Und was machst du dort konkret?

Von dieser Frage können wohl alle Freiwilligen ein Liedchen singen und die am India Peace Centre ganz besonders. Unter einem Center für Friedens- und Gerechtigkeitsarbeit mit Fokus auf interreligiösem Dialog kann man sich schließlich alles und nichts vorstellen. Ich versuche mich nach den ersten drei Monaten im Land an einer Antwort. 

Doch zunächst zu unserer Ankunft in Indien. Nach meinem ersten Flug in über zehn Jahren standen mein Mitfreiwilliger Luca und ich um kurz nach drei Uhr nachts suchend in der Eingangshalle des internationalen Flughafens in Nagpur. Wir sind mit der einzigen internationalen Verbindung eingeflogen und wurden nach einigen Minuten von unserem sehr netten Kollegen Suyog abgeholt, der in Sichtweite der Landebahn wohnt und aufgebrochen war, als der Flieger am Nachthimmel auftauchte. Es ist in Indien wohl nicht üblich, aber weil er davon gehört hatte, dass man in Deutschland Blumen zur Begrüßung überreicht, hielten wir auf dem Weg hinaus auch einen Strauß Rosen in der Hand.

Diese Gastfreundschaft finde ich beeindruckend. Alle geben sich wirklich Mühe, damit wir uns gut aufgehoben fühlen. Für uns standen in den ersten Tagen Wasserflaschen parat, während sich alle anderen Wasser aus 20l Behältern holen. Als das WLAN nicht funktionierte, war gleich am nächsten Morgen der Haustechniker dabei, den Router wieder einzustellen. Weil hier nur mit den Händen gegessen wird, hat jemand noch Besteck für uns eingekauft, obwohl wir uns mittlerweile angepasst haben. Und besonders: Damit wir uns erst einmal eingewöhnen können, hat Angelious, der Direktor des IPCs, für den ersten Monat eine Köchin eingestellt, die gut verdauliches Essen für uns kocht (also in erster Linie nicht zu scharf).

Wenn ich Zuhause beschrieben habe, wo ich denn eigentlich sein würde, ging mein Spruch immer so: „Du nimmst deinen Finger und patschst ihn einmal mitten auf die indische Landkarte. Das passt eigentlich am besten.” Tatsächlich kamen wir noch auf der Fahrt vom Flughafen an einem Obelisken vorbei, der genau die Mitte von Indien markiert. Da war die Beschreibung doch gar nicht so verkehrt.

Nun aber zum eigentlichen Thema: Als erste Aufgabe, während wir uns an das unfassbar feuchte und heiße Klima gewöhnten, sollten wir die Bibliothek sortieren und einen Katalog der über 3500 Bücher erstellen, damit das Angebot auf der Website abrufbar wird. Nachdem wir ein paar hundert Bücher geschafft hatten, erhielten wir Zugangsdaten für die Website. Gedacht dafür, dass wir den Katalog erstellen, werkelte ich dann aber erstmal an anderen Teilen der Seite herum, sodass es jetzt etwas einheitlicher aussieht und einige Inhalte aktualisiert sind.

Anschließend wurden wir von einer Konferenz im südindischen Chennai unterbrochen, die das India Peace Centre mitorganisiert hat. Dafür sollten Aufsteller und Banner designt werden, wofür Luca und ich eingeteilt wurden. Am Ende stellte sich zwar heraus, dass die gar nicht gebraucht wurden, genauso wenig wie die vielen Excellisten oder eine Zimmerzuteilung von mir, aber wir sind jetzt um einiges an Canva-Erfahrung reicher und ich weiß nun, wie man mit einem unachtsamen Klick im Entwicklermodus die Arbeit der letzten sechs Stunden Arbeit vollautomatisiert und unwiderruflich löschen lassen kann. Na Klasse.

