Von Müllhalde zur Nachbarschftsoase: Das Projekt en Accion und mein Freiwilligendienst dort

¡Buenas! Ich bin Beat, komme aus Berlin und mache meinen Freiwilligendienst, zusammen mit meinem Mitfreiwilligen Lion, in Buenos Aires, Argentinien, genauer gesagt im Stadtteil Los Cruces/Los Polvorines in dem Projekt En Acción, einem Nachbarschaftszentrum für alle Altersklassen. In diesem Blog möchte ich ein bisschen von der Geschichte des Projekts und von meinen Aufgaben dort erzählen.

Das Projekt wurde 1998 eröffnet. An dem Ort, an dem es heute liegt, befand sich zuvor jedoch eine inoffizielle Müllhalde. Der Pfarrer, der zwei Blocks entfernt in der Kirche arbeitete, nahm sich des Projekts an und verwandelte die Müllhalde in das heutige Campito, was so viel wie „kleines Feld“ bedeutet. Dieser Pfarrer heißt Luciano und ist noch heute Leiter des Projekts. Er trommelte eine große Gruppe von Freiwilligen zusammen, um den Müll wegzuräumen.

Nach der Eröffnung war das Campito zunächst eine Art Park mit Fußballplatz und anderen Möglichkeiten, sich auszutoben. Nach einiger Zeit wurde dann das erste Gebäude fertiggestellt, mit einer Küche, einer Werkstatt und einem großen Raum für Gruppenaktivitäten. So begannen auch die ersten Workshops, auch talleres genannt, sowie das Fußballtraining. Die talleres richten sich an Erwachsene, das Fußballtraining an Kinder und Jugendliche.

Das Team wuchs stetig, es kamen immer mehr Mitarbeitende dazu, und auch die ersten internationalen Freiwilligen wurden eingeladen. Auf dem Campito arbeiten seit knapp 20 Jahren internationale Freiwillige mit. Zunächst waren es französische Freiwillige, meist Gruppen von etwa 15 Personen, die jeweils drei Monate blieben. Seit sechs Jahren kommen deutsche Freiwillige über das Programm weltwärts.

Das Projekt finanziert sich über Kirchengelder der nahegelegenen Gemeinde sowie über staatliche Fördermittel, sodass heute etwa 45 bezahlte Mitarbeitende und viele freiwillige Helfer*innen hier arbeiten. Nach dem Bau des zweiten Gebäudes konnte auch das Workshop-Angebot erweitert werden. Heute gibt es Kochen, Recycling, Bewegung, Kunst, Siebdruck, Musik und Tanz, aber auch weitere Angebote wie einen Flohmarkt, Kinderbetreuung, Hausaufgabenhilfe, Unterstützung bei Problemen zu Hause und natürlich Fußball.

Fußballtraining

In dem halben Jahr, das ich nun hier bin, habe ich schon viele tolle Events im Projekt erleben dürfen. Ob Trikotverleihung oder Jahresabschluss – es gibt immer einen Grund zu feiern. Mit Musik, Essen und Bildern aus der vergangenen Zeit sind diese Feste eine tolle Möglichkeit, damit die Menschen näher zueinanderfinden.

Mein persönliches Lieblingsfest war das zum Jahresende, da dort Bilder aus dem gesamten vergangenen Jahr gezeigt wurden und ich so auch einen kleinen Einblick bekommen konnte, was die vorherigen Freiwilligen gemacht haben. Aber auch das Festicultural mit Auftritten des Musikworkshops, einer lokalen Schulband und dem Tanzworkshop war großartig, und ich freue mich schon auf die kommenden Feiern.

Kochen für eine der Feiern

Mein normaler Arbeitstag besteht aus drei Teilen: vormittags Instandhaltung, Mittagspause und nachmittags Workshops sowie Fußball. Bei der Instandhaltung helfe ich beim Rasenmähen, Müllaufsammeln, Bäume beschneiden, Saubermachen und Reparieren.

Nach der Mittagspause bin ich bei den Workshops dabei, zum Beispiel beim Kochen, Nähen oder Malen. Dort bin ich nicht Teil der Leitung, sondern rede mit den Teilnehmenden, so gut es sprachlich möglich ist, und höre einfach zu. Am späten Nachmittag spiele ich dann noch Fußball und helfe beim Training.

Gerade am Anfang hatte ich mit einigen Problemen zu kämpfen, vor allem mit der Sprachbarriere. Ich möchte mit den Leuten reden, kann es aber oft einfach nicht. Umso schöner ist es zu merken, wie es Stück für Stück besser wird und man relativ schnell kleine Gespräche führen kann.

Das für mich wohl frustrierendste Gefühl war, mit anderen Erwartungen in das Projekt gestartet zu sein. Ich hatte eher mit einem reinen Kinder- und Jugendzentrum gerechnet als mit der Arbeit mit allen Altersklassen. Außerdem war es für mich als absoluten „Holzfuß“ nicht gerade hilfreich, dass ein großer Teil der Zeit aus Fußballspielen bestand.

Doch letztendlich – wie man diesem Bericht wahrscheinlich entnehmen kann – bin ich sehr zufrieden mit dem Projekt. Dass das Jahr nicht einfach werden würde, war mir von Anfang an klar. Rückblickend merke ich jedoch, wie gut es mir insgesamt gefällt.

 

Advent zwischen Hitze, Tereré und Gemeinschaft

Hola,

ich bin Anna, 19 Jahre und überglücklich gerade in Buenos Aires zu leben. Seit einem halben Jahr bin ich in Argentinien und ich frage mich jeden Monat aufs Neue wie die Zeit so schnell verfliegen kann. Ich arbeite im Kinder- und Jugendzentrum „La Casona“ in Florencio Varela.
In den ersten Ankunftsmonaten ist sehr viel passiert. Es gab so viele neue Eindrücke, Erfahrungen, Hindernisse und Gefühle. Aber es hat sich alles eingepegelt und ich habe mich relativ schnell sehr wohl auf Arbeit und in Quilmes, wo ich wohne, gefühlt. Die Monate darauf merkte ich wie ich mich hier einlebe und mein Alltag aufbaue und schon stand Weihnachten und das Jahresende vor der Tür. Und genau von davon möchte ich euch gerne erzählen, mein Dezember in Buenos Aires.


Der November war vorbei und es kam die Adventszeit in Argentinien, wovor ich von vornherein etwas Respekt hatte, da dies für mich immer Familie, Stille und Gemütlichkeit zu Hause bedeutet. Natürlich war es nicht wie zu Hause, aber trotzdem ein toller Monat. Es wurde bei uns die ersten male so richtig heiß und ich merkte, was Hochsommer in Buenos Aires bedeutet. 

Die Tage im Projekt waren gefüllt von weihnachtlichen Aktivitäten. Wir basteln Adventskalender, backen Plätzchen und lesen jeden Tag ein Stück der Weihnachtsgeschichte. Der Dezember hatte bei uns das große Überthema Palästina, als Geburtsort Jesus. Wir versuchen den Kindern und Jugendlichen die Kultur vor Ort und auch die aktuelle Situation ein Stück näher zu bringen. Mit den Jüngeren basteln wir einen Stall mit Krippe aus Naturmaterialien wie Blätter, Stöcke, Holz und einer Schlammmasse. Somit soll die Krippe möglich getreu der Zeit nachgestellt werden. Aus Salzteig formen mein Mitfreiwilliger Emery und ich mit den Kindern die passenden Figuren und Tiere zum Reinstellen. Mit den Jugendlichen reden wir über die Situation von gleichaltrigen in Palästina und sie sollen versuchen sich in deren Lebenssituationen hineinzuversetzen.
Natürlich wird auch wieder eine Menge in unsere kleine Bäckerei hergestellt, wir backen passend pan árabe und machen hummus. Die einen und anderen Plätzchen und das hier bekannte und geliebte Weihnachtsgebäck, Pan dulce, werden natürlich auch gebacken.

Der Monat verfliegt mal wieder und Weihnachten rückt immer näher. Die Tage im Projekt sind immer gut gefüllt uns sehr schön. Man merkt das das Jahresende ansteht, Mitarbeiter*innen sind erschöpfter und mit den Gedanken bei jeglichen Weihnachtsevents und Abschlussfeiern. Die Kinder haben ihre letzten Arbeiten und beenden nach und nach alle das Schuljahr. Sie freuen sich sehr über ihre anstehenden Ferien. Bevor sich alle verabschieden, und in die Ferien gehen gibt es ein Abschlussfest mit Krippenspiel.

Unsere Chefin und Mentorin lädt Emery und mich ein beim Krippenspiel mitzumachen. Wir sollen Hirte und Engel spielen und natürlich machen wir mit. Wir proben, basteln Requisiten und eine Pappleinwand als Bühnenbild und alle freuen sich den ganzen Monat auf die Aufführungen- einmal in meinem Projekt und einmal in der Gemeinde in Quilmes (wo ich wohne). Die Aufführungen am 4. Adventswochende sind ein Erfolg und Eltern und Familie sind alle glücklich. 

Ich merke, dass mich meine Arbeit glücklich macht und ich mich freuen kann in so einem tollen Team zu arbeiten. Ich sehe meine Kollegen und Kolleginnen sehr gerne und freue mich immer auf die Tage im Projekt. Hier in Casona merkt man das dieses Team wirklich eine Gemeinschaft ist und ich bin glücklich ein Teil davon zu sein. Es war traurig sich von den Kindern, Jugendlichen und Kollegen für einen Monat zu verabschieden.

Abgesehen von Arbeit passiert hier auch immer einiges. An den Sonntagen versuche ich mit meinen Freunden ein bisschen in Adventsstimmung zu kommen. Wir backen Plätzchen, trinken selbstgemachten Glühwein und hören Weihnachtsmusik. Mit meinen Mitbewohnerinnen stellen wir zusammen einen kleinen Fake- Weihnachtsbaum auf, den wir im Schrank gefunden haben und schmücken ihn mit einer buntblinkenden Lichterkette – ganz argentinisch. 

