Irgendwo zwischen Alltag und Ankommen

Als ich in Argentinien angekommen bin, hat sich vieles überwältigend angefühlt: ein neues Land, eine andere Sprache, ein unbekannter Alltag und das Wissen, für lange Zeit weit weg von Zuhause zu sein. Einerseits war ich voller Vorfreude, ganz viel Neues zu erleben und zu erfahren. Nach zwölf Jahren Schule einmal etwas ganz anderes machen: ein neuer Ort, neue Menschen, neue Erfahrungen. Gerade deshalb hat das Ankommen nicht auf einmal stattgefunden. Es hat Zeit gebraucht – Zeit, um mich zu orientieren, um auch hier Routinen zu finden und um innerlich mit dieser neuen Lebenssituation Schritt zu halten.

Gerade am Anfang war Einsamkeit etwas, das ich kaum ignorieren konnte. Nach der Arbeit bin ich nach Hause gekommen und habe gemerkt, wie still es sein kann, wenn vertraute Menschen, Gespräche und Umarmungen fehlen. Ich habe meinen Freiwilligendienst in Buenos Aires mit einem Anfangsseminar in einer Zwölfer-WG begonnen, und mir ist das WG-Leben richtig ans Herz gewachsen. Die anderen Freiwilligen wohnen auch jetzt in WGs, während ich alleine lebe. Fotos von Spieleabenden und gemeinsamem Kochen haben mir vor Augen geführt, was mir gerade fehlte. Inzwischen weiß ich aber auch, dass es nicht immer so harmonisch in WGs abläuft und dass man manchmal mit Menschen zusammenwohnt, mit denen es einfach nicht passt.

Dieses Alleinsein hat sich oft schwer angefühlt, aber es hat mich auch gezwungen, mich mit mir selbst auseinanderzusetzen. Ich habe gelernt, Stille nicht sofort füllen zu müssen. Ich wusste von Anfang an, dass ich alleine wohnen würde, und ich habe mir das auch zugetraut. Und ja, inzwischen fühle ich mich sehr wohl damit. Trotzdem habe ich gerade durch das Alleineleben gemerkt, wie sehr ich es eigentlich genieße, mit anderen Menschen zusammenzuwohnen.

Was mir schnell aufgefallen ist und mir sehr gut gefällt: Ich habe die Menschen hier als unglaublich offen und herzlich erlebt. Ich hatte viele zufällige, schöne Begegnungen – kurze Gespräche auf der Straße, ein gemeinsamer Mate, ein Lächeln, ein „todo bien?“ (Alles gut?). Diese kleinen Momente haben mir immer wieder gezeigt, wie viel Wärme in einfachen Gesten liegen kann.

Mit der Zeit hat sich vieles verändert. Mein Spanisch hat sich langsam verbessert, und ich habe mich mehr getraut zu sprechen, auch wenn ich Fehler gemacht habe. Ich habe Freunde gefunden, die meinen Alltag hier sehr bereichern. Es ist schön zu wissen, dass ich Menschen um mich herum habe, mit denen ich jederzeit etwas unternehmen kann. Ich fühle mich nicht mehr alleine.

Auch im Projekt habe ich mehr Verantwortung übernommen und bin stärker in die Abläufe eingebunden worden. Dadurch fühle ich mich nicht mehr nur als Besucherin, sondern als Teil des Ganzen.



Inzwischen fühlt sich Mar del Plata vertraut an. Wenn ich weg war, war es ein richtiges Gefühl von Wiederankommen, sobald ich zurück bin. Ich kenne die Straßen, die Läden und teilweise sogar die Menschen – wie meinen Gemüsehändler oder Leute, die täglich denselben Bus nehmen wie ich. Ich genieße das Leben hier nun viel mehr. Und gerade jetzt im Sommer, mit den vielen Urlauber*innen, liegt eine wunderschöne, entspannte Stimmung über der Stadt.

Und irgendwo zwischen Alltag und Ankommen ist mir Mar del Plata ans Herz gewachsen.

Tranqui, jaha y superbien – Meine ersten Monate in Asunción

Ein neues Land, neue Menschen um mich herum, neue Straßen, Routinen und eine fremde Sprache. All die Eindrücke, die mich auf jedem Schritt hier in Paraguays Hauptstadt Asunción begleiten, lassen mich noch immer jeden Tag staunen. Seit drei Monaten bin ich nun schon für meinen Freiwilligendienst in Lateinamerika. Nach einem zehntägigen, unglaublich schönen Einführungsseminar in Buenos Aires und den ersten aufregenden Wochen hier entwickelt sich langsam ein Alltag.

