
12. Mai 2026 (ce) – Ein friedliches und gerechtes Europa: Dieses Ziel teilen die Nordkirche und ihre Partner in der anglikanischen Kirche von England. Gerade in der weltpolitisch herausfordernden Zeit, haben Kirchen hier einen wichtigen Auftrag und schon nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs gezeigt, dass Aussöhnung möglich ist. „Versöhnung ist ein Thema, dass uns immer noch auf unterschiedlichen Ebenen in unserer Partnerschaft begleitet,“ betont die Europareferentin des Ökumenewerks der Nordkirche, Zanda Ohff, zum Abschluss des Besuchs.
„Das Evangelium überwindet Grenzen und Spaltungen“
„Gemeinsam auf Kurs“ lautet das Motto der diesjährigen Europawochen. Sie erinnern mit Feierlichkeiten und Veranstaltungen in zahlreichen Ländern an die Gründung des Europarats vor fast 80 Jahren. „Es war für mich sehr bewegend, den Abend des 8. Mai mit unseren Partner*innen aus England zu begehen“, sagt Zanda Ohff. Am 8. Mai endete der Zweite Weltkrieg und unter anderem die Einigung Europas brachte Jahrzehnte des Friedens.
Im gemeinsamen Gottesdienst wurde des Zweiten Weltkriegs gedacht und für den Frieden in Europa weltweit gebetet. In ihrer Predigt erinnerte Diane Ryan, Pastorin der Diözese Durham, eindrücklich daran, auf welcher Grundlage wir an der Versöhnung arbeiten oder die Partnerschaft zwischen unseren Kirchen gestalten:

„Es ist ein großer Segen, hier gemeinsam im Namen Jesu Christi versammelt zu sein, verbunden durch unseren gemeinsamen Glauben an ihn. Unsere Einheit ist in Christus. Noch bevor wir irgendwelche Pläne schmieden oder Strukturen schaffen, sind wir bereits eins in ihm. Alles, was wir tun, trägt dazu bei, diese Einheit, die wir bereits teilen, noch besser zu verwirklichen und diese Wahrheit noch tiefer zu erkennen.“
Beim Begegnungsabend im Ökumenewerk der Nordkirche teilten alle Gäste ihre Gedanken zum 8. Mai den Versammelten. „Wir können uns freuen, dass wir in unseren beiden Ländern schon so lange in Frieden leben können,“ sagte Dr. Henry Hope, Pastor der Diözese Lichfield, und betonte zugleich die Notwendigkeit, sich gemeinsam für Frieden und Freiheit weltweit einzusetzen. „Heute gibt es Kriege in Europa und an seinen Grenzen. Wir können jetzt nicht einfach feiern, wir müssen etwas tun, damit auch diese Kriege aufhören.“
Gemeinsame Werte verbinden
Zu Gast waren Pastorin Diane Ryan (Diözese Durham), Pastor Duncan Goldthorpe (Diözese Ely) und Pastor Dr. Henry Hope (Diözese Lichfield). Zum ersten Mal traf sich das Ökumenewerk der Nordkirche mit Vertreter*innen aller drei Partnerdiözesen, um gemeinsam darüber zu beraten, wie eine engere und wirkungsorientierte Zusammenarbeit umgesetzt werden kann. „Wir wollen gemeinsam an unseren Werten und Grundüberzeugungen festhalten. Dazu gehören Menschenrechte, eine antirassistische Haltung, der Einsatz für eine liberale Demokratie, Friedensbildung und die Förderung von Inklusion“, berichtet Zanda Ohff. Diese Werte würden sowohl in den eigenen Gesellschaften als auch in der internationalen Politik nicht immer geteilt. Um sie den Menschen nahezubringen, brauche es konkrete Maßnahmen, die positive Erfahrungen ermöglichen sowie Menschen, die diese Werte leben und sich in Wort und Tat für sie einsetzen. „Der gegenseitige Austausch und die Begegnungen helfen uns, zu wachsen – jede und jeder für ihre und seine Aufgaben, aber auch wir gemeinsam als Gemeinschaft der Christ*innen. Zusammenwachsen als Partner*innen im Dienst – das ist der Kern unserer Partnerschaft“, betonte Duncan Goldthorpe.
Voneinander zu wissen und voneinander zu lernen sei heute wichtiger denn je. Beide Kirchen stehen vor ähnlichen Herausforderungen, sei es die Transformation der kirchlichen Strukturen für eine zukunftsfähige Kirche oder die Klimakrise und vieles mehr. Zum Umgang mit der Klimakrise zum Beispiel habe sich in den vergangenen Jahren ein intensiver Austausch entwickelt, denn auch die Kirche von England strebt Treibhausgasneutralität an.
Kirchliches Leben teilen in Ordinations- und Gemeindegottesdiensten
Für die Menschen, die sich in der Partnerschaft engagieren, seien die gemeinsamen Gottesdienste eine Stärkung. „Es ist eine langjährige Tradition, dass Vertreter*innen unserer Kirchen die Ordinationsgottesdiensten der jeweiligen Partnerkirche besuchen und sich mit einem Grußwort oder einer biblischen Lesung beteiligen,“ erzählt die Europareferentin.
So wirkten die Geistlichen aus England auch bei ihrem aktuellen Besuch sowohl in Schleswig (hier mehr erfahren…) als auch im Hamburg (hier mehr erfahren…) an den Gottesdiensten mit, bei denen neue Pastor*innen für ihren Dienst eingesegnet wurden.
Auch an zwei Hamburger Kirchen predigten die Pastor*innen: Duncan Golthorpe an St. Johannis Eppendorf und Henry Hope an St. Johannis Harvestehude. Das Ziel der Europareferentin ist, die Verbindung zwischen der Nordkirche und ihren Partnerkirchen für jede*n möglichst sichtbar und erlebbar zu gestalten. „Auch die Ortsgemeinden sollen teilhaben an der Partnerschaft,“ sagt Zanda Ohff. „Ich bin den beiden Gemeinden sehr dankbar, dass sie unsere Gäste aufgenommen haben und hoffe, dass sie mit neuen Impulsen für ihren Glauben belohnt wurden.“
Die spirituelle und geistliche Verbundenheit bildet die Grundlage der Partnerschaft. Seit November letzten Jahres hat sich ein monatliches Onlinetreffen „Prayer and Share“ etabliert, bei dem die Teilnehmenden aus der Nordkirche und ihren drei Partnerdiözesen in England zusammenkommen, sich über ihren Alltag und über eine Bibelstelle austauschen und gemeinsam beten – jede*r in der bevorzugten Sprache. „Ganz gleich welche Sprache wir sprechen, es wird immer jemand dabei sein, der oder die dich versteht. Und auch ohne genaues Verstehen wird eine Verbundenheit entstehen, weil du deine Erfahrungen und Gedanken geteilt hast,“ ermutigt Duncan Goldthorpe zur Teilnahme.
Eine Übersicht über die in diesem Jahr anstehenden gemeinsamen Veranstaltungen finden Sie hier.
„Auch über die Europawochen hinaus ist es für unser Zusammenleben in Europa wichtig, gemeinsam zu beten und zu arbeiten,“ sagt Zanda Ohff, „denn gemeinsame Gebete verbinden. Sie schaffen Mut und bringen Hoffnung.“