Tatsächlich Klasse war das auf die Konferenz folgende Face to Face Programm, auch vom IPC co-organisiert. Hier kamen angehende Theologen christlicher Kirchen aus aller Welt und einige aus Indien zusammen, um sich einen ganzen Monat lang unterschiedliche Seminare anzuhören und über die Gemeinsamkeiten und Unterschiede ihres Glaubens zu sprechen. Für mich waren die Passagen interessant, die sich um andere Religionen drehten und was in ihren Geschichten passiert. Vor dem Freiwilligendienst hatte ich beispielsweise noch nie etwas von den Bahá´í oder Sikh gehört. Wenn auch alles spontan organisiert war, konnten wir die Gruppe zu ihren Ausflügen zu unterschiedlichen Orten wie einer buddhistischen Pilgerstätte für einen Vorkämpfer der Dalits (ehem. „Unberührbare“ im Kastensystem genannt) begleiten oder an den Aktivitäten am NCCI, einer Dachorganisation des IPC, teilnehmen.

Vorträgen diverser Referenten zu lauschen, gehört immer wieder zu unseren Aufgaben dazu. Egal ob im Rahmen von Programmen oder bei einzelnen Aktionen, wie am Weltfriedenstag, wo wir auch kleine Beiträge geschrieben und vorgetragen haben. Mehrfach waren wir auch an Universitäten hier in Nagpur und einmal haben wir einen mehrstündigen Vortrag über Deutschland für die Erstsemesterstudenten des Deutschkurses ausgearbeitet.

So vergeht hier also die Zeit auf Arbeit. Was abseits davon passiert, kommt sicher noch in den nächsten Blogbeiträgen.

Welcome to Anaphora

Anaphora

Hey, ich bin jetzt seit dem 4. September 2024 in Ägypten. Die Einsatzstelle zeichnet sich dadurch aus, dass man eher mit Erwachsenen – nicht unbedingt mit Kindern zusammenarbeitet. Meine Aufgaben hier sind gar nicht so leicht zu beschreiben, da es ganz bei dir liegt, was du machen willst. Ich arbeite z.B. auf dem Feld, aber dazu später mehr. 

Anaphora kann man sich wie ein Dorf vorstellen, das gleichzeitig eine ganz eigene Welt ist. (Für weitere Bilder schaut auf meinem Freiwilligenaccount bei Instagram @victor.in.the.oasis, dort erzähle ich auch von meinem Alltag.) Das entscheidende hier ist, dass du hier gefragt wirst, wo du arbeiten möchtest. Du kannst dich aber auch durchprobieren.

mein Alltag

Morgens stehe ich um 7:00 Uhr auf trinke einen Kaffee und gehe direkt aufs Feld. Dort arbeite ich bis zum Mittag, esse kurz und arbeite meistens bis zum Abendessen 18:00 Uhr durch. Danach ruhe ich mich aus bis 20.30 Uhr, weil dann die Nachtschicht beginnt. Die geht ca. bis 22:00 Uhr. Dann kann ich eigentlich nur noch schlafen. Das geht so sechs Tage die Woche. Dies klingt nun erstmals nicht unbedingt spannend, doch ich könnte mir nichts Spannenderes vorstellen und ich bin keine Person, die nicht weiß wie man Spaß haben kann. In Deutschland habe ich in Hamburg gelebt und schon mit 16 meine Wochenenden auf dem Kiez verbracht. Auch war ich eher arbeitsscheu. Ich hatte nie einen normalen Schülerjob, da ich mir nicht vorstellen konnte, meine Zeit damit zu verschwenden, meine kostbare Zeit in der Gastronomie oder im Einzelhandel zu verschenken. Doch wie kommt es dann, dass ich jetzt der bin, der nach dem Mittagessen wieder der erste auf dem Feld ist und es einfach nicht abwarten kann zu sehen, was das Feld an diesem Tag zu bieten hat? 

Tea-Time

Auf die Frage weiß ich noch keine Antwort, doch was ich sagen kann ist, dass du mit Sicherheit auch so denken wirst, wenn du mit der richtigen Einstellung nach Anaphora kommst. Wie du diese Einstellung bekommst, ist meiner Erfahrung nach, wenn du zwei Dinge weißt: Zum einem, dass du in Anaphora keine Grenzen hast, dich einzubringen: du musst einfach Initiative zeigen, dich etablieren und out of the Box denken. Als Beispiel gibt es in Anaphora ein Community College, dort Englisch Unterricht zu geben,  schlägt dir keiner vor, dafür musst du die richtigen Leute kennen lernen und deine Hilfe anbieten. 