Ich darf meinen Freiwilligendienst bei der Organisation Callescuela machen. Jeden Tag bin ich aufs Neue beeindruckt, um was für eine tolle und wichtige Arbeit es sich dort handelt. Die Callescuela hat drei Gemeinschaftszentren hier in Asunción und drei nahe der Stadt Ciudad del Este. Ich unterstütze das „local comunitario 9 de Marzo“.

Dort gibt es dreimal die Woche vormittags CEPI, das ist eine Kindergartengruppe. Meistens kommen zwischen vier und acht Kinder und wir spielen, singen und basteln mit ihnen. Dienstags und donnerstags findet den ganzen Tag „Refuerzo escolar“, also Hausaufgabenbetreuung, statt. Der dritte Bereich sind die Gruppentreffen. Dort wird manchmal über inhaltliche Themen wie politische Partizipation, Menschen- und Kinderrechte und Sexualität gesprochen, an anderen Tagen spielen wir aber auch Karten, sitzen zusammen oder gehen auf den Fußballplatz.
Das Zentrum liegt in einer armen Wohngegend und viele der Kinder müssen zuhause mitarbeiten oder ihre Eltern finanziell unterstützen, indem sie mit ihnen auf der Straße Waren verkaufen. Deswegen ist die Callescuela für die Kinder und Jugendlichen nicht nur ein Ort, an dem sie Unterstützung bei Schulaufgaben bekommen, sondern bietet auch die Möglichkeit, Freund*innen zu treffen und einfach mal „Kind sein“ zu können. Das „local comunitario“ soll ein Ort sein, an dem die Kinder einen wertschätzenden, gewaltfreien Umgang miteinander erlernen sowie in ihren Rechten und Freiheiten gestärkt werden. Und bereits seit dem ersten Tag merke ich, dass für viele Kinder und Jugendliche die Callescuela ein Safe Space ist, an dem sie sich richtig wohlfühlen. Das ist unglaublich schön zu sehen.

Im Projekt finde ich immer mehr meinen Platz, meine Mitfreiwilligen werden langsam zu Freundinnen und inzwischen komme ich manchmal auch ohne Google Maps an mein Ziel.
Tranqui, jaha und superbien sind spanische Wörter, die ich jeden Tag von den Kindern oder meinen Kolleginnen höre und die gleichzeitig auch sinnbildlich für meine ersten Wochen in Paraguay stehen.

Tranqui
Ohne es zu wollen, bin ich mit vielen Erwartungen, oder vielleicht eher Hoffnungen, in meinen Freiwilligendienst gestartet. Ich habe mir gewünscht, gut mit meinen Mitbewohner*innen auszukommen, neue Leute kennenzulernen, mich in meinem Projekt sinnvoll einbringen zu können und möglichst schnell besser Spanisch zu sprechen. Mir war zwar klar, dass es nicht so einfach wird, aber hier bin ich trotzdem auf den Boden der Tatsachen gefallen. Ich kann nicht zählen, wie oft ich die Kinder schon verwirrt angeschaut und nichts von dem verstanden habe, was sie mir sagen wollen. Oder wie viele Male ich beim Arbeiten planlos danebenstehe und nicht weiß, was ich tun soll. Oft sage ich in Gesprächen überzeugt „sí“ oder „muy bien“ und hoffe, dass mir keine Frage gestellt wurde. Ich saß nicht nur einmal im falschen Bus, habe mich mehrmals verlaufen und teilweise fühle ich mich noch immer fehl am Platz.
Manchmal tut es gut, in solchen Situationen von meinen Kolleginnen „tranqui“ zu hören, das bedeutet so viel wie „Es ist alles gut, mach dir keine Gedanken, lass dir Zeit“. Denn es ist okay, nicht alles zu verstehen. Das muss ich mir immer wieder selbst sagen. Hier in Paraguay läuft vieles anders, aber genau für diese Erfahrungen mache ich diesen Lerndienst. Und mit jedem Tag finde ich ein bisschen mehr in die Rolle als Freiwillige hinein und mit jedem Fehler lerne ich etwas Neues dazu.

