Jiayuguan- „Chinas Tor in die westliche Welt“

Welche Assoziationen kommen einen als erstes in den Sinn, wenn jemand China sagt? 

Die meisten Leute denken wahrscheinlich sofort an Megacities, wie Shanghai oder auch Chengdu. 

Sie denken an das Essen, an die Politik/Wirtschaft und natürlich eben auch an Sehenswürdigkeiten, wie die Chinesische Mauer. 

Vom hören her kennen wir alle die Chinesische Mauer, doch was genau steckt hinter ihr? 

Nimm dir eine Sekunde Zeit. Was weißt du über die Mauer? 

Wahrscheinlich sagst du jetzt so etwas wie:

„Sie sollte das damalige Chinesische Kaiserreich (vor allem den östlichen Teil, in dem der Kaiser lebte und seinen Regierungssitz hatte), vor den Nomadenvölkern, die immer wieder über die heutige Mongolei in das Reich einfielen, schützen.“

Okay und wenn ich dich jetzt frage, wie die chinesische Mauer aussiehst, wirst du mir wahrscheinlich folgende Landschaft beschreiben:

„Es ist eine einzige gewaltige zusammenhängende Mauer aus Steinen im Norden Chinas, die in regelmäßigen Abständen von Wachtürmen unterbrochen wird und sich über sanfte Hügel und Berge erstreckt.“

(Vielleicht hast du bei deiner Beschreibung sogar an den Film Mulan gedacht.) 

Doch was steckt (noch) alles hinter der Mauer, ihrer Erbauung und ihrer Geschichte? 

Ist es wirklich eine einzige Mauer?Wie lang ist die Chinesische Mauer? Wann wurde sie gebaut und wie lange hat der Bau gedauert? Und zum Schluss, was macht den Abschnitt in Jiayuguan so besonders?

Wann wurde sie erbaut und wie lange hat der Bau gedauert? 

Die Mauer wurde nicht an einem Tag gebaut, im Gegenteil! 

Der Bau begann schon im 7.Jahrhundert v.  Chr. und wurde über die Jahrhunderte hinweg immer wieder fortgeführt/erweitert und verstärkt.

Gibt es nur eine chinesische Mauer? 

Die Chinesische Mauer ist nicht nur eine Mauer! 

Oft gehen viele Menschen fälschlicherweise davon aus, dass die chinesische Mauer eine einzige zusammenhängende Mauer ist.

In Wirklichkeit besteht sie jedoch aus vielen unterschiedlichen Abschnitten, die zu verschiedenen Epochen und Dynastien gebaut wurden. 

Die Mauer war somit niemals eine durchgehende „Linie“.  

Es gab viele Brüche in ihrer Struktur, weshalb sie auf Karten wie viele unterschiedlich lange und unterschiedlich positionierte „Linien“ aussieht.   

Wie lange ist die chinesische Mauer? 

Man vermutet, dass sich die chinesische Mauer insgesamt über 21 000 km erstreckt. 

Ich finde es schwierig sich unter so einer hohen Zahl etwas vorzustellen, deshalb hier ein kleiner Vergleich. 

Das ist die Hälfte des Äquators! (Dieser ist um die 40 000km breit.) Verrückt, oder? 

Jetzt fragt ihr euch bestimmt, folgendes:

„Lenka, warum vermutet man, dass die Mauer 21 000km lang ist?

Wie ist man auf diese Summe gekommen und warum weiß man es nicht genau?“ 

Das ist eine sehr gute und wichtige Frage, die ich mir auch gestellt habe.

Im Bezug auf die Mauer müsst ihr folgendes wissen. 

Es gibt tatsächlich noch viele unbekannte Abschnitte der Mauer, die nicht vollständig entdeckt oder erforscht wurden.

Weite Abschnitte, besonders in abgelegenen und schwer zugänglichen Gebieten, sind zum Teil noch unentdeckt, oder im schlechtem Zustand. 

In einigen Wüsten- und Gebirgsteilen gibt es Fragmente der Mauer, die von der modernen Welt weitgehend unberührt geblieben sind. 

Archäologen und Forscher arbeiten weiterhin daran, diese unbekannten Abschnitte zu finden und zu dokumentieren.

Ein Teil der Herausforderung liegt in der extremen Länge der Mauer, die in verschiedenen Perioden und unter verschiedenen Dynastien errichtet wurde, was bedeutet, dass es zahlreiche „Mauern“ gibt, die nicht immer gut dokumentiert sind.

Außerdem sind einige Abschnitte aufgrund von Erosion und natürlichen Katastrophen mittlerweile kaum noch sichtbar.

Doch wenn Forscher daran arbeiten, die tatsächliche Länge herauszufinden, wie setzt sich dann die Kilometeranzahl von 21 000 km zusammen? 

Als erstes muss man wissen, dass nicht nur ganz klassisch die „typische“ Mauer dazugezählt wird, sondern eben auch Abschnitte wie Festungsanlagen, Verteidigungsanlagen und Wachtürme. 

Außerdem basiert diese Zahl auf Schätzungen, die aus verschiedenen Quellen und historischen Aufzeichnungen zusammengesetzt wurden.  

Man kann es sich ungefähr so vorstellen: 

Historische Dokumente aus den unterschiedlichen Dynastien, insbesonders aus der Qin- und Ming-Dynastie enthalten Karten, die die Länge und Ausdehnung der Mauer angeben und dokumentieren. 

Außerdem wurden die unterschiedlichen Bauphasen in den letzten Jahrhunderten systematisch kartiert. 

Desweiteren haben Archäologen mithilfe von modernen Technologien (Satellitenbildern, Luftaufnahmen und GPS), die genaue Lage und Ausdehnung besser erfassen können. 

Dies ermöglicht eben auch Mauerabschnitte in die Schätzung mit einzubeziehen, die schwer zugänglich oder nur teilweise dokumentiert sind. 

Somit setzt sich die Zahl aus vorhandenen, dokumentierten Mauerteilen und den historischen Bauphasen zusammen.

Es wird angenommen, dass in abgelegenen Gebieten, wie in der Wüste Gobi oder in Gebirgsketten, noch unentdeckte Fragmente existieren könnten, aber diese sind in die Gesamtschätzung der Länge bereits mit einbezogen, auch wenn sie nicht vollständig erfasst oder zugänglich sind.

Kurz vor meiner Abreise nach China habe ich eine Doku gesehen, die sich mit genau dieser Frage beschäftigt hat. 

Wie lang ist die Mauer und gibt es noch unerforschte Abschnitte? 

Die Frage hat vor allem ihren Fokus auf die Region Gansu und die Stadt Jiayuguan gelegt. 

Während der Feiertage im Mai hatte ich die Möglichkeit Jiayuguan zu besichtigen und mich tiefgründiger mit der chinesischen und lokalen Kultur und ihrer Geschichte auseinander zu setzten. 

Denn dieser Abschnitt der chinesischen Mauer (Jiayuguan) ist aus vielerlei Gründen spannend und auch interessant für uns Europäer. 

Was macht den Abschnitt in Jiayuguan so besonders von andern Knotenpunkten? 

Jiayuguan markiert den westlichsten „Endpunkt“ der chinesischen Mauer, was ihn zu einem wichtigen Wendepunkt in der Geschichte und gleichzeitig zu einem entscheidende Knotenpunkt für die Geschichte Asiens und Europas macht.  

Der Jiayuguan-Pass, welcher mit der Festungsanlage,  die später erwähnt wird, um das 13.  Jahrhundert erbaut wurde, war eine wichtige Grenzfestung und vor allem strategisch wichtiger Angelpunkt der Seidenstraße, da an der Stelle die Mauer in die Wüste Gobi übergeht und es somit den westlichsten Punkt Chinas darstellte. 

