
Die Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexico hat begonnen. Tausende Menschen weltweit fiebern einerseits mit ihren Mannschaften, andererseits gibt es auch viel Kritik an der Kommerzialisierung dieses Sports und den politischen Verhältnissen in einem der Gastgeberländer unter Donald Trump. Das Ökumenewerk pflegt Beziehungen zu Kirchen und Gemeinden in den USA. Mehr erfahren Sie hier.
Es gibt vier, fünf Gemeindepartnerschaften, vor allem in Mecklenburg zur Southern Ohio Synod der ELCA, der eher liberalen lutherische Kirche in den USA und die Partnerschaft des Kirchenkreises Pommern mit der United Church of Christ, einer unierten Kirche. Das zentrale Büro der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Amerika befindet sich in Chicago. In der Nähe dieser Metropole liegt zufälligerweise das Quartier der deutschen Nationalmannschaft.
Jörn Möller, Nordamerika-Referent, beantwortet ein paar Fragen zur lutherischen Kirche in Amerika:

Worin unterscheiden sich amerikanische Gemeinden von den deutschen?
Die Gemeinden sind wesentlich stärker auf ehrenamtliches Engagement angewiesen und die Kirchen haben eine ganz flache Struktur. Die Süd-Ohio-Synode, zu der wir Verbindungen haben, hat rund 56.000 Mitglieder in 180 Gemeinden, aber nur 11 Hauptamtliche inklusive Bischöfin Suzanne D. Dillahunt für den gesamten Bereich der zentralen Verwaltung und Dienste und Werke.
In den USA gibt es keine Kirchensteuer, das ist ein riesiger Unterschied! Eine Gemeinde braucht ungefähr 70 Familien, um finanziell überlebensfähig zu sein und ein Gebäude und eine Pastorin oder einen Pastor zu unterhalten. Theoretisch soll eine Familie den sogenannten Zehnten zahlen – zehn Prozent des Bruttogehalts. Das ist nicht realistisch, insbesondere bei den derzeitigen Preisen in den USA, aber die Orientierung.
Das bedeutet praktisch: Wenn sich Gemeinden oder Pastor*innen zu politisch äußern, sagen drei, vier oder fünf Familien: ‚Danke, Ich suche mir eine andere Gemeinde, die mir besser entspricht.‘ Die meisten Gemeinden in den USA sind nämlich politisch gemischt: Es gibt Trumpanhänger und Nicht-Trumpanhänger, Wähler der Demokraten und Republikaner.
Inwieweit können US-amerikanische Gemeinden Vorbild für deutsche sein?
Ich kann mich an eine Gemeinde in Columbus, Ohio, erinnern, die ein gigantisches ehrenamtliches Engagement hat. Dort steht beispielsweise jemand von einem Team an der Tür und begrüßt neue Menschen, die kommen. Sie werden sofort herzlich aufgenommen, integriert, und bekommen gesagt, wie der Gottesdienst läuft. Man ist immer auch auf der Suche ist nach neuen Menschen. Das hat mich beeindruckt. Andere Ehrenamtliche schmücken die Kirche oder pflegen den Garten, damit die Kirche am Sonntag präsentabel ist.
Welche Rolle spielt im Austausch zwischen Nordkirche, Ohio und Michigan die Politik?
Alle sind sehr vorsichtig. Ich glaube, richtiger politischer Austausch passiert nur auf einer Vertrauensebene, wenn man sich gut kennt. Ich weiß von den Gruppen, die zuletzt in den USA waren, dass sie aus Angst vor den verschärften Einreisebestimmungen ein bisschen vorsichtig waren. Es hat aber keine Schwierigkeiten gegeben.
Wenn man erst vor Ort ist, dann sind alle total herzlich und gastfreundlich. Die Menschen in den Gemeinden oder die Gemeinden können ja nichts für ihre Regierung.
Ein ausführliches Gespräch zum Start der Fußball-WM führte Jörn Möller mit der Evangelischen Zeitung, siehe hier.