Jaha
In Paraguay ist neben dem Spanischen auch die indigene Sprache Guaraní Amtssprache. Auf dem Land wird Guaraní noch oft gesprochen, in meinem Projekt tun sich die Kinder bei der Nachhilfe allerdings oft schwer mit ihren Guaraní-Hausaufgaben. Trotzdem werden die beiden Sprachen immer wieder bunt gemischt, teilweise sogar mitten im Satz. Bis fünf zählen haben mir die Kinder inzwischen beigebracht, ansonsten verstehe ich nur wenig.
„Jaha“ ist mein neues Lieblingswort auf Guaraní und bedeutet „Los gehts“ oder „Lass uns gehen“. Sowohl in der Callescuela als auch in der Freizeit passt das Wort richtig gut zu meiner ersten Zeit in Asunción. Jeden Tag müssen wir aus unserer Komfortzone heraus und manchmal braucht es ganz schön viel Mut, fremde Menschen anzusprechen und sich zu trauen, auch Fehler zu machen. Aber meistens entstehen daraus tolle Begegnungen und Chancen. So habe ich zum Beispiel einfach auf einem Fußballplatz in der Nähe einen Trainer gefragt, ob es in seinem Verein eine Frauenfußballmannschaft gibt. Leider gibt es keine, aber er war total nett und hat mich gleich zu einem anderen Training eingeladen. Und über ihn habe ich auch den Kontakt zu einer Volleyballmannschaft bekommen, bei der ich mit einer Mitfreiwilligen schon mehrmals beim Training war. Und selbst wenn aus solchen kleinen Mut-Momenten mal nichts entsteht, gewinne ich mit jedem „Losgehen“ ein kleines bisschen Selbstvertrauen dazu.

Superbien
Das ist mein Favorit unter den neuen Wörtern. Meine Kollegin benutzt „superbien“ immer mit einem so ehrlichen Strahlen im Gesicht, egal ob es sich um das gemalte Bild einer Vierjährigen, meine ersten selbstgemachten und etwas angebrannten Tortillas oder einen richtig schönen, ereignisreichen Tag handelt. Das Miteinander bei der Callescuela ist total herzlich und unterstützend, dort fühle ich mich sehr wohl.
Und mit den anderen Freiwilligen ist es auch richtig nett. Wir sind zusammen in der Stadt unterwegs und treffen uns fast jedes Wochenende zum Kochen (ein Bananenbrot darf dabei natürlich auch nicht fehlen). Übers Wochenende waren wir schon in den kleinen Städten Areguá und San Bernardino sowie auf einem größeren Trip nach Encarnación (die Grenzstadt im Süden zu Argentinien). Außerdem habe ich andere Freiwillige in Ciudad del Este besucht und war mit ihnen bei Paraguays größten Wasserfällen „Saltos Monday“. Mir gehts hier insgesamt einfach „superbien“ und ich bin dankbar, diese Erfahrungen machen zu können!

Die ersten Tage in Paraná

Am Freitag wurden Emil und ich morgens um halb 8 abgeholt und es ging los zum Busbahnhof von Buenos Aires. Nach einer kurzen Wartezeit und dem Abgeben unser viel zu vielen Koffer haben wir erstmal den Schlaf nachgeholt und kamen dann nachmittags um 5 Uhr in unserer neuen Heimat an. Hier wurden wir von unserer tollen Mentorin Mónica empfangen, mit der wir dann gemeinsam zu unserem Apartment und gleichzeitig unserer Einsatzstelle (direkt unter uns) gefahren sind. Dort haben wir zu zweit eine schöne Wohnung, die aus einem Wohnzimmer mit Küchenzeile, einem eigenen Bad und einem geteilten Schlafzimmer besteht.

Am Abend ging es dann nach einer kurzen Verschnaufpause und Frischmachen zu einem Treffen der „Jóvenes Paraná“, der Jugendgruppe der Kirche vor Ort. Hier haben wir uns mit anderen Student*innen und dem Pastor nett unterhalten und ein neues Kartenspiel kennengelernt: Chinchón de 4 cartas. Jede*r startet mit 4 Karten. Alle geben gleichzeitig eine Karte nach rechts und bekommen eine von links, dabei wird „¡Che va!“ gerufen. Ziel ist es, 4 gleiche Karten zu sammeln. Wer das schafft, ruft ein vereinbartes Signalwort und legt die Hand in die Mitte. Alle anderen legen nach, der letzte verliert. Durch die Schnelligkeit ist es ein spannendes und lustiges Spiel, bei dem auch Glück eine Rolle spielt.