Es galt sogar als „Tor zur Seidenstraße“, denn wer in den Westen reisen wollte, musste durch Jiayuguan und dessen Tor, bzw. Tore.

Jiayuguan, bzw die Region war deshalb entscheidend für die Kontrolle des Zugangs zu Zentralasien und stellte somit die Grenze zwischen China und der westlichen Welt dar.

Das ist der Jiayugan-Pass mit den berühmten drei Toren

Es war „wie das Ende der Welt“, denn hatte man damals das Tor verlassen, stand man in den unendlichen Weiten der Wüste Gobi.

Ich kann mir nur vorstellen, dass man sich damals ziemlich alleine und hilflos gefühlt haben muss. 

(Als ich in Jiayuguan in der Wüste draußen war, gab es extreme Sandstürme.  

Davor hätte ich nie gedacht, wie gefährlich es ist und vor allem was für Kräfte diese Winde teilweise haben. Wir wurden regelrecht umgestoßen und sind auch öfters fast hingefallen. ) 

Wichtig zum Bild: Die Grünanlagen sind in den letzten paar Jahren aus unterschiedlichen Gründen angelegt worden. Davor war alles Sandwüste.

Außerdem sind nicht alle Abschnitte der chinesischen Mauer aus Stein! 

Im Gegenteil, sie wurde aus unterschiedlichen Materialien (Ziegel, Stein, Holz, Erde und sogar Stroh!) gebaut. 

(Es gibt sogar Abschnitte, die aus Bambus gebaut wurden.) 

In der Wüste, wie es der Fall in Jiayuguan ist,  verwendete die Bauleute meistens Lehmziegel und andere Materialien, da die Gegend so trocken und heiß war. (Siehe Bild) 

Ein anderer Wichtiger Punkt ist die Jiayugan-Festung, die heute eine der am besten erhaltenen und beeindruckendsten Festungsanlagen entlang der Mauer ist. 

Sie wurde damals im 14. Jahrhundert (während der Ming-Dynastie) erbaut und diente als. Schutz vor Invasionen. 

Die Festungsanlage mitten in der Wüste

Zur Chinesischen Mauer zählen auch Mauerabschnitte, die man im klassischen Sinne nicht als „Mauer“ definieren würde. 

So zum Beispiel zählen auch Festungsanlagen, Verteidigungsanlagen, wie Wachtürme, oder auch Gräber dazu. 

Die Great Hanging Wall

Die Great Hanging Wall (Jiayuguan Hanging Wall), gehört eben wie der Jiayuguan Pas zur Festung. 

Dieser Abschnitt der Chinesischen Mauer wurde speziell an einem schwierigen Gebirgsgelände errichtet, um den Zugang zum Reich der Ming-Dynastie zu sichern. 

Diese drei „Gebäude“, bzw Mauerabschnitte dienten als wichtige Verteidigungsstruktur gegen Nomadische Stämme. 

Jedoch hatte Jiayuguan nicht nur eine einen militärischen Zweck. 

Sie spielte eine Rolle bei der Kontrolle des Handels und der Migration. 

Besonders während der Ming-Dynastie wurden dort viele Zollstationen eingerichtet, die den Handel mit waren in Zentralasien regulieren und somit auch die Seidenstraße überwachten. 

Doch warum hat Jiayuguan noch heute so eine symbolische Bedeutung nicht nur für die Chinesen, sondern auch für uns Europäer und den Rest der Welt? 

Die geographische Lage machte Jiayuguan damals zu einem wichtigen Eingangstor in das Alte China, und war somit bedeutend für den Handel und die Verbindung unterschiedlicher Länder. 

Die Seidenstraße war ein Netzwerk von Handelswegen, das China mit Zentralasien,  dem Nahen Osten und Europa verband. 

Sie ermöglichte den Austausch von Waren, aber auch technologischen Ideen. 

(FunFact: Marco Polo ist auf seinen Reisen auch über die Seidenstraße, bzw der Handelsroute nach Asien gereist. ) 

Die „Route“ trug zum kulturellen Austausch und zur Entwicklung von Zivilisation bei und förderte die Verbreitung von Religionen wie dem Buddhismus und dem Islam. 

Doch die historische Seidenstraße hat nicht nur eine kulturelle und wirtschaftliche Bedeutung, sondern eben auch eine ganz aktuelle Relevanz. 

Die „One Belt, one Road Initiative“ Chinas ist eine moderne Umsetzung des alten Handelsnetzwerkes, die darauf abzielt die Handelsbeziehungen zwischen Asien, Europa und Afrika zu stärken. 

Diese Initiative umfass Infrastrukturprojekte wie Häfen, Flughäfen, Straßen und Eisenbahnen, die umstritten sind. 

Heute hat die Seidenstraße eine neue Bedeutung.

Sie ist ein Symbol für den globalen Handel und wirtschaftliche Zusammenarbeit. 

Sie spielt eine Schlüsselrolle in vielen Diskussionen (geopolitisch und wirtschaftlich),  besonders im Bezug auf die wachsende Rolle Chinas.  

Eins ist klar, das Erbe der historischen Seidenstraße lebt noch heute weiter und Initiativen,  wie die „Belt and Road Initiative“ zeigen, wie sehr sie noch heute, im 21. Jahrhundert integriert sind. 

„In China Essen alle doch Reis!“

Die Klischees und Unterschiede zwischen dem Norden und Süden Chinas 

Wenn wir über China reden, ist vielen Leuten gar nicht bewusst, wie groß und vielfältig das Land ist. 

In Gesprächen bringe ich gerne den Vergleich:

„China ist ähnlich groß wie Europa und allein die Provinz in der ich meine Einsatzstelle habe (Gansu) ist größer als Deutschland. (Die Provinzen könnte man im deutschen den Bundesländern gleichsetzen.) 

Insgesamt besteht China aus 23 Provinzen und fünf autonomen Regionen. 

Die Diversität und Vielfalt Chinas lässt sich unmöglich in einem Blogbeitrag festhalten. 

Dennoch möchte ich ein paar Klischees über China, und vor allem Klischees über den Norden und Süden Chinas aufgreifen und darüber sprechen was an ihnen dran ist und wie ich sie wahrgenommen beziehungsweise wahrnehme. 

Dabei möchte ich mich vor allem auf zwei Provinzen beziehen, nämlich Yunnan und Gansu. 

An diejenigen, die meinen letzten Beitrag gelesen haben, die wissen schon, dass meine Mama aus China, um genauer zu sein aus Yunnan, kommt.

 Aus diesem Grund konnte ich schon einige (tolle) Erfahrungen und Erinnerungen als Kind hier in Yunnan sammeln. 

Desweiteren, sind gerade Ferien, die ich hier in Yunnan verbringe. 

Als Vergleich zu Yunnan (Süd-China) möchte ich mich auf die Provinz Gansu beziehen, die ich als zweites zu Hause hier in China betrachte. 

Gansu liegt im Norden Chinas, zwischen der Wüste Gobi, dem tibetischen Hochplateau und Xinjiang. 

Sie ist vom Gelben Fluss geprägt und weite Teile der Provinz sind gekennzeichnet durch Wassermangel. 

Gansu ist ein zentrales Bindeglied der Seidenstraße, auch deshalb leben dort unterschiedlichste Ethnien und Minderheiten. 

Die meisten ethnischen Minderheiten in China leben jedoch in den westlichen und südwestlichen Regionen des Landes, insbesondere in den Provinzen Yunnan, Guangxi (Süden), Guizhou (Süden), Xinjiang (Norden), Tibet und der inneren Mongolei. 