Auch wenn es ganz anders war, hatte ich einen echt tollen Monat und oft das Gefühl hier richtig angekommen zu sein. Der Sommer war das Gegenteil von der kalten Winterzeit in Deutschland, aber das fand ich super. Da es warm ist spielt sich viel draußen ab. Es gibt Straßenfeste, viele Treffen sich im Park oder spielen Fußball und Volleyball. Immer Sonne und blauer Himmel, da habe ich direkt gute Laune. Natürlich ist der Sommer hier ganz anders als in Deutschland und die Hitze kann auch echt erdrückend sein. Im Projekt gibt es deshalb oft Tereré, die kalte Form des heißgeliebten Mate- Getränks. Damit kann man die Hitze gut überstehen.

Auch wenn sich die Adventszeit nicht nach einer Adventszeit angefühlt hat, sondern eher wie Beginn der Sommerferien, stand der Heiligabend vor der Tür- einer der heißesten Tage im Jahr. Am Nachmittag waren wir in der Kirche, die auf unserem Grundstück steht, zum Gottesdiesnt eingeladen. Meine Chefin ist hier die Pastorin und predigte. Der kleine Gottesdienst war sehr gemütlich. Am Abend haben wir bei uns im Garten ein gemeinsames Essen mit Freiwilligen gemacht. Zu acht hatten wir eine schöne Runde. Wir haben alle etwas gekocht und ein leckeres buntes Buffet gehabt. Untereinander haben wir gewichtelt und so hat jeder ein kleines Geschenk bekommen und eins verschenkt. Nach der Bescherung haben wir bis in die Nacht gespielt, gequatscht und Musik gehört.

Gegen null Uhr geht’s in Argentinien an Weihnachten dann richtig los. Es startet mit Feuerwerk um Mitternacht und dann wir auf der Straße Musik gespielt und alles sind draußen feiern und tanzen. Bei uns in Quilmes war am Platz auch was los. Es war ganz anders, dass der Heiligabend hier so laut ist und alle draußen sind. Aber ich habe die Zeit trotzdem genossen und mich gefreut so liebe Menschen um mich herum zu haben.

Auch am 25. Dezember waren alle draußen, haben Asado (grillen) gemacht und Zeit mit Familie und Freunden genossen. Wir waren bei uns am Rio (Fluss). Buenos Aires liegt ja an einer riesigen Flussmündung vom Rio de la Plata und deshalb haben wir am Fluss grüne Wiesen und Stege, wo auch einige Baden gehen. Wir genießen den Tag mit Eis und kalten Getränken statt Lebkuchen und Tee:)
Am 26. Dezember ist hier gar kein Feiertag mehr und viele arbeiten wieder. Ich hattee frei und da wir noch in Weihnachtsstimmung waren und echt Lust hatten ein bisschen zu feiern wie zu Hause, habe ich mit drei Freundinnen, deutsches Weihnachtsessen gekocht. Klöße und Rotkraut – das hat wirklich gut nach zu Hause geschmeckt. 

Und dann ging es für mich auch schon los und ich habe das erste Mal Buenos Aires für eine längere Zeit verlassen. Ich habe den ganzen Januar frei, da mein Projekt zu hat. Ich hatte echt mega Vorfreude und Lust auf die Zeit, die jetzt kommt. Mein erster Stopp war in Uruguay in Colonia del Sacramento. Dort feierte ich Silvester mit einer großen Runde an Freiwilligen aus Argentinien, Paraguay und Uruguay. Mit der Fähre ging es rüber nach Colonia, eine wirklich schöne, alte, kleine Stadt am Meer. Die Tage dort haben mir sehr gutgetan und es war toll so viele Leute von meiner Orga und vom Seminar wieder zu sehen. Silvester im Sommer am Meer zu feiern war echt einfach wunderschön und meiner Meinung nach könnte das immer so sein. Kurz nach null Uhr war das Erste, was wir 2026 gemacht haben im Meer zu schwimmen. Ich glaube es kann also nur ein gutes Jahr werden😊

Gedankenwirrwarr und was sonst noch so ansteht…

Hey, hey, 10 Monate sind rum und damit ist das hier einfach der letzte Blog, den ich aus dem Ausland schreibe – verrückt, wie unfassbar schnell doch die Zeit vorbeigeht. Ich habe das Gefühl mittlerweile kann man echt langsam die Wochen zählen, viel ist schon vollgeplant und es entsteht schon eine ganz komische Gefühlsmischung aus Endlich-nach-Hause und Ich-will-gar-nicht-von-hier-weg. Alles Gedanken, die mich gerade irgendwie nicht loslassen… Ich denke die letzten anderthalb Monate werden eine emotionale und auf jeden Fall wunderschöne Zeit. Noch einmal alles aufsaugen, bevor man es dann erstmal für ganz lange nicht mehr so hat oder vielleicht auch nie wieder so haben wird:

Kinderlachen, Straßenlärm, Gespräche mit den Nachbarn im Flur, Papageienkrächzen, Spielerunden mit Freunden, Mate trinken und mit Keksen im Park sitzen, beim Volleyball in der Halle stehen, der tägliche Klang von Spanisch – all die Gerüche, die man täglich einatmet; die Geräusche, die man tägliche hört; die vielen Dinge, die man täglich aufs Neue sieht und die vielen Erlebnisse und Begegnungen, die einen den Alltag schöner machen.

All das und noch viel mehr wird fehlen, sobald ich gehe und es wird erstmal wieder eine Umstellung kommen. Man hat sich über ein Jahr ein Leben in einem anderen Land mit einer anderen Sprache, anderen Menschen und einer anderen Kultur aufgebaut und kommt dann auf einmal wieder zurück.

Aber ganz so weit will ich dann jetzt doch noch nicht denken. Denn mir bleibt hier ja schon noch ein wenig Zeit und die möchte ich auf jeden Fall gut nutzen und das werde ich bestimmt auch, denn es steht noch viel Tolles an:

Nächste Woche geht es nämlich schon nach Buenos Aires. Vom 24.-27.06. findet unser Endseminar statt! Und da am Freitag zuvor schon Feiertag ist, ist das eine super Gelegenheit, um nochmal ein verlängertes Wochenende in der Hauptstadt zu verbringen. In der Zeit sind dann auch schon die meisten andere Freiwillige da mit denen viel gelacht, gequatscht und erlebt wird, bevor es dann auf zum eigentlichen Seminar geht.

Auch auf die Seminartage freue ich mich schon sehr, denn was ich vor dem Auslandsjahr ein bisschen unterschätzt hatte, ist doch, wie sehr mir persönlich die Seminare helfen. Es ist Zeit, um mal kurz aus dem Alltag rauszukommen, um Freunde wiederzusehen, um ganz viel über sich selbst, seine Rolle, seine Art hier zu leben nachzudenken und zu lernen. Und es bietet auch direkt ganz viele Möglichkeiten zum Austausch. Denn man kann noch so viel Kontakt mit Familie und Freunden in Deutschland haben und denen noch so viel erzählen über sein Leben, seine Erfolge und seine Probleme hier – am Ende verstehen einen immer noch am besten die Mitfreiwilligen, die in der gleichen Situation sind, die oft auch die gleichen Gedanken und Probleme haben und wo man sich gegenseitig helfen und stützen kann. Und mit denen man sich umso mehr über schöne Erlebnisse, Erfahrungen und Erfolge freut. Dementsprechend denke ich, dass das Seminar wieder einmal wunderschön werden wird und wahrscheinlich, wie immer, viel zu schnell vorbeigehen wird.

Das Wochenende danach verbringe ich auch noch in Buenos Aires mit vielen Mitfreiwilligen und es wird schon ein erster Abschied werden. Denn da die Freiwilligen der IERP (Iglesia Evangélica del Río de la Plata – meiner Partnerorganisation) von mehreren deutschen Organisationen kommen und auch alle deutschen Organisationen ihre eigenen Rückflugdaten Ende Juli/Anfang August haben, wird es tatsächlich so sein, dass man einige der Freiwilligen zum letzten Mal sieht. Irgendwie komisch, wenn man darüber nachdenkt, dass einen diese Menschen schon seit 10 Monaten im Ausland begleiten und jetzt nach dem Jahr wieder alle ihre eigenen Wege gehen. Aber natürlich heißt das alles nicht, dass man sich in Deutschland nicht wiedersehen kann und vor allem die Freundschaften, die man hier innerhalb der Gruppe geschlossen hat, werden bestimmt noch weiterbestehen.

Nach dem Seminar geht dann wirklich der Countdown langsam los, denn meine letzten 4 Wochen in Paraná stehen an. Am ersten Juliwochenende wird es nochmal auf ein Campamento, also ein Zeltlager der Jugendlichen der IERP in meiner Provinz (Entre Ríos) gehen, wo meine Mitfreiwillige und ich zusammen hinfahren werden. Unsere Nachbarn kommen auch mit und dadurch, dass wir im September, kurz nach unserer Ankunft, auch schon mal auf einem Campamento dort waren, kennen wir schon einige Leute und es ist schön, alle noch einmal wiederzusehen und eine weitere Fahrtenerfahrung zu machen. Jetzt vielleicht auch mit ein bisschen mehr Verständnis, besseren Sprachkenntnissen und nochmal einem neuen Blick auf einige Dinge.

Das Wochenende darauf bekommen wir nochmal Besuch. Mia, eine Mitfreiwillige aus Buenos Aires wird vorbeikommen und ich freue mich schon sehr darauf ihr Paraná zu zeigen und nochmal Zeit zusammen zu genießen. Bereits letztes Wochenende hatten wir schon Besuch von drei Mitfreiwilligen aus Buenos Aires und es war unfassbar schön. Wir konnten die schönsten Ecke von Paraná zeigen, zusammen zum Volleyball gehen und mit Freunden Billard spielen. Wir haben das Wochenende also in vollen Zügen genossen und konnten unsere Mitfreiwilligen auch von der Schönheit Paranás überzeugen, obwohl sie das vielleicht anfangs gar nicht so erwartet hatten.

Abgesehen davon haben die Universitäten hier im Juli vorlesungsfreie Zeit, was bedeutet, dass die Freunde, die studieren, dann mehr Freizeit haben und endlich mit ihrer gerade sehr anstrengenden Klausurenphase durch sind. Also viel Zeit für viele Aktivitäten!

Der Juli ist noch lang und der Juli hat noch viel Platz, um Dinge zu erleben – so sehe ich es zumindest. Noch einmal ins Lieblingscafé gehen, auf einen Markt gehen, einen Sonnenuntergang an der Flusspromenade genießen, Empanadas und Torta fritas machen, ein Volleyballspiel angucken, einen Glühwein mit den Leuten vom Deutschkurs trinken, eine Runde Fahrrad zum Hippodrom fahren, Mate nochmal so richtig genießen, Quatsch mit den Kindergartenkindern machen, den Babys in der Kita beim Laufen lernen zusehen und noch viel mehr.