Dabei haben wir Mate getrunken – für die, die sich jetzt fragen, was Mate überhaupt ist, hier eine kurze Erklärung: 

Mate ist ein Aufgussgetränk aus den Blättern der Stechpalme Ilex paraguariensis, das Yerba Mate heißt. Dafür braucht man drei Dinge. Den mate, also den Becher sowie die bombilla, ein Metallrohr mit einem Sieb am unteren Ende, das als Strohhalm dient. Und schließlich die yerba mate, die getrockneten und geschnittenen Blätter, aus denen der Aufguss bereitet wird. Es ist aber nicht nur ein Getränk, sondern ein Ritual: Mate wird meistens gemeinsam getrunken. Eine Person, der Cebador, bereitet den Mate zu und reicht ihn reihum. Jeder trinkt den Mate aus, gibt ihn zurück, und der Cebador füllt neu auf. Es gibt nur einen Becher und eine Bombilla für alle, das Teilen gehört fest dazu. Wenn man Danke sagt, bedeutet das dass man nichts mehr möchte. In Argentinien gibt es dabei je nach Region und Kontext Unterschiede, wie genau Mate zubereitet oder getrunken wird.

Dazu gab es Empanadas, Pizza und als Nachtisch verschiedene Eissorten. Auch hier gab es wieder die Sorte „Dulce de Leche“, eine süße Milchkaramell-Creme. Die hatten wir schon als Brotaufstrich in Buenos Aires und wird auch für Alfajores verwendet, die ich zufälligerweise gerade beim Schreiben neben mir liegen habe. Danach haben wir noch bis nachts unsere Sachen weiter einsortiert und soweit es ging die Wohnung eingerichtet, auch wenn Dekorationen und Pflanzen noch fehlen. 

Alfajores

Am Samstag haben wir erstmal lange ausgeschlafen und haben danach mit Sol und Cami unseren ersten Einkauf gemacht. Wir haben in der Nähe einen Supermarkt der üblichen Größe, aber auch einen sehr großen Markt, der von unseren Mitbewohner*innen mit einem Walmart in den USA verglichen wurde. Wir sind zu dem größeren “Chango Mâs” gegangen und haben erstmal alles gekauft, was wir die nächsten Tage brauchen – unsere neuen Freund*innen waren dabei eine große Hilfe, um nicht unnötig Geld auszugeben und um zu wissen, was wo gekauft wird. Fleisch, Käse, Obst und Gemüse werden in extra Läden gekauft, da es dort günstiger ist. Die Fleischerei war leider zu, aber an Obst und Gemüse haben wir fast genug für den gesamten nächsten Monat gekauft. Yerba für Mate haben wir schon gekauft, jetzt fehlt uns noch ein Mate Becher mit bombilla und eine Thermoskanne. 

Nach dem Einkaufen saßen wir noch etwas mit Sol und Cami zusammen, bis wir mit dem Abendessen bzw. eigentlich unserem Mittagessen angefangen haben. Wir haben uns für Burger, mit Bratkartoffeln und Salat entschieden. Und ohne hier zu viel Selbstlob zu vergeben, muss ich sagen, dass es echt gut geworden ist. 

Am nächsten Tag waren wir bei unserer Mentorin Mónica mit ihrer Familie zum Grillen eingeladen. Als Vorspeise gab es kleine Häppchen in Form von Chips, Käse, Salami und Schinkenscheiben. Danach gab es Ofenkartoffeln, verschiedenes Gemüse und vor allem Fleisch & gegrillten Kürbis mit Zucker. Nicht nur war das Essen sehr reichhaltig und vor allem sehr lecker, sondern auch die Gespräche mit der Familie waren sehr schön und interessant, auch wenn unser Spanisch (nett ausgedrückt) noch viel Potenzial nach oben hat. Mónica und Thiago sprechen etwas Deutsch und Thiago konnte uns mit seinem Englisch sehr gut unterstützen. Zur Familie gehört auch 2-Pac, eine süße Bulldogge, die konstant gestreichelt werden möchte.

Als Nachtisch gab es noch Eis, danach sind wir mit Thiago (den wir schon Freitag Abend kennengelernt haben) und seiner Freundin Marti zu dem, laut ihm, schönsten Park “Parque Urquiza” gefahren. Und ich muss sagen, sie hatten recht! Der Park war riesig und direkt am Fluss gelegen, überall waren Palmen und blühende Lapacho rosado, die mich etwas an blühende Kirschbäume erinnert haben. Es war mega schön, auch wenn es echt heiß war – ich will nicht wissen, wie es sich im Sommer anfühlen wird. Ansonsten haben wir noch ein paar Aufgaben erledigt: Wäsche waschen, Aufräumen und neuen Content für unseren Instagram-Account kreiert. 