(In diesen Provinzen ist die Bevölkerungsdichte der Minderheiten deutlich höher, als in den anderen Teilen Chinas.) 

Doch warum leben gerade insbesonders in Yunnan so viele Minderheiten? 

Yunnan ist geschichtlich betrachtet eine entscheidende Landbrücke gewesen, über die immer wieder verschiedene Gruppen (Völker) aus dem heutigen Südchina nach Süd-Ostasien migrierten/auswanderten. 

Yunnan war/ist ein unvermeidlicher Knotenpunkt der südlichen Seidenstraße, die Sichuan (China) mit Indien verbindet und somit eine wichtige politische, militärische und historische Rolle darstellt. 

Meine Familie gehört nicht nur zu Dai-Minderheit, sondern hat auch „Anteile“ von anderen Minderheiten wie Lisu, etc..

In Dehong sind die beiden größten Minderheiten Dai und Jingpo. 

Die Dai gehören zu den Thai-Völkern und sind während ihrer Wanderung nach Süd-Ostasien hier geblieben. 

Sie leben vor allem in den Ebenen und praktizieren Reis-Anbau. 

Die Jingpo kamen vom tibetischen Plateau und wohnten traditionell in den benachbarten Bergen. 

Ihr wichtigstes Fest ist das Munao Zongge Fest in Dehong, meiner Heimat in Yunnan Mangshi, welches 15 Tage nach dem chinesischen Neujahr jährlich gefeiert wird. 

Es ist eines der wichtigsten Feste in der Jingpo Kultur und wird auch von ein paar anderen Minderheiten gefeiert. 

Munao Zongge wird als ,,Tanz in Maß“, oder ,,Tanz ins Paradies“ übersetzt. Früher hat man es vor allem vor einem wichtigen Kampf , nach einem Sieg oder einer guten Ernte gefeiert. 
Ich liebe dieses Fest und habe auch schon als Kind zweimal mitgetanzt.

Ähnlich wie in vielen anderen Ländern, gibt es auch viele Vorurteile und Klischees was den Norden und Süden Chinas betrifft.

 Doch was ist an den Klischees dran? Und was genau unterscheidet die ,,Südchinesen“ von den ,,Nordchinesen“? 

Als erstes muss man erwähnen, dass es keine klare geographische Grenze gibt, die den Norden vom Süden abgrenzt. Oft nimmt man die Einzugsgebiete zwischen Yangtze (Süd-China) und Gelber Fluss (Nord-China) als Grenze. 

(Alles was über dem Fluss ,,liegt“ zählt somit zu Nordchina und alles was ,,drunter liegt“ zu Südchina. 

Aufgrund der großen Ausdehnung von Nord nach Süd, von West nach Ost und der großen Höhenunterschiede kommen in China fast alle Klimate vor. 

In den nördlichen Teilen Chinas sind die Winter oft lang, kalt, trocken und oft unter dem Gefrierpunkt. 

An meiner Einsatzstelle beträgt die Temperatur im Winter oft um die -20 Grad sogar tagsüber. 

Der Sommer ist auch lang, heiß und trocken,  aber dafür sind die Übergangszeiten sehr kurz. 

In den südlichen Regionen, insbesonders in Yunnan, herrschen subtropische Klimabedingungen.

 In meiner Heimatstadt, Manghsi, liegt die Temperatur im Winter bei durchschnittlich 15/20 Grad. Aber Yunnan ist besonders im Sommer vom Monsum mit seinen vielen Starkregen geprägt. 

Gerade die unterschiedlichen Klimate lassen sich unter anderem in der Architektur widerspiegeln. 

Im Norden, wo das Klima rauer, kälter und trockener ist, wird die Architektur vor allem durch Baumaterialien wie Stein und Ziegel geprägt. 

Diese bieten nämlich mehr Schutz vor der Kälte und dem Schnee. 

Im Süden hingegen setzt man eher auf Materialien wie Holz und Bambus. Diese kommen nicht nur reichlich in der Natur vor, sondern ermöglichen gleichzeitig auch eine authentische Anpassung and die Umgebung. 

(Früher, denn heutzutage setzt man wie in vielen anderen Ländern auf Beton und einen moderneren Baustil.) 


Ein weiterer Unterschied der nicht nur zwischen Nord- und Südchina, sondern in allen Teilen erkennbar ist, ist die Sprache

Die allgemeine Amtssprache in China ist Mandarin. Die Realität ist aber, dass in den verschiedenen Provinzen unterschiedliche Dialekte gesprochen werden, die sich sehr stark vom Hochchinesisch unterscheiden. 

Ich vergleiche dies gern mit den Unterschieden zwischen Deutsch und Schweizerdeutsch, bzw. Dänisch. 

Allein in den Provinzen Yunnan und Gansu gibt es eine Vielzahl an Dialekten. 

In meiner Einsatzstelle habe ich mich mit ein paar Lehrer*innen über die Dialekte unterhalten. Sie alle sind in der Provinz Gansu aufgewachsen und meinten, dass selbst sie enorme Probleme haben den Dialekt („Hezhenghua“ im deutschen Hezhengsprache zu verstehen, der in meiner Stadt Hezheng gesprochen wird, da sie selbst mit anderen Dialekten aufgewachsen sind. 

Doch es ist nicht nur die Vielfalt der Sprache, der Kultur, des Klimas, der Architektur und noch vieles mehr, welches China so vielfältig und einzigartig macht, sondern auch das Aussehen der Menschen. 

Eigentlich schon paradox, dass ich diesen Punkt ansprechen muss. Aber nicht nur in meiner Kindheit, sondern auch jetzt noch höre ich leider sehr oft das Klischee: „In China sehen alle Menschen gleich aus“. 

Nein! Das tuen sie nicht! 

Ironischerweise finden auch viele Chinesen, dass wir „Europäer alle gleich aussehen“, welches wir wahrscheinlich überhaupt nicht bestätigen würden. 

Es gibt aber leider ein paar Vorurteile, die sich anscheinend nur schwer aus der Welt zu schaffen lassen. 

Ein weiteres Vorurteil über das Aussehen, welches man immer wieder hört, ist die Aussage, dass die Menschen im Norden größer sein sollen? 

An dem Klischee ist aber was dran. Tatsächlich ist die Durchschnittsgröße sowohl von Männern, als auch Frauen im Norden höher, als im Süden Chinas. 

Ein letzter großer Punkt auf den ich noch eingehen möchte ist das Essen, denn bekanntlich geht die ,,Liebe ja durch den Magen“. 

Doch essen alle in China nur Reis? 

In China herrschen eine Vielzahl an unterschiedlichen Küchen. Offiziell gibt es 8 traditionelle Küchen, die sich nicht nur am Kochstil, sondern auch in den Zutaten unterscheiden. 

In Gansu im Norden essen viele Leute sehr gerne Weizen oder Nudelgerichte. Im Süden hingegen setzt man viel mehr auf Reis. 

Doch warum ist das so? 

Das liegt vor allem am Klima und der damit möglichen Agrarwirtschaft. Ein damit verbundenes ,,Klischee“ ist, dass sich die unterschiedlichen Anbauweisen auf die Mentalität der Menschen ausgewirkt haben soll. 

Kurzgefasst sagt man, dass man früher zum Bewässern von Reisfeldern eine Vielzahl an Menschen benötigt habe, beziehungsweise ein ganzes Dorf. 

Das heißt die Menschen waren auf die Hilfe von anderen angewiesen, was dazu führte, dass die Südchinesen tendenziell im Kollektiv denken mussten. 

