Solarenergie im Nordirak: Innovative Energieversorgung bringt Hoffnung und Unabhängigkeit

Installation der Solarenergie-Anlage auf dem Hauptgebäude der Hilfsorganisation CAPNI im Nordirak. Fotos: CAPNI

Die neue Solaranlage der christlichen Hilfsorganisation CAPNI im Nordirak zeigt, wie die Nutzung von erneuerbaren Energien die Region verändert – und zum Vorbild für andere wird. CAPNI ist eine Partnerorganisation des Ökumenewerks.

Hamburg/Dohuk, 16. April 2026 (ce)

Ein Meilenstein für Nachhaltigkeit und Unabhängigkeit

Auf dem Dach des Hauptgebäudes von CAPNI (Christian Aid Program Northern Iraq) in Dohuk im Nordirak glänzen nicht nur Solarpaneele, sondern auch die Zukunft: Eine 40-Kilowatt-Solaranlage in Kombination mit einem 180-kWh-Batteriespeicher versorgt die Organisation seitdem mit sauberer Energie. Ein Leuchtturmprojekt, das nicht nur die Betriebskosten senkt, sondern auch ein Signal für die gesamte Region setzt.

Stromnetz durch Krieg zerstört – großes Interesse an Anlage in der Region

„Solarenergie ist eine neue Methode der Energieversorgung nicht nur im Bezirk Dohuk, sondern im gesamten Irak“, berichtet Archimandrit Emanuel Youkhana, Leiter von CAPNI. Bislang gebe es vor allem kleinere Anlagen für die Häuser von Familien. Aber dank einer breiten Öffentlichkeitsarbeit sei das Interesse weiterer Einrichtungen derzeit groß.

Fachwissen über die Nutzung von Solarenergie kann nun an weitere Interessierte weitergegeben werden.

Das ganze Land ist stark von fossilen Brennstoffen abhängig, da sie bislang billig waren. Da Strom unzuverlässig von staatlichen Energieversorgern bereitgestellt wird, nutzen viele Menschen zusätzlich Generatoren. „Die Menschen merken jetzt, dass Solarenergie billiger und sicherer ist“, sagt Youkhana. Und durch den aktuellen Krieg ist die Stromversorgung noch unzuverlässiger geworden, ein weiterer Grund auf Solarenergie zu setzen.

Auf dem Hauptgebäude von CAPNI konnte unmittelbar nach der Inbetriebnahme der Solaranlage im Februar 2025 der Anschluss an den lokalen Dieselgenerator gekappt werden. Der eigene Generator bleibt nur noch für absolute Notfälle reserviert. 1.000 Liter Diesel wurden so bereits eingespart.

Technische Innovation mit Vorbildcharakter

Entwickelt wurde das Konzept in enger Zusammenarbeit mit Rebwar Omer Mohammed, Experte für erneuerbare Energien und Dozent an der Universität Sulaimaniyya. Finanzielle Unterstützung kam von der Evangelischen Kirche in Württemberg, der Reformierten Kirche der Schweiz, dem Ökumenewerk der Nordkirche und der BINGO! Umweltlotterie.

Ashur Jan (li.) mit Tobias Pfeifer, der das Projekt 2025 besuchte.

„Die Solaranlage deckt nun 90 % unseres Energiebedarfs“, erklärt Ashur Jan, Projektverantwortlicher bei CAPNI. „Sie sorgt für eine stabile Stromversorgung, speist überschüssige Energie ins Netz zurück und reduziert unsere Betriebskosten drastisch.“ Eine spezielle App ermöglicht es, die Leistung der Anlage und den Batteriestand in Echtzeit zu überwachen. Zudem wurden Jalousien installiert, um den Energieverbrauch der Klimaanlagen zu senken.

Ein Modell für die Zukunft

Der Irak gehört zu den fünf am stärksten vom Klimawandel betroffenen Ländern. Steigende Temperaturen, Dürren, Sandstürme und Wasserknappheit prägen den Alltag. Gleichzeitig basiert die Energieversorgung fast ausschließlich auf fossilen Brennstoffen – mit verheerenden Folgen für Umwelt und Gesundheit.

„Unser Solarprojekt ist mehr als nur eine technische Lösung“, betont Archimandrit Emanuel Youkhana. „Es ist ein Aufruf an andere NGOs und Institutionen, erneuerbare Energien auszubauen und den Klimawandel aktiv zu bekämpfen.“

Bildung als Schlüssel zum Wandel

Auch CAPNI baut Programme zum Umgang mit der Klimakrise aus: „Wir bieten Solarenergie-Workshops an, die sowohl theoretisches als auch praktisches Wissen vermitteln“, berichtet Youkhana. Vor allem in ländlichen Regionen sei das wichtig. „Es ist unsere Vision, ein Fachinstitut aufzubauen, denn Installation und Wartung von Solaranlagen werden zu einem wichtigen Wirtschaftszweig. Vor allem auch junge Menschen haben großes Interesse, sich hier weiterzubilden.“ Im Rahmen des Projektes wurden bereits Workshops mit Schüler:innen aus 12 Schulen durchgeführt. Zudem ist ein Video über das Projekt entstanden, dass im Rahmen der weiteren Bildungsarbeit genutzt wird

Hintergrund: Hoffnung in schwierigen Zeiten

Die Anlage wurde mit Fachpersonal vor Ort realisiert, hier letzte Arbeiten zur Inbetriebnahme.

Seit der Invasion des „Islamischen Staates“ (IS) unterstützt CAPNI christliche und ezidische Binnenflüchtlinge. Mit Projekten in den Bereichen Existenzgründung, Wiederaufbau, Landwirtschaft, Bildung und Gesundheitsversorgung stärkt die Organisation die Zivilgesellschaft und bewahrt die religiöse und ethnische Vielfalt der Region.

„To Keep the Hope Alive“ – das Motto von CAPNI ist Programm. In einer von wirtschaftlicher Not, Korruption und politischer Instabilität geprägten Region zeigt das Solarprojekt, dass Innovation und Nachhaltigkeit Hoffnung geben können.

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