Hamburg, 22. September 2025 (ce) – Nigeria, Korea, Indonesien oder Ghana oder Deutschland: In Norddeutschland leben Christinnen und Christen aus unterschiedlichen Ländern und Kulturen. Zur Interkulturellen Woche ab dem 21. September, die in diesem Jahr ihr 50jähriges Bestehen feiert, soll die Vielfalt der Gesellschaft gewürdigt und gefeiert werden – auch die der Kirche. Hier zwei Beispiele aus Hamburg:
Victory Outreach Ministry

„Kirche ist Familie“, sagt Pastor Stephen Hamilton in seinem Gemeindebüro in Hamburg-Langenhorn begeistert. Und das meint er im Kleinen, wie im Großen. Für seine eigene Gemeinde, das „Victory Outreach Ministry“, sorgt er für spirituelle und auch soziale Gemeinschaft. Gottesdienste, Jugendarbeit, Anteilnahme untereinander, Ansprache – alles das lebt hier unter Menschen, die biografische Wurzeln in Ghana, Nigeria, Kenia, dem Kongo, Togo und der Ukraine haben.

Aber er meint das auch im Großen: „Wir sind gemeinsam Kirche in dieser Stadt!“ Deswegen betet seine Gemeinde auch den gesamten September für die Bundesregierung, die Bürgerschaft, das politische Wohlergehen der Stadt, „in der wir gemeinsam zu Hause sind“. Im September, wenn nach den Sommerferien das politische Geschäft wieder beginnt, betet seine Gemeinde für gute Entscheidungen, Verantwortungsbewusstsein oder konstruktive Gespräche, seitdem er sie 2008 gegründet hat.
Gemeinsam Kirche sein in gemeinsamen Räumen
Und weiter sagt er: „Lasst uns doch gemeinsam die Kirchen und Gemeindehäuser hier nutzen.“ Denn – wie die meisten Internationalen Gemeinden auf dem Gebiet der Nordkirche – hat auch er Räume gemietet. Er hat eine Büroetage in Hamburg-Langenhorn gefunden, andere Gemeinden würden sich sonntags auch in Lagerräumen versammeln, die oft in Außenbezirken lägen und schlecht erreichbar seien. Die Gemeinden finanzieren ihre Arbeit ausschließlich aus Spenden. Vom Topf der Kirchensteuern erhalten sie nichts, obwohl viele ihrer Mitglieder diese bezahlen.
Engagement in unserer Gesellschaft
Das Geld würde der Pastor viel lieber in die vielen Pläne investieren, die er hat: „Ich sehe zum Beispiel einen großen Bedarf für die immer mehr werdenden alten und pflegebedürftigen Menschen mit Migrationsgeschichte hier.“ Viele seiner Gemeindemitglieder arbeiten im Bereich der Pflege und Seniorenbetreuung. Sie erleben tagtäglich, dass gerade Menschen in Heimen, die schlecht Deutsch sprechen und hier keine Familie haben, unter Einsamkeit und Depressionen leiden. Für sie würde er gerne eine Tagesbetreuung organisieren, doch dafür fehlen Ressourcen und vor allem Räume. „Kirche ist für sie dann Familie“, so Pastor Stephen Hamilton.
Koreanische Gemeinde Hamburg
Jeden Sonntag um 11.30 Uhr strömen mehr als 100 Menschen mit koreanischen Wurzeln in die Petrus-Kirche in Hamburg-Lokstedt. Sie gehören zur Koreanischen Gemeinde Hamburg, die hier in den Räumen der Evangelisch-Lutherischen Kirche ihre Gottesdienste feiert. Die meisten, so erzählt Pastor Chanhee Lee, sind ursprünglich in den 1970er Jahren als Krankenschwestern, Bergarbeiter oder Werftarbeiter nach Deutschland gekommen.