Im Norden hingegen konnte man aufgrund des Klimas nur auf den Weizenanbau zurückgreifen.     Die Ernte von Weizen schafft ein Bauer auch „alleine“, was dazu führte, dass die Menschen im Norden dazu tendieren individuell zu denken. 

Was ich auf jeden Fall dazu sagen kann ist, dass die Menschen in Gansu noch jetzt trotz der Globalisierung noch sehr gerne Nudeln und Weizen essen. 

Meine Freunde in Hezheng sagen immer zu mir: „Ich könnte 3-Mal am Tag Nudeln essen, aber niemals 3-Mal am Tag Reis“.

 (Allein in der Schulkantine meiner Schule, kann man neben dem Reis jeden Tag zwischen fünf unterschiedlichen Nudelgerichten wählen. ) 

Zum Schluss möchte ich nochmals erwähnen, dass mir bewusst ist, dass es noch viel mehr Unterschiede und Klischees gibt auf die man eingehen könnte, wie zum Beispiel die Kultur, die Religion, das Aussehen und vieles mehr…. 

Leider ist es aber nicht möglich diese in einem so kleinen Rahmen zu erläutern, da es dem Thema und den Menschen nicht gerecht werden würde. 

Ich bin aber sehr dankbar einen so tollen Einblick in die zwei Provinzen zu bekommen und allein diese Vielfalt der zwei Provinzen so hautnah mitzuerleben. 

Ich möchte mich von euch damit verabschieden indem ich das Eingangsklischee,  („In China essen alle doch Reis“) aufgreife, um es als Metapher weiter zu nutzen. 

„Nein, nicht alle Chinesen essen Reis“. 

Die Wege die man geht

Mein Arbeitsweg zu den Klassenräumen

Mein Arbeitsweg ist unglaublich kurz. Meistens brauche ich keine Minute von meiner Wohnung zu dem nächsten Klassenraum.

Sobald ich aus der Tür gehe, befinde ich mich schon auf einem Schulgang und somit mitten im Geschehen drinnen.

Mir begegnen Energie geladene Teenager die schreiend durch die Gänge rennen. Mir begegnen sehr müde Schüler. (Ob sie so müde sind, weil sie, wie so oft, nach der langen Schule und drei Stunden Hausaufgaben noch gelernt haben oder weil sie unbedingt noch diese eine Serie zu Ende sehen wollten, ist für mich schwer zu beurteilen.) Mir begegnen Schüler die freudestrahlend meinen Namen rufen, und anderen, die ganz in Gedanken versunken mich gar nicht wahrzunehmen scheinen.

Der Schulgang ist zu einer Seite offen und so habe ich, vor allem wenn ich im vierten oder fünften Stock unterrichte, einen wunderschönen Ausblick.

Mein Arbeitsweg zum Kindergarten

Mein wöchentlicher Arbeitsweg zum Kindergarten ist zwar deutlich länger als der zu den Klassenräumen meiner Schule, aber für meinen Geschmack immer noch nicht so lang, dass es sich lohnen würde, uns jedes Mal persönlich mit dem Taxi abzuholen.

Wir fahren an Marktständen mit frischem Obst vorbei und an unglaublich vielen kleinen Läden. Man kann Essen, Kleidung, Getränke, Elektrozubehör, Motorräder und noch ganz viel mehr kaufen. Wir sehen viele Meituanfahrer, die gerade das bestellte Essen an die Leute verteilen und auch super viele kleine Postwagen, welche die ganzen online Shop Päckchen an die Packstationen abliefern.

Ich wundere mich ab und zu, wie die kleinen Läden es schaffen, trotz des ganzen Bestellens, noch zu überleben.

Mein Arbeitsweg zu den anliegenden Schulen

Wenn wir manchmal in Schulen in den anliegenden Dörfern unterrichten, fahren wir durch wunderschöne Landschaften. Die Region ist hier sehr Hügelig beziehungsweise schon eher Bergig. Auf den Bergen sind meistens entweder sehr wild Wälder oder Terrassenartige Felder auf den zurzeit vor allem Kohl angebaut wird.

Park in Huixian

Wege zum Spazieren gehen

Ich liebe es zu wandern und spazieren zu gehen, vor allem in der Natur. Sehr gerne gehe ich auf kleinen Pfaden durch sehr naturbelassene Gegenden. Dementsprechend habe ich mich bei meiner Ankunft super gefreut, als uns sehr viele Lehrer zum „mountain climbling“ und „hiking“ eingeladen haben. Bald habe ich dann herausgefunden, dass meine Vorstellung vom Wandern und Berge besteigen/ hochklettern sich doch etwas von den meisten Lehrern hier differenziert. Die vier größten Unterschiede die ich zwischen den beiden Vorstellungen vom Wandern finden konnten sind:

  1. Die Länge: Für mich gilt eine Wanderung als Wanderung, wenn sie mindestens drei bis vier Stunden lang ist. Für einige von den Lehrern mit den ich mich getroffen habe, ist eine Wanderung auch gerne mal unter einer Stunde lang.
  2. Der Ort: In Parks, durch Felder und Wälder, Flussbetten, … Hauptsache ruhig, wenig Leute, und viel Natur. Demgegenüber stehen hier häufig auf Besucher ausgelegte Parks, die auf Social Media bekannt und beliebt sind.
  3. Die Wege: Gewohnt bin ich kleine Pfade und sehr Natur belassene Wege, desto mehr Baumstämme quer über dem Weg liegen desto besser. Im Gegensatz dazu findet man hier häufig breit ausgebaute Wege neben denen fein geschnittene Büsche wachsen und auf den Wegen liegen nur sehr sehr wenige Blätter.
  4. Das Ziel: Der Weg ist das Ziel aber gegen einen schönen Aussichtspunkt habe ich auch nichts. Hier haben wir auch schon ganz häufig in einem Restaurant geendet (daran könnte ich mich auch gewöhnen).

Mittlerweile habe ich auch meine eigenen kleinen Wanderwege gefunden – abseits von den Ausflugsparks. Meistens sind das Wege die vor allem von den Bauern hier benutzt werden. Und so genieße ich hier sowohl mein gewohntes Wandern, als auch das hier sehr beliebte „climbing mountains“.

Nicht aller Anfang ist schwer

Noch jetzt, fast zwei Monate später fällt es mir manchmal schwer zu realisieren, dass ich in China angekommen bin und das Abenteuer, auf das ich so lange drauf hin gefiebert habe schon mitten im Gange ist….


Noch jetzt, fast zwei Monate später fällt es mir manchmal schwer zu realisieren, dass ich in China angekommen bin und das Abenteuer, auf das ich so lange drauf hingefiebert habe schon mitten im Gange ist. 

Die letzen Wochen sind wortwörtlich wie im Fluge vergangen.

Ich habe lange darüber nachgedacht, wie ich einen Außenstehenden bestmöglich an meinen Erfahrungen teilhaben lassen kann und ich bin zu dem Entschluss gekommen, dass es garnicht mal so einfach ist, die ganzen vielen Eindrücke in einem Text wiederzugeben, aber ich versuche mein Bestes. 

Bevor ich anfange möchte ich noch ein kleines Vorwort loswerden, versprochen, dann beginne ich wirklich mit meinen „ersten“ Eindrücken. 

In den letzten Wochen habe ich so viele neue Menschen kennengelernt, die mich sehr herzlich aufgenommen haben.
Sie haben mir einmal mehr deutlich gemacht,  wie wichtig es ist offen gegenüber diesem Land zu sein, das es wichtig ist seine eigenen Erfahrungen zu machen und den Menschen, der Kultur und der Gesellschaft ohne Vorurteile und Erwartungen gegenüber zu treten und sich auf sie einzulassen.