Und dann auch am Ende anfangen Koffer zu packen, das Leben was man sich hier für ein Jahr aufgebaut hat, irgendwie versuchen „einzupacken“, Abschied nehmen und die letzten Tage genießen, bevor es am 28. Juli raus aus Paraná geht, um nach Buenos Aires zu fahren, wo meine Mitfreiwillige am 29.07. schon nach Hause fliegt. Für mich geht es dann am 04.08. in den Flieger zurück nach Hause, was auch gleichzeitig heißt mein anderes Zuhause zu verlassen… denn das ist Argentinien auf jeden Fall für mich in diesem Jahr geworden.

Bis dahin, wird die letzte Zeit aber nochmal umso mehr genossen und es werden noch ein paar mehr Erinnerungen für die Ewigkeit geschaffen, die sich dann zu all den schon hier entstanden wundervollen Erinnerungen dazugesellen können! <3

P.S.: Damit der Blog nicht so ganz ohne Fotos bleibt, hier noch ein paar Impressionen aus den letzten zwei Monaten:)

Heimweh, Höhenluft und Hostelhorror – Mein chaotisch-schöner Argentinien-Trip

Nach Monaten voller Kinderlachen, Alltagsabenteuer und Intensität war es Zeit für eine Pause  – für ein Abenteuer. Ich wollte Argentinien entdecken, Natur, Städte, Menschen, Pferde, Stille, Chaos und ich bekam alles und noch viel mehr.

Silvester in Córdoba – bröckelnder Putz, aber ein Herz aus Gold

Unser Silvester begann in einem ziemlich heruntergekommenem (was noch nett ausgedrückt ist) Hostel in Córdoba, mit knarzenden Betten und Badezimmern, bei denen man lieber nicht so genau hinschaut, aber der Vermieter war ein Schatz! Er lud uns und die Volunteers des Hostels zu einem Silvester-Asado ein, ein argentinisches Barbecue deluxe. Fleischberge, Lachen, Musik, Geschichten. 

Vollgefuttert zogen wir weiter in ein Airbnb mit Dachterrasse, welches Mitfreiwillige sich gemietet hatten. Das Feuerwerk welches um 0 Uhr zusehen war, war klein, aber wunderschön, es glitzerte zwischen den Hochhäusern. Danach ging’s noch in einen Club, die erste Nacht des neues Jahren war lang, laut und leicht.

Wir blieben ein paar Tage in Córdoba und unternahmen eine Wanderung zu einem Wasserfall. Wir waren keine 10 min unterwegs und schon schloss sich uns ein altaussehender Hund an,  grau im Gesicht, aber treu im Blick. Er wich uns nicht von unserer Seite. Wir tauften ihn Cordopi (Córdoba + Opi)  Er begleitete uns die ganze Strecke und zeigte uns den Weg, denn wir wussten garnicht so genau wo wir lang mussten, aber er schien es zu wissen. 

Ein weiteres Highlight, Reiten in den Bergen. Die Aussicht war fast endlos, der Wind in den Haaren befreiend und mein Herz erfüllte. Nach so langer Zeit endlich wieder auf einem Pferd zu sitzen, ließ mich all die Zeit mit meinen Ponys in Deutschland vermissen und gleichzeitig ganz im Moment ankommen.

Nach den ruhigen Tagen in den Bergen wollte ich eine Nacht in Buenos Aires schlafen und am nächsten Tag weiter nach Patagonien fliegen, doch das gebuchte Hostel existierte nicht. Drei Menschen bestätigten mir die Adresse, aber da war einfach nichts.Ohne Internet, völlig verloren, landete ich bei Starbucks, rief meine Familie an, kämpfte gegen Tränen und buchte schließlich ein Hotel für 30 € mehr als geplant. Wenigstens hatte ich eine Dusche und ein Bett und ich glaube es war sogar die beste dusche die ich seit einem halben Jahr hatte. 

El Calafate – Gletscherliebe & Kartendrama

In El Calafate bewunderte ich den berühmten Perito-Moreno-Gletscher, ein Naturwunder, das mich sprachlos machte, aber die Realität holte mich wieder schnell ein. Nach dem Ausflug musste ich natürlich noch bezahlen doch das Kartengerät akzeptierte meine Karte nicht, auf der Zweitkarte war zu wenig Geld. Ich telefonierte mit meiner Mutter, gab ihre Kreditkartennummer an, versuchte zu überweisen, oder irgendwie an Bargeld zu kommen, aber es war zu spät, es brauchte mindestens einen Werktag, heute war da nichts mehr zu machen. 

Am Ende gab ich der Dame mein letztes Bargeld (ein Viertel der Summe) und meinen Personalausweis. Sie willigte ein, sie hatte auch eigentlich keine Wahl. Am nächsten Morgen konnte ich zahlen und meinen Ausweis zurückholen. Die Erleichterung war grenzenlos.

El Chalten- Sturm, alte Freunde und der Fitz Roy

Mit dem Bus ging’s weiter nach El Chaltén, nur um dort zwei Tage lang wegen heftigem Sturm nichts tun zu können. Doch dann, Sonnenschein und alte Freunde. Ich traf Pia aus Brasilien und Hannah aus Paraguay, gemeinsam machten wir uns auf den Weg zum berühmten Fitz Roy.

Zehn Stunden wandern, lachen, vloggen und staunen. Die Aussicht war atemberaubend. Wir kamen kaputt, aber glücklich alle heil wieder in unseren Hostels an und trafen uns nach einer warmen Dusche noch auf ein Bier, zur Belohnung. 😉

Tür zu & Frida rettet die Nacht

Zurück in Calafate freute ich mich, nach einer ausgelassenen Nacht mit Frida und Jule, auf eine ruhige Nacht, bis ich um 2 Uhr nachts vor verschlossener Tür stand. Der Vermieter hatte vergessen, mir einen Schlüssel zu geben. Keine Rezeption mehr, niemand erreichbar.

Also 30 Minuten zurück zu Frida, die mich in ihr Hostelbett aufnahm. Wir kuschelten uns zu zweit ins Bett. Wenigstens startete der nächste Morgen mit einem schönen Frühstück und einem endlich erhaltenen Schlüssel.

Ushuaia – Dreck, Tränen & doch ein Zuhause

Dann ging es ans Ende der Welt, nach Ushuaia auf Feuerland. Und ich will nicht dramatisieren, aber das Hostel war ein Alptraum, dreckige Küche, schimmeliger Geruch, schwarze Matratzen, stinkende Toiletten. Ich kam an und brach in Tränen aus. Ich rief meine Familie an, suchte nach Flügen früheren zurück nach Montevideo und nach einer anderen Unterkunft, denn ich würde es dort keine Woche aushalten, aber vergeblich, alles ausgebucht oder nur für Unsummen, ich musste also bleiben.

Doch manchmal ist genau das der Wendepunkt. Der Vermieter, ein herzlicher Mann, bot mir eine Fahrt ins Zentrum an. Ich schrieb in einem Café über meine Gefühle; über Heimweh, Überforderung und das Bedürfnis nach einem sicheren Ort.

Zurück im Hostel traf ich Cami, eine Französin, die in Buenos Aires studierte. Wir verstanden uns auf Anhieb. Als wir im Aufenthaltsraum saßen, kamen drei Langzeitbewohner des Hostels und sagten: „Wir machen Pizza, kommt ihr mitessen?“ Dazu gab’s Fernet-Cola, Billard, und sogar eine Art Wii-Spiel. Die Stimmung war locker, schräg aber herzlich.

Ich verbrachte die gesamte Woche mit Cami. Wir gingen mit Volunteers zum Wasserfall, machten eine Bootstour zur Pinguininsel, standen früh auf, um gratis in den Nationalpark zu kommen (vor 8 Uhr ist der Eintritt frei!), wanderten bis zum „Zug am Ende der Welt“ und als Cami sich das Knie verknackte, trampten wir zurück.

Wir verbrachten die nächsten Tage ruhig, spazierten, entdeckten Ushuaia, sprangen sogar ins eiskalte Wasser, tranken Kaffee, Bier und lachten. Es wurde vertraut, fast familiär. Die Hostelbande grillte für uns, und obwohl ich Vegetarierin bin, wurde extra Gemüse für mich gemacht. So süß.

Der Dreck war zwar immer noch da, aber ich lernte, mich mit kleinen Tricks wohlzufühlen. Und am Ende der Woche war ich, dank Cami & Co, so dankbar, geblieben zu sein.

In Buenos Aires die Seele baumeln lassen 

Zurück in Buenos Aires wohnte ich drei Tage bei Frida. Sie zeigte mir Boca und nahm mich mit in ihr Projekt „La Casona“. Dort arbeitete auch Thea, eine gute Freundin von mir. Ich hatte so viel über das Projekt gehört und durfte nun selbst erleben, wie warm, familiär und besonders es war. Ein wunderschöner Abschluss.