Wochenende

Hier habe ich eine Sechs-Tage-Woche, deshalb habe ich nur am Sonntag frei, doch ich kann nur empfehlen, diesen zu nutzen, um in andere Städte zu fahren. Dort lassen sich Bekanntschaften knüpfen, mit denen man etwas unternehmen kann. Ich war letzten Sonntag allein in Alexandria, dort kannte ich noch niemanden, aber es hat gut getan mal wieder die Großstadt zu sehen. Teuer war der Ausflug nicht, ich bin am Samstagabend nach der Arbeit losgefahren mit einem Fahrer von Uber. Ich habe 6$ für ein Hotel und 12$ für die Hin- und Rückfahrt gezahlt. Eigentlich wollte ich nach langer Zeit mal wieder feiern gehen, doch als ich da war, hatte ich gemerkt, dass ich gar kein Interesse daran hatte. – Ägypten hat mich wirklich verändert.

die Anfänge

Die ersten zwei Wochen hatten wir einen Sprachkurs in Kairo gemacht. Der war wichtig, um das Land zu verstehen und Leute kennenzulernen, deshalb kann ich nur empfehlen, diese Zeit zu nutzen.

Markt in Kairo

Danach sind wir das Wochenende nach Hurghada gefahren, um das Rote Meer zu genießen. Dann hatten wir die nächsten zwei Wochen keine feste Arbeit in Anaphora, sondern hatten geschaut, wo wir helfen konnten. Wir hatten in der Anfangszeit einen zwölfjährigen Chef. Zu der Zeit hatten wir nicht mal halb so viel gearbeitet wie jetzt. Das kam erst, als wir uns für unsere Berufe entschieden hatten. Wir können unsere Tätigkeiten nach einem Monat wechseln. Die Leute auf dem Feld arbeiten noch mit am meisten. Es arbeitet auch nicht jeder so viel. Hier sind auch manchmal andere Freiwillige meistens aus Schweden, die oftmals nur ein paar Stunden am Tag arbeiten. 

auf dem Feld

Zuerst hatte ich nur Unkraut gepflückt, doch nach einer Woche stand eine Großaktion an, wo alle Feldarbeiter auf einem Feld gearbeitet hatten. Da war denke ich der Moment, an dem ich mich beweisen konnte, denn danach wurde mir ein eigenes Feld zugeteilt, welches ich innerhalb von drei Tagen fertigstellen sollte. In dieser Zeit geriet ich in eine Art meditativen Zustand wodurch ich aufhörte, mich mit Leuten zu unterhalten. Ich sprach nicht einmal mit meinem Mitfreiwilligen (obwohl wir sehr gute Freunde geworden sind), doch als ich das Feld fertig bearbeitet hatte, fühlte ich mich wie ein Schmetterling, der aus einem Kokon ausbrach und ich sprach wieder mit den Leuten, nur fühle ich mich seitdem anders. Ich denke ich brauchte die Zeit mit mir selbst. Jetzt arbeite ich mit zwei Leuten auf einem Feld. Beide sprechen kein Englisch aber meistens braucht man kaum Worte, um einander zu verstehen. Mit denen habe ich Spaß, auch wenn ihre Art von Spaß manchmal darin besteht, sich gegenseitig zu beleidigen und mit Steinen zu bewerfen. Was auf dem Feld auch verbindet, ist das Teilen von Wasser, da es immer einen gibt, der seine Flasche entweder vergessen hat oder sie schon ausgetrunken hat. (Kleiner Tipp, wer zwei Flaschen mitbringt, ist der Beliebteste.)

auf dem Feld

Ich denke man merkt, dass ich mich ein wenig in das Feld verliebt habe, aber was ich damit sagen will ist, dass man sich in Anaphora etablieren muss. Wenn man hart und viel arbeitet gehört, man dazu und wird geschätzt, respektiert und was das Wichtigste ist: auf Augenhöhe behandelt anstatt zimperlich. 

jeder Tag ist anders

Abschließend möchte ich dir noch auf den Weg geben, dass ich mein Leben jeden Tag anders beschreiben würde, da jeder Tag ein anderes Gefühl in mir entflammen lässt. Und was das Vermissen meines Lebens in Deutschlang angeht, das tu ich meistens nicht. Nur selten vermisse ich einzelne Dinge, dies hält aber nie länger als ein paar Stunden an. Doch ich denke, da ist jeder Mensch anders. Auch die Menschen in Anaphora sind unglaublich nett und sprechen dich an. Man unterhält sich jeden Tag mit jemand anderem.

