Hand in Hand Schools – Ein Hoffnungszeichen teilen

In den Hand in Hand Schools in Israel lernen jüdische und arabische Kinder zusammen. Fotos: Hand in Hand Schools

Mit der Konfiaktion 2026 unterstützt das Ökumenewerk der Nordkirche die Arbeit der Hand in Hand Schools. Spenden helfen dabei, diese besonderen Schulen zu erhalten, Bildungsangebote zu sichern und Räume für Begegnung zu schaffen.

Die Hand in Hand Schools sind kein utopisches Friedensprojekt. Sie sind ein realistisches, mutiges und zugleich fragiles Hoffnungszeichen. Sie zeigen: Frieden beginnt nicht erst bei politischen Lösungen. Frieden beginnt im Alltag. Manchmal beginnt er im Klassenzimmer – Hand in Hand.

Hintergrund zur Konfiaktion 2026

Was brauchen junge Menschen, um nicht in Angst, Hass oder Sprachlosigkeit stecken zu bleiben? Und welche Rolle kann Schule spielen, wenn gesellschaftliche Konflikte den Alltag prägen?

Die Hand in Hand Schools in Israel geben seit über 25 Jahren eine eindrückliche Antwort auf diese Fragen. Sie sind Schulen, in denen jüdische und arabische Kinder und Jugendliche gemeinsam lernen – zweisprachig, mit gemischten Lehrkräfteteams und einer klaren Haltung: Unterschiede sollen nicht überdeckt werden, sondern sichtbar, benennbar und bearbeitbar sein.

Gemeinsam lernen in einer gespaltenen Gesellschaft

Israel ist ein Land, in dem viele Menschen mit Unsicherheit, Angst und tiefen gesellschaftlichen Spannungen leben. Jüdische und arabische Bürger:innen haben unterschiedliche Lebensrealitäten, Erfahrungen von Diskriminierung, Ausgrenzung und Gewalt. Viele Kinder wachsen von klein auf in klar getrennten Lebenswelten auf – getrennte Wohnorte, getrennte Schulen, getrennte soziale Räume.

Unterricht in der Hand in Hand School in Haifa.

Die Hand in Hand Schools stellen diesem Muster bewusst etwas anderes entgegen. Seit 1998 lernen hier jüdische und arabische Kinder gemeinsam in einer Klasse. Der Unterricht findet in zwei Sprachen statt – Hebräisch und Arabisch – und wird von jeweils einer jüdischen und einer arabischen Lehrkraft verantwortet. Heute besuchen mehr als 2.000 Schüler*innen an sechs Standorten diese Schulen. Dabei geht es nicht um ein konfliktfreies Nebeneinander. Die Schulen folgen dem Grundsatz: Es gibt kein Verstecken vor den harten Fragen. Konflikte, Gewalt, Angst, Zugehörigkeit, Identität – all das gehört zum Schulalltag und wird nicht ausgeklammert, sondern pädagogisch begleitet.

„Affirm students’ identity – no hiding from hard issues“

Diese Haltung wurde bei einem Besuch der Jerusalemer Hand-in-Hand-Schule im Frühjahr 2026 besonders deutlich. Lehrkräfte, Schulleitung, Öffentlichkeitsarbeit und vor allem Schülerinnen und Schüler der Jahrgänge 8–12 berichteten offen von ihren Erfahrungen – innerhalb und außerhalb der Schule. Die Jugendlichen beschrieben, wie herausfordernd es ist, die in der Schule gelebte Offenheit im Alltag aufrechtzuerhalten: beim Sport im Park, im Kino, auf der Straße. Sie sprachen über Stress, Angst, Trauma und darüber, wie schnell Gespräche draußen wieder in alte Muster von Misstrauen und Abwertung kippen. Gleichzeitig wurde deutlich, wie sehr sie durch ihre Schulerfahrungen gestärkt sind.

Unterreicht in der Hand in Hand School in Jaffa.

Viele dieser Jugendlichen werden zu Multiplikator*innen in die Gesellschaft hinein. Sie tragen andere Formen des Gesprächs, der Konfliktbearbeitung und des Miteinanders in ihre Familien, Freundeskreise und sozialen Räume. Nicht zufällig entscheiden sich viele Absolvent:innen später für Berufsfelder wie Psychologie, Beratung, Konfliktmanagement oder internationale Beziehungen.

Bildung als Schutzraum – und als Zumutung

Gerade in Zeiten anhaltender Gewalt und nach dem 7. Oktober 2023 sind die Hand in Hand Schools für viele Kinder ein Schutzraum geworden: ein Ort von Verlässlichkeit, Zugehörigkeit und Alltag. Gleichzeitig sind sie auch ein Ort der Zumutung. Die Schüler:innen lernen, Komplexität auszuhalten, Widersprüche zu benennen und Spannungen nicht vorschnell zu vereinfachen.

In der Hand in Hand School in Jerusalem.

Ein zentraler Gedanke lautet: Angst und Unwissen führen zu Abschottung – Verständnis braucht Begegnung. Viele arabische Schüler*innen erleben gesellschaftliche Isolation, viele jüdische Schüler*innen wachsen in einem Klima von Angst und Bedrohung auf. Die Schulen arbeiten bewusst daran, Mitgefühl zu fördern und Ignoranz nicht stehen zu lassen. Dabei gilt ein klarer ethischer Rahmen: Gewaltfreiheit. Do no harm. Nicht Recht haben, sondern Menschen schützen. Nicht zuspitzen, sondern Verantwortung übernehmen.

Warum dieses Projekt für Konfirmand*innen so passend ist?

Die Konfiaktion 2026 greift mit den Hand in Hand Schools ein Projekt auf, das zentrale Fragen von Jugendlichen berührt – weit über den konkreten Kontext Israel hinaus:

  • Wer bin ich, und was prägt meine Identität?
  • Wie gehe ich mit Angst, Wut und Verletzung um?
  • Was macht mich sprachfähig in Konflikten?
  • Wie kann Zusammenleben trotz Unterschiede gelingen?

Konfirmand*innen stehen selbst an der Schwelle zwischen Kindheit und Jugend, zwischen Zugehörigkeit und Selbstfindung. Die Hand in Hand Schools zeigen in eindrücklicher Weise, dass Bildung mehr sein kann als Wissensvermittlung: Sie kann Menschen helfen, sich selbst und andere besser zu verstehen – und Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen.


Für mehr Informationen