Kurzer Zwischenstopp: Zuhause 

Nach über einem Monat war ich wieder in Montevideo. Frisch geduscht, frisch gewaschen, frisch im eigenen Bett. Ich war heilfroh und gleichzeitig voller neuer Erinnerungen. Ich blieb jedoch nicht mal 24 Stunden, bevor ich schon wieder mit alten Kolleginnen weiterzog und mich im Bus wiederfand.  Wohin? Dahin wo die Sterne am besten sieht. 😉

Neues aus Paraná

Hey, hey, jetzt ist es wirklich schon lange her seit meinem letzten Blog und es wird mal wieder Zeit euch auf den neusten Stand zu bringen, denn in den letzten Wochen und Monaten ist echt viel passiert. Was ich auf jeden Fall schon mal von vornerein sagen kann, ist, dass ich in letzter Zeit irgendwie nochmal mehr hier angekommen bin, meine Zeit hier total genossen habe, viel mit Freunden gemacht habe und es mir jetzt schon schwerfällt daran zu denken, dass ich mich in 3 Monaten von alldem hier wieder verabschieden muss… Aber erstmal zu alldem, was in letzter Zeit hier so los war:

Was meine Arbeit im Kindergarten betrifft, hat sich ein wenig was geändert. Einige Wochen nach unserem Zwischenseminar kam unser Referent (von meiner Partnerorganisation, der IERP) uns und unsere Einsatzstelle besuchen und da wir schon vorher einige Probleme hatten, wurde über mögliche Lösungen oder Alternativen gesprochen. Erst stand die Idee im Raum, dass wir auch noch zusätzlich in ein anderes Projekt gehen und dann quasi immer in Wechselwochen arbeiten, aber letztendlich hat sich das doch als zu kompliziert rausgestellt und wir haben entschieden in unserem Projekt zu bleiben. Jetzt wo auch mehr Babys da sind, ist auch automatisch mehr zu tun, da sie mehr Aufmerksamkeit benötigen und für Zeiten, in denen dann doch nichts los ist, kriegen wir teilweise zusätzliche Aufgaben oder haben halt einfach mal eine Pause. Heißt nicht alles im Projekt ist unbedingt besser geworden, aber es wurde sich auf jeden Fall drum bemüht und uns wurde ein besseres Gefühl gegeben für die letzten Monate in denen wir hier noch arbeiten. In zwei Wochen geht jetzt auch eine der Erzieherinnen in Rente und die Stelle wird erstmal nicht neu besetzt, deswegen wird das dann bestimmt auch nochmal mehr Arbeitsaufwand, aber wir werden sehen…

Zusätzlich zur Arbeit im Kindergarten sind meine Mitfreiwillige und ich jetzt auch noch jeden zweiten Samstag bei der Bibelschule in der, direkt am Kindergarten angrenzenden, Kirche der IERP dabei, wo wir einfach ein bisschen mithelfen, mit den Kindern spielen oder uns mit den Eltern unterhalten können.

Auch etwas Neues, was die Kirche hier angeht, ist dass nun alle zwei Wochen ein Angebot für die Jugend der IERP in Paraná angeboten wird. Die Gemeinde hier hat kürzlich einen neuen Pfarrer bekommen und er hat die Jugendtreffen wieder eingeführt. Wir sind zwar nicht viele Jugendliche hier, aber es ist immer total nett!  Wir gehen zusammen mit unseren Nachbarn hin, quatschen dann dort ganz viel, spielen Spiele oder kochen auch – So haben Lina und ich uns auch direkt an typisch argentinischen Empanadas probiert; sehr lecker:)

Auch unabhängig davon ist meine Freizeit echt immer ziemlich gut gefüllt. Wir haben vor einigen Monaten über eine zufällige Begegnung mit einer Deutschlehrerin Kontakt zu weiteren Deutschlehrerinnen hier in Paraná und den Schüler*innen aus ihren Kursen bekommen und hatten auch schon einige Treffen mit den ganzen Kursen, gehen jetzt freitags immer den einen B1+ Kurs besuchen und es haben sich auch privat dadurch gute Freundschaften entwickelt, mit denen man mal in eine Bar geht, sich auf einen Filmeabend trifft oder typisch argentinisch Mate im Park trinkt. Es ist supercool zu sehen, wie Leute von hier sich auch für die deutsche Sprache und das Leben in Deutschland interessieren und vor allem auch dieses Verständnis haben, wie schwer es eigentlich ist eine neue Sprache zu lernen. Da fühlt man sich oft einfach echt gut verstanden! Man kann sich echt super ergänzen und auch wenn fast alle Gespräche auf Spanisch stattfinden, lernen letztendlich doch beide Seiten etwas und es ist einfach ein extrem schöner Austausch!!

Durch eine Freundin vom Sprachkurs sind wir auch nochmal zusätzlich auf ein neues Volleyballteam gekommen. Eine komplett gemischte Mannschaft, wobei die meisten von der technischen Uni hier sind, die komplett freizeitmäßig jeden Dienstagabend spielen, einfach um Spaß zu haben. So haben wir also zusätzlich zu den anderen beiden Malen Volleyball in der Woche, bei denen wir in einer Mannschaft hier mitspielen, noch ein drittes Mal Volleyball und es macht total Spaß!!

Tatsächlich habe ich mich aber in der Woche vor Ostern beim Training verletzt und somit ist die letzten Wochen Volleyball spielen natürlich ausgefallen und stattdessen standen ein kurzer Klinikbesuch, um abzuchecken, was es ist und im Anschluss ganz viel Physiotherapie und im „Bota“ (quasi einen Schuh als Schiene) laufen auf dem Programm. Gottseidank ist es nur eine Verstauchung und kein Bruch, aber leider bin ich immer noch nicht die Schiene los und muss auch nächste Woche noch öfters zur Physiotherapie. Danach sollte es dann aber auch so langsam wieder wie vorher sein, denn schon jetzt ist es auf jeden Fall deutlich besser als es anfänglich war. Natürlich gibt es Schöneres als über Ostern nichts wirklich machen zu können, aber ich hatte trotzdem ganz tolle Tage. Es hat mir auf jeden Fall gezeigt, dass man sowas auch im Ausland super schaffen kann und was für tolle Menschen ich hier eigentlich habe, die mich dabei unterstützen. Ich wurde von einer Freundin und ihrer Mama in die Klinik mitbegleitet, wahnsinnig viele haben mir angeboten für mich einkaufen zu gehen oder mir bei dem was ich brauche zu helfen und alle Pläne, die ich hatte, wurden einfach so umgelegt, dass ich sie trotzdem umsetzen konnte. Ich wurde entweder von Freunden abgeholt und irgendwo hingebracht oder Freunde kamen zu mir nach Hause, um mich zu besuchen. So hatte ich dann über die Ostertage, wo meine Mitfreiwillige etwas mit ihrer Familie gemacht hat, doch immer etwas zu tun, was richtig schön war. Einige Tage habe ich auch mit Lina und ihrer Familie verbracht, was auch richtig toll war!

Insgesamt hatte ich also trotz allem ein richtig schönes Ostern und in der Woche nach Ostern kamen dann tatsächlich auch schon meine Eltern zu Besuch! Ich habe mich wahnsinnig darauf gefreut, sie endlich wiederzusehen und obwohl ich natürlich nicht extrem viel laufen konnte, haben sie das Wichtigste hier gesehen und ich konnte ihnen mein Zuhause in Paraná zeigen:) Gerade sind sie noch ein wenig in Argentinien am Reisen (ich habe leider keinen Urlaub mehr bekommen), doch nächstes Wochenende sehe ich sie trotzdem nochmal wieder, denn vor ihrem Rückflug legen sie noch einen kurzen Zwischenstopp in Buenos Aires ein, wo ich dann auch hinfahre. Ich freue mich total darauf, sie noch einmal wiederzusehen, vielleicht auch einige der anderen Freiwilligen zu treffen und einfach ein schönes Wochenende in Buenos Aires zu verbringen!!

Nach den ganzen Familienbesuchen kam uns jetzt auch die letzten Tage noch eine weitere Freiwillige aus Asunción besuchen und wir hatten extremschöne Tage, in denen wir ihr ein wenig von Paraná und unserem Leben hier zeigen konnten. Es ist immer so schön andere Freiwillige wiederzusehen, sich mal wieder auszutauschen und einfach eine schöne Zeit zu haben.

So, das war´s jetzt aber auch erstmal. Das nächste Mal, wenn es wieder Zeit für einen Blog ist, ist schon Juni und der Endspurt rückt immer näher. Aber bis dahin werde ich auf jeden Fall noch ganz dolle meine Zeit hier genießen:)

Schon Halbzeit

Hey, hey, einfach schon über die Hälfte meiner Zeit hier in Argentinien ist vorbei und ich kann es selber kaum glauben. Vor allem die letzten zwei Monate ist unfassbar viel passiert und ich versuche jetzt einfach mal euch ein bisschen davon zu berichten:

Weihnachten

Weihnachten das erste Mal getrennt von seiner Familie und in einem komplett anderen Land zu verbringen, hört sich vielleicht erstmal sehr beängstigend an – aber das ist es gar nicht.

Natürlich ist es nicht das gleiche wie in Deutschland, dennoch war es eine wahnsinnig schöne und vor allem sehr besondere Erfahrung: Meine Mitfreiwillige und ich hatten das große Glück Weihnachten, hier in Paraná, mit einer Freundin und ihrer Familie feiern zu dürfen. So sind wir also am 24.12. abends nach der Messe zu ihrer Familie gefahren. Es war ein richtig großes Fest mit der ganzen Verwandtschaft; ungefähr so 40 Personen waren vor Ort. Es wurde viel gequatscht, gespielt und natürlich gegessen. Um Mitternacht sind dann alle rausgegangen und es wurde sich Frohe Weihnachten (“Feliz navidad“) gewünscht, man hat Wunderkerzen angezündet und in der Ferne konnte man Feuerwerk hören und sehen. Mal eine ganz andere Tradition, die ich aus Deutschland nicht kannte, aber hier so schön miterleben konnte. Danach waren wir noch zusammen feiern – auch das ist etwas, was ich aus Deutschland nicht gewohnt bin und Heiligabend niemals machen würde. Aber hier machen das recht viele junge Menschen und es war extrem cool auch das mal mitzunehmen!

Zwar insgesamt ein anderes Weihnachten als gewohnt, aber genau deswegen wird es mir noch lange in Erinnerung bleiben!

Silvester

Silvester war mein erster richtiger Urlaubstag, denn die Kita hatte anschließend den ganzen Januar geschlossen, und den habe ich natürlich direkt genutzt und habe mich auf den Weg gemacht, um mit anderen Mitfreiwilligen zusammen in Córdoba zu feiern. Wir hatten uns zu fünft ein wunderschönes AirBnB gemietet, indem wir gut ins neue Jahr reinfeiern konnten. Da nicht nur wir, sondern auch noch ganz viele andere Freiwillige über Silvester in Córdoba waren, haben wir dann letztendlich alle zusammen gefeiert. Es war so schön, so viele Freiwillige nach langer Zeit mal wiederzusehen!! Die folgenden Tage haben wir dann auch noch entspannt zusammen verbracht, bevor es weiterging, ab in den Süden!