Viele Grüße
Victor

Nach Hause kommen

Zuhause

22.07.2023: Es ist die Zeit gekommen. Zeit Abschied zu nehmen. Dabei will ich das noch gar nicht. Heute Abend um 11 Uhr werde ich abheben. So dachte ich. Der Flieger ging auch, doch ich war nicht ganz da. Schließlich habe ich einen Teil von mir hier gelassen. Ein Stück meines Herzens hat hier ein neues Zuhause gefunden, sodass ich es gleich hier lassen werde. 

Der Flug über Nacht war sehr ruhig. Von außen zumindest. Doch von Innen? Meine Gefühle gehen jetzt schon in alle Richtungen. Etwas denke ich an Zuhause, also Deutschland, mein Zuhause? Freue mich darauf, wenn ich meine Liebsten wieder in die Arme schließen darf. 

Doch eigentlich sind meine Gedanken ganz in Kenia! Vermisse schon jetzt, mein geliebtes, alltagtägliches, eher ruhiges Leben hier. Wo ich, ich sein kann. Die Menschen haben mich hier vor 11 Monaten so kennengelernt, wie ich mich ihnen vorgestellt habe. Sie kennen mich nicht mein Leben lang, sodass sie nichts von mir erwarten. Das ich so bin „wie immer“. Veränderungen fallen mir hier leichter.

Der Flieger landet und ich bin hier, in Deutschland. Tatsächlich. Naja so halb eben. Gedankenverloren nehme ich meine Sachen, suche mir den Weg durch die Menschen. Ich werde auf Deutsch angesprochen. Und doch antworte ich auf Englisch. Will es nicht wahrhaben. 

Und doch ist es auch schön. Umarme nicht viel später einige meiner Liebsten und es geht nach Hause. Jedoch nicht nach Rongai. Es gibt kein Gate. Keine Mädchen aus meinem Projekt laufen mir Freude strahlend entgegen. Nein. Es geht in das kleine Dorf aus dem ich komme. In dem ich 19 Jahre lang aufgewachsen bin. Menschen warten zuhause, um mich zu begrüßen. 

Ich fühle mich überfordert. Alles ist hier so gleich. Gefühlt hat sich nichts verändert. Jeder erwartet, dass ich froh bin, wieder hier zu sein. Doch das bin ich nicht. Nicht zu 100%. Denn insgeheim wünsche ich mir, ich könnte zurück. Zurück nach Kenia. Zurück nach Rongai. Wo alles irgendwie einfacher war. Zumindest jetzt am Ende meines Lerndienstes.

Die Tage vergehen so langsam und doch fühle ich mich gleich. Im eigenen Land fühle ich mich nun fremder, wie je zuvor. Jeden Tag schaue ich durch meine Galerie, um mich zu erinnern. Um sicherzugehen, dass ich nicht nur geträumt habe. Es sind die kleinen Momente, die ich zum Glück festgehalten habe. Sie bringen mich zum Lachen und teilweise auch zum weinen. 

Oh Kenia, ich vermisse dich und alles was ich mit dir zusammen erleben durfte!:(

Willkommen auf den Philippinen

Am 17.08.2022 begann meine große Reise auf die Philippinen. Nach einem 17 Stunden Flug bin ich abends, am 18.08.2022, wohlbehalten in Manila gelandet und wurde dort direkt von der Jugend (Youth) der Iglesia Filipina Independiente, auch YIFI genannt, empfangen.

Nach meiner Ankunft blieb ich erstmal einige Tage in Manila, bevor es in meine Einsatzstelle nach Burgos, Isabela ging. In Manila habe ich am 120. Jubiläum der Iglesia Filipina Independiente (IFI) teilgenommen, einen Tagalog Crash-Kurs besucht, an einer Historical Tour durch Manila teilgenommen, den Obispo Maximo (höchster kirchlicher Rang in der IFI) kennengelernt und etwas über die Geschichte der IFI und ihrer Programme gelernt.

