schule zur Plantage kämen. Ob sie auch Unterricht wegen der Arbeit versäumen, wurde nicht klar. Außerdem bauen sie hier auch Eukalyptus an, wie Angelious auf dem Hinweg bemerkte. Jene Bäume haben einen besonders hohen Wasserbedarf und der sinkende Grundwasserspiegel in der Region ist ein wachsendes Problem. Immerhin ist es hier noch nicht durch die Minen verseucht.

Bei kleinen Snacks auf der Veranda bzw. im Carport, bei denen sich die Mutter wirklich ins Zeug gelegt hatte, wurden wir Zeugen des Affenproblems. Ständig sprangen die Tiere aufs Dach, die Pfähle auf der anderen Seite, das Gewächshaus usw. Dabei machten sie sich einen Spaß daraus, sich von den Hunden jagen zu lassen und ihnen im letzten Moment vor der Nase wegzuspringen. Hauptinteresse waren aber die Süßigkeiten und Snacks auf unserem Tisch. Immer wieder stahlen sich freche Äffchen auf die Kante über uns und erbeuteten eine Banane wie dieser hier. Einmal lief sogar einer ins Haus und sprang auf dem Wohnzimmertisch herum. Mit jedem Rumms auf das Blechdach wurde die ältere Schwester ungehaltener, wahrscheinlich auch des Besuchs wegen. Aber ihren Versuch, die Primaten mit einem Besen zu verscheuchen, waren diese wohl schon gewohnt. Sobald sie einem den Rücken kehrte, schlich er sich schon wieder heran.

Wir stiegen nach dem obligatorischen Gruppenfoto wieder ins Auto und machten uns wieder auf den Weg. Diese zweite Fahrt zog sich ziemlich lang, aber von der Bundesstraße konnte man ein Bild von der Landschaft bekommen. Die grüne Vegetation, das Dickicht, die Bäume mit ihren vielen kleinen Blättern auf dem rotbraunen felsigen Untergrund und hin und wieder kleine Häuschen und Stände, viele mit Wellblechdach und Plastikfolie. Eine Szenerie ist mir dabei besonders im Kopf geblieben. Wir fuhren an einer ehemaligen Bauxitförderstätte vorbei, die nur noch aus dem geschätzt 20 m tiefen Baggerloch bestand. Rostrot sah ich die Klippen an allen Seiten und dahinter den Wald. Es wirkte so sehr wie ein Fremdkörper, als hätte sich ein Entwickler im Landschaftsdesign schlicht vertan. In der Mitte stand ein einziger kleiner hölzerner Strommast, nichts Besonderes. Nur wurde penibel um ihn herum gegraben, sodass er nun auf einem hohen Sockel aus dem ursprünglichen Erdreich steht. Ich frage mich immer noch, wieso sie nicht einfach die Leitung um die Grube herum verlegt haben…

Irgendwo im Nirgendwo weit entfernt von den nächsten zwei kleineren Ortschaften fuhren wir ab und sogleich wurde es holperig. Die Straße war einer Sand- und Schotterpiste gewichen. Langsamer passierten wir eine kleine Ansiedlung, wo Arbeiter gerade damit beschäftigt waren, Ton aus einem Erdloch zu schaufeln und noch vor Ort zu Backsteinen zu verarbeiten. Als der Sand wieder zu Pflastersteinen überging und ein paar Kühe und Ziegen über den Weg liefen, hatten wir das Ende der Strecke erreicht.

Wir waren am Rande eines kleinen indigenen Dorfes angekommen. Rings herum zogen sich die Berghänge. Der Weg führte uns entlang der Häuser und Hütten der Bewohner eine Anhöhe hinauf. Wir sahen Kinder spielen, ältere Frauen vor den Häusern mit Handarbeitsutelsilien sitzen und wurden von so ziemlich allen Menschen dort ausgiebig beäugt. Als Zeichen der Gastfreundschaft gab es natürlich zunächst etwas zu essen und die Damen hatten ebenso selbstverständlich viel zu viel gekocht, damit trotz kräftigem Nachschlag noch viel übrigblieb. Gespeist wurde zu Angelious‘ Freude in einer Kirche / Kapelle im Zentrum des Dorfes.

Es stellte sich heraus, dass ORMAS dem Dorf eine Maschine zum Pulverisieren und Verpacken ihres Kurkumas geliefert hat. Auf den umliegenden Feldern bauen die Bauern schon länger Kurkuma an, doch konnten bislang nur die Wurzeln als Ganzes verkaufen. Einmal pro Woche ist Markttag, wenn die Bauern mit ihrem unterschiedlichen Ertrag in die Dörfer fahren. Auf dem Rückweg blieben wir auch im Stau stecken, denn an diesem Tag ist das ganze Dorf auf den Beinen, um den Wocheneinkauf zu erledigen. Auch die Bauern untereinander handeln und bringen, wenn sie genügend verkauft haben, statt ihrer eigenen Ernte den Einkauf für ihre Familien mit zurück.