Urlaub

Nach Córdoba habe ich meinen weiteren Urlaub dann an den unterschiedlichsten Orten verbracht. Erst war ich im wunderschönen Patagonien, im Süden Argentiniens, wo ich mit zwei Freunden in El Bolsón wandern war und anschließend noch ein paar Tage in Bariloche verbracht habe. Vor allem in El Bolsón war das ein richtiges Abenteuer: mein erstes Mal richtig wandern und dann gleich von Hütte zu Hütte, das hatte es auf jeden Fall in sich. Aber es war sooo toll und die Natur dort ist wirklich einfach atemberaubend schön, das kann man gar nicht in Worte fassen!! Argentinien ist ja wirklich groß (Deutschland passt fast 8mal rein) und dadurch landschaftlich so unfassbar vielseitig und hat wirklich von allem etwas. Patagonien mit seinen Bergen, Wäldern und Seen war demnach ein großer Kontrast zu der Region, in der ich lebe (Provinz Entre Ríos).

Danach zog es mich dann nochmal in eine komplett gegenteilige Landschaft, und zwar nach Chile in die Atacama-Wüste. Sehr heiß tagsüber und nachts absolut frisch, aber sonst wunder-, wunderschön! Auch etwas, was ich zuvor noch gar nicht irgendwie ansatzweise ähnlich gesehen hatte und vielleicht auch deswegen nochmal beeindruckender. Dort verbrachte ich mit einigen Freundinnen ein paar Tage, bevor es dann in die Hauptstadt Chiles, nach Santiago, ging.

Auch dort konnte ich nochmal unfassbar viel Neues sehen und die Zeit einfach echt genießen. Santiago ist so eine tolle Stadt mit unglaublich vielen Möglichkeiten für Aktivitäten aller Art. Gehört definitiv zu einer der coolsten Städte, in denen ich bisher war!

2h entfernt von Santiago kommt man an den Pazifik, nach Valparaíso und Viña del Mar, wo ich dann mit meiner Mitfreiwilligen Lina meine letzten Urlaubstage verbrachte, bevor es wieder zurück nach Hause ging.

Wieder in Paraná angekommen wurden wir direkt erstmal von der Hitze erschlagen und wettertechnisch gesehen waren es ein paar sehr unangenehme Wochen die folgten, aber es war trotzdem ein schönes Gefühl mal wieder zu Hause zu sein… Mal richtig den Koffer auszupacken, alles an die Orte zu tun, wo sie ihren festen Platz haben, mal wieder richtig runterzukommen und sich zu entspannen. Das alles tut nach so langer Zeit auch mal wieder gut.

Jetzt nochmal kurz ein etwas anderer Gedanke zum Urlaub: Es ist wirklich unfassbar krass, wenn man darüber nachdenkt, was für Möglichkeiten wir hier in diesem unfassbar jungen Alter haben, dass wir so viel sehen, erleben und rumreisen können! Ich weiß, dass viele meiner Arbeitskolleginnen und Freund*innen hier noch nie die Chance hatte weit weg, geschweige denn überhaupt, in den Urlaub zu fahren und das lässt einen schon nochmal sehr über seine eigenen Privilegien nachdenken. Natürlich war auch für mich dieser Urlaub extrem groß und würde in Deutschland niemals in diesem Umfang stattfinden – da kommt dann doch durch, dass man das Gefühl hat, nur einmal so lange hier zu sein und möglichst viel sehen zu wollen – aber das spricht ja trotzdem nicht dagegen, dass es einfach unvorstellbar für viele hier ist, so viel Tourismus zu machen.

Gleichzeitig mit diesem Gedanken kommt natürlich aber auch die riesige Dankbarkeit, dass ich das alles hier erleben kann, so unfassbar viel sehen durfte und vor allem mit ganz tollen Menschen reisen durfte. Dieser Urlaub wird mir noch ewig in Erinnerung bleiben und war wirklich einzigartig!

Zwischenseminar

Nachdem wir dann wieder zwei Wochen in unserem Alltag angekommen waren, gearbeitet hatten und unsere Kitazeit vor allem mit basteln und die neuen Babys versorgen, verbracht hatten, ging es dann schon wieder los, und zwar zum Zwischenseminar. Dies fand letzte Woche (17.-22.01.) mit allen Freiwilligen der IERP (Partnerorganisation), die gerade ihren Freiwilligendienst in Uruguay, Paraguay oder Argentinien absolvieren, statt. Wir waren wieder ca. 50 Freiwillige und alle zusammen in einer Art Jugendherberge in Baradero (ca. 1-2h entfernt von Buenos Aires) untergebracht. Es war so eine unglaublich schöne Woche, die definitiv viel zu schnell vorbeiging!! Es wurde gequatscht, Mate/Terere getrunken, gebadet, gespielt, gesungen, gelacht und noch so viel mehr. Natürlich hatten wir auch wieder einige inhaltliche Einheiten, Workshops und vor allem ganz viel Zeit in Gruppen, um unsere bisherigen sechs Monate zu reflektieren und uns auszutauschen. Das tat so gut, mal mit anderen darüber zu reden und dadurch auch zu bemerken, dass wirklich viele auch die gleichen Probleme und Herausforderungen haben und man zu keinem Zeitpunkt allein damit ist. Die Gruppe der Freiwilligen ist echt so eine tolle Gemeinschaft und ich will die ganzen Menschen definitiv nicht missen!  

Wie ihr sehen könnt, ziemlich viel los gewesen, und echt alles so tolle Erlebnisse, die ich in der letzten Zeit hier sammeln durfte. Ich bin unfassbar dankbar für diese ganzen Möglichkeiten und die wirklich ganz, ganz vielen wunderbaren Menschen, die mich hier auf meinem Weg begleiten!! Auch in nächster Zeit stehen noch ganz viele tolle Dinge, wie zum Beispiel, Karneval an, aber darüber werde ich euch bestimmt dann berichten:)

Weihnachtszeit ist Abschiedszeit

Hey, hey, 4 Monate sind bereits vergangen und plötzlich steht schon Weihnachten vor der Tür. Und mit der Weihnachtszeit steht auch ein weiterer Abschied an: Nämlich der von einem großen Teil meiner Kitakinder. Denn hier endet, genau wie in Deutschland auch, das Kitajahr im Sommer und da gerade Sommer ist und die Ferien schon in ein paar Tagen beginnen, ist es langsam Zeit Tschüss zu den Ältesten zu sagen, bevor sie dann ab Februar zur Schule gehen.

Aber eben in genau dieser Zeit ist es auch nochmal gut sich zu erinnern, was man die vergangenen 4 Monate schon alles im Projekt erlebt hat, und deswegen möchte ich in diesem Blog euch nochmal ein bisschen über ganz besondere Kitatage der vergangenen 4 Monate berichten, welche mir wahnsinnig schön in Erinnerung geblieben sind:

Frühlingsbeginn

Am 20.09., also erst einen Monat nach meiner Anreise, haben wir groß den Frühlingsbeginn gefeiert. In Deutschland wird der ja nicht wirklich zelebriert, aber hier wurde ein richtiges Event daraus gemacht. Schon die ganze Kitawoche zuvor haben meine Mitfreiwillige Lina, ich und teilweise auch die anderen Seños (so werden die Erzieherinnen hier genannt) viel geschmückt und gebastelt, damit alles bunt und voller Blumen ist. Am Tag selbst kamen dann die Kinder alle mit “medias locas“ und “peinados locos“, also verrückten Socken und Frisuren in die Kita. Mit ihren echt superkreativen Outfits konnten die Kinder sich dann auch auf einem selbstgemachten Laufsteg präsentieren und es wurde anschließend zusammen ganz viel getanzt und gesungen. Das war echt schön und es war einfach generell so eine Lebensfreude im Raum, die einfach nur ansteckend war.

Día de la familia

Am 18.10. war bei uns in der Kita „Día de la familia“, also Familientag und wir haben alle zusammen einen Ausflug gemacht. Dafür sind wir, nicht weit entfernt, zu einer Art Abenteuerspielplatz gefahren. Wir und die anderen Seños waren schon etwas früher da und haben vor Ort alles dekoriert und aufgebaut. Sobald die Kinder dann mit ihren Familien kamen, wurde getobt, gequatscht, gegessen und natürlich Mate getrunken. Denn bei wirklich keiner Veranstaltung in Argentinien darf Mate fehlen und auch in der Kita ist sie mittlerweile zu einem täglichen Begleiter für mich geworden. Ein wenig Programm fand dann an dem Tag auch noch statt: Es wurden Familienfotos gemacht, Geschenke überreicht und wir haben sogar mit den Kindern zusammen ein kleines Lied vorgesungen. Die Stimmung war super ausgelassen, alle waren glücklich und manche Kinder fanden es sogar so schön, dass sie beim Gehen geweint haben…

Día de la tradición

Am 10.11. ist in Argentinien jedes Jahr „Día de la tradición“. Also ein Tag, wo man sich an Argentiniens Traditionen nochmal besonders erinnert. Da das aber ein Sonntag war, haben wir am Montag, dem 11.11. den „Día de la tradición“ in der Kita nachgefeiert. Alle Erzieherinnen und Kinder kamen gekleidet in traditionellen Trachten, also als „Gaucho“ (historisch gesehen vor allem die Männer) oder „Paisana“ (historisch gesehen vor allem die Frauen). Auch wir haben typische Folklore-Röcke bekommen, die zwei der “Seños“ für uns mitgebracht haben. Es gab Empanadas zu essen, also ein typisch argentinisches Gericht und ein paar der Erzieherinnen haben Folklore vorgetanzt. Anschließend haben wir auch noch alle zusammen versucht Folklore zu tanzen. Das hat echt super Spaß gemacht und uns einen kleinen Einblick in die Welt der argentinischen Folklore gegeben, die echt super vielfältig und spannend ist.