Alte Kindheitserinnerungen mischen sich mit neuen Erfahrungen 

„你吃过饭了吗?“ oder auch „Hast du schon etwas gegessen?“ 

Das ist mit einer der häufigsten Sätze, die man als Begrüßung zu hören bekommt. Dieser Satz beinhaltet vor allem zwei Intentionen.
Ganz nach dem Motto Liebe geht durch den Magen möchte sich dein gegenüber damit erkundigen, ob du heute schon etwas gegessen hast und ob es dir gut geht.

Sollte das nicht der Fall sein, so wird man entweder immer direkt zum essen eingeladen, oder man bekommt etwas angeboten. Das ist somit die zweite Intention. 

Ich finde die Idee dahinter eigentlich echt schön, denn man kommt viel einfacher mit anderen Leuten ins Gespräch, und entdeckt nebenbei auch ganz viele „geheime“ Lokale, die man als nicht-einheimischer nicht gefunden hätte. 

Einen großen Teil meiner Kindheit habe ich in China, um genauer zu sein in Yunnan, verbracht, da meine Mama Chinesin ist. 
Aus diesem Grund waren meine ersten Eindrücke ein Gemisch aus Altbekannten und neuen Erfahrungen. 

Angekommen sind wir in Nanjing, der geschichtlichen Hauptstadt im Osten Chinas, wo unser Vorbereitungsseminar starten sollte.

Insgesamt ging dieses Seminar einen Monat. Drei Wochen davon haben wir in Nanjing verbracht. Eine Woche in der Landeshauptstadt Lanzhou in der Provinz Gansu im Norden Chinas. 

Unsere Partnerorganisation ist die Amity Foundation. Sie ist eine unabhängige chinesische Nichtregierungsorganisation, die 1985 auf Initiative chinesischer Christen von Bischof K.H. Ting gegründet wurde, um Bildung, soziale Dienste,  Gesundheit, ländliche Entwicklung, Umweltschutz und Katastrophenhilfe von Chinas Küstenprovinz im Osten bis zu den Minderheitengebieten des Westens zu fördern. 

Während unserer Zeit dort haben wir nicht nur die Möglichkeit bekommen einige Projekte der Amity näher kennenzulernen indem wir einige Tage einen Blick hinter die Kulissen werfen durften,  sondern haben auch einen tollen Einblick in die chinesische Kultur und ihre Traditionen bekommen. 

Von Kalligraphie, chinesischer Kunst bis zu Museen und spannenden Präsentationen über Themen wie die muslimische Kultur in China war alles dabei.
In diesem Beitrag alles zu beleuchten würde den Themen und Menschen, die das alles möglich gemacht haben nicht gerecht werden.
Aus diesem Grund möchte ich mich auf drei Erfahrungen beschränken, die mir besonders im Gedächtnis geblieben sind und diese näher erörtern. 

Der Kalligraphie Workshop und der Workshop zur chinesischen Kunst.         
                   
Auch wenn ich zugeben muss, dass ich kein besonders großer Kunstliebhaber bin, haben mir diese Workshops sehr viel Spaß gemacht. Wir haben nicht nur für uns einzigartige Souvenirs daraus mitgenommen, sondern auch einen tieferen Einblick in die Kultur und Traditionen bekommen. 

Ein paar Ergebnisse unseres Kalligraphie Workshops


Das Haolaiwu Home Elderly Care Service Center                         
                                                 
 
Für drei Tage hatte ich die Möglichkeit in einem Altenheim zu helfen und die Menschen bei ihrem Alltag zu begleiten.
Das Altenheim befindet sich momentan in einem Krankenhaus, da das eigentliche Gebäude renoviert wird. 
Vorort haben wir kleinere Gymnastikeinheiten geleitet und ich habe auch ein paar Lieder auf meiner Kürbisflöte (ein traditionelles chinesisches Instrument aus Bambus, welches ich seit meiner Kindheit in China spiele) für die Bewohner gespielt.

Das schönste dabei für mich war vor allem mit den Leuten in den Austausch zu kommen und sich mit ihnen zu unterhalten.
Meine Mitfreiwilligen waren aufgrund von einer Grippe, die der Klimaanlage zu schulden ist, krank geworden.

Kleiner Funfact, Nanjing zählt zu den drei größten „Hitzekesseln“ Chinas.
Während unseres Aufenthaltes hatten wir meistens 39 Grad und ein sehr schwüles Wetter,  weshalb sich eine Klimaanlage mit nur 32 Grad echt erfrischend angefühlt hat, und ja, ich hätte auch nie gedacht, dass ich das mal sagen werde. 

„The Memorial Hall of the Victims in Nanjing Massacre“                

Vom 13. Dezember 1937 bis Januar 1938 besetzten japanische Truppen Nanjing, die damalige Hauptstadt Chinas, und massakrierten über 300.000 Zivilisten und Kriegsgefangene.
Dieses blutige Ereignis wurde später der Welt als „Nanjing-Massaker“ bezeichnet.

Das Museum zeigt eine Fülle von historischen Aufzeichnungen, Artefakten und Fotografien, die einen tiefgreifende Gedenkraum schaffen und mich tiefberührt und zum nachdenken angeregt haben. 

Nach drei Wochen sind wir dann tausend Kilometer weiter geflogen in die Landeshauptstadt der Provinz Gansu. 

Gansu ist eine chinesische Provinz,  die zwischen der Wüste Gobi, dem tibetischen Hochplateau und Xinjiang liegt. Sie wird vom Gelben Fluss geprägt und weite Teile der Provinz sind gekennzeichnet durch Wassermangel. 

Gansu ist ein zentrales Bindeglied der Seidenstraße, auch deshalb leben dort unterschiedlichste Ethnien und Minderheiten. 

Etwas was ich hier an der Stelle nochmal ins Bewusstsein rücken möchte ist, dass Gansu flächentechnisch sogar ein kleines bisschen größer als Deutschland selbst ist. 

In Lanzhou haben wir unseren zweiten Teil des Seminars absolviert. Wir haben ein intensives Training rund um das Thema Schule in China bekommen und uns mit den Fragen „Wie gestalte ich eine Unterrichtsstunde?“, „Was für Regeln gibt es an einer chinesischen Schule?“ und vieles mehr beschäftigt.  

Das alles ist nun über einen Monat her, aber es fühlt sich für mich an, als wäre es erst gestern gewesen. 

Seit einem Monat bin ich nun an meiner Einsatzstelle und jetzt schon fühle ich mich sehr wohl hier und kann es kaum erwarten euch mehr über meinen Alltag und die Menschen um mich herum zu erzählen und sie euch vorzustellen. 

Ich möchte mich nun mit der Frage: „你吃过饭了吗?“ verabschieden und bin neidisch auf die Leute dessen Antwort gewesen wäre „ja ich habe gerade Brot gegessen“, denn ich muss zugeben, so langsam vermisse ich Brot welches nicht süß ist. 

Wir sind da!