Auf so einem Markt sind die Preise für Grunderzeugnisse gering und daher die Möglichkeit, ihre Wurzeln direkt im Ort weiterzuverarbeiten für die Bauern eine große finanzielle Hilfe. Sie enthalten einen hohen Kurkuminanteil; das ist der Stoff, der für die gelb-orange Farbe verantwortlich ist und dem die gesundheitsfördernden Eigenschaften nachgesagt werden. Normalerweise enthalten die Pflanzen etwa drei bis fünf Prozent Kurkumin, doch in diesem Tal schaffen sie es auf sieben. Das macht das Kurkumapulver aus dieser Produktion besonders begehrt.

Während Roshan sich also in einem Stuhlkreis über die Anliegen der Dorfbewohner informierte, die erwartbar kein Englisch sprachen, unternahm ich einen kleinen Spaziergang. Dabei sind auch die Fotos von oben entstanden. Die Wellblechdächer werden nur von den Steinen befestigt – ein Wunder, dass das hält, denn Odisha liegt am Golf von Bengalen, wo immer wieder gefährliche Zyklone entstehen. Das Gebäude mit den Dachziegeln ist ein Kuhstall und die Wasserpumpe eine von zweien, die die einzige Wasserversorgung darstellen.

Ich kam wieder zurück, als gerade zum Aufbruch geblasen wurde. Das geht in Indien aber natürlich nicht, ohne eine Wagenladung an Fotos zu produzieren. Am Ende hatten alle Dorfbewohner, die gerade in der Nähe waren jeweils min. drei Selfies geschossen. Und damit ging es zurück nach Koraput. Auf dem Weg zum Auto sah ich noch einmal die spielenden Kinder vom Anfang, die noch immer mit vollem Einsatz dem Ball hinterherrannten. Cricket ist wirklich überall…

Out of my comfort zone

Ich glaube, es ist ganz normal, wenn ich sage, dass es Zeit gebraucht hat richtig anzukommen. Ich wollte so viel, wurde aber von eigener Unsicherheit, Ängsten und Vorurteilen gebremst.
Es hat seine Zeit gebraucht, bis ich das erste Mal alleine spazieren war oder bis der erste Ausflug getätigt wurde. Aber eins ist sehr wichtig, ich war stets immer offen für das, was auf mich zukommen würde.

Heute kann ich inzwischen über meine damaligen Gedanken lachen. Sie halte mir vor Augen, wie stark meine Entwicklung eigentlich ist.
Besonders in den letzten Monaten habe ich noch einmal einen großen Schwung gemacht.
Dinge die ich niemals für möglich gehalten habe, mache ich ohne große Zweifel und bin unendlich stolz auf mich selbst.
Alleine unterwegs sein und die öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen sind kein Problem mehr und ich genieße es teilweise sogar.
Inzwischen habe ich auch einige Treffen mit Freunden hinter mir, alleine… Klingt erst mal unspektakuläre, bedeutet mir aber doch schon einiges. Englisch zu sprechen, war für mich immer mit Unsicherheit und Angst verbunden. Inzwischen fühle ich mich dabei so sicher, dass ich nicht mehr darüber nachdenke und treffen sehr doll genieße.


Und da gäbe es noch eine Sache, von der ich euch gerne näher berichten möchte.
Ich habe den Schritt aus meiner Komfort Zone gewagt und war alleine reisen (auch wenn es nur ein Wochenende war).
Lasst mich euch auf diese Reise mitnehmen…

Auf dem Weg, im Stau.

Ich habe mich an einem Samstagnachmittag auf dem Weg gemacht. Mein ursprünglicher Plan war es um 18 Uhr in Salama (einem kleinen Dorf) anzukommen. Der Weg zur Matatu Station (Kleinbusse hier in Kenia) war aber schon ein kleines Abenteuer. Ich war froh, dass sich jemand bereit erklärt hatte, mich dorthin zu begleiten. Ich weiß nicht wie lange es gebraucht hätte, bis ich den Ort alleine gefunden hätte. Schließlich bin ich aber sicher angekommen. Die Matatus (Kleinbusse) warten aber meistens mit dem Losfahren, bis sie komplett voll sind. Also saß ich in dem Bus schließlich eine Stunde, bis wir losgefahren sind und unterhielt mich in der Zeit mit einigen Menschen, die mir unter anderem unterschiedlichste Dinge verkaufen wollten (Ich finde es immer wieder beeindruckend, welche Dinge man schnell auf der Straße kaufen kann). Nahezu alle waren überrascht, als ich berichtete, dass ich nach Salama reisen möchte. Dieser Ort ist sehr ungewöhnlich für “Touristen” und ich wurde mehrfach darüber ausgefragt, was ich dort machen möchte. Auch der Fahrer fragte mich beim Aussteigen mehrfach, ob ich hier wirklich richtig bin.
Aber ja, das war ich.


