Hamburg/Breklum, 15. September 2026 (ce) – Mit einem Festgottesdienst, internationalen Gästen und einer kritischen Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte erinnert das Ökumenewerk der Nordkirche am 19. September 2026 an den Beginn der Breklumer Mission vor 150 Jahren.

Direktor Wollmann: „Dankbar und selbstkritisch“
Gemeinsam mit Partnerkirchen aus verschiedenen Ländern sowie leitenden Geistlichen der Nordkirche wird an die Gründung der Schleswig-Holsteinischen Evangelisch-Lutherischen Missionsgesellschaft im Jahr 1876 erinnert. „Wir blicken sowohl mit Freude und Dankbarkeit auf dieses Datum als auch selbstkritisch und zurückhaltend“, sagt Dr. Christian Wollmann, Direktor des Ökumenewerks der Nordkirche. Das Ökumenewerk ist die juristische Nachfolgeorganisation der von Pastor Christian Jensen in Breklum gegründeten Missionsgesellschaft.
Gottesdienst mit Predigtimpulsen aus Norddeutschland und Tansania
Die Jubiläumsveranstaltungen beginnen bereits am 18. September mit der konstituierenden Sitzung der neuen Generalversammlung des Ökumenewerks unter Vorsitz von Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt.
Am darauffolgenden Tag findet in der Breklumer Kirche ein Festgottesdienst statt. Dieser steht unter dem Bibelwort aus Micha 6,8: „Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert: nichts als Recht tun und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.“
Die Predigt gestalten Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt und Bischof Oscar Lema von der East of Lake Victoria Diocese der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Tansania gemeinsam.
Eigene Geschichte im Blick: Auseinandersetzung mit kolonialen Kontinuitäten
Im Anschluss an den Gottesdienst laden mehrere thematische Stationen dazu ein, sich mit kolonialen Strukturen und deren Auswirkungen auseinanderzusetzen.
„Wir müssen ehrlich anerkennen: Auch unsere Vorgängerorganisationen waren Teil einer Geschichte, in der europäische Kirchen häufig über andere sprachen, für andere entschieden und ihre eigenen theologischen, kulturellen und politischen Perspektiven als allgemein gültig betrachteten“, sagt Wollmann.
Das Ökumenewerk sehe sich deshalb in einer doppelten Verantwortung: Einerseits würdige es die gewachsenen internationalen Partnerschaften und das gemeinsame Engagement für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung. Andererseits gelte es, sich mit historischen und gegenwärtigen Ungerechtigkeiten, kolonialen Kontinuitäten und rassistischen Strukturen auseinanderzusetzen.
„Diese Aufarbeitung ist nicht abgeschlossen. Sie bleibt eine dauerhafte Aufgabe“, betont Wollmann.
Internationale Gäste aus Partnerkirchen
Beim anschließenden Empfang sprechen Bischöfin Nora Steen aus dem Sprengel Schleswig und Holstein sowie Bischof Tilman Jeremias aus dem Sprengel Mecklenburg und Pommern.
Zu den internationalen Gästen zählen unter anderem Bischof Dr. Daniel Moro und Generalsekretärin Elizabeth Msangi aus der Mwanga-Diözese der Lutherischen Kirche in Tansania. Erwartet werden zudem Bischof Marko Tiitus von der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Estland sowie Bischof Rostislav Nowgorodow aus der Evangelisch-Lutherischen Kirche in der Republik Kasachstan.
Vertreterinnen und Vertreter weiterer Partnerkirchen aus den Niederlanden, Südafrika, Papua-Neuguinea und Indien werden ebenfalls an den Jubiläumsveranstaltungen teilnehmen.
Klimagerechtigkeit als gemeinsames Thema
Bereits im Vorfeld des Jubiläums findet im Sprengel Mecklenburg und Pommern eine internationale Konsultation zur Klimagerechtigkeit statt. Gemeinsam mit Gästen aus elf Partnerkirchen beraten Mitarbeitende des Ökumenewerks und ökumenisch Engagierte über gemeinsame Herausforderungen und Handlungsmöglichkeiten angesichts der globalen Klimakrise.
Hintergrund: Von der Breklumer Mission zum Ökumenewerk der Nordkirche
Die Schleswig-Holsteinische Evangelisch-Lutherische Missionsgesellschaft wurde 1876 von Pastor Christian Jensen im nordfriesischen Breklum gegründet. In den folgenden Jahren entsandte sie Missionare nach Ostafrika, Indien und China. Besonders enge Beziehungen entwickelten sich nach Tansania. Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Tansania zählt heute zu den größten lutherischen Kirchen weltweit. Partnerschaften zwischen Gemeinden, Kirchenkreisen und der Nordkirche bestehen bis heute.
1971 wurde die Missionsgesellschaft in ein selbstständiges Werk der Nordelbischen Kirche überführt und als Nordelbisches Missionszentrum (NMZ) weitergeführt. Nach der Gründung der Nordkirche entstand daraus das „Zentrum für Mission und Ökumene – Nordkirche weltweit“, in dem die ökumenischen Beziehungen der drei Gründungskirchen gebündelt wurden.
Am 26. Januar 2024 wurde das Zentrum für Mission und Ökumene mit den ökumenischen Diensten und Werken des Hauptbereiches Mission und Ökumene der Nordkirche fusioniert und in „Ökumenewerk der Nordkirche“ umbenannt.
Hier ein Überblick über die internationalen Beziehungen der Nordkirche
Hinweis für Medien:
Sie sind herzlich zur Berichterstattung eingeladen:
- 13.15 Uhr: Beginn des Gottesdienstes in der Breklumer Kirche
- 16.15 Empfang im Festsaal des Christian Jensen Kollegs, Breklum