Studierenden-Teamwork: Bibelgarten in Kenia trotzt Extremwetter

Bibelgarten der Lutherischen Kirche in Kenia in Voi. Von Studierenden gestaltete Luther-Rose im Zentrum des Geländes. Fotos: Silke Leng

Hamburg/Voi – 11. Dezember 2025 (ce) In der Bibelschule der Lutherischen Kirche von Kenia blüht jetzt ein Garten. Studierende und Dozent*innen haben dafür rund zwei Jahre lang gemeinsam recherchiert, geplant, gepflanzt und gemauert.

Eingang zum Bibelgarten in Voi, Kenia.

Ein Fundament für eine Regentonne gießen, Saaten sammeln, Setzlinge anzüchten, Bäume pflanzen, Bänke mauern und PET-Flaschen anmalen: „Projektmanagement und Farming“ lautete das Unterrichtsfach in der Lutherischen Bibelschule in Voi im Süden Kenias für alle diese Tätigkeiten. „Anfangs war keiner motiviert hier etwas anzupflanzen“, erinnert sich Silke Leng. Die Diakonin aus dem Kirchenkreis Altholstein arbeitet seit dem Frühjahr 2023 im Auftrag des Ökumenewerks hier, denn die Lutherische Kirche Kenias ist eine Partnerkirche der Nordkirche.

Doch nun, zwei Jahre später, blühen hier Tagetes und Fleißige Lieschen, spenden Mango- und Orangenbäume Schatten, gibt es Steinbänke zum Ausruhen und Genießen. Wasser zur Bewässerung kommt aus eigenen Regentonnen, eine farbenfrohe Luther-Rose zeigt: Hier tun lutherische Christ*innen etwas zur Bewahrung der Schöpfung.

Fakten zum Bibelgarten auf einen Blick
  • Größe des Geländes: 1 Hektar, die Bibelschule insgesamt hat 4 Hektar
  • Gepflanzte Bäume: 30, plus weitere 20 zum Teil bereits vorhandene Obstbäume
  • Lokale Busch-Pflanzen wurden integriert
  • Gepflanzte Blumen: 50 Fleißige Lieschen, 50 Tagetes, 2 Bougainvillea, 50 Mothertongue, und weitere 40 sonnenresistente Blüher

Eine Regentonne sorgte fürs Umdenken

Die Voraussetzungen für das Gelingen waren alles andere als einfach: Ganzjährig ist es trocken und heiß, in manchen Monaten bis zu 36 Grad. Wenn es regnet, dann viel und heftig. Und vor Projektstart hatte es vier Jahre gar nicht geregnet. Vorgesehen war im Fach „Projektmanagement und Farming“ zunächst eine Doppelstunde – nachmittags, wenn es am heißesten ist. Und: Ein Garten braucht Zeit, um sich zu entwickeln. Ein Jahrgang Studierender wird in diesem einen Jahr das Vorhaben nicht beenden können.

Beim Pet-Flaschen bemalen.

„Es gab eine kleine Beobachtung, die vieles verändert hat“, berichtet Silke Leng. „Ich hatte ein paar kleine Regentonnen angeschafft, die 200 Liter auffangen können. Als ein starkes Gewitter runterkam, waren die binnen fünf Minuten gefüllt.“ Bei der Leitung der Bibelschule setzte daraufhin ein Umdenken ein. Sollte es doch – trotz zunehmender Trockenheit durch die Klimakrise – möglich sein, etwas anzupflanzen und zu ernten? Ist es möglich, dass das herabstürzende Regenwasser nicht nur für Überschwemmungen und Erosionen sorgt, sondern langfristig zur Bewässerung dienen kann?

Gemeinsamer Lernprozess und Teamwork

Es kamen dann Ideen und Begeisterung auf. Der erste Jahrgang war noch damit beschäftigt, zu recherchieren, Planungen für die Gestaltung zu entwickeln und ein Budget zu erstellen. Doch als dann ein Förderantrag bei der BINGO! Lotterie erfolgreich war, konnten die nächsten Studierenden loslegen. Sie montierten Regenrinnen und eine Tonne, die 3000 Liter fasst. Nach einer sehnsüchtig erwarteten Regenzeit lief sie bereits voll. Dann mussten Land urbar gemacht, Buschwerk abgetragen, Wege geplant und neue Pflanzen angebaut werden. „Das waren alles Tätigkeiten, die die Studentinnen und Studenten noch nie gemacht haben. Doch wir sind ein tolles Team geworden und haben gemeinsam enorm viel gelernt“, sagt Silke Leng.

Beschriftung der Schilder.

Luther-Rose und Bibelverse

Eine Herausforderung war es auch, die geplante Luther-Rose im Zentrum des Geländes zu gestalten. Von blühenden Blumen musste das Team schnell Abstand nehmen, denn die halten der Hitze und brennenden Sonne nicht stand. Also wurde entschieden, nur das Herz der Rose mit resistenten Pflanzen zu bestücken und das restliche Motiv zu malen und gepflasterte Gehwege mit angestrichenen Plastikflaschen zu füllen.

Mittlerweile steht auf dem Gelände eine weitere große Regentonne, neue Regenrinnen wurden montiert, Informationstafeln, ein schmiedeeisernes Tor und steinerne Bänke aufgestellt. Wege unter dem Motto von Bibelversen führen durch den noch wachsenden Wald. Jeder neue Jahrgang ist nun für die Pflege und den weiteren Ausbau des Bibelgartens verantwortlich. „Das klappt richtig gut“, beobachtet Silke Leng. Und sie erinnert sich an James, einen ihrer Studenten, der sagte: „Jetzt kann ich so ein Projekt für meine eigene Gemeinde zu Hause umsetzen! Jede Kirche sollte eine Luther-Rose haben.“

Vergleichbare Projekte in anderen Ländern finden Sie bei der Infostelle Klimagerechtigkeit, siehe hier.