Abschiedsfest

Am letzten Freitag, also am 13.12., stand in unserer Kita der Abschied der Ältesten und generell die Jahresabschlussveranstaltung, worüber ich auch bereits ganz am Anfang des Blogs geredet habe, an. Hinsichtlich dessen wurde ein großes Fest geplant, was unter dem Motto “Un mundo mejor para nuestros niños“ (übersetzt: „Eine bessere Welt für unsere Kinder“) stand. Dafür haben meine Mitfreiwillige und ich schon die letzten Kitawochen ein riesiges Wandbild als Bühnenhintergrund gebastelt. Im Vorhinein der Veranstaltung haben außerdem alle Altersgruppen Tänze gelernt und fleißig mit ihren Gruppenerzieherinnen eingeübt. Am Freitag sind dann alle Kinder abends mit ihren Familien, Freunden und Bekannten zur Kita gekommen. Es waren wirklich wahnsinnig viele Menschen da und man hat den Kindern richtig angemerkt, wie sehr sie sich darüber gefreut haben und wie stolz sie auch waren ihre Tänze vorzeigen zu können. Nach all den Tänzen gab es dann den offiziellen Abschlussteil für die 3jährigen, also die Ältesten der Kita, die ab Februar zur Schule kommen. Alle wurden nochmal einzeln hervorgehoben und haben einen ganz besonderen Platz in der Veranstaltung bekommen, was sehr süß und für viele der Eltern, verständlicherweise, auch sehr emotional war. Am Schluss gab es noch für alle Kinder Geschenke und Mappen mit Erinnerungen aus dem vergangenen Kitajahr und wir haben Weihnachtsplätzchen gebacken, die wir verteilen konnten. Es war ein richtig runder und schöner Abschluss und ich muss ehrlich sagen, dass die Kinder mittlerweile echt einen Platz in meinem Herzen haben und ich sie definitiv vermissen werde. Aber bis Ende Dezember ist es ja noch ein wenig hin und man kann die letzten Tage noch zusammen genießen.

Im Januar hat der Kindergarten ja dann komplett geschlossen und ab Februar kommen ja dann auch neue Kinder, mit denen bestimmt auch viele schöne Erlebnisse und Erfahrungen entstehen werden. Aber bis dahin steht noch Weihnachten, Silvester und mein erster Urlaub an, worauf ich schon mit viel Vorfreude blicke. Darüber werde ich dann bestimmt im nächsten Blog berichten.

Seminar und Paraná – Ankommen

Hey, hey, einfach 2 Monate hier in Argentinien sind schon rum! Die Zeit vergeht wirklich wie im Flug und ich bin immer noch erschrocken, wenn ich daran denke, dass schon 1/6tel vorbei sind… Aber fangen wir erstmal von vorne an:

Am 13.08. ging es für mich von zu Hause aus los. Am Hauptbahnhof in Berlin habe ich dann auf Lucy getroffen, noch die letzten Leute verabschiedet und schon stand der großen Reise nichts mehr im Weg. Nach einer entspannten Zugfahrt, in Frankfurt angekommen, haben wir die ersten Mitfreiwilligen wiedererkannt und schwuppdiwupp, einen Flug später, waren wir auch schon in Buenos Aires gelandet. Dort erwartete mich und fast 50 andere Freiwillige der IERP (Iglesia Evangélica del Río de la Plata; meine Partnerorganisation) ein zweiwöchiges Einführungsseminar. Zusammen verbrachten wir 2 Wochen, gefüllt mit Sprachkurs, inhaltlichen Workshops und Vorträgen, aber auch vor allem viel Spaß, Begegnungen, Kaffeepausen und mehr. Untergebracht war ich in einer riesigen WG, bestehend aus 18 Leuten und auch wenn das manchmal zu viel Chaos geführt hat, möchte ich diese Zeit auf keinen Fall missen! Generell die ganze Seminarzeit bleibt mir in extrem positiver Erinnerung, denn sie war superschön und bereichernd, auch wenn es natürlich teils anstrengend und überfordernd war, aber das gehört halt auch dazu, wenn alles neu ist und so viele Eindrücke und Emotionen auf einen prasseln. Doch dadurch, dass irgendwie alle Freiwilligen, was das angeht, im gleichen Boot sitzen, hat man während des Seminars superschnell  neue Leute kennengelernt, schon erste Freundschaften geschlossen und in so kurzer Zeit so viel erlebt, dass das echt zusammengeschweißt hat. Und somit verging auch die Seminarzeit schnell und der zweite Abschied in zwei Wochen stand an, denn für mich ging es ja noch weiter.

Zwar musste ich diesmal keine Ländergrenzen überschreiten, denn ich wohne ja weiterhin in Argentinien, aber mein Weg führte mich ca. 500km nördlicher, nach Paraná. Paraná ist mit 250.000 Einwohnern die Hauptstadt der Provinz Entre Ríos und direkt am Río Paraná gelegen. Hier lebe und arbeite ich ein Jahr lang zusammen mit meiner Mitfreiwilligen Lina. Wir wohnen zusammen in einem kleinen Zimmer mit Küche und Bad direkt oberhalb des Kindergartens, in dem ich arbeite. Die Kinder dort sind zwischen 0 und 3 Jahre alt und neben alltäglichen Aufgaben wie Essen vorbereiten, die Kita dekorieren, spülen oder aufräumen bleibt uns auch viel Zeit, um mit den „nenes“ zu spielen, basteln oder draußen zu toben. Es ist wirklich wahnsinnig süß zu sehen, wie die Kinder sich an einen gewöhnen und einem so schnell ihr Lächeln und viel Liebe zurückgeben! Ein gewisser Kita-Alltag ist also eingekehrt und tägliche Ohrwürmer von spanischen Kinderliedern sind natürlich auch nicht mehr wegzudenken…

Das Einzige, was mich ein wenig beunruhigt ist, dass teilweise echt wenig Kinder nur in der Kita sind. Eine der Erzieherinnen erzählte mir, dass früher 40 Kinder dort zur Kita gingen und mittlerweile sind es maximal 19 Kinder. Mit fünf Erzieherinnen und uns zwei Freiwilligen hat man an manchen Tagen, wenn zum Beispiel nur 5 oder 6 Kinder da sind, echt wenig zu tun und ein wenig Langeweile kehrt ein, auch wenn wir uns dann meistens trotzdem Beschäftigungen suchen, indem wir basteln, dekorieren oder andere vorhandene Aufgaben machen. Was genau mit der Kita passiert, wenn im Laufe des Jahres die Ältesten gehen, wissen wir auch noch nicht, aber bis dahin ist es ja auch noch ein wenig hin und vielleicht kommen ja in der Zwischenzeit wieder viele neue Kinder.

Neben der Arbeit, die, aufgrund der Öffnungszeiten, jeden Wochentag nur von 7 bis 13 Uhr geht, bleibt Lina und mir außerdem noch viel Zeit um unseren Tag anderweitig zu gestalten. So haben wir uns schnell eine Möglichkeit gesucht mehrmals die Woche Sport machen zu können und haben in den letzten Wochen auch die Zeit gut genutzt, um die Stadt ein wenig zu erkunden. Neben der Costanera, also dem Teil Paranás, welcher am Fluss entlangführt (wo es auch Strand mit Palmen gibt und wo ich jedes Mal glücklich bin, wenn ich von dort aus aufs Wasser sehen darf:)) gibt es auch ein süßes Stadtzentrum mit netten Cafés, Parks und Einkaufsmöglichkeiten. Wir müssen uns zwar immer noch ein wenig einleben und ankommen, aber im Großen und Ganzen kommen wir supergut klar, das Leben zu zweit auf engem Raum funktioniert eigentlich perfekt, auch was Kochen, Putzen etc. angeht, wir lernen erste Bekanntschaften kennen und fühlen uns hier allgemein sehr wohl!   

Wir waren sogar schon Teil einer Jugendfreizeit der IERP hier in Entre Ríos. Unser Nachbar hatte uns vor drei Wochen, also gar nicht so lang nach unserem Ankommen, eingeladen mit auf ein sogenanntes „Campamento“ zu fahren. Dieses fand in Crespo, einer Stadt, ca. 50 Minuten mit dem Bus entfernt von Paraná statt. Da wir das Wochenende über noch keine Pläne hatten und die Möglichkeit darauf neue Leute kennenzulernen, viel Spanisch zu sprechen und Etwas zu erleben für uns ideal erschien, sagten wir zu und fuhren mit ihm aufs Campamento. Es war letztendlich wirklich ein richtig tolles Wochenende mit viel Spiel, Spaß, Bewegung und natürlich – was hier nie fehlen darf – das Trinken von Mate beziehungsweise Terere (kalte Mate für die Sommermonate, die hier in der Region mit Saft zubereitet wird). Wir konnten wirklich wahnsinnig viel Spanisch reden, was echt Spaß gemacht hat, und haben auch neue Leute kennengelernt. Leider kommt zwar keiner von denen aus Paraná, sondern alle wohnen ein wenig verteilt, aber trotzdem kann man ja weiterhin Kontakt halten und sich über die nächsten Monate nochmal sehen.

Ein anderes Highlight war Linas und mein erster richtiger Wochenendtrip nach Buenos Aires. Dadurch dass letzten Freitag landesweit ein freier Tag war, konnten wir schon am Donnerstag direkt nach der Arbeit mit dem Bus losfahren und kamen abends am Retiro in Buenos Aires an, wo wir herzlich in Empfang genommen wurden. Das Wochenende über haben wir dann bei Mitfreiwilligen geschlafen, die etwas außerhalb von Buenos Aires wohnen, und haben mit ihnen und auch vielen anderen Freiwilligen, die in Buenos Aires beziehungweise Gran Buenos Aires (der Großraum um Buenos Aires rum) wohnen, Sachen erlebt. Von über den Markt schlendern, ins Café gehen, abends auf ein Konzert und dort sogar selber Musik machen, mal entspannt in der WG Spiele spielen und kochen, Buenos Aires und seine Sehenswürdigkeiten erkunden bis zu einem Geburtstag war alles dabei. Und wir haben es sogar zum Meer geschafft!

Es war echt die perfekte Mischung aus was Erleben und entspannt Zeit mit Freunden zu verbringen. Mal wieder rauszukommen und Leute wiederzusehen war echt wie Balsam für die Seele und das Wochenende ging aufgrund dessen auch superschnell vorbei und schon saßen wir am Sonntagabend wieder im Bus auf dem Rückweg nach Paraná, dem Ort, den ich für die kommenden 10 Monate noch mein Zuhause nennen darf:)

Wie bekomme ich die Situation hier in Argentinien mit?

MILEI ALS NEUER PRÄSIDENT

INFLATION ÜBERSTEIGT DIE 250%

ÜBER 40% DER BEVÖLKERUNG LEBT IN ARMUT

„NO HAY PLATA“ – „ES GIBT KEIN GELD“

PROTESTE UND KRAWALLE

Als ich hier in Argentinien im August ankam, bekam ich in der Wechselstube einen Euro und bekam ungefähr 700 argentinische Pesos dafür. Heute bekomme ich für einen Euro 1380 Pesos. Die wirtschaftliche und soziale Lage hat sich schon in den letzten Jahren immer weiter ins Negative gewandelt, jedoch ist der Wandel in den letzten Monaten so extrem und drastisch wie noch nie. Ich möchte im Folgenden probieren von meinen Eindrücken hier vor Ort zu erzählen und vor allem ein Bild davon geben, wie es den Menschen hier und in meinem Projekt mit der ganzen Situation geht.

