
Hey, ich bin Antonia, 18Jahre alt und im Gegensatz zu vielen anderen Freiwilligen habe ich mich dazu entschieden meinen Freiwilligendienst in einem Seniorenheim zu machen.
Mein Weg hat mich in das Colonia de Ancianos san Antonio geführt. Ein idyllisches Seniorenheim in Aldea san Antonio in Argentinien, in dem jeder jeden über irgendwelche Ecken kennt und Trasch zu einer der Lieblingsbeschäftigungen der Senioren gehört.
Was mich zu meinem eigentlichen Thema führt, was macht man eigentlich mit Senioren im Seniorenheim? Und unterscheidet sich die Arbeit tatsächlich so zu der Arbeit mit Kindern?
Vor meinem Freiwilligendienst habe ich schon ganz viele Ideen gesammelt was ich mit den Senioren alles machen könnte: Disko und alle können auf den Stühlen tanzen, gemeinsames Kochen mit alten Rezepten aus ihrer Kindheit und das gemeinsame lernen von Kartenspielen. Ich dachte die Senioren würden wieder wie Kinder werden, „nur“ mit mehr Erfahrung und vielleicht einigen körperlichen Beeinträchtigungen
Ich kam also im Seniorenheim an mit all meinen tollen Ideen im Kopf und hatte erstmal einen „Altersschock“. Bisher hatte ich nie wirklich mit alten Menschen außer meinen Großeltern zu tun gehabt und in einem Seniorenheim kannte ich mich noch weniger aus. Hinzu kamen meine mangelhaften Spanischkenntnisse, die alles andere als die Situation vereinfacht haben. Viele der Abuelos (Senioren) sitzen bei uns im Rollstuhl und einige werden sogar gefüttert, weg fiel also schonmal die Disko. Die zweite Seniorin mit der ich mich versucht habe zu unterhalten hat mir fünfmal dieselbe Geschichte erzählt, viele neue Dinge zu lernen fiel also auch weg und der Alltag war so sehr durchgetaktet das eine gemeinsame Kochsession nicht einmal in Frage kam. Auch die ganzen Spiele die wir gelernt hatten in unseren Vorbereitungsseminaren halfen mir nicht weiter.
Ich fing also damit an nochmal von vorne darüber nachzudenken, was wir zusammen machen könnten. Denn auch die vielen Spiele im Gemeinschaftssaal waren nicht auf die motorischen Fähigkeiten der Abuelos abgestimmt und viele hatten dadurch keine Lust irgendetwas zu machen, da sie keine Erfolgserlebnisse hatten.
Meine erste Idee war eigene Spiele zu erfinden und diese möglichst einfach zu gestalten.
Und was soll ich sagen, das erste Spiel ging total in die Hose! Nicht aufgeben habe ich mir gedacht noch weitere Spiele suchen. Das dritte Spiel hat dann endlich einem Senioren so sehr gefallen, das er nur noch spielen wollte.
Das hat mir unglaublich viel Motivation gegeben noch weitere Sachen aus zu probieren. Mittlerweile spielen wir also ganz oft Fische angeln mit Plastikbechern, Farben erraten mit Fäden und versuchen kleine Steine mit Bechern aufzufangen. Dabei ist mir aufgefallen, dass auch die anderen Senioren auf einmal viel mehr Motivation hatten mitzuspielen. Wobei natürlich viele immer noch einfach ihren Mate trinken wollten und dabei erzählen. Als dann nach und nach mein Spanisch auch besser wurde und ich anfing mit zu bekommen worüber sie sprachen, konnte ich diese Art der Freizeitbeschäftigung nur zugut verstehen, „die eine Seniorin sitzt immer nur in ihrem Haus“ und „dieser Senior stellt sich immer in den Mittelpunkt“ sind dabei noch harmlose Geschichten. Dabei finde ich es so schön zu sehen wie immer auch die „schwächsten“ Mitglieder der Gruppe ins Boot geholt werden und so eine total schöne Gruppendynamik entsteht bei der sich alle umeinander kümmern, auch wenn immer wieder ein bisschen Gossip die Runde macht.
Außerdem mögen gerade die Senioren jegliche Arten des Malens, mit Bundstiften, Tusche oder auch Akryl Farben. So kam es, das wir in der Weihnachtszeit massen an Christbaumschmuck hergestellt haben, der jetzt die Bäume im Garten des Seniorenheims schmückt. Mittlerweile sind wir wieder dazu übergegangen Blumen in unterschiedlichsten Formen anzumalen und zu basteln.
Lasst es ein Vorurteil sein aber das einzige Spiel, das wirklich alle mögen im Seniorenheim und das wir regelmäßig spielen ist ein Mix aus Lotterie und Bingo, …wodurch ich mein Kartenspiel bzw. mein Spiel am ende doch noch bekommen habe 😉
Um auf meine Fragen vom Anfang zurückzukommen man kann so viel mit Senioren machen, wenn man einmal angefangen hat sich auf sie einzustellen und versucht zu verstehen, was sie eigentlich wirklich wollen. Und wenn das mal einfach Fußball schauen ist, ist das auch in Ordnung. Denn Senioren sind nicht wie Kinder, obwohl ich das am Anfang dachte. Auch wenn sie manchmal dieselbe Pflege und Fürsorge brauchen, haben sie einfach schon so viel Erlebt, dass das mit nichts zu vergleichen ist.
Eure Antonia




