Klimapartnerschaften-Projekt beendet

CCAP encounter journey January 2026: the tanzanian and german action team members and coordinators

Projekt Klimapartnerschaften nach drei Jahren beendet

Wie die Klimakrise Kirchen in Deutschland und Tansania auf einen gemeinsamen Weg geschickt hat

Hamburg, 02. Mai 2026 (ce) –  Unzählige Telefonate, Schriftstücke, Tabellen mit Finanzen, Berechnungen von Emissionen oder Verbräuchen, digitale Meetings, Treffen von Projektgruppen und auch reale Begegnungen. Nach drei Jahren endete im April das Projekt „Church Climate Action Partnerships“ (CCAP). Joygrace Shoo aus der East of Lake Victoria-Diözese der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Tansania und Fabio Banet aus dem Ökumenewerk der Nordkirche blicken auf Erfolge und Gelerntes der Klimapartnerschaften. Eine gemeinsame Publikation fasst die wichtigsten Erkenntnisse zusammen.

Tansanisch-deutsche Klimapartnerschaften – eine neue Form der Zusammenarbeit

Das Klimapartnerschaften-Projekt, das Joygrace Shoo und Fabio Banet gemeinsam geleitet haben, war in mehrfacher Hinsicht Neuland für eine kirchlichen Partnerschaft: Hier haben sich zwei kirchliche Einrichtungen vor Beginn ihrer Zusammenarbeit über den Zweck, das Ziel und die gleichberechtigte Gestaltung ihrer Beziehung verständigt und dies auch schriftlich festgehalten. Und sie haben sich auf einen zeitlichen Rahmen von drei Jahren und ein gemeinsames Thema geeinigt.

Katharina Davis, Afrikareferentin im Ökumenewerk der Nordkirche mit Oscar Lema, Bishop in der East of Lake Victoria Diocese

Projekt Klimapartnerschaften: Zum Start wurde ein Memorandum unterzeichnet

“Die Idee für dieses Projekt entstand in der Victoria-Diözese auf Gemeindeebene. Wir teilten unser Konzept mit dem Ökumenewerk und vereinbarten, dass uns die Klimakrise in mehrfacher Hinsicht verbindet und wir deswegen nur als gleichberechtigte Partner in diesem Projekt arbeiten können”, erinnert sich Joygrace Shoo. “Das gemeinsame Thema war das Fundament unserer Zusammenarbeit. Das könnte ein Modell für die Zukunft von Partnerschaften sein. Mögliche weitere Themen könnten zum Beispiel Friedensbildung oder Jugendaustausche sein”, sagt Fabio Banet. 

CCAP-Projektkoordinatorin Joygrace Shoo (Mwanza, Tansania)

Ein gemeinsames “Memorandum of Understanding bildete den Auftakt des Projekts. Die Bedingungen der beteiligten Partner in der Nordkirche und in Tansania waren durchaus unterschiedlich. “Unsere Kirche hat einen Klima-Plan für sechs Jahre entwickelt, um einen Umgang mit der Klimakrise zu finden”, erzählt Joygrace Shoo. Das Thema sei also in der ganzen Kirche zwar bekannt, aber meistens würden die konkreten Maßnahmen zentral geplant und sollten dann vor Ort nur noch umgesetzt werden. “In diesem Projekt dagegen gab es von Anfang an einen sehr partizipatorischen Ansatz”, sagt sie. Die Teams vor Ort hätten Maßnahmen entwickelt, die ihren Prioritäten, Bedarfen und Möglichkeiten entsprochen hätten. “Deswegen stärkte das Projekt die Verantwortung vor Ort und führte dazu, dass die Maßnahmen auch wirklich den Realitäten vor Ort entsprachen.”

CCAP konkret: Aufbau von Netzwerken und Wissen vor Ort

Weiter berichtet sie: „Nach ihren Fortbildungen konnten die Mitglieder der Gemeinden selber Fortbildungen leiten und so ihr Wissen an andere Gemeinden, Institutionen und die Kommunen vor Ort weitergeben.“ Hinzu kam, dass so weitere Menschen und auch lokale Politiker, Schulen oder Gemeinden für das Thema gewonnen werden konnten. Zusätzliche Dialog-Veranstaltungen mit der Kommune vor Ort förderten über die Kirche hinaus das Bewusstsein für die Klimakrise und ermutigten andere Akteure, selber Maßnahmen für mehr Klimaschutz umzusetzen. „Wenn Gemeinschaften durch Dialog und Lernen zusammenkommen, wird nicht nur Wissen aufgebaut. Sondern Hoffnung, Verständnis und neue Möglichkeiten mit der Klimakrise umzugehen, entstehen“, erklärt Joygrace Shoo.

