
Tod, Leid und Zerstörung haben nicht die größte Macht. Ein Neuanfang, Hoffnung auf neues Leben, auf Gottes Beistand und Liebe sind auch in dunklen Zeiten möglich. Diese biblischen Visionen durchziehen das Alte und das Neue Testament. Vor allem in der Karwoche und bei der Freude über die Feier der Osterbotschaft sind sie ein zentrales Symbol. In diesem Jahr feiern Jüdinnen und Juden zeitgleich Pessach, auch dieses Fest erinnert an die Zerbrechlichkeit des Lebens und die Befreiung aus Sklaverei.
Hamburg, 1. April 2026 – Ostern feiern Christ*innen weltweit die Hoffnung – trotz allem in der Welt um uns herum: Trotz Krieg, Gewalt, Tod und Zerstörung, nicht nur im Mittleren Osten und der Ukraine. Trotz vieler Sorgen um den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft und die Folgen der weltpolitischen Verwerfungen für unser Leben.
Direktor Wollmann: Karfreitag ist nicht das Ende

„Es gibt gerade richtig viel Karfreitag. Mit Leiden und Ungerechtigkeit und Krieg und Tod“, sagt der Direktor des Ökumenewerks, Dr. Christian Wollmann. „Das Leben ist, wie es ist und darauf lassen auch wir im Ökumenewerk uns ein“, betont er.
Doch zugleich sei Christ*innen eben auch die Osterbotschaft zugesprochen: „Nach Karfreitag kommt Ostern: Wir dürfen also darauf vertrauen, dass es immer wieder gut wird. Dass nicht der Tod das letzte Wort hat, sondern das Leben siegen wird“, so Christian Wollmann weiter.
Hoffnung trotz Krieg und Zerstörung
Jede und jeder von uns kann Teil dieser Hoffnung sein, daran erinnert Tobias Pfeifer, Referent für den Mittleren Osten und Beauftragter für den Christlich-Jüdischen Dialog. Die Lage, in der die Menschen aktuell im Nahen und Mittleren Osten ihren Alltag bewältigen müssen, sei katastrophal und bedrückend. Doch auch hier werden die christlichen Kirchen Ostern und Jüdinnen und Juden Pessach feiern. Tobias Pfeifer sagt. „Beide Feste erzählen auf je eigene Weise: Es ist möglich, neu anzufangen. Es ist möglich, sich nicht von Angst bestimmen zu lassen.“
Pessach – Erinnerung an die Freiheit

Pessach erzählt von einem Aufbruch, erläutert Tobias Pfeifer: Es gehe um den Auszug des Volkes Israel aus der Sklaverei in Ägypten – aus der Enge in die Freiheit, aus Angst in Vertrauen, aus Unterdrückung in neues Leben. Diese biblische Geschichte aus dem 2. Buch Mose wird bis heute in jüdischen Familien jedes Jahr neu erinnert und gefeiert. „Es ist eine lebendige Vergewisserung, dass Gott befreit – und dass Freiheit keine Selbstverständlichkeit ist, sondern bewahrt und gestaltet werden will“, erklärt er.
Sorge in Israel und im Nahen Osten über Gewalt
Diese Geschichte sei alt – und zugleich erschreckend aktuell. „In diesen Wochen nehme ich in vielen Gesprächen wahr, wie sehr die Gewalt in Israel und im Nahen Osten Menschen bewegt, auch hier bei uns: Sorge, Sprachlosigkeit, Trauer – und oft die Frage, wie wir überhaupt noch miteinander im Gespräch bleiben können“, berichtet er. Pessach erinnere daran, dass Befreiung nicht nur ein vergangenes Ereignis ist, sondern eine bleibende Aufgabe: den Weg aus Hass und Abwertung zu suchen, hin zu Würde und Beziehung.
Ostern und Pessach: „Gemeinsam Schritte ins Leben wagen“
„Und vielleicht lässt sich Pessach heute auch so verstehen: als Einladung, selbst Teil solcher Befreiungsbewegungen zu werden“, betont Tobias Pfeifer. Er begegne vielen Menschen, die dies trotz widrigster Bedingungen auch in Israel oder Palästina leben.
Hier finden Sie einige Beispiele für solche gemeinsamen Schritte:

- die Konfiaktion 2026 des Ökumenewerks, die die Hand in Hand Schools in Israel vorstellt
- der Besuch des Bischofs der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Jordanien und im Heiligen Land (ELCJHL), Dr. Imad Moussa Haddad in der Nordkirche
- der Parents Circle und die
- Rabbis for Human Rights.
Dies alles seien gelebte Schritte: kleine „Auszüge“ aus Misstrauen und Gegeneinander, zur Hoffnung, dass Gewalt nicht das letzte Wort haben wird.
Vielleicht liege darin in diesem Jahr eine leise, aber kraftvolle Einladung: einander nicht aus dem Blick zu verlieren, Unterschiede auszuhalten und dennoch füreinander da zu sein. „Freiheit beginnt dort, wo wir den anderen als Menschen sehen – und gemeinsam Schritte ins Leben wagen.“