Mittlerweile leben hier ihre Kinder und Enkelkinder. Zur Gemeinde gehören außerdem Studierende, ehemalige Entsandte, die in Deutschland geblieben sind, sowie deutsch-koreanische Familien. Die Gemeinde stiftet Verbundenheit und ein Stück kulturelle Identität: So gibt es einmal im Monat ein gemeinsames Essen nach einem erarbeiteten Leitfaden, um Gemeinschaft zu pflegen. In der Gemeinde wird getauft und konfirmiert, es gibt eigene Gottesdienste für Kinder und Jugendliche. Ebenso werden Mitglieder zu Hause besucht.

Wichtig ist der Gemeinde auch der Kontakt zur Lutherischen Gemeinde vor Ort. Deswegen werden mehrmals im Jahr gemeinsame Gottesdienste gefeiert oder Seniorentage organisiert.
(epd-Meldung vom 17.9.2025)
Interkulturelle Woche ist Gegenpol zum Rechtspopulismus
Hannover/Bonn/Hamburg (epd). Die Kirchen in Deutschland wollen mit ihrer Interkulturellen Woche ab dem 21. September ein starkes Zeichen für Offenheit und Vielfalt setzen. Auf zunehmende Vorbehalte und Ängste, Ausgrenzung, offenen Rassismus und die Zurückweisung von Menschen mit Migrationsgeschichte beziehe die Initiative für jeden einzelnen Menschen Stellung, schreiben der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing (Limburg), die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), die Hamburger Bischöfin Kirsten Fehrs, und Metropolit Augoustinos von der Griechisch-Orthodoxen Metropolie in ihrem am Mittwoch veröffentlichten Gemeinsamen Wort.
„Die Aufnahme geflüchteter Menschen hat unsere Gesellschaft immer wieder auch herausgefordert“, räumen Bätzing, Fehrs und Metropolit Augoustinos ein. Solchen Herausforderungen gelte es politisch zu begegnen. Länder und Kommunen müssten durch entsprechende Regelungen und Ressourcen in die Lage versetzt werden, ihren Verpflichtungen bei der Aufnahme geflüchteter Menschen nachzukommen und dabei zugleich die Sicherheit und Ordnung im Land zu gewährleisten. Es könne niemals eine Option sein, Menschen in existenziellen Notlagen abzuweisen oder zu verhindern, dass Menschen mit ihren Familienangehörigen zusammenleben.
Mit Tausenden Veranstaltungen im gesamten Bundesgebiet feiere die Interkulturelle Woche 2025 ihr 50-jähriges Bestehen, hieß es weiter. Das Jubiläum wurde bereits im Mai in Berlin begangen, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hielt die Festrede. „DAFÜR!“ lautet das Motto der Interkulturellen Woche in diesem Jahr. Dieses Leitwort soll laut Beate Sträter vom Ökumenischen Vorbereitungsausschuss ein starker Gegenpol „zur immer lauter werdenden rechtspopulistischen Stimmung im Land“ sein.
1975 wurde das Sozialevent von katholischer Bischofskonferenz, der EKD und der Griechisch-Orthodoxen Metropolie von Deutschland ins Leben gerufen. Die Kirchen sind Träger der Begegnungswoche, zusammen mit Kommunen, Landkreisen, Wohlfahrtsverbänden, Gewerkschaften, Integrationsbeiräten und -beauftragten, Vereinen, Bildungsträgern, Migrantenorganisationen, Religionsgemeinschaften und Initiativgruppen.
Den Angaben zufolge gab es 2024 rund 6.000 Veranstaltungen in mehr als 750 Städten und Gemeinden. Der vorgeschlagene Zeitraum für die Interkulturelle Woche ist vom 21. bis 28. September, allerdings beginnt in manchen Orten die Eventwoche früher oder endet später. Integraler Bestandteil ist der „Tag des Flüchtlings“ am 26. September.
Mehr Infos zur Interkulturellen Woche finden Sie hier.