Nach dem die 8 Tage auch schon vorbei waren, sind wir mit dem Bus 13 Stunden zu meiner Einsatzstelle nach Burgos, Isabela gefahren.

Mein Alltag/Meine Einsatzstelle:

Ich arbeite von Montag bis Donnerstag an der Saint Peter’s Academy, einer Junior High School, mit den Jahrgängen 7 – 10. Die Saint Peter’s Academy ist in Burgos anzufinden und hat etwa 68 Schüler*Innen. In jedem Jahrgang ist nur eine Klasse vertreten mit ca. 17 Schüler*Innen. Ich bin als Assistenzlehrerin an dieser Schule und mache Vertretungsunterricht, falls einer der Lehrer*Innen mal krank oder nicht da ist. Die Schule ist eine gemischte Schule aus Jungen und Mädchen, eine Schuluniform ist jedoch für jeden Pflicht.

In der restlichen Zeit nehme ich am Unterricht teil und schaue den Lehrern beim Unterrichten zu beobachte wie verschiedene Lehrer verschiedene Unterrichtsstyle bei verschiedenen Jahrgängen verwenden. Dazu gibt es insgesamt 6 Lehrer*Innen, welche neben Fächern die uns allen bekannt sind (Mathe, Englisch, Geschichte, Filipino, Wissenschaft, etc.) auch Mapeh unterrichten. Mapeh = Musik, Art (Kunst), PE (Sport), Health (Gesundheit). Dort wird zum Beispiel in einer Stunde über verschiedene Aspekte der Kunst und ihrer Geschichte gesprochen, in der nächsten wird darüber geredet, wie eine optimale Ernährung aussieht und in der Stunde danach wird Sport gemacht. Da der Schulhof nicht so aussieht, wie ein deutscher, sind dort teilweise die Möglichkeiten beschränkter. Eine der Sportstunden, bei denen ich bei Klasse 9 mitgemacht habe, bestand aus 3 Sportlichen Aktivitäten. Zum 1. Sprinten, dann Sackhüpfen und dann Bücher weitergeben.

Ebenso gibt es ein Fach hier, welches ich mit Hauswirtschaftslehre gleichsetzten würde, jedoch hatte ich nie Hauswirtschaftslehre in Deutschland und das beruht nur auf meiner Vorstellung. Die Schüler lernen Kochen und Nähen, ebenso wird ihnen beigebracht wie man sich ordentlich die Fingernägel schneidet und Computerwissenschaften, soweit man das ohne Computer unterrichten kann, denn diese ließen sich nach der Coronapandemie nicht mehr anschalten. Da auf den Philippinen von 2020 bis August 2022 nur Online Unterricht/ kein Unterricht stattgefunden hat.

Da ich nicht alleine zur Schule gehen darf, treffe ich mich jeden Morgen um 06:45 mit Shena und Mikaela aus Klasse 9 um gemeinsam zur Schule zu gehen. Der Unterricht startet um 07:30 Uhr, jedoch müssen wir schon um 07:00 in der Schule sein, oder eher die Schüler*Innen. Die ersten 30 Minuten räumen die Schüler*Innen den Schulhof auf, fegen Blätter zusammen und räumen Müll weg. Das wird gemacht, damit die Schüler „sich körperlich anstrengen“ und sich somit bewegen. Dann startet um 07:30 bis 08:30 die erste Stunde. Eine Unterrichtsstunde geht 60 Minuten.

In den Pausen wird die Schulkantine immer sehr stark besucht. Es werden hauptsächlich Snacks wie Chips, Kekse und Saft verkauft. Mittlerweile bin ich auch ein anerkanntes Mitglied der Crew. Die verkauften Snacks oder Snacks generell werden hier als „Meryenda“ bezeichnet. Von 11:45 bis 13:00 Uhr geht die Mittagspause los, in der die meisten Schüler*Innen wieder nach Hause gehen um dort zu Essen. Wir Lehrer essen parallel dazu in der Schule und kochen meistens selbst.