Am Montag hatten wir unseren ersten Arbeitstag im Kindergarten. Der Kindergarten Caminito („Ein Weg für die Kleinen“) wird von der örtlichen Kirche getragen und setzt sich seit mehreren Jahrzehnten für Kinderrechte und Gesundheitsförderung ein. Die Kinder erhalten hier Betreuung, Frühstück und Mittagessen. Es war schön, endlich die Einsatzstelle kennenzulernen und unsere erste Woche hat uns sehr gut gefallen. Sobald wir ein paar Wochen dort verbracht haben, wird zu unserer Arbeit und dem Projekt auch ein ausführlicher Blog-Beitrag kommen.

Insgesamt bin ich hier sehr glücklich (glaube das lässt sich ganz gut an der Anzahl von “sehr” in diesem Text heraushören) und wir haben direkt viele neue, tolle Menschen kennengelernt und unsere ersten Freundschaften geschlossen.

Das Intro.

Vor 2 Monaten habe ich meine Sachen gepackt, mich von meiner Familie am Bahnhof verabschiedet und mich auf den Weg nach Buenos Aires gemacht, es fühlt sich an, als wäre es gestern gewesen, obwohl schon so viel passiert ist. Wir habe einen Argentinischen Silbermedaillengewinner der Olympischen Spiele im Segeln getroffen, haben einen Heiratsantrag bekommen, sind in einen brasilianischen Tanzkurs gelandet und hatten eine Ratte im Ofen. Aber erstmal alles auf Anfang. 

Mit Sack und Pack standen Emi und ich nach einer langen Zugfahrt am Frankfurter Flughafen und wir fühlten uns als wären wir schon in den Subtropen angekommen, so heiß und feucht war die Luft dort. Wir machten uns schwitzend auf den Weg unser Gepäck abzugeben und setzten uns ans Gate. Die Zeit bis zum Boarding verging wie im Flug, da sich immer mehr Freiwillige der IERP versammelten und wir uns alle schonmal ein bisschen kennenlernten. 

Abflug.

Jetzt saßen wir also endlich im Flieger und es sollte wirklich losgehen. Erschöpft vom Tag schlief ich im Flugzeug auch direkt nach dem Essen ein und habe mit wenigen Unterbrechungen auch fast bis zur Landung durchgeschlafen. Als wir es alle ohne Probleme durch die Passkontrolle geschafft hatten, wurden wir abgeholt und in unsere Unterkunft für die nächsten zwei Wochen gebracht.

Zuvor sahen wir am Flughafen jedoch, wie sich Leute versammelten und begannen zu klatschen. Wir gingen nähr heran und sahen, dass es sich um einen jungen Mann handelt, der gerade von den Olympischen Spielen aus Paris zurückkehrte, denn er trug eine Silbermedaille um den Hals. Wir fragten die Leute, die sich um den Sportler versammelten und fanden heraus, dass er im Segeln die Medaille für Argentinien gewinnen konnte. Gefecht und beeindruckt von der ersten Begegnung mit der Argentinischen Sportkultur fielen wir müde ins Bett. Am nächsten Tag starteten wir dann auch schon in unser Seminar.  

Star getroffen.

In den zwei Wochen besprachen wir Themen wie den historischen Hintergrund der Kultur, Gender und Sexualität, Psychische Gesundheit und vieles mehr. Außerdem fand ein Spanisch Kurs statt und wir besuchten Museen. Es war auch möglich ein Projekt in Buenos Aires zu besuchen, in denen einige Freiwillige später arbeiten würden. In unserer Freizeit erkundeten wir noch ein wenig die Stadt. Es war eine sehr intensive Zeit, in der wir nochmal viel gelernt haben. 

Und dann sollte es auch schon losgehen. Nach einem langen Nachmittag am Bahnhof, saßen wir dann endlich im Bus auf dem Weg nach Montevideo. Bei der Passkontrolle hatte ich dann nochmal kurz Angst, dass ich doch noch länger in Argentinien bleiben muss, denn nachdem die Frau am Schalter bei allen anderen das Visum in den Pass gestempelt hat, nahm sie meinen Pass und lief damit in ein anderes Gebäude. Nach einigen Minuten kam sie zum Glück mit meinem Reisepass zurück und auch ich bekam mein Visum. Es ist also doch nochmal alles gut gegangen und wir konnten ohne Probleme weiterfahren. 