Nordkirche: Finanzen und Mitglieder werden geringer

Fabio Banet dagegen erinnert sich an die Schwierigkeit motivierte Gemeinden oder Einrichtungen in der Nordkirche für das Klimapartnerschaften-Projekt zu finden. Zwar hat auch die Nordkirche 2022 ein erstes Klimaschutzgesetz verabschiedet, nach dem die Kirche bis 2040 treibhausgasneutral sein soll und auf vielen Kirchenkreis-Synoden sind entsprechende Pläne ausgearbeitet worden.

Foto: CCAP-Projektkoordinator Fabio Banet (Hamburg, Deutschland)

Doch seien viele Gemeinden aufgrund schrumpfender Finanzen und geringer werdender Mitglieder mit Fusionsprozessen und Umstrukturierungen stark beschäftigt. Die Laufzeit des Projektes von drei Jahren hatte es schließlich den mitmachenden Gemeinden erleichtert. „Ohne die zeitliche Begrenzung hätten einige nicht zugesagt“, erinnert sich Fabio Banet. „Die Laufzeit von drei Jahren hat bei uns gemischte Gefühle ausgelöst“, sagt dagegen Joygrace Shoo. „Partnerschaften sind in unserem Kontext langfristige Beziehungen, dieses Projekt war anders angelegt. Aber dennoch: So konnten wir mehr Ressourcen und Fähigkeiten für eine begrenzte Zeit einbringen.“

CCAP encounter journey January 2026: CCAP-Seminar

Historisch gewachsene Beziehungen waren die Grundlage des Klimapartnerschaften-Projekts

„Das Projekt hat gezeigt, dass jeder Partner wertvolles Wissen hat und Erfahrungen teilen kann“, erläutert Joygrace Shoo. Die historisch gewachsenen Beziehungen, wie es sie zwischen der Lutherischen Kirche in Tansania und dem Ökumenewerk der Nordkirche gebe, seien ein wichtiges Fundament, um auch die Beziehungen zwischen Gemeinden und Gruppen in beiden Ländern zu verändern. Denn: „We are one body in Christ, we are brothers and sisters, called to be one in the Spirit. (…) As brothers and sisters in Christ we need each other. The global crises at the moment are proving all the more how we are all interdependent”, heißt es im “Memorandum of Understanding”.

Foto: gemeinsames Lernen im Rahmen der CCAP-Begegnungsreise im Januar 2026

Reflektion der Kolonialisierung und Ungerechtigkeit

Tansania und Deutschland: Beide Länder und ihre Kirchen verbindet viel. Es gibt eine schmerzhafte Vergangenheit durch Kolonialisierung, weiter bestehende wirtschaftliche Ungerechtigkeiten und noch immer fehlende Reparationen für historische Verbrechen. Deswegen waren Bildung und Reflektion Schlüsselelemente in diesem neuen Partnerschaftsprojekt. Die Seminare beinhalteten Methoden des Globalen Lernens und beleuchteten die Geschichte der Kolonialisierung und ihre Verstrickung in die Missionsgeschichte.

„Diese Seminare waren sehr wichtig und schufen Raum für fruchtbare Diskussionen untereinander“, sagt Fabio Banet. Und dennoch endete dieser Ansatz nicht darin, Aufmerksamkeit für koloniale Strukturen zu schaffen: „Der gemeinsame Entscheidungsprozess, vor allem beim Einsatz von Finanzen, war entscheidend für das Teilen von Macht und die Überwindung von Hierarchien der Vergangenheit.“

CCAP encounter journey January 2026: Cutting the cake together

Heute sind globale Probleme überall spürbar, ob die Klimakrise, Kriege oder Lieferketten. Auch heute verbindet der gemeinsame Glaube die Menschen in den Partnerkirchen. Doch langjährige Beziehungen, Vertrauen und Respekt für einander müssen gepflegt und mit Leben gefüllt werden. „Das Projekt zeigt, dass gewachsene kirchliche Partnerschaften etwas bewegen können, das einen nachhaltigen Einfluss sowohl global als auch lokal hat“, sagt Joygrace Shoo rückblickend. „Partnerschaften sind entscheidende Orte der Zivilgesellschaft, um wachsenden Hass und Nationalismus zu überwinden“, ergänzt Fabio Banet.

Foto: gemeinsames Feiern im Rahmen der CCAP-Begegnungsreise im Januar 2026

Afrikareferentin Katharina Davis (Mitte), Bildungsreferentinnen Judith Meyer-Kahrs und Uli Eder (Infostelle Klimagerechtigkeit) präsentieren die zweisprachige Abschlussbroschüre.

Fotos: © Ökumenewerk der Nordkirche / ELVD