Ökumenischer Auftakt zum Jubiläumsjahr des Apostels Ansgar: Vesper in Hauptkirche St. Petri

Hamburg (ce) – Am kommenden Dienstag (3. Februar 2026, 19 Uhr) wird zum 60. Mail die traditionelle ökumenische St.-Ansgar-Vesper in der Hamburger Hauptkirche St. Petri gefeiert. Die Vesper ist zugleich der Auftakt für das Jubiläum zu Ehren von Ansgar, dem Apostel des Nordens, der vor 1.200 Jahren seine Reisen Richtung Norddeutschland und Skandinavien begann. „Vom Mut, Grenzen zu überwinden“ lautet das gemeinsame Motto der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche) und des Erzbistums Hamburg. Predigen wird Signe von Oettingen, Dompredigerin am Dom zu Ribe in Dänemark.

Bischöfin Kirsten Fehrs: Ansgar steht für Verbundenheit und Frieden

Kirsten Fehrs, Bischöfin im Sprengel Hamburg und Lübeck der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche) würdigt den ökumenischen Gedanken: „Ansgar steht für den Beginn des christlichen Glaubens hier bei uns im Norden. Vor 1.200 Jahren begab er sich auf eine ungewisse Reise – getragen vom christlichen Geist der Verständigung. Seine Missionstätigkeit war geprägt von Dialog, von Austausch und ohne ihn gäbe es hier in Hamburg nicht diese unschätzbare ökumenische Herzensweite. Auch darum treffen sich alle Konfessionen in der Hauptkirche St. Petri, also an dem Ort, wo Ansgar einst die erste Kirche Hamburgs baute. Mit Dankbarkeit erlebe ich die religiöse Vielfalt und die gelebte Verbundenheit als gemeinsamen Friedensdienst, allemal in diesen aufgewühlten Zeiten. In aller Unterschiedlichkeit stehen wir in der Ökumene der Kirchen gemeinsam ein für Respekt, Menschenwürde und Frieden in der Welt. Und dass in diesem Jahr Signe von Oettingen in der Ansgar-Vesper predigen wird, ist eine wunderbare Fügung. Gerade in diesen Wochen, in denen Europa von außen so unter Druck gerät, stehen wir im Gebet an der Seite unserer dänischen Schwestern und Brüder.“

Vesper wird seit 1965 regelmäßig gefeiert

Die St.-Ansgar-Vesper ist der älteste, regelmäßig gefeierte ökumenische Gottesdienst in Hamburg. Seit 1965 feiern ihn alle Kirchenfamilien – von den orthodoxen und orientalischen bis zu den Freikirchen – in der Hauptkirche St. Petri. Angeregt durch den Impuls engagierter Laien entstand zunächst eine ökumenische Abendmusik; dies geschah in einer Zeit, als das Gebet von evangelischen, römisch-katholischen und orthodoxen Christinnen und Christen in einem gemeinsamen Gottesdienst noch nicht möglich schien.

1200jähriges Jubiläum der ersten Missionsreise von Apostel Angar

Erinnert wird an den ersten Hamburger Bischof Ansgar (801–865), der am 3. Februar 865 starb. Zum 1200. Jubiläum seiner ersten Missionsreise haben die Nordkirche und das Erzbistum gemeinsam mit den beiden christlichen Kirchen in Dänemark zahlreiche Veranstaltungen organisiert, unter anderem einem gemeinsamen Pilgerweg, einen Theologischen Studientag. Auch ein Themenheft der „Evangelischen Stimmen“ zu Ansgar wird im März erscheinen. Informationen: www.ansgar2026.de

Ökumenebeautragte: „Uns verbindet mehr, als uns trennt“

„Aus dem Gebetschatz des Ansgar, „Pigmenta“, beten wir gemeinsam den Satz, der dieses Jahr wie ein Motto über der 60. Vesper steht: „Lass uns einträchtig verbunden sein.“ Als Christen und Christinnen verbindet uns so viel mehr als uns trennt“, erläutert die Ökumenebeauftragte der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland, Pastorin Annette Reimers-Avenarius, die als Geschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Hamburg e.V. die Vesper organisiert.

Hintergrund: Wer war Apostel Ansgar?

Der heilige Ansgar gilt als Apostel des Nordens. Er wurde  801 in Nordfrankreich geboren. 834 entsandte ihn Kaiser Ludwig der Fromme als Missionsbischof nach Hammaburg, dem kleinen Handelsplatz an der Elbe, wo er eine erste hölzerne Kirche errichtete, ihre Reste vermuten Archäologen unter dem Chorbereich der heutigen Hauptkirche St. Petri. Ansgar wurde Missionar in Norddeutschland und Skandinavien, später auch Erzbischof von Hamburg. Am 3. Februar 865 starb er in Bremen. 

Im Mittelalter wurde Ansgar in Hamburg sehr verehrt, auch nach der Reformation in der Stadt im Jahr 1529. Darstellungen Ansgars finden sich unter anderem im Rathaus, in der Hauptkirche St. Petri und an der Trostbrücke. Reliquien befinden sich im St. Marien-Dom und in der katholischen St. Ansgar-Kirche, dem „Kleinen Michel“. Der Heilige Ansgar ist Patron des Erzbistums Hamburg und von Skandinavien, sein Bild findet sich auch im Siegel der evangelischen Bischöfin im Sprengel Hamburg und Lübeck. Evangelische wie katholische Kirchengemeinden tragen seinen Namen.

Hintergrund: Was ist eine Vesper?

Die liturgische Form der Vesper ist mit geringen Unterschieden in fast allen großen Konfessionsfamilien bekannt. Sie geht auf die vor mehr als 1500 Jahren vom hl. Benedict von Nursia geschaffene Vesper-Liturgie zurück und wird bis heute gefeiert. Es ist ein Gebetsgottesdienst, in dem Psalmen und Hymnen erklingen und zumindest einer der Hochgesänge aus dem Lukasevangelium (Magnificat –Lobgesang Mariens, Lk 1, 46–55 oder Nunc dimittis – Lobgesang des Simeon, Lk 2, 29–32) gesungen wird.

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„Leitende Geistliche verschiedener Konfessionen in Hamburg kommen in jedem Jahr zur ökumenischen Ansgarvesper in der Hauptkirche St. Petri in Hamburg zusammen und gestalten die Feier. Hier von 2024: Domkapitular Wolfgang Weber (Erzbistum Hamburg), Pastor Uwe Onnen (Methodistische Kirche), Bischöfin Kirsten Fehrs (Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland), Erzbischof Stefan Heße (Erzbistum Hamburg), Hauptpastor Alexander Röder (Hauptkirche St. Michaelis), der im vergangenen Jahr verstorbene Erzbischof em. WernerThissen (Erzbistum Hamburg), Hauptpastor Jens-Martin Kruse (Hauptkirche St. Petri). Foto: Nordkirche

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