Um 5 Uhr Morgens kamen wir dann in Montevideo an, wurden vom Bahnhof abgeholt und in unser neues Zuhause gebracht. Wir frühstückten in der Kirche direkt neben unserem zukünftigen Zuhause, jedoch konnten wir noch nicht sofort in unser Haus, weshalb wir erstmal noch 2 Stunden auf den Kirchbänken schliefen. Endlich in unserm Zimmer angekommen, packten wir aus und wollten eigentlich nochmal ein bisschen schlafen, bevor wir nachmittags abgeholt werden sollten, um die wichtigsten Sachen wie eine SIM-Karte oder Busfahrkarte zu besorgen, aber an Schlaf war nicht zu denken, denn dafür war alles viel zu neu und aufregend. Es war garnicht zu glauben und fühlte sich an, als würde ich das alles nur träumen.

Wir erfuhren außerdem, dass wir nicht nur zu 7. in dem Haus wohnten, sondern noch einen tierischen Mitbewohner hatten, denn eine Ratte hatte sich unseren Ofen als ihr neues Zuhause ausgesucht. 

Übernachtungsparty in der Kirche.

Am nächsten Tag stand ich um 6 Uhr morgens auf, denn heute sollte mein erster Tag im Projekt sein. Belkis, unsere Mitbewohnerin aus Argentinien, zeigte mir wie ich mit dem Bus zum Projekt komme. Dort angekommen erwartete uns schon der Pastor, die Chefin des Kindergartens und einige Erzieher. Sie zeigten mir alles und erklärten mir das Wichtigste und dann ging es auch schon los. An diesem ersten Tag war ich bei den 1 jährigen Kindern, denn die Erzieherin dort ist die Einzige, die Englisch spricht. Den restlichen Tag verbrachte ich dann mit Spielen und damit, die ganzen neuen Dinge zu verarbeiten.

Der zweite Tag war dann nochmal viel intensiver, denn ab jetzt war ich in der Gruppe der 3 Jährigen, die ältesten Kinder im Projekt. Die Kinder waren sofort begeistert und texteten mich zu, denn die meisten können schon sehr gut sprechen. Ich wusste garnicht, wie mir gescheit und verstand fast nichts. Auch die Erzieherin sprach nur Spanisch, natürlich versuchte sie sehr langsam und in einfachen Worten zu sprechen, damit ich sie verstand, denn sie wusste, dass mein Spanisch noch ziemlich ausbaufähig ist, die Kinder jedoch begriffen das nicht, da sie es einfach nicht kannten, dass jemand nicht ihr Sprache spricht. 

Am Ende des Tages tat mir der Kopf ziemlich weh, denn es ist sehr anstrengend, wenn man den ganzen Tag eine Sprache hört, die man nicht versteht und sehr viel nachdenken muss, um irgendwie zu antworten. Ich fiel nach diesem Tag also direkt ins Bett und schlief fest ein. Am nächsten Tag sollte dann unsere Ratte ausziehen, denn der Kammerjäger kam zu uns und nahm die Ratte samt Ofen mit, denn dieser war nicht mehr zu benutzen, da unser Haustier es sich dort etwas zu bequem gemacht hatte. Wir standen also erstmal ohne Ofen da. Nach wenigen Tagen gab es dann aber zum Glück einen neuen. 

Mittlerweile hat sich das Ganze gut eingependelt. Ich verstehe immer mehr und kann auch mal auf Fragen antworten. Die ersten Wochen war ich trotzdem immer sehr erschöpft und bin sofort nach der Arbeit ins Bett gegangen und auch am Wochenende habe ich so ziemlich nur geschlafen und war vielleicht nochmal am Strand spazieren, aber das war es dann auch. Nach einiger Zeit war ich dann aber immer motivierter auch mal was zu unternehmen so kam es, dass wir neue Leute kennenlernten und auch mal ein bisschen was von Montevideo sehen konnten. Wir trafen in unserer Kirche eine nette junge Frau, welche uns spontan zu einer Forró Tanzstunde (ein brasilianischer Volkstanz) mitgenommen hat. Obwohl ich keine Ahnung hatte, was ich da eigentlich mache und nichts so aussah, wie es aussehen sollte, hatte ich jede menge Spaß und hab sehr viel gelacht. 

Neben der Arbeit im Projekt und dem Entdecken der Stadt, waren wir auch schon einmal Feiern, wo wir dann auch direkt eine neue Freundin kennenlernten. Das Interessante ist jedoch, wie wir sie kennenlernten. Kaum waren wir im Club kam eine Gruppe von Leute auf uns zu und fragte woher wir kommen, denn sie hatten uns offenbar Deutsch reden hören. Wir kamen ins Gespräch und unterhielten uns eine Weile. Irgendwann gingen wir dann wieder unseren eigenen Weg in den Außenbereich. Ein junger Mann kam jedoch mit uns mit nach Draußen und sagte, er fände uns alle total hübsch und sei verliebt und ehe wir uns versahen ging er mitten im Club auf die Knie und fragte „Do you want to marry me?“ Wir waren natürlich total verwirrt und lehnten dankend ab. Zwei Mädchen bekamen das mit und nahmen uns wieder mit nach Drinnen. Wir verbrachten dann den ganzen restlichen Abend mit ihnen und trafen uns auch die Wochen danach immer mal wieder, um gemeinsam was zu unternehmen. So fanden wir also unsere ersten neuen Freunde. 