WIRTSCHAFTLICHER HINTERGRUND Argentinien war nicht immer verschuldet und in einer tiefen finanziellen Krise. Anfang des 20. Jahrhunderts war Argentinien eines der wohlhabendsten Länder und wichtigsten Wirtschaftsmächte weltweit, vor allem durch die erfolgreiche Agrarwirtschaft, den Reichtum an Feldern,Weiden, Gasvorkommen, Silber und Gold. Doch ab den 1950ern durchlebte Argentinien zahlreiche Krisen und auch politische Probleme trugen dazu bei, dass Argentinien sich immer mehr im Ausland verschuldete, immer mehr Menschen arbeitslos wurden und die Inflation eine immer größere Rolle im Alltag der Bürger spielte. Die große Wirtschaftskrise 2001/02 war dann schließlich der Auslöser, dass die Wirtschaft komplett zusammenbrach und hunderttausende Menschen ihre Arbeit und ihr Vermögen verloren. Heute leben über 40% unterhalb der Armutsgrenze, bei unter 14-jährigen sind es über 50%. Selbst wenn die Menschen eine Arbeit haben, ist es nahezu unmöglich von dem geringen Lohn leben zu können. Es entstand ein riesiger Schwarzmarkt, viele illegale und gefährliche Jobs, niemand traut den Banken und die Menschen versuchen so viele Dollar-Scheine wie möglich zu Hause zu horten. Die Zukunft ist ungewiss und die Menschen leben in ständiger Angst von Tag zu Tag. Ob der neue Präsident Javier Milei, der seit Dezember im Amt ist, nun Fluch oder Segen für Argentiniens Zukunft ist, da spalten sich die Meinungen der Bürger gewaltig

MEIN PROJEKT „NUESTRA SEÑORA DE LUJAN“ Jeden Morgen steige ich um kurz nach 8 in den Bus und fahre ca. 45 Minuten zu meinem Projekt ins Barrio Las Heras. Las Heras liegt ganz am Rande im Westen der Stadt, ich wohne im Zentrum der Stadt. Am Anfang kam mir die Fahrt immer sehr lang vor, doch jetzt bin ich es längst gewohnt und kenne fast alle Querstraßen auswendig, die wir passieren. Von 9-16 Uhr kommen die Kinder in zwei Gruppen, mit dem Mittagessen lösen sich die Gruppen ab. Zurzeit kommen vormittags und nachmittags jeweils um die 20-25 Kinder. Es ist ein sehr schönes Projekt: durch Workshops lernen die Kinder viel und haben die Chance ein Hobby machen zu können. Auch durch das Mittagessen, welches für die Kinder vor Ort gekocht wird, werden die Familien stark entlastet. Zweimal im Monat kommen alle Familien des Barrios (ca. 300) und bekommen eine große Tüte mit Obst, Gemüse, Milch, ein Stück Fleisch und Käse, Nudeln sowie Reis, existenziell für die Bewohner. Geleitet wird das Projekt von Hermana Marta, die ihr ganzes Herz und ihre Energie ins Wohlergehen der Kinder steckt. Ich bewunderte sie von Anfang an sehr, denn sie hat eine wahnsinnig positive Ausstrahlung, freut sich immer einen zu sehen, ist politisch wahnsinnig engagiert und hat für jeden ein offenes Ohr. Und vor ein paar Wochen feierten wir ihren 84. Geburtstag…

Man befindet sich jeden Tag in Situationen, wo einem immer wieder gezeigt wird, wie privilegiert man aufgewachsen ist und was für eine beschützte Kindheit man erleben durfte. Man verspürt dann zum einen eine ungeheure Dankbarkeit, aber es ist auch schwer damit umzugehen. Man schämt sich, dass man sich nie um ein Zuhause sorgen musste, drei leckere Mahlzeiten hatte, zur Schule und zu zahlreichen Hobbys gehen konnte und immer einen Überfluss an Kleidung und heilen Schuhen hatte. Es ist so unfair, dass die Kinder hier teilweise in ein Leben voller Armut und mit ganz schwierigen und traumatischen Familienhintergründen hineingeboren werden. Die sozialen Projekte in Argentinien waren schon immer finanziell sehr stark gefährdet und haben wenig Unterstützung der Regierung bekommen. Schon als ich im August ankam, bekam man sehr viel vom Wahlkampf und den aufeinandertreffenden Fronten mit. Beim Mittagessen mit den Mitarbeiterinnen gab es immer interessante Gespräche, denen ich mit der Zeit immer weiter folgen, mehr verstehen und auch Fragen stellen konnte. Von vielen aus der ärmeren Schicht hörte ich Sätze wie: “UNS wird eh keiner der beiden Kandidaten helfen” oder “Wir müssen uns für den ein bisschen weniger schlimmen Kandidaten entscheiden.” Doch klar war, mit Milei wird es noch schlimmer werden. Die Enttäuschung und Verzweiflung als Milei die Wahl dann tatsächlich gewann, war deutlich spürbar und Hermana Marta sagte seufzend zu mir: “Das kommende Jahr wird sehr, sehr hart werden.” Die Workshops fallen teilweise weg, in den Lebensmitteltüten für die Familien fehlen nun Milch oder Käse und es wird gerätselt was man den Kindern zum Mittagessen kochen kann, was gleichzeitig günstig, aber auch nicht zu ungesund ist.

Doch auch wenn man nicht in einem sozialen Umfeld tätig ist, bekommt man im ganz normalen Alltag auch sehr viel von den neuen Einschränkungen und dem extremen Verlauf der Inflation mit. Beispielsweise wenn man sich mit den Studenten über die Situation unterhält, beim Einkaufen jeden Tag mehr Geld mitnehmen muss oder die zahlreichen Demonstrationen in der Stadt sieht. Wenn ich in meinem Bus zur Arbeit fahre, der nun nur noch halb so oft fährt, sehe ich schon morgens die meterlangen Menschenschlangen, die beim Bankautomaten anstehen. Nirgendwo stehen mehr Preise angeschrieben, weil sie jeden Tag erneuert werden müssen und an der Tankstelle bekommt man meistens auch keinen Treibstoff mehr. Man sieht immer mehr Obdachlose und viele Menschen gehen mit einem Wagen durch die Straßen um Pappe zu sammeln und dafür ein paar Pesos zu bekommen. Die Menschen sind verzweifelt und erschöpft. Umso mehr hoffen viele auf Milei. Sie sagen: “Milei ist mal was anderes, es kann nicht so weitergehen wie bisher. Wir brauchen ein drastische Veränderung.” Die andere Hälfte der Bürger versucht sich mit Demonstrationen und anderen Aktionen seinen Plänen zu widersetzen.

Milei ist von positiven Auswirkungen seiner “Radikalkur” überzeugt und versucht sein Reformpaket, welches 300 Gesetze beinhaltet, durchzusetzen. Unter anderem werden legislative Kompetenzen für zwei Jahre an die Regierung übergeben, Staatsbetriebe privatisiert und soziale Leistungen einkassiert. Und obwohl der Widerstand zwar wächst, die Mehrheit im Parlament hat Milei schon…

VOM ABHEBEN UND ANKOMMEN

Hey ich bin Nina, 18 Jahre und mache meinen Freiwilligedienst im Großraum Buenos Aires. Ich hab gar keine Ahnung wie man sowas hier anfängt, merke ich gerade. Ich bin seit zweieinhalb Monaten hier und seitdem ist so viel passiert. Vielleicht fange ich einfach mal von ganz vorne an:

Die letzten Tage zu Hause waren schwierig. Meine Freunde haben mich mit einem Abschiedsfest überrascht, ich war mehr als glücklich und wollte so viel Zeit wie möglich mit ihnen verbringen. Ich war in Gedanken die ganze Zeit über aber schon beim Abschied und hatte richtig Angst davor, meinen Liebsten Tschüss sagen zu müssen. Ich wollte mich nochmal fallen lassen, war aber mit den Gedanken immer schon einen Schritt voraus. Vielleicht bist du ja auch gerade Freiwillige*r und weißt genau was ich meine. In der Woche vor dem Abflug hab ich nochmal super viel mit meiner Familie unternommen. Wir waren am Bodensee, Bogenschießen, Minigolfen, Fahrrad fahren und Essen. Ich habe jede Sekunde so krass genossen und noch immer ist diese Woche sehr präsent in meinem Kopf.

Tja und dann gehst du abends ins Bett und weißt, wenn du morgen aufwachst dann gehts los. Um kurz vor elf am nächsten Tag ziehe ich meine Wanderschuhe an und nehme meinen riesigen Winterpulli unter den Arm. Denn von der Hitze in Deutschland geht es in den argentinischen Winter.
Meine Familie bringt mich zum Bahnhof und ich nehme sie nochmal fest in die Arme.
Die Uhr sagt, in zwei Minuten kommt der Zug. Papa umarmt mich, die Augen meiner Mutter fangen an zu glitzern. Wenn sie jetzt weint, isses eh vorbei. Ich kann es überhaupt nicht fassen, dass dies nun die letzte Berührung mit ihnen ist. Für so lange.
Noch eine Minute. Ich ziehe meine Briefe aus der Tasche und überreiche sie meiner Familie. Ich merke, wie mir jetzt schon wieder fast die Tränen kommen. Ich will nicht mehr weinen, die Verabschiedungen der letzten Wochen waren hart.
In meinem Kopf spielen die Gedanken verrückt. Noch 30 Sekunden. In der Entfernung sehe ich schon den Zug anrollen. Ich packe also meine Sachen zusammen, drehe mich nochmal um und steige ein. Der Zug setzt sich in Bewegung, am Fenster rennt meine Schwester den Bahnsteig entlang, bis ich sie nicht mehr sehe. Was ein Gefühl. Gänsehaut.
Sobald ich alleine bin, kommen mir schließlich die Tränen. Ich bin traurig. Doch gleichzeitig fällt etwas von mir ab. Die Verabschiedung ist nun rum, ich bin irgendwie frei. Fühle mich leicht. Ich checke mich online für den Flug ein und dann bin ich auch schon am Flughafen. Ich treffe am Gate 50 andere Jugendliche, alle auf dem Weg in den gleichen Flieger. Ich frage mich, was sie wohl gerade fühlen und wie die Verabschiedung bei ihnen war.
Für mich war dies der schwerste Abschied bis jetzt. Auch wenn ich es mir ja ausgesucht und mich monatelang damit beschäftigt habe, dass ich gehe, hat es mich im dem Moment krass umgehauen. Und gleichzeitig war da dieses Gefühl der Freiheit, das Gefühl, alles hinter mir lassen zu können – einfach mal auf reset zu drücken. Die ganze Vorbereitung der letzten elf Monate, der Stress ums Abi, Momente die schwierig waren und jetzt ist es alles geschafft. Ich könnte nicht glücklicher sein. Das was ich hier erleben darf ist so besonders, so privilegiert und so aufregend. Was ist das für eine wahnsinnige Chance?

