
Freiwilligenprogramm weltwärts: Süd Nord – Nord Süd
Zunehmend mehr Bedeutung bekommt der Kontinent Lateinamerika für das Austauschprogramm weltwärts/Nord-Süd. Basis dafür ist die gute Zusammenarbeit mit den Partnern vor Ort (Iglesia Evangélica do Rio de la Plata und die Igreja Evangélica de Confissão Luterana no Brasil), dem Freiwilligenreferat im Ökumenewerk sowie dem Lateinamerikareferat. Im Unterschied zu vielen anderen Partnerländern des Ökumenewerkes ist die politische Situation in Lateinamerika relativ stabil und die Bereitschaft, Freiwillige christlicher Entsendeorganisationen aufzunehmen, vorhanden. Im aktuellen Freiwilligenjahrgang 2025/26 sind tatsächlich 20 der 25 der entsandten Freiwilligen des Ökumenewerkes in Einsatzstellen in Lateinamerika (Argentinien, Paraguay, Uruguay, Brasilien) eingesetzt – zu erwähnen ist noch, dass es erstmals eine Einsatzstelle in der Seemannsmission in Santos / Brasilien gibt, dem größten Hafen Südamerikas (siehe unten).

In La Casona, einem Jugend- und Gemeindezentrum im Süden von Buenos Aires, gibt es für Kinder und Jugendliche und Frauen aus dem Viertel viele Workshop Angebote wie Sport, Film, Garten und Bäckerei. Die Kinder und Jugendlichen gehen freiwillig und gerne dorthin, dort arbeitet Pastorin Paula Fogel und mit ihr engagierte Frauen aus dem Viertel, die in der Backstube mit Brot backen und im Garten Gemüse anpflanzen. Ein aktuelles Projekt nennt sich „Das Evangelium am Tisch teilen“ und verbindet die praktische Arbeit im Garten mit der Theologie. Später werden die geernteten Lebensmittel gemeinsam verkostet. Die Gartenpflege ist ein Projekt von Müttern und Kindern. Die Freiwilligen dort unterstützen beim Backen und Teig zubereiten, sie verteilen Getränke und Brot, sie spielen und basteln mit den Kindern.

In der Callescuela in Paraguay bekommen Kinder Spiel, Spaß und schulische Begleitung. Auch Kinder haben Rechte und das lernen sie in der Callescuela. Die Freiwilligen unterstützen wo möglich und nötig – beim Spiel in der Kita, bei der Hausaufgabenbetreuung und in der Vorbereitung der politischen Arbeit. Die politischen Gruppen sind ein wichtiger Zweig der Callescuela. Die Kinder und Jugendlichen, die an diesen Gruppen teilnehmen, sind Teil der CONNAT‘S (Coordinación nacional de niños, niñas y adolescentes trabajadores). Die CONNAT‘S ist eine Organisation von arbeitenden Kindern und Jugendlichen aus Paraguay, die sich für die Rechte dieser einsetzt. Dort geht es um Themen wie Partizipation, Grundrechte, Sicherheit oder soziale Gerechtigkeit.

Musik als Weg zur ganzheitlichen Entwicklung: Bei Dorcas geht es um mehr als Musik. Sie weckt Gefühle, regt die Kreativität an und hilft, die eigene Stimme zu entdecken. Im Musikprojekt Dorcas entdeckt jeder Schüler, jede Schülerin, dass Musik mehr ist als nur eine Aneinanderreihung von Tönen. Sie ist Atmung, Rhythmus, und Ausdruck. Hinter jeder Note verbirgt sich eine Geschichte, und hier lernen sie, die Protagonisten dieser Geschichte zu sein.
Das Projekt Dorcas ist eine gemeinnützige Organisation, die sich seit 1995 sozial benachteiligten Kindern, Jugendlichen und Frauen widmet. Das Projekt bietet Bildung, Musik, Kunst, Sport und andere Aktivitäten an und ist darauf ausgerichtet, Hoffnung und Perspektiven für die Gemeinschaft zu schaffen.
Seit vielen Jahren empfängt die Seemannsmission an unterschiedlichen Standorten der Nordkirche Freiwillige aus dem Globalen Süden – nun gibt es erstmals einen Nord-Süd-Freiwilligen in der Seemannsmission in Santos, dem größten Hafen Südamerikas. Zu seinen Tätigkeiten gehören Board-Besuche sowie die Begleitung der Seeleute an Land. Das Team in Santos, bestehend aus Kathrin Grund und Pastor Felipe Schütz Bennert, freut sich über den Zuwachs.

