Hochrangige Konsultation mit Chinesischen Kirchen: Wie gemeinsame Themen Brücken bauen

Die dritte deutsch-chinesische interreligiöse Konsultation, die Anfang Mai 2026 in Berlin stattfand, zeigt, dass Kirchen trotz schwieriger Rahmenbedingungen tragfähige Brücken der Verständigung bleiben können. Hier die Teilnehmenden vor dem Brandenburger Tor. Foto: EMW

Berlin. In einer Zeit wachsender politischer Spannungen setzt ein interreligiöses Format zwischen Deutschland und China ein bemerkenswertes Zeichen: Die dritte deutsch-chinesische interreligiöse Konsultation, die Anfang Mai 2026 in Berlin stattfand, zeigt, dass Kirchen trotz schwieriger Rahmenbedingungen tragfähige Brücken der Verständigung bleiben können.

„Beschenkt und dankbar gingen die Teilnehmenden auseinander“, sagt Ostasienreferentin Isabel Friemann rückblickend. Sie war in ihrer Funktion als Leiterin der kirchlichen „China Infostelle“ Mitglied der deutschen Delegation. Unter dem Thema „Religiöse Kunst und Architektur im Kontext“ kamen Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Religionen aus beiden Ländern zusammen, um über kulturelle Ausdrucksformen ihres Glaubens zu sprechen – und darüber hinaus Vertrauen aufzubauen.

Dialog trotz schwieriger politischer Großwetterlage

Dass die Konsultation überhaupt stattfinden konnte, wird von den Beteiligten selbst als Erfolg gewertet. Nach Jahren pandemiebedingter Unterbrechung und vor dem Hintergrund „kritischerer China-Bilder in Deutschland, religionspolitischer Veränderungen in China und knapper werdender Mittel“ habe die Fortführung des Formats besondere Bedeutung, so Isabel Friemann.

Der chinesische Delegationsleiter, Pastor Xu Xiaohong, beschrieb die Beziehungen zwischen den Ländern als „weder warm noch kalt“, und betonte „das gute Verhältnis und die konstante, zuverlässige Zusammenarbeit“. Sein Ausblick: Der Dialog solle „die Freundschaft vertiefen, Konsens schaffen und zu einer gemeinsamen Zukunft der Menschheit beitragen“. Xu Xiaohong ist der höchste Vertreter der evangelischen chinesischen Kirche.

Unter dem Thema „Religiöse Kunst und Architektur im Kontext“ kamen Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Religionen aus beiden Ländern bei der dritten deutsch-chinesischen interreligiösen Konsultation in Berlin zusammen. Foto Isabel Friemann

Auch auf deutscher Seite wurde die Bedeutung solcher Begegnungen hervorgehoben. Vertreter aus Kirchen und Politik plädierten dafür, den Dialog auszubauen und „interreligiöse Austauschformate zu stärken, um friedliche Koexistenz zu fördern“.

Konkrete Themen als gemeinsame Grundlage

Ein Schlüssel zum Erfolg der Konsultation lag im bewusst gewählten Thema. Religiöse Kunst, Architektur, Musik und Kalligraphie erwiesen sich als für alle Seiten bereichernder Zugang.

Die Teilnehmenden besuchten gemeinsam den Berliner Dom, eine Synagoge, eine Moschee und weitere religiöse Orte. „Alle waren Schauende, Lauschende und Lernende zugleich“, betonte Isabel Friemann. Diese gemeinsame Erfahrung habe „schnell eine entspannte und vertrauensvolle Atmosphäre“ geschaffen.

In Fachvorträgen wurde deutlich, wie unterschiedlich die religiösen und gesellschaftlichen Kontexte sind – und wie fruchtbar der Austausch darüber sein kann. Während auf chinesischer Seite etwa die stärkere Einbindung traditioneller Kultur im Zuge der sogenannten „Sinisierung“ thematisiert wurde, ging es auf deutscher Seite um den Umgang mit sinkenden Mitgliederzahlen und die Transformation kirchlicher Räume.

Gerade diese Gegenüberstellungen machten den Wert des Dialogs aus. So erläuterte ein buddhistischer Mönch den spirituellen Weg durch ein Kloster als architektonisch angelegten Prozess, während deutsche Beiträge sich mit der Umnutzung von Kirchen beschäftigten. Unterschiedliche Perspektiven wurden so nicht als Hindernis, sondern als Lernfeld sichtbar.

Vertrauen wächst im persönlichen Austausch

Neben den inhaltlichen Diskussionen spielte der persönliche Austausch eine zentrale Rolle. Gemeinsame Fahrten, Gespräche und kulturelle Erlebnisse schufen Nähe jenseits offizieller Programmpunkte.

Dass selbst kleine Gesten Wirkung zeigten, wurde am Ende besonders deutlich: Ein Vertreter der chinesischen Einheitsfrontabteilung zeigte sich „sehr positiv beeindruckt“ – nicht nur vom Programm und der Qualität der Gespräche, sondern auch davon, dass „immer heißes Wasser und lose Teeblätter bereitgestellt“ wurden. 

Kirchen als stabile Gesprächspartner

Die Konsultation macht klar, dass Kirchen und religiöse Organisationen auch dann Gesprächskanäle offenhalten können, wenn politische Beziehungen komplex sind. Ihre Netzwerke bestehen oft über Jahrzehnte und sind weniger von kurzfristigen politischen Entwicklungen abhängig.

Bereits seit 2016 finden die bilateralen Konsultationen statt. Sie entwickelten sich aus der Beobachtung, wie religiöse Vielfalt in Deutschland gelebt wird, etwa im Umgang mit muslimischen Geflüchteten. Seitdem wurden die Formate kontinuierlich weiterentwickelt – auch durch gegenseitige Einladungen und die Einbindung verschiedener Religionsgemeinschaften.

Die aktuelle Begegnung knüpft daran an und soll nach dem Willen aller Beteiligten fortgesetzt werden. Die chinesische Delegation bezeichnete das Treffen ausdrücklich als „neuen Ausgangspunkt“, um „Kommunikationskanäle zu erweitern und freundschaftliche Interaktionen zu vertiefen“.

Bedeutung über den kirchlichen Kontext hinaus

Der Wert solcher Begegnungen geht über den interreligiösen Dialog hinaus. Sie zeigen exemplarisch, wie internationale Verständigung auch unter schwierigen Bedingungen gelingen kann: durch konkrete Themen, durch gegenseitiges Interesse und durch Begegnungen auf Augenhöhe.

Oder, wie es ein Teilnehmer formulierte: Nicht abstrakte politische Differenzen stünden im Vordergrund, sondern „das gemeinsame Lernen und Verstehen“. Genau darin liegt die Stärke solcher Formate – und ihre Relevanz in einer zunehmend fragmentierten Welt.