Die Eingewöhnung geht zu Ende und so langsam beginnen wir Anzukommen. Vor uns liegen noch viele Abendteuer und ich bin gespannt auf das, was kommen wird. 

Mambo Kenya!

Aufgeregt, voller Erwartungen, Hoffnungen und vielleicht auch der ein oder anderen Befürchtung ging es für mich vor jetzt schon 7 Wochen endlich los. Am Flughafen habe ich meine Mitfreiwillige Anna-Lena zum Glück sofort gefunden und wir konnten die nächsten 8 ½ Stunden auf dem Weg von Frankfurt nach Nairobi direkt nutzen, um uns kennenzulernen.

Blick auf die Sahara

Als wir endlich in Nairobi angekommen waren, ging es direkt von der Visa-Kontrolle (wo zum Glück alles prima funktionierte), über die Kofferausgabe raus auf der Suche nach unser Mentorin für die nächsten 11 Monate. Sie brachte uns zum Gelände der deutschen Gemeinde, mitten in Nairobi, was wir für die nächsten 3 Wochen unser Zuhause nennen konnten.

Auch wenn es schon spät und dunkel war, ließ ich mir es dennoch nicht nehmen, die ganze Fahrt über aus dem Fenster zu schauen, mit großer Hoffnung, denn der Weg vom Flughafen in die Stadt läuft direkt am Nationalpark vorbei. Es war allerdings noch kein Tier in Sicht. Umso spannender war dafür der Verkehr, auch noch um 21:00 Uhr hier in Nairobi. Viele Autos, Matatus (Kleinbusse) und Boraboras (Motorradtaxis), die alle so wie es schien ohne jegliche Verkehrsregeln über die Straßen bretterten. Manche blinkten ohne abzubiegen, andere bogen ab ohne zu blinken und wieder andere blieben mitten auf der Fahrbahn stehen. Das war auf jeden Fall schon ein spannender erster Eindruck!

Erschöpft und voller verschiedener Eindrücke von diesem ersten Tag, fiel ich abends nach der ersten Banane aus Kenia müde ins Bett.

Am ersten richtigen Tag hier in Nairobi stand erst einmal ankommen, die Anreise reflektieren und etwas die nächste Umgegend erkunden auf dem Plan. Den ersten Tee, der für meinen Geschmack einfach viel zu scharf war, hatte ich auch schon entdeckt. Jetzt weiß ich immerhin, was ich nächstes Mal nicht nehmen werde😊. Ansonsten war dieser Tag sehr gut, um einmal runterzukommen und den letzten Tag erstmal noch zu verarbeiten, denn die Pläne für die nächsten Tage standen auch schon fest.

Tag 2: Es ging das erste Mal nach Ongata Rongai, einem (mehr oder wohl eher weniger) „kleinem“ Vorort, ca. 30 Minuten außerhalb von Nairobi, in dem sich unsere Einsatzstelle, das PLCC befindet. Wir lernten dort zuerst alle vier Hausmütter, die Leiterin und eine der Sozialarbeiterinnen, die Lehrer*innen sowie einige der Mädchen kennen. Alle empfingen uns wirklich sehr herzlich. Mit der Leiterin und Sozialarbeiterin klärten wir dann im Verlaufe des Tages alles Nötige über unsere Arbeit, die Wohnung vor Ort und sonstige Dinge ab. Anschließend durften wir das erste Mal, ein sehr leckeres kenianisches Mittagessen probieren, wobei ich schon völlig von Chapatis, einem nicht so süßem Pfannkuchen-ähnlichem Gebäck, überzeugt wurde.

Tag 3: Der letzte richtige Einführungstag. Es ging für uns in einen Slum hier in Nairobi, denn wir besuchten die zweite Sozialarbeiterin, welche dort direkt arbeitet. Sie hat uns einiges über ihre Arbeit und darüber, wie die Mädchen aufgewachsen sind, bevor sie im PLCC aufgenommen wurden erzählt.

