Ich hatte diesen Blogeintrag eigentlich Pünktlich geschrieben, aber dann vergessen ihn hochzuladen. bitte ignoriert also das Datum und versetzt euch zurück in die Vorweihnachtszeit.
Die letzten Monate ist einiges Passiert, und immer noch stimmt die Aussage, dass es ein ständiges Ankommen bleibt. Wir hatten einige richtig großen CONNAT’s Aktionen, die echt toll waren aber auch echt anstrengend. Die erste davon noch im November. Die „Vota Si“ Aktion. Bei der sind alle Kinder und ihre Eltern zu einer Symbolischen Wahl gekommen, bei der es um das Aufmerksam machen gegen Gewalt ging. Zur Vorbereitung dafür hatten wir schon in den Vorherigen Wochen viel über das Thema Gewalt, welche Typen von Gewalt es gibt, woran man so etwas erkennt und noch mehr in den CONNAT’s Runden besprochen. Dabei wurde die Gewalt gegen Mädchen und Frauen etwas mehr hervorgehoben und vor allem auch den Jungs klargemacht, dass auch sie so etwas angeht und sie mit dagegen kämpfen sollen. Bei der Wahl konnte man ankreuzen ob man dafür oder dagegen ist, dass es weniger Gewalt in unseren Gemeinden gibt. Natürlich hat keiner mit „nein“ abgestimmt, aber das war auch nicht unbedingt der Punkt. Wichtiger für uns war die Zweite spalte, bei welcher man ankreuzen konnte, über welche Themen man gerne mehr reden würde, also Gewalt gegen Frauen, Gewalt in der Schule, sexuelle Gewalt Häusliche Gewalt und noch mehr. Was ich dabei noch sehr interessant fand: wenn man abgestimmt hatte, musste man den Zeigefinger in Tinte Tunken, quasi zur Kontrolle das keiner mehrmals abstimmt. Mich würde interessieren ob das hier bei offiziellen Wahlen auch so funktioniert, dadurch kann dann ja jeder sehen wer gewählt hat und wer nicht.

Mitte November, fangen hier dann auch die Sommerferien an. Das ist toll für die Kinder, aber nicht ganz so schön für mich, hier gehen die nämlich ein ganzes stück länger als in Deutschland – bis in den Februar nämlich. Unser Projekt ist zwar keine Schule, aber sehr eng damit verknüpft. In den Ferien brauchen die Kids keine Nachhilfe, die erste Woche kamen sie noch, und statt Unterricht malten wir etwas oder spielten Spiele, aber noch vor Dezember kamen keine Kinder mehr. Der Kindergarten ging etwas länger, aber auch nicht bis in den Dezember hinein. Für meine Arbeitskolleginnen hieß das Papierarbeit, Berichte über das Vergangene Jahr schrieben, Anwesenheitsliste durchgehen und noch mehr, für mich und Lea dagegen hieß das vor allem viel Rumsitzen. Ein oder zwei Mal die Woche gab es meistens was zu tun, es gab eine Abschiedsfeier für die Kindergartenkinder an allen drei Standorten, für welche wir Abschieds Geschenke bastelten, Abends hatten wir zweimal einen Hamburgerverkauf um Geld für die CONNAT’s zu sammeln, um T-Shirts kaufen zu können.
Die weitaus größte und Anstrengendste Aktion bisher war das Campanmento – eine große Übernachtungsaktion mit allen CONNAT’s aus allen der Standorten – über hundert Kinder auf einen Haufen. Wir fingen um sechs Uhr morgens an zu arbeiten, und bereiteten ein Frühstuck für die Kinder vor Brötchen mit Dulce de Leche (einer art Karamellaufstrich) und Butter und verschiedenen Getränken und kurz darauf trafen die Kinder ein. Nach einer Vorstellungsrunde teilten wir uns in Gruppen auf und sprachen über die Werte der CONNAT’s, ich war in der Gruppe „Dignidad“ (Würde), danach präsentierten alle Gruppen ihre Ergebnisse. Über den Tag verteilt, sprachen wir über die Geschichte der CONNAT’s, die Geschichte der einzelnen Untergruppen der CONNAT’s und der verschiedenen Standorte. Es gab einen Kuchen, da es zusätzlich das 25 Jubiläum der CONNAT’s war und danach spielten wir noch eine Weile. Lea und ich betreuten Völkerball, andere Spielten Fußball oder Volleyball oder saßen einfach und redeten. Am Abend gab es Hamburger und Entertainment. Einige Mädchen führten Tänze auf (einige Traditionell, aber Macarena war auch dabei) und es gab ein paar Gesangsauftritte. Schließlich ging es gegen Mitternacht für die Kinder ins Bett und für und Freiwillige nach Hause.