Nach der Mittagspause geht der Unterricht bis 16:15 Uhr weiter. Dann wird noch bis 17:00 Uhr der Schulhof erneut sauber gemacht und das Klassenzimmer aufgeräumt. Und das Schulgelände darf erst um 17 Uhr verlassen werden. Dann ist auch schon wieder Schulschluss und ich gehe zusammen mit den Schülern nach Hause. Wie es auch bei uns in Deutschland ist, kommen die Lehrer in die Klassenräume, jedoch gibt es keine Fachräume hier, so dass alle Fächer, auch Wissenschaft im normalen Klassenzimmer unterrichtet wird. In den Pausen und im Unterricht verbringe ich viel Zeit mit den Schülern und wir verstehen uns sehr gut! Es macht mir immer sehr viel Spaß die Zeit zusammen mit ihnen zu verbringen.

Freitags habe ich frei und somit Wochenende.

Wenn ich im Folgenden von wir spreche, meine ich die YIFI (Youth/Jugend der Iglesia Filipina Independiente).

Am Samstag ist um 16:00 Uhr in der Regel „Family Ministry“. Dann gehen wir zu einer Familie und halten einen kurzen Gottesdienst ca. 30/45 Minuten bei der Familie zu Hause ab. Es wird dabei immer über ein vorher festgelegtes Thema gesprochen. Zum Beispiel, wie Gott eine Hoffnung gibt, stärkt, wenn man durch verschiedene Phasen seines Lebens geht und generell erfährt man viel über die Lebensgeschichten, der Menschen und Familien bei denen man das Family Ministry abhält. Danach wird man häufig noch zum Essen bei der Familie eingeladen.

Samstags treffen wir uns in der Regel so gegen 14/15 Uhr an der Kirche und unterhalten uns, schauen fern, singen zusammen oder ruhen uns zusammen aus. Nachdem das Family Ministry vorbei ist, gehen wir wieder zurück zur Kirche und lassen den Abend gemeinsam ausklingen.

Meistens übernachten wir von Samstag auf Sonntag in der Kirche, natürlich nicht alle, aber diejenigen von uns, welche weiter weg wohnen oder Lust dazu haben. Denn am Sonntag geht es schon um 06:00 Uhr morgens los zum ersten Gottesdienst nach „Furao“ danach fahren wir zurück nach Burgos und haben hier unseren zweiten Gottesdienst. Nachdem der Gottesdienst vorbei ist fahren wir zu unserem dritten und letzten Gottesdienst nach „Quirino“. Meistens essen wir dort dann auch Mittag und fahren dann wieder nach Burgos zurück. Wenn wir wieder ankommen, heißt es erstmal Mittagsschlaf oder zumindest Mittagserholzeit an. Einige Fahren nach Hause, andere bleiben in der Kirche, so wie ich, und wir schauen etwas fern und schlafen dann ca. 1-2 Stunden. Danach unterhalten wir uns, planen den Abend, sind ab und an noch zu Geburtstagen eingeladen und verbringen einfach viel Zeit zusammen. Und lassen den Abend dann zusammen ausklingen.

Das Wetter:

Auf den Philippinen herrscht ein tropisches Klima. Die Temperaturen liegen im Schnitt zwischen 28-33 °C. Da jedoch meistens etwas Wind weht und wir viele Klimaanlagen haben und ich mich mittlerweile an die Temperaturen gewöhnt habe, macht mir das nicht mehr wirklich was aus. Mir ist mittlerweile sogar kalt, wenn wir unter 29 °C haben.

Ebenso gibt es eine Regenzeit und eine Trockenzeit. Zurzeit ist Regenzeit, was so viel bedeutet, wie, dass es einmal am Tag oder alle paar Tage einmal etwas doller/stark regnet. Jedoch habe ich in meiner Zeit hier bereits zwei Taifune miterlebt. Die Regenmassen, die dabei runterkommen, habe ich so vergleichbar noch nirgendwo erlebt. Und es fällt mir ein wenig schwer dies näher zu erläutern.

