Mba’éichapa!
Das ist die Frage, die ich fast täglich auf dem Weg zur Arbeit höre. Das ist Guaraní und heißt übersetzt so viel wie „Hallo, wie geht es Dir/Euch?“. Wohin man auch geht oder ob man nur jemandem über den Weg läuft, man wird so gut wie immer die Frage gestellt bekommen. Das heißt nicht unbedingt, dass man antworten muss oder eine Antwort bekommt, wenn man selbst jemanden fragt, aber es gehört einfach dazu zu fragen als eine Art Geste der Aufmerksamkeit.
In Paraguay gibt es zwei offizielle Amtssprachen, Spanisch und Guaraní. Guaraní ist die Sprache der Indigenen, die trotz der Kolonialisierung erhalten wurde. Trotzdem wird heutzutage wenig reines Guaraní gesprochen, sondern vielmehr eine Mischung von Spanisch und Guaraní. Die wird dann „Jopara“ genannt.
Zwei Sprachen zu beherrschen ist extrem cool, aber für Außenstehende, die nicht beide Sprachen verstehen, auch schnell sehr verwirrend. Als ich angekommen bin war mein Kopf schon extrem voll mit Eindrücken und beschäftigt damit, Spanisch zu lernen und dann kam Guaraní. Anfangs fiel es mir teilweise noch schwer Spanisch und Guaraní voneinander zu unterscheiden, weil beide Sprachen für mich so neu waren, doch inzwischen habe ich das raus. Trotzdem bringt das Jopara oder Guaraní bis jetzt noch Herausforderungen mit sich mit, denn es ist extrem kompliziert und sehr schwer zu lernen.

Ich weiß noch, wie ich das erste Mal bei der Arbeit war und meine Chefin in einem Moment „Jaha“ („lass uns gehen“) gesagt hat und ich stehen geblieben bin anstatt mit ihr mitzugehen, weil ich gar nicht verstanden habe, was passierte. Am Anfang war es von daher sehr ungewohnt, aber es hat mich schnell gereizt, noch mehr davon zu lernen, um wenigstens ein bisschen Guaraní zu verstehen. Das hat ehrlich gesagt mal besser und mal schlechter geklappt, weil das geschriebene Guaraní teilweise anders ist als das gesprochene und die Schreibweise zumindest mich vor Herausforderungen gestellt hat. Aber feststeht, es ist immer Teil meines Alltags und nach und nach habe ich Ausdrücke und Redewendungen gelernt. Irgendwann musste ich auch feststellen, dass ich einige Wörter auf Guaraní benutzt habe, weil ich es für Spanisch gehalten habe. Ups. Insgesamt ist Guaraní oder Jopara aber ein sehr wichtiger Bestandteil des Alltags. So gut wie alle Familien sprechen beide Sprachen und es ist individuell, ob sich die Kinder vertrauter mit Spanisch oder Guaraní fühlen. So gibt es Kinder, die lieber Spanisch sprechen, aber trotzdem Guaraní verstehen und andersrum.
Was mache ich also, wenn man mich auf Guaraní anspricht und ich gar nichts verstehe? Gerade im Projekt ist mir das immer wieder passiert. Schnell war den Kindern natürlich klar, dass ich kein Guaraní spreche und das wird gerne immer wieder genutzt, um mich reinzulegen, aber ich habe gelernt das mit Humor zu nehmen. Und wenn gar nichts mehr hilft, antworte ich sonst auf Deutsch und in Sekunden wird aufgehört zu reden und gebannt Deutsch angehört, weil sie das erste Mal nichts verstehen.
In der Einsatzstelle, in der ich das erste Halbjahr gearbeitet habe, wird besonders viel Guaraní gesprochen. Oft habe ich gar nichts verstanden und verzweifelt probiert Gesprächsfetzen aufzunehmen oder wenigstens das Thema zu verstehen. Das hat mich sehr frustriert und ich habe mich fremd oder indirekt ausgeschlossen gefühlt. Das habe ich dann auch irgendwann angesprochen und dann verstanden, dass nicht Guaraní gesprochen wird, damit ich es nicht verstehe, sondern weil sich manche Personen so einfach besser ausdrücken können. Guaraní ist zusätzlich auch eine sehr bildlich beschreibende Sprache. Es gibt einfach ein paar Redewendungen und Ausdrücke, die in Guaraní einfach passender sind als in Spanisch.
Inzwischen höre ich vielmehr gespannt zu und gucke, was ich verstehe und lernen kann und das macht doch ziemlich Spaß. Obwohl ich zugeben, dass es nach wie vor echt nicht leicht ist und viele Wörter für mich eher wie Geräusche wirken und eine falsche Aussprache, das Wort gleich etwas anderes bedeuten lässt. Deswegen habe ich irgendwann eine Liste mit Vokabeln, Ausdrücken und der Aussprache angelegt, aber Achtung die Kinder lieben es sich einen Scherz daraus zu machen, Wörter in Guaraní falsch zu übersetzen. Es ist also trotzdem Vorsicht geboten, wenn man Ausdrücke auf Guaraní benutzen will.
Was mir außerdem geholfen hat, ist der Nachhilfeunterricht, denn dabei lernen wir mit den Kindern und Jugendlichen nicht nur Spanisch und Mathe, sondern natürlich auch Guaraní und dadurch verstehe ich dann auch einige Vokabeln oder die Aussprache besser.
Guaraní oder Jopara wird von daher immer eine Herausforderung sein, aber ich glaube ich habe einen Umgang damit gefunden und sehe es inzwischen als Bereicherung.
Mal sehen, was ich noch alles für Wörter und Ausdrücke lerne bis es dann bald schon nach Hause geht.
Nos vemos!
Malena