Am nächsten morgen ging es wieder um sechs uhr früh los, diesesmal warteten aber nach dem Frühstück Busse auf uns: Wir hatten nämlich außerhalb der Stadt einen Pool gemietet. Lea und ich durften nicht mit ins Wasser, da wir die Betreuerinnen waren, aber es war trotzdem ein schöner Ausflug. Leider gab es nachmittags etwas Probleme, da einer der drei Busse nicht auftauchte. Im Endeffekt mussten wir fast zwei Stunden zusätzlich warten um zurück zu kommen und kamen erst gegen halb sieben zuhause an. Die zwei Tage haben viel spaß gemacht, aber waren auch sehr anstrengend.
An dieser stelle muss ich mich etwas über den Monat beschweren: So gut wie alle Aktionen fanden außerhalb der normalen Arbeitszeiten statt, oder zumindest teilweise außerhalb, die Abschiedsfeiern fingen an, wo wir normalerweise Frei haben und das Campanmento fing früher an und endete später. Ich habe mich sehr gefreut dabei zu sein, aber es war auch echt viel. Wir haben nicht zusätzlich frei bekommen, eher im Gegenteil, wir müssen den ganzen Dezember einen Tag mehr arbeiten als sonst, und das obwohl wir den Großteil der Zeit einfach nur rumsitzen. Ich bin mir selber etwas unsicher warum das so anstrengend für mich ist, aber ich war nach einem Tag nichts tun manchmal müder als ich an einem normalen Arbeitstag bin. Ich habe das Gefühl dass das ganze besser hätte laufen können und das hat mich echt frustriert. Trotzdem gefällt es mir sehr mit den Kolleginnen und die reguläre Arbeit macht mir viel Spaß. Das gute ist, dass das ganze eine Ausnahmesituation ist und nach dem Monat hoffentlich nicht nochmal passiert. Soweit ich weiß sind nicht mehr viele Aktionen geplant, außer eine kostenlose Kinderbetreuung am Markt nächsten Samstag.
Vielleicht liegt es an meinem Gestressten zustand, aber wahrscheinlich eher daran dass ich hier ohne Familie, Winter Weihnachtsmarkt etc bin, auf jeden Fall bin ich bis jetzt noch nicht in Weihnachtsstimmung gekommen. Noch habe ich Hoffnungen, dass sich das bis zum 24 ändern wird, aber irgendwie glaube ich das nicht mehr. Es ist einfach sehr viel anders. Ich glaube in Feststimmung werde ich sein, aber Weihnachten wird das hier nichtmehr.
Obwohl es hier keinen Weihnachtsmarkt und Lebkuchenplätzchen gibt, heißt das nicht dass hier keiner was zu Weihnachten dekoriert, es sind nur keine Weihnachtsfiguren, Schwibbögen oder Sterne. Was es gibt sind Marienstatuen, Krippen an der Kirche und vor allem viele Lichter, am besten Blinkend und grell Bunt. Unsere Nachbarin und unsere Vermietering, welche auf dem gleichen Grundstück wie wir wohnt, haben solche Ketten bei sich hängen. Das Ganze ist nicht wirklich mein Geschmack und ich habe aufgehört mich abends in die Hängematte zu legen um dem irritierenden geblinkte aus dem Augenwinkel zu entkommen. Nach einfarbigen oder nichtblinkenden Lichtern kann man hier lange suchen, privat habe ich sie gar nicht gesehen, aber in der Innenstadt am See gibt es sie im Zuge einer großen Lichtershow.
Auch das Essen zu Weihnachten ist hier anders als Zuhause, statt Plätzchen backen, Spekulatius oder Lebkuchen, gibt es hier Pan de Dulce und Clerico. Pan de Dulce heißt wörtlich übersetzt „süßes Brot“ es ähnelt aber eher einem Kuchen. Darin sind karamellisierte Fruchtstückchen, zumindest glaube ich das, weil überall draufstand das dort Obst drin ist, es aber viel zu süß schmeckte. Clerico ist ein Obstsalat mit Wein. Der schmeckt mir echt gut, aber Weihnachtlicht ist es für mich nicht.