Es hat (für Nini und mich, Aaron und Jenny durften später ab Hannover fliegen) auch „nur“ 35 Stunden gedauert, bis wir endlich in Nanjing angekommen sind. Der lange Flug nach Guangzhou war turbulent und die Anschlussverbindung nach Nanjing wurde gecancelt – man hat sich allerdings hervorragend um uns gekümmert und die neuen Boardingpässe lagen schon bereit. Außerdem gab es eine positive Überraschung: WhatsApp funktioniert!
Nach weiteren 2,5 Stunden im Flugzeug sind wir dann (sogar mit Koffern) in Nanjing angekommen und wurden mit dem Bus abgeholt, in dem auch schon die anderen Freiwilligen der Mission eine Welt und des Berliner Missionswerks auf uns gewartet haben.
Wir wurden direkt zum Hotel gebracht, in dem wir uns schnell frisch machten und chinesisch zu Abend aßen. Das mit den Stäbchen muss definitiv noch geübt werden, aber das Essen war sehr lecker.
Danach haben wir uns einen Park, der direkt gegenüber vom Hotel liegt, angesehen und waren begeistert: es herrschte dort eine tolle Atmosphäre mit ausgelassenen Menschen, die am Tanzen und am Spaß haben waren, Musik und McDonalds-Eis-Stationen.
Die nächsten 3 Tage sind wir hier in Nanjing bei der Amity Foundation auf Seminar, danach geht’s für 20 Tage zum Teaching-Training nach Jiuquan und dann können wir endlich loslegen!

Chengdu – Zwischen Pandas und Hot Pot

Reisetagebuch

Eintrag 1

Chengdu – Zwischen Pandas und Hot Pot

Es ist so weit, dass erste Mal verreisen, in China. Ein verlängertes Wochenende haben wir Zeit. Ziel: Die Provinz Sichuan. Sichuan ist auch außerhalb Chinas sehr bekannt, aufgrund der berühmten Sichuan Sauce. Sichuan grenzt im Norden, an die Provinz Gansu, in welcher ich lebe. Von Hui Xian, meinem Standort aus, ist es bis zu Grenze von Sichuan nicht weit.

Genaues Ziel in Sichuan ist die Provinzhauptstadt Chengdu. Chengdu hat in etwa 11,4 Millionen Einwohner, was für chinesische Verhältnisse zwar nicht mehr wenig ist, aber auch lange noch nicht viel.

Und so geht es für mich und Konstantin los zum Hui County Bahnhof, dem Bahnhof unserer Region. Eine halbe Stunde Busfahrt durch wunderschöne Berglandschaft, über sehr steile und wendige Straßen, durch Täler und Wälder. Dort angekommen müssen wir erstmal Tickets lösen. In China werden dir deine Tickets nicht online zugeschickt, sondern nur eine Nummer, mit der du dann zum Schalter gehst und gegen Vorlage deines Passes deine Tickets bekommst. Dann einen Eingang weiter, in den Bahnhof, Ticket- und Passkontrolle, das Reisegepäck wird durchleuchtet und wenn man denn nichts dabei hat, was man lieber nicht dabei haben sollte, darf man in die Wartehalle. Dadurch, dass der Bahnhof von Hui County, nicht sonderlich groß ist, kommt immer nur ein Zug zur Zeit. Unser Zug wird aufgerufen und beinahe die ganze Wartehalle setzt sich mit uns in Bewegung. Wieder Ticketkontrolle, dann müssen sich die Reisenden in zwei Schlangen aufstellen, eine für die die Schlafabteile gebucht haben und eine für die die normalen Sitzplätze auf ihrem Tickets stehen haben. Wir stehen an der Schlange für die normalen Sitzplätze an, denn bis Chengdu, sind es „nur“ neun Stunden, was für chinesische Verhältnisse eine angenehme Zeitspanne ist. Eine Schaffnerin nimmt uns mit zu dem Abschnitt des Bahnsteiges, wo unsere Wagons halten werden. Der Zug fährt ein, alle steigen ein, doch vorher, wieder Ticketkontrolle, es hätte ja sein können, dass sich doch jemand durchgemogelt hat. Wir nehmen unsere Plätze am Fenster ein und haben es uns gerade bequem gemacht und fangen an Karten zu spielen, da kommt ein Schaffner vorbei. Wieder Ticketkontrolle. Mittlerweile Nummer vier. So geht es neun Stunden durch Berge, an Flüssen vorbei und die Sonne scheint. Man vertreibt sich die Zeit mit Karten spielen, Musik hören, Filme gucken und Instant-Nudelsuppen.

Und dann ist es soweit, endlich angekommen. Raus aus dem Zug, zum Ausgang und wer hätte es gedacht, wieder Ticketkontrolle. Insgesamt fünf Kontrollen, für eine Fahrt. (Wenn es irgendjemand schafft in China schwarz zu fahren, dass wäre was fürs Guinnesbuch der Rekorde) Mittlerweile ist es schon 20:00 und dunkel. Menschenmassen, strömen aus dem Bahnhof und wir müssen uns erstmal zurechtfinden. Nach einiger Zeit haben wir dann endlich den Taxistand gefunden. Ein Taxifahrer läuft uns schon aufgeregt entgegen und zeigt auf sein Taxi. Ich halte ihm die Adresse des Jugendhostels hin, welches wir gebucht haben. Er stutzt, holt sein Handy raus und sucht wild, nach der Adresse, welche ich ihm gezeigt habe. Nun ruft er ein paar Kollegen zur Hilfe und letztendlich suchen sage und schreibe fünf Taxifahrer zusammen, nach einer Adresse. Nach etwa fünf Minuten scheint unser Taxifahrer zu wissen wo es hingeht. Wirklich sicher scheint er sich aber nicht zu sein. Na das kann ja was werden. Nach 15 bis 20 Minuten Fahrt scheinen wir da zu sein. Wir wollen bezahlen und der Taxifahrer verlangt 100 RMB. Was umgerechnet zwar in etwa nur zwölf Euro sind, was für Deutsche Verhältnisse, sehr günstig ist, aber nicht für Chinesische. 40 müssten wir eigentlich zahlen, wir handeln den Preis auf 80 herunter und steigen etwas frustriert aus.

Nun geht es auf die Suche nach dem Hostel. Vor uns steht ein relativ hohes Haus und davor eine Pforte, mit Pförtner. Das sieht schon mal gar nicht so schlecht aus. Wir fragen ihn ob er uns reinlässt, was er dann auch tut. Nun suchen wir nach einem Eingang, laufen um das Haus herum und finden nichts anderes als einen Friseur und einen kleinen Eingang, der ins Haus führt und tatsächlich an einer Rezeption endet. Der Nachtwächter an der Rezeption weiß allerdings weder etwas mit uns anzufangen, noch mit dem Namen des Hostels, welchen ich ihm zeige. Wir stehen etwas verwirrt da, bis eine Gruppe Jugendlicher aus dem Fahrstuhl steigt und ich ihnen mein Handy hinhalte. Das einzige was wir verstehen, sind die Nummern sieben, null und zwei. Nun denn, wir fahren in den siebten Stock und suchen nach Zimmer 702. Und tatsächlich da ist es, aber es stellt sich heraus, dass Zimmer 702 kein Zimmer, sondern eine Wohnung ist, welche als Jugendhostel fungiert. Wir setzen uns ins Wohnzimmer und ein Gast hält uns eine Übersetzter-App hin, welche uns sagt etwas zu warten. Nach zehn Minuten betritt eine junge Dame die Wohnung und heißt uns in halbwegs gutem Englisch Willkommen. Sie zeigt uns unsere Betten, wir teilen uns einen Raum mit zwei anderen Männern und einem Jungen in unserem Alter. Es ist mittlerweile schon gegen 22:00 und wir haben Hunger. Wir machen uns auf um etwas Essbares zu finden, doch die meisten Läden haben bereits geschlossen und letztendlich teilen wir uns einen Teller Dumplings und essen jeder einen Wrap, für viel zu viel Geld für unseren Geschmack. Was darin endet, dass wir beide völlig bedient ins Hostel zurückgehen und uns schlafen legen.