Meine Mitfreiwillige Anna-Lena und ich bei der zweiten Sozialarbeiterin

Daraufhin organisierten wir noch einige Kleinigkeiten wie eine kenianische SIM-Karte und das Bezahlsystem MPesa, womit man zumindest hier in Nairobi überall bezahlen kann.

Am nächsten Tag startete daraufhin unser Sprachkurs hier an der „ACK Language School“. Die nächsten zwei Wochen hatten wir die Möglichkeit, uns so gut es geht Kiswahili zu merken, denn gerade mit den jüngeren Mädchen und einer Hausmutter würde es ohne wohl nur zur Verständigung mit Händen und Füßen kommen. Da der Kurs auch nur aus meiner Mitfreiwilligen und mir bestand, war es gar nicht möglich nichts zu lernen und es war sehr intensiv. Doch so konnten wir nach den zwei Wochen unter anderem schon ca. 50 Verben zu Sätzen bilden.

Kiswahili für Anfänger (wie mich) 🙂

Nach diesen zwei Wochen ging es nun endlich ins Projekt. Am 18/09/2022 hieß es für uns also wieder Koffer packen – was allerdings nicht schwer war, da unsere Unterkunft der letzten drei Wochen leider nicht zugelassen hatte, dass wir unsere Koffer schon auspacken konnten. Das sparte also immerhin eine Menge an Zeit. Nach den ersten Warzenschweinen auf dem Weg nach Ongata Rongai, wurden wir erneut mit leckerem Essen und den ersten Tänzen und Liedern von allen begrüßt und konnten uns nach dem Sprachkurs immerhin schon auf Kiswahili vorstellen! Die Kinder nahmen uns daraufhin an die Hand und führten uns über das Gelände zu unserer Wohnung, wo wir auch so ungefähr den restlichen Tag mit einrichten und auspacken verbrachten. Dann ging es auch früh ins Bett, denn am nächsten Tag stand der erste, lang ersehnte Arbeitstag an.

Die erste Woche war allerdings alles noch etwas anders, da die Mädchen Ferien hatten. So konnte ich nicht wie geplant in der Schule starten und wir unterstützen die Sozialarbeiterin und eine Lehrerin bei der Ferienbetreuung mit Stricken, Singen, Tanzen, Geschichten erzählen und Weihnachtskarten basteln. Ich glaube Mitte September habe ich das noch nie gemacht, aber da circa 500 Karten gebraucht wurden, bot es sich an, damit jetzt schon in den Ferien zu starten. Es war also ein sehr entspannter und ruhiger Start, der uns aber auch ermöglichte die Mädchen kennenzulernen, Namen zu lernen und die Umgebung am Nachmittag zu erkunden. Denn ca. 300 Meter von unserem Haus entfernt befindet sich hinter einem (eher dünnen, löchrigem) Zaun der Nairobi Nationalpark, direkt vor der Skyline Nairobis. Das ist ein ganz schön beeindruckendes Bild.

In der folgenden Woche durfte ich nun aber wirklich anfangen, richtig zu arbeiten. Ich unterstütze in erster Linie eine Lehrerin bei ihrer Arbeit mit den jüngsten Kindern. Insgesamt 8 Kinder, die aus dem Kindergarten und zwei verschiedenen Stufen der Vorschule bestehen werden jeden Tag von ihr unterrichtet.

mein Klassenraum

Dabei verbringe ich die meiste Zeit mit den vier dreijährigen Kindern, der „playgroup“ (Kindergarten) die gerade anfangen, die Buchstaben und Zahlen auszusprechen und zu schreiben. Dazu gibt es verschiedene spielerische Modelle, wie sie diese lernen sollen. Ansonsten tanzen und singen wir auch viel.

Bis mittags bin ich zur Unterstützung in der Schule. Nachmittags habe ich immer frei und abends gehe ich dann zur Hausaufgabenhilfe zu den Mädchen. Dabei wird wohl am meisten nach meiner Hilfe in Mathe gefragt. Zum Glück fiel mir das nie so schwer und ich mochte Mathe immer sehr gerne.

Eine Sache, an die ich mich erstaunlich schnell gewöhne ist die Art, wie mein Name nun ausgesprochen wird. Bei den meisten Kindern meiner Klasse bin ich Teacher Sofia, manche andere können Svea aussprechen und insbesondere die Hausmütter haben sich sofort den Namen Sylvia gemerkt. Das macht mir aber zum Glück so gar nichts aus und ich reagiere auch auf meine neuen Namen 😊.

Nun bin ich gespannt, welche neuen Herausforderungen und neue Namen wohl in der nächsten Zeit noch dazukommen werden!