Das Essen:

Auf den Philippinen gibt es sehr vielfältiges und leckeres Essen. In Manila wird sehr viel Fleisch gegessen (fast jede Mahlzeit besteht aus fast nur Fleisch), während in Burgos oder besser generell Isabela viel Gemüse gegessen wird. Ebenso wird zu jeder Mahlzeit Reis gegessen und nach eigenen Aussagen, fühlen sich die Philippinos sogar schlecht oder nicht gut, wenn sie kein Reis zu den Mahlzeiten essen. Neben Reis mit Gemüse und Fleisch, einfach nur Reis und Gemüse und vielen anderen Konstellationen wird hier auch z.B. als Snack zwischendurch gebratener Hühnerkopf, Hühnerfuß oder Blut, gemischt mit Fleischresten und dann gekocht gegessen. Oder Kikiam und Kweck-Kweck. Tatsächlich habe ich bis jetzt noch nichts gegessen, bei dem ich sagen würde, dass ich das nicht mag. Das Essen hier ist echt wahnsinnig lecker.

Der Straßenverkehr:

Der Straßenverkehr in Manila ist sehr anders. Für mich wirkte es die ersten paar Male eher so, dass jeder fährt wie es ihm passt und keiner so richtig auf die anderen Achtet, jedoch habe ich über die Zeit langsam verstanden wie der Hase läuft. Es ist als würden alle Fahrer eine Einheit bilden, aber andererseits auch jederzeit mit allen möglichen Aktionen rechnen. Die Autos überholen rechts und links und es wird viel gehupt.

Neben normalen Autos und Motorrädern, sind auch sogenannte Jeepney und Trycicles sehr weit verbreitet. Jeepneys sind kleine Busse, welche Leute von A nach B bringen, mit unterschiedlichen Halten, an denen sie die Leute aufsammeln, wenn man aussteigen möchte, muss man das dem Fahrer laut zurufen. Eine Besonderheit ist ebenfalls das man hinten einsteigt, da dort die Tür ist. Nachdem man eingestiegen ist, heißt es allerdings Kopf einziehen. Zur Stoßzeit sind die meisten Jeepneys voll, dass man manchmal sogar ein oder zwei Leute sieht, die hinten draußen am Jeepney stehen und sich festhalten. Meine größte Herausforderung war jedoch immer auf die schnelle erkennen zu können, in welche Richtung oder welche Linie das Jeepney ist.

Ebenfalls sind Trycicles sehr weit verbreitet. Das sind Motorräder, welche einen Beiwagen haben und Leute oder Ware transportieren.

Als Fußgänger muss ich gestehen traue ich mich nicht alleine die größeren Straßen zu überqueren. Wenn man ohne Ampel die Straße überqueren will, muss man winken, wenn man auf der Straße ist, damit die Autos anhalten. Manche halten dann an, andere nicht, man kommt sich wie in einem Videospiel vor – meiner Meinung nach zumindest. Wenn ich alleine war, bin ich immer nur mit der Masse über die Straße gegangen, da mir alles andere zu unsicher war.

Der Verkehr in meiner Einsatzstelle in Burgos, ist noch einmal ganz anders. Da wir uns hier in einer Provinz auf dem Dorf befinden fahren alle ein wenig gesitteter, da man nicht alle 2 Sekunden mit einem anderen Auto rechnen muss. Das Motorrad ist hier das am meisten genutzte Verkehrsmittel, so gut wie jeder hat eins. Ebenso wird hier nicht wegen des Verkehrs gehupt, sondern um anderen Fahrern „Hallo“ zu sagen und ihnen mitzuteilen, dass diese auf sich aufpassen sollen.

Ebenso sind hier auch einige Trycicles zu finden. Da wir uns allerdings in einem Ladwirtschaftssektor befinden, gibt es hier viele Kuligligs, welche von den Farmern verwendet werden um die Ernte einzufahren und um von ihrem Zuhause zum Feld zu kommen.

Generell wird sich eigentlich auch nicht angeschnallt, wenn man nicht der Fahrer ist und Motorrad wird auf dem Land auch ohne Helm gefahren.

Ich hoffe, dass ich Euch einen guten ersten Eindruck über mein Leben in Burgos geben konnte!

Liebe Grüße

Carola