Das ist mein erster Flug und langsam geht in Frankfurt die Sonne unter. Im Flieger sitze ich am Fenster, neben mir Thea. Ich bin super nervös. Wir rollen in der Dunkelheit auf die Startbahn. Ich nehme Theas Hand und mir wird ganz flau im Magen. Wir werden schneller, ich werde in den Sitz gedrückt. Und plötzlich heben wir ab.
Unter mir werden Frankfurts Lichter kleiner und ich drücke mein Gesicht gegen die Scheibe. Ich sehe noch, wie wir die spanische Küste erreichen und auf das Meer hinaus fliegen, dann schlafe ich ein.
Als ich aufwache sind wir schon über Brasilien und es gibt Frühstück. Nur noch zwei Stunden im Flieger. So langsam will ich einfach nur noch ankommen. Als wir Buenos Aires unter uns sehen, verschlägt es mir die Sprache. Diese riesige Stadt glitzert mich nach oben hin mit ihren Millionen Lichtern an und als wir eine Schleife fliegen, wird plötzlich alles rot und orange und ich sehe den Sonnenaufgang. Dieses Gefühl werde ich nie mehr vergessen.

Wir werden immer tiefer und es macht einen Ruck, als wir landen. Ich bin froh, heile angekommen zu sein. Vom Flughafen aus geht es für mich in eine 10er WG. Die ersten zwei Wochen steht die Capacitación an. Das ist eine Einführungszeit, in der wir ganz viele Dinge lernen, die uns während des Jahres helfen werden. Wir waren in dieser Zeit viele Stunden im Seminarraum und haben einen Sprachkurs besucht. Während der Länderkunde wurden mir ein paar Mal die Augen geöffnet und ich habe gelernt, wie wir mit verschiedenen Zielgruppen umgehen können.
An den Wochenenden haben wir einen „Salida Turistica“ gemacht – einen touristischen Spaziergang durch die Stadt. Wir haben das bekannte, bunte Viertel „La Boca“ besucht, sahen auf einer Bootsfahrt in Tigre viele bunte Häuser am Fluss, waren auf Märkten unterwegs und es wurde sich schon der erste Matebecher oder ein Armband gekauft.
Aber auch für die Vergangenheit von Argentinien wurden wir sensibilisiert. Wir besuchten die Gedenkstätte EX-Esma (das größte Haft-und Folterzentrum des Landes) und wurden über die Militärdiktatur aufgeklärt.

IERP Freiwillige 2023

Und dann waren schwupp die wupp die zwei Wochen vorbei und der nächste Abschied stand an. Jede/-r Freiwillige war nun auf dem Weg zu seiner/ihrer Einsatzstelle. Für manche für uns ging es nach Paraguay und Uruguay, die meisten blieben jedoch irgendwo in Argentinien.
Ich wohne nun mit vier anderen Freiwilligen zusammen und die ersten Tage hier wurde sich erstmal eingewöhnt und alles geputzt. Ich bin sehr glücklich, so tolle Leute meine Mitbewohner/-innen nennen zu dürfen und bin mir sicher, dass wir ein tolles Jahr zusammen verbringen werden. Es gibt ein Doppelzimmer und drei Einzelzimmer. Wir hatten zur Zeit des Einzugs einen Wasserschaden und deshalb war in meinem Zimmer noch ein Loch in der Wand zum Bad. Aber seit so ner Woche bin ich stolze Besitzerin eines Zimmers und ich fühle mich so wohl. Endlich konnte ich die ganzen Bilder aufhängen, die ich mitgenommen habe.

Ich will dir auch noch erzählen, wie meine bisherige Arbeitszeit hier war. Am ersten Tag wurden wir noch abgeholt und sind mit einer Mitarbeiterin im Bus zum Projekt gefahren.
Alle Mitarbeitenden sind super herzlich und Emma und ich wurden so lieb aufgenommen.
Zur Begrüßung gibt man sich hier einen Wangenkuss, gepaart mit einem lieben „Hola, ¿qué tal?“ oder „¿Todo bien?“. Ich wusste das vor der Ausreise gar nicht, mittlerweile finde ich es aber voll schön, sich so zu begrüßen. Das ist irgendwie so viel persönlicher und sympathischer als in Deutschland.
Die ersten beiden Arbeitswochen besuchten wir jeden Workshop im Projekt und werden bald den festen Plan erstellen, welche Kurse wir unterstützen wollen. Ich liebe es, dass wir so viel draußen mit den Jugendlichen Sport machen. Am liebsten wird hier Fußball gespielt, aber auch Volleyball ist hoch im Kurs. Das Projekt bietet Nachmittags folgende Kurse an: Sport für Kinder und Jugendliche, Theater, Nähen, Sport, Bewegung und Kochen für Senioren, einen Radiokurs, ein Kunstangebot, Tanzen usw.
Ich bin wirklich begeistert von dieser Vielfalt und habe die Kinder und Erwachsenen vor Ort schon ins Herz geschlossen. Seit ein paar Tagen habe ich sogar ein Fahrrad und kann immer damit zur Arbeit und zurück fahren. Das ist super angenehm und viel schneller als der Bus.

An den Wochenenden fahre ich gerne in die Stadt bzw. das Zentrum und schlendere über einen Markt oder durch die beeindruckenden Straßen von Buenos Aires. Was hat diese Stadt bitte für einen Charme?? Eine Mischung aus Paris, Südfrankreich und Südamerika. Die Gebäude sind ein bisschen runtergekommen, aber mit so viel Detail. Zwischen ihnen ragen riesige Hochhäuser in den Himmel. Schwarz-gelbe Taxis düsen zwischen bunten Bussen über die Straßen.
Während unserer Zeit hier fand schon die Tango-WM und ein Festival  internationaler Kulturen statt – super spannend. Dort haben Länder weltweit auf einer Bühne am Plaza de Mayo den jeweils traditionellen Tanz aufgeführt, das war super schön. Den deutschen Schuhplattler durften wir auch bestaunen…
Das war kurz ein Gefühl von Heimat, aber gleichzeitig auch super komisch in diesem Ambiente. Ich war auf einem öffentlichen Festival, in vielen Parks und auch einem Naturreservat – yay!

Am Samstag fand in meinem Projekt das „Festi Cultural“ statt. Ein Fest der Gemeinschaft und Kultur. Bunte Girlanden schmückten die Bäume, zwischen denen die „Feria“ (der Markt) aufgebaut war. Eine Bühne, mit Kreide bemalter Boden und zwischendrin so viele glückliche Menschen. Herrliche 29 Grad ließen uns gut schwitzen aber das war egal. Es gab Spiele der verschiedenen Sportgruppen, einen Freestyle Rap, eine traditionelle Band und viele ausgestellte Dinge der jeweiligen „Talleres“ (Workshops). Ja und dann gab es noch so viel Tanz. Eine professionelle Gruppe tanzte eine Form des Folklore, der „Taller de movimiento“ tanzte eine Choreographie und der „Taller de Danza“ führte einen Gato auf. Das ist ebenfalls eine Form des Folklore. Und ich Glückspilzen durfte da mittanzen. Seit zwei Wochen übten wir den Tanz ein und tanzten dann mit langen Röcken vor dem Publikum. Ich war richtig aufgeregt davor. Aber alles lief wie gewollt und ich war so glücklich, Teil von dieser Gruppe sein zu dürfen.

Mein Highlight des Abends war der offene Chakarera. Das ist ein Tanz, der im Kreis getanzt wird und alle konnten mit machen. Schon vor dem ersten Ton der Musik sah ich in die Gesichter mir gegenüber und war baff von dem Strahlen, das mir begegnete. Und dann ging’s los. Auch diesen Tanz haben wir mal geübt aber irgendwie war das alles wie ausgeblendet. Ich wurde einfach getragen von der Musik und der Bewegung der Gruppe. Ich weiß gerade gar nicht so richtig, wie ich dir dieses Gefühl beschreiben soll. Wir hielten uns an den Händen, sind im Kreis gehüpft, zusammen und wieder auseinander. Dann Richtungswechsel und durch den Tunnel aus Menschen. Alles um mich herum hab ich nicht mehr wahrgenommen. Ich weiß noch, wie ich kurz da stand, nach oben schaute und es einfach nicht fassen konnte. Ich war so angekommen, fühlte mich so verschmolzen mit allem und wollte, dass es nicht aufhört. Die Atmosphäre, die Liebe fremder Menschen, die sie einfach so nach außen tragen und alle lagen sich irgendwie in den Armen und haben gelacht. Ich hab mich gedreht und gelacht. Mehr nicht. Im Nachhinein wurde mir eins klar: Der Preis für die Schönheit des Moments ist dass er irgendwann halt vorbei geht. Dass er dich kurz mitreißt und sich danach in dein Herz schleicht. Man klingt das kitschig.

Gerade sitze in meinem Bett und entfliehe dem Regen und Wind draußen. Heute ist so ein richtig gemütlicher Tag. Es ist Ende Oktober und der Anfang des Sommers. Wie ist das wohl: Mal im Hochsommer Geburtstag haben? An Weihnachten bei 40 Grad Plätzchen backen? In kurzer Hose Silvester feiern.

Ja okay, so schnell kann gehen und schon fließen die Gedanken in die Tasten und es entsteht ein Text. Danke fürs Lesen:)

Argentinien hat mir schon jetzt gezeigt, das Große darin zu finden, die kleinsten Momente wertzuschätzen.

Nina