Mein Plan in Salama war es dort einen Freund zu besuchen, der dort Pastor einer Kirchengemeinde ist.
Ich kam statt um 18 Uhr, erst um 21 Uhr an und es tat mir unendlich leid, dass mein Freund dort so lange auf mich gewartet hat.
Denn in Salama war noch nicht Schluss. Wir zogen mit dem Motorrad weiter aufs Dorf, um schließlich in seiner Kirchengemeinde anzukommen. Es war wirklich magisch im dunklen, unterm klaren Sternhimmel mit dem Motorrad zu fahren.

Ich wurde direkt sehr herzlich begrüßt. Mein Freund (der Pastor) hatte seiner Gemeinde bereits Bescheid gegeben, dass ich komme, alle waren sehr aufgeregt und freuten sich.
An seinem Zuhause wurde ich direkt von einigen Kirchenmitgliedern begrüßt und wir saßen noch einige Zeit zusammen.
Dadurch, dass das Dorf auf einem Hügel liegt, war es sehr sehr kalt und wir tranken ein Tee nach dem anderen und wärmten uns am Feuer.
Am nächsten Morgen stand der Gottesdienst vor der Tür, den ich mir definitiv nicht entgehen lassen wollte. Vom Gottesdienst habe ich leider nicht viel verstanden, aber trotzdem hat er mich extrem berührt. Es wurde sehr viel getanzt und gesungen. Die Gemeinde erzählt mir auch stolz, dass sie erst kürzlich selbst geschriebene Lieder professionell aufnehmen lassen haben. Schließlich war es dann auch meine Zeit und ich wurde aufgefordert zu tanzen. Selten habe ich so viel Sorgenfreiheit und Freude gespürt wie in diesem Moment.
Ich habe mich so willkommen gefühlt und es hat mich sehr berührt, als mir Menschen erzählten, dass sie am Morgen 20 km gelaufen sind, um mich zu sehen.

Nach dem Gottesdienst baten mich zwei Gruppen noch um ein Gespräch. Zum einen die Jugendlichen, die mich viel über den christlichen Glauben und den Schulen in Deutschland ausfragten. (Kleiner Funfact am Rande, für die meisten Kinder und Jugendliche war ich die erste weiße Person, die sie jemals gesehen haben.) Zum anderen suchten auch die Frauen der Gemeinde das Gespräch und stellten Fragen zum Thema „Rolle der Frau“ in Deutschland.
Auch ich habe die Gespräche sehr genossen und eine Aufgabe habe ich an die Hand bekommen, ich soll ganz liebe Grüße von der Kirchengemeinde Muthitha nach Deutschland ausrichten (Ich würde sagen, dass ich meine Aufgabe somit erfüllt habe.)

Grundschule des Dorfes

Nach dem Gottesdienst wurde ich noch bei einer Familie eingeladen, dessen Kind im PLCC (dort wo ich wohne und arbeite) lebt. Mich hat es sehr gefreut, die Familie kennenlernen zu dürfen und gleichzeitig hat es mich berührt die „ehemaligen“ Lebensumstände des Mädchens kennenzulernen. Nach diesem Gespräch wurde ich noch bei dem Gemeindeältesten zum Tee eingeladen. Ich weiß wirklich nicht wie viele Tassen Tee ich an diesem Wochenende getrunken habe, aber es tat sehr gut durch die Kälte.
Nachdem mich gefühlt jeder versucht hat zu überreden noch eine weitere Nacht zu bleiben, musst ich mich schweren Herzens verabschieden. Und dann startet die abenteuerliche Fahrt im Matatu zurück nach Nairobi.
Ich habe über das gesamte Wochenende wirklich jede Sekunde genossen und bin noch immer sehr gerührt. Es war definitiv eines der schönsten Wochenenden, die ich je hatte.

Ich hoffe, ich konnte euch einen authentischen Einblick bieten. Und ich kann nur sagen „Out of my comfort zone“ ist hier zu einem neuen Lebensmotto geworden, was ich auch definitiv beibehalten möchte. Ich wachse ständig an mir selbst und bin unendlich dankbar.

Eure Lena