Hier erste Eindrücke von George: „Die Bordbesuche sind jedes Mal anders, da man nie weiß, in was für einer Situation man die Crew gerade besucht, manchmal hat auch einfach niemand an Bord Zeit und wir können nur Informationsmaterial abgeben. Meistens aber wird man hereingebeten und die Seeleute freuen sich, uns zu sehen. Die Atmosphäre an Bord ist meistens eher etwas angespannt und professionell, da die Seeleute während der Liegezeit besonders viel zu tun haben, aber im Laufe eines Gesprächs lockert sich oft die Stimmung. Ich nehme den Kontakt mit den Seeleuten als sehr positiv wahr, da er meistens auf Augenhöhe stattfindet, wie eine Art Geben und Nehmen. Man merkt, dass die Seeleute dankbar für die Arbeit sind und uns gerne als Gäste haben, sodass wir oft ein Getränk und manchmal sogar Essen angeboten bekommen.“
Im Jahr 2020 wurde das Projekt „Crece Selva Misionera” – „Wachse missionarischer Wald“ im Norden Argentiniens in der Provinz Misiones ins Leben gerufen, eine Aktion, die die Wiederaufforstung von mehr als 300 Hektar mit einheimischen Bäumen begleiten soll. Mehr als 180.000 Pflanzen in 25 Gemeinden sollten gepflanzt werden, um die Auswirkungen der Klimakrise abzuschwächen. Daraus wurden mehr als 350.000 einheimische Bäume in verschiedenen Gebieten von Misiones. Romario Dohmann, der das Projekt koordiniert, erklärte: „Wir sind alle sehr hoffnungsvoll, was diesen ersten Schritt angeht, und freuen uns darauf, dass sich dies nicht nur in konkreten Maßnahmen niederschlägt, sondern auch in einem Bewusstsein für die Pflege und den Schutz unserer Wälder, Bäche und Flüsse“, sagte er.

Fundación Alberto Roth – Teil der “Crece Selva Misionera”
Am 8. Oktober 2025 fand der 5. Jahrestag zum Schutz des Bodens in Misiones statt, dieser wurde als Gesetz verabschiedet, um an diesem Tag dazu aufzurufen, über die Bedeutung des Schutzes und der Wertschätzung des Bodens als Grundlage für Leben und nachhaltige Entwicklung nachzudenken.
Die Stiftung Alberto Roth ist eine gemeinnützige Organisation, die am 11. Juli 2005 von Familienangehörigen und Nachkommen von Alberto Roth, einem visionären Schweizer Ökologen, gegründet wurde. Roth widmete sein Leben dem Bodenschutz und dem Schutz der Artenvielfalt in der Provinz Misiones. Heute fungiert die Stiftung als Hüterin des materiellen und geistigen Erbes ihres Inspirators.
Die ehemalige Farm von Alberto Roth, zu der das Wohnhaus, die Wanderwege, die Bibliothek und die erste mechanische Mühle für Bio-Yerba gehören, wurde vom Repräsentantenhaus durch den Gesetzentwurf zum historischen, kulturellen, ökologischen und touristischen Kulturgut der Provinz Misiones erklärt.
Claudia Hug, Lateinamerika-Referentin des Ökumenewerks der Nordkirche
