Die Fußball-WM war in Argentinien nicht zu übersehen. Fahnen in jedem Schaufenster, Argentinien-Trikots überall und alles in Blau-Weiß. Jetzt, wo die WM zu Ende ist und Argentinien sogar den zweiten Platz erreicht hat, möchte ich den Anlass nutzen, um über die Fußballkultur hier zu schreiben.
Unfassbare Stimmung
Argentinien ist nicht umsonst als eine der größten Fußballnationen der Welt bekannt. Die WM war das Hauptthema des letzten Monats. Das fand ich wirklich toll, weil es immer eine Möglichkeit gab, ins Gespräch zu kommen, und mich die Leidenschaft der Menschen sofort mitgerissen hat. Vor allem mit den Kindern im Projekt konnte man ständig darüber reden, wie sie die nächsten Spiele tippen oder was sie vom letzten Spiel gehalten haben.

Außerdem wurden wir öfter von Freunden eingeladen, die Spiele gemeinsam anzuschauen, was mir immer großen Spaß gemacht hat. Besonders beeindruckend war aber die Stimmung nach den Spielen Argentiniens. Die Straßen waren jedes Mal voller Menschen. Überall wurde gefeiert, auf den Plätzen gab es Feuerwerk, Fahnen und ausgelassene Stimmung – sogar nach dem verlorenen Finale.
Ein weiteres wichtiges Thema ist die sogenannte Cábala. Das ist eine Art Aberglaube, bei dem viele Menschen zum Beispiel bei jedem Spiel am gleichen Platz sitzen, das gleiche T-Shirt tragen oder dieselben Rituale befolgen. Die meisten nehmen das sehr ernst. Als wir eines der Spiele auf der Arbeit geschaut haben, ist einer der Mitarbeiter für die Dauer des Spiels sogar extra nach Hause gefahren, weil dort seine persönliche Cábala war.
Schattenseiten
Doch wie man in letzter Zeit auch häufig auf Social Media mitbekommen hat, hat diese Leidenschaft leider auch ihre Schattenseiten. Rassistische Fangesänge, Aggressivität auf dem Platz und teilweise auch unter den Fans gehören ebenfalls dazu.
Viele haben sicher die Auseinandersetzung zwischen Paredes und einem spanischen Spieler gesehen. Paredes hat ihn weggeschubst und sich darüber beschwert, dass die Spanier zu ausgelassen feiern würden. Auch danach habe ich viele Instagram-Storys mit Aussagen wie „Tod allen Spaniern“ gesehen. Beim Spiel gegen England wurden auf den Straßen außerdem zahlreiche englische Flaggen verbrannt. Das hat mir ehrlich gesagt kein gutes Gefühl gegeben.
Auch das Video nach der Weltmeisterschaft 2022, in dem einige argentinische Nationalspieler im Mannschaftsbus einen rassistischen Fangesang anstimmen, hat es mir schwer gemacht, die Mannschaft weiterhin uneingeschränkt zu unterstützen.
Was nicht so schlimm, sondern eher nervig war: Nach den beiden Niederlagen Deutschlands wurde ich von fast jedem, der wusste, dass ich Deutscher bin, aufgezogen oder ausgelacht.
Fazit
Letztendlich hatte ich während der WM aber eine wirklich schöne Zeit. Sie hat den tristen Winter hier deutlich spannender gemacht. Trotz aller Probleme, die der argentinische Fußball leider mit sich bringt, hatte ich großen Spaß daran, gemeinsam mit Freunden und Mitarbeitern die Spiele zu verfolgen und mitzufiebern. Dass Argentinien am Ende sogar den zweiten Platz erreicht hat, machte die Stimmung natürlich noch besser.
Außerdem war es etwas Besonderes, Lionel Messi bei einer weiteren Weltmeisterschaft spielen zu sehen – noch dazu in seinem Heimatland. Auch wenn das Turnier sportlich nicht mit einem Titel endete, wird diese WM für viele Argentinier und auch für mich in besonderer Erinnerung bleiben.

Abrazo,
Beat