Am nächsten Morgen heißt es früh aufstehen für uns. Wir wollen zu dem Ort, wegen welchem wir hergekommen sind. Die Giant Panda Breeding Base. Ein großer Park, wo Pandas leben und großgezogen werden. Pandas sehen, live und in Farbe. Nach einem schnellen Frühstück nehmen wir uns ein Taxi und fahren 20 Minuten, bis wir da sind.

Der Eingang, vor dem sich viele Menschen tümmeln, erinnert an einen großen Panda, durch den wir zehn Minuten später schreiten. Um uns nur Menschenmassen und Bambus, soweit das Auge blickt. Das Erste, was wir uns angucken, ist eine Ausstellung über die wissenschaftliche Arbeit, welche hier betrieben wird. Pandas sind vom Aussterben bedroht und hier wird daran gearbeitet, sie wieder in ihren natürlichen Lebensraum zurückzubringen.

Auf dem Weg zu den Pandagehegen, wird uns dann klar, wie sehr wir uns schon an das chinesische Umfeld gewöhnt haben, denn nach all der Zeit wieder Europäer zu sehen, die es hier zu Hauf gibt, fühlt sich doch etwas komisch an. Schon von Weitem können eine Traube von Menschen sehen, was nur eines bedeuten kann: Pandas. Und dann können wir sie sehen, ziemlich groß, mollig und einfach nur zum Knuddeln. Pandas sind wirklich zu süß. Einige am Schlafen, andere am Essen und wieder andere Hängen einfach nur rum. Ganz entspannt, so als wären die ganzen Menschen, alle mit gezückten Handys und Kameras gar nicht da.

Nach etwa einer Stunde, fängt es erst leicht an zu regnen, dass wird sich gleich wieder legen denken wir. Etwas später wird der Regen stärker, bis er in einem Wolkenbruch endet, wie ich ihn lange nicht mehr erlebt habe. Erst überlegen wir uns in ein Kaffee zu setzen, aber die Preise sind selbst für deutsche Verhältnisse nicht mehr tragbar. Also geht’s Richtung Ausgang, da sind wir natürlich nicht die Einzigen. Draußen warten schon alle aufgereiht an der Straße auf Taxis. Dies machen sich Taxifahrer natürlich zur Nutze und treiben die Preise in die Höhe, hier wird nicht mehr nach Kilometern bezahlt, sondern pauschal. Doch nicht nur Taxifahrer, sondern auch Privatpersonen, bieten Fahrten an, so auch uns, doch auch wenn es in strömen regnet, lehnen wir ein Angebot, das sich auf 25 Euro belaufen hätte dankend ab. Mittlerweile haben sich schon so hohe Pfützen gebildet, dass Leute ihre Schuhe ausziehen und barfuß durch die Wassermassen laufen, richtige Weltuntergangsstimmung. Wir warten und warten und nach etwa zwanzig Minuten finden wir ein Taxi, dass uns für einen noch akzeptablen Preis zurück ins Hostel fährt.

Dort angekommen sofort unter die Dusche und anschließend heißt es Kleidung und Schuhe trockenföhnen. Nachdem uns wieder warm ist und unsere Kleidung trocken, geht es auf um Chengdu zu erkunden. Tianfu Square und Sunken Plaza sind unsere ersten Ziele. Ein großer Square mit einer Art Einkaufszentrum darunter, wo es doch einige interessante Geschäfte gibt, vor allem das Essen duftet verlockend. Nach einer Stärkung geht es weiter durch Parks, vorbei an eindrucksvollen Gebäuden. Nicht nur traditionelle Architektur gibt es hier zu sehen, sondern auch moderne, welche besondere Formen aufweist oder Wolkenkratzer, aus Glas und Stahl, die an ihrer Fassade eine unglaubliche Lichtshow präsentieren, wie wir abends bemerken. Gerade abends hat Chengdu einen ganz eigenen Flair. Viele, gerade junge Menschen, sind auf der Straße und Schaufenster und Neonleuchtreklamen versuchen sich gegenseitig zu übertrumpfen.

 Ein weiterer Grund, für den wir nach Chengdu gekommen sind, ist Hot Pot.

Hot Pot ist im Norden Chinas und gerade in Sichuan sehr beliebt. Wie der Name schon sagt, ist Hot Pot ein heißer Pott. Gefüllt mit einer Art Suppe, die man aus verschiedenen Geschmacksrichtungen wählen kann. Meist sehr scharf. Diese Suppe wird zum Brodeln gebracht, woraufhin man anfängt verschiedenes Essen hineinzuschmeißen, verschiedenes Fleisch (und was Tiere noch so zu bieten haben), Pilze, Gemüse, Fisch usw. Vorher hat sich jeder eine Art Sauce selber zusammengestellt, mit Knoblauch, Erdnüssen, verschiedenen Ölen und vielem mehr. In diese Sauce tunkt man dann das Essen, welches man mit besonders langen Stäbchen aus dem Hot Pot holt. Ich kann versprechen, beim Hot Pot ist wirklich für jeden was dabei.

Nachdem wir ein Restaurant gefunden haben stehen wir vor einer neuen Herausforderung, denn wirklich viel können wir auf der Speisekarte nicht lesen. Es dauert eine ganze Weile, bis wir, dank einer Kellnerin und einer Übersetzer-App unsere Bestellung aufgeben können, doch letztendlich fallen wir nach unserem Hot Pot Dinner und einem erlebnisreichen Tag satt und glücklich ins Bett.

Am folgenden Morgen machen wir uns auf den Weg zu einer Mooncake-Expo. Für alle die Mooncakes nicht kennen, Mooncakes, oder Mondkuchen, sind in China traditionelles Gebäck, welches zur Zeit des Nationalfeiertags gegessen wird. Sie sind rund, verschieden verziert und gefüllt, anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, halt gar nicht so wie deutsches Gebäck, doch nach einem oder zwei schmecken sie immer besser. Und so stehen wir eine Stunde später in einer riesigen Messehalle, voll mit Ständen, die verschiedenste Mooncakes verkaufen. Doch nicht nur Mooncakes, auch Honig, Tee und vieles mehr. Nachdem wir uns erfolgreich durchprobiert haben, geht es zurück ins Zentrum Chengdus. Mit einem Spaziergang lassen wir auch diesen Tag ausklingen und fallen fertig ins Bett. Ein schöner letzter Abend.

Hui Xian – Ein Dorf mit 200.000 Einwohnern

Niemals hätte ich gedacht, dass sich ein Ort mit 200.000 Einwohnern, so familiär und entspannt anfühlen konnte, auch wenn ich die Großstadt gewöhnt bin und demensprechend 200.000 wesentlich weniger ist, als das was ich sonst gewöhnt, hätte ich dies nicht für möglich gehalten.
Die Rede ist von Hui Xian, welches in der Region Longnan, in der Provinz Gansu im Norden Chinas liegt. China – das erste was einem durch den Kopf schießt, sind Menschen. Viele Menschen. Bei einer Population von 1,4 Milliarden, ist die Dimension von 200.000 vielleicht tatsächlich dörflich, aber dennoch, habe ich mich jetzt schon in das „Dorf“ verliebt, welches das kommende Jahr mein zu Hause sein wird und das mitten im Herzen Chinas. Auch wenn Gansu zu den nördlichen Provinzen Chinas zählt, zieht es sich durch seine geographische Ausbreitung bis in dessen Zentrum. Im Gegensatz zum Norden der Provinz, der schon an die Gobi Wüste grenzt, bieten sich bei uns im Süden wunderschöne, weite und umwerfende Ausblicke. Berge und Täler so weit das Auge reicht. Wälder, Seen und Flüsse runden die Szenerie ab.
Wenn man nun von einem dieser Berge herunterschaut, kann man es erblicken. Hui Xian umrandet von Bergen und Hügeln. Wie nirgends anders in China kann man das entfernte Hupen der Autos, LKW’s und Roller hören. Darunter mischt sich Square Dance Musik, dass Geschrei von Schülern und Verkäufer, die an fast jeder Straßenecke ihre Ware anpreisen. Es geht von Nudeln, über selbst gemachtes Popcorn, Backwaren, chinesische Spezialitäten, Obst & Gemüse, hin bis zu elektrischen Geräten und allerlei Kleinkram, mal mehr mal weniger nützlich.
Und mitten zwischen Hochhäusern, welche gleich neben kleinen Bauernhöfen emporragen und einer Menge Neonbeleuchtung, liegt die Hui Xian No. 4 Middle School. Oder wie sie hier genannt wird die „si zhong“ (Schule Nr.4). Die si zhong, nimmt jeden Tag über 2000 Schüler in den Jahrgangstufen 7-9 in seinen Klassenräumen auf. Dazu sei gesagt, dass die Grundschulzeit in China 6 Jahre beträgt, darauf folgen 3 Jahre an der Mittelschule, mit dem Abschluss der 9. Klasse, ist die verpflichtende Schulzeit vorbei und man kann wählen zwischen dem Arbeitsweg oder weiteren drei Jahren auf dem Gymnasium.
Im Gegensatz zu vielen anderen Schulen in ländlichen Gegenden Chinas, ist die si zhong kein Internat, sondern die Schüler kommen morgens und gehen abends wieder und obwohl die Schulwoche nur von Montag bis Freitag geht, werde ich trotzdem dennoch regelmäßig von Schülern am Samstag- oder Sonntagmorgen geweckt. Sei es eine Choreographie, die lautstark eingeübt wird, das Blasorchester, welches probt oder einfach Schüler die über die Gänge laufen, obwohl sprinten das treffendere Wort ist in diesem Fall. Hier an der si zhong ist an fast jedem Tag, von früh bis spät Betrieb. Und auch wenn, der Schultag „nur“ von 7:55 bis 17:40 geht, kann man Schülergelächter auch noch um 21:45 zu hören bekommen.

Die Hui Xian No. 4 Middle School

Und das ist sie nun, die Hui Xian No. 4 Middle School, die Schule an der ich, für das kommende Jahr einer neuen Beschäftigung nachgehen darf. Im Detail bedeutet das, dass ich für Jahrgang sieben und teils Jahrgang acht, im Fach Englisch, Unterrichtsstunden gestalten darf und so auf verschiedene Art und Weise versuche, Kindern die englische Sprache etwas näher zu bringen.
Jede Woche habe ich 20 Schulstunden a‘ 40 Minuten, zusammen mit Schülern und neuerdings auch Lehrern. 16 Stunden in Jahrgang 7, welcher mein Hauptjahrgang ist. 2 Stunden „English corner“ in Jahrgang 8, eine Stunde in der Grundschule von Hui Xian und eine Stunde deutsch, für die Englischlehrer der si zhong.
Meine Stunden in Jahrgang 7 sehen wie folgt aus. Ich habe mit jeder Klasse in Jahrgang 7 eine Stunde die Woche, heißt Jahrgang 7 hat 16 Klassen, welche zusammen beinahe 900 Schüler fassen. Im Gegensatz zu Deutschland sind die Klassen hier wesentlich größer. Meine kleinste Klasse fasst 51 Schüler, meine größte 69. Gerade am Anfang, war es doch sehr komisch vor so einer Menge an Schülern zu stehen, die alle darauf warten, was man ihnen zu erzählen hat. Mittlerweile kommen mir Klassen um 55 Schüler schon klein oder normal vor. Diese 16 Stunden verteilen sich dann über die Woche, jeden Tag zwischen 7:55 und 7:40. Von 12:00 bis 14:30 gibt’s Mittagspause, wo Konstantin, mein Mitfreiwilliger hier und ich Mittagessen in der Kantine bekommen.
Zusammen mit Konstantin gestalte ich auch die „English corner“ für Jahrgang 8. Das heißt, wir versuchen zu einem bestimmten Thema, mit den Schülern ins Gespräch zu kommen und wollen vor allem, dass die Schüler miteinander ins Gespräch kommen. Themen wie: Reisen, Sport oder Hobbies bieten sich hierfür gut an. In „English corner“ sind immer zwei Klassen gleichzeitig, also an einigen Tagen, bis zu 130 Schüler. Damit das überhaupt alles passt, findet „English corner“ im Hörsaal der Schule statt, indem öfter größere Events mit Klassen veranstaltet werden, denen auch die Direktoren der Schule beiwohnen und das sind hier ein paar mehr, jeder mit seinem oder ihrem Aufgabengebiet.
Die Direktoren haben auch dafür gesorgt, dass wir eine Stunde mit den Grundschülern der „Hui Xian experimental primary school“ haben. Jeden Dienstagmorgen von 8:30 bis 9:20. Hier fangen wir in Jahrgang 3 an, denn in Jahrgang beginnen chinesische Schüler Englisch zu lernen. Was doch eine große Umstellung ist, im Vergleich zu Jahrgang 7 und 8. Ich engagiere mich jetzt nun schon mehrere Jahre in der Jugendarbeit meiner Gemeinde in Hamburg, bin es also durchaus gewöhnt mit Jugendlichen zu arbeiten und dachte dennoch immer, dass mir die Arbeit mit Kindern im Grundschulalter keinen Spaß machen würde. Ich habe mich in diesem Fall allerdings geirrt, denn die wöchentliche Stunde in der Grundschule, ist zu meiner Lieblingsstunde geworden. Die Kinder sind unglaublich motiviert und die spielerische Art und Weise Englisch beizubringen ist unglaublich spaßig. Wir werden über das ganz Jahr hinweg uns langsam durch die Jahrgänge arbeiten, was am Ende des Jahres Jahrgang 6 heißt, mal gucken, was das für einen Unterschied macht, diese 3 Jahre.
Zu guter Letzt, werde ich zusammen mit Konstantin, ab dieser Woche versuchen den Englischlehrern der si zhong die deutsche Sprache etwas näher zu bringen. Ich bin sehr gespannt wie das wird, bin mir aber sich, dass das ein riesen Spaß wird, denn für Chinesen ist deutsch in etwa ähnlich schwer auszusprechen, wie für uns chinesisch.
Das die chinesische Sprache wirklich nicht die einfachste ist, merke ich in meine drei Stunden Chinesischunterricht die Woche. Konstantin und ich lernen neben der Aussprache, auch die Schriftzeichen, welche teilweise eine wirkliche Herausforderung sind, aber wir sind zuversichtlich, dass am Ende wenigstens ein paar hängen bleiben.
Neben Chinesichunterricht kriegen wir auch zwei Stunden Kunstunterricht die Woche, was für uns bedeutet, dass wir uns jeden Dienstag in der Kunst der Kalligraphie versuchen dürfen. Es ist wirklich eine tolle Art und Weise der chinesischen Kultur näher zu kommen. Der Unterricht ist abwechslungsreich, wir müssen nicht nur Schriftzeichen zeichnen, sondern auch Motive, wie Vögel und Pflanzen, was uns mitunter allerdings auch bis an den Rand der Verzweiflung treibt, denn von den Vögeln und Blumen unseres Lehrers sind wir noch weit, sehr weit entfernt.
Nun konnte ich euch einen kleinen Einblick in mein Leben, hier in Hui Xian geben, ich hoffe es war interessant, ich wollt eigentlich schon viel früher anfangen meinen Blog zu schreiben, aber ich sage immer: lieber spät, als nie.