
Gemeinsame Themen statt einzelner Projekte: Ökumenewerk und Lutherische Kirche in Tansania wollen ihre längjährige Partnerschaft weiterentwickeln.
Hamburg, 30. Juni 2026 (ce) – Zu Gesprächen über die zukünftige Ausrichtung der Partnerschaft ist der Generalsekretär der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Tansania, Rogath Lewis Mollel, Ende Juni ins Ökumenewerk der Nordkirche gekommen. Die Lutherische Kirche in Tansania ist eine der ältesten Partnerkirchen der Nordkirche und heute die zweitgrößte lutherische Kirche weltweit. „Wir wollen unsere thematische Zusammenarbeit vertiefen und gemeinsam an Themen arbeiten, die für unsere beiden Kirchen wichtig sind. Dies sind zum Beispiel unser Umgang mit der Klimakrise und die Förderung junger Menschen, um ihnen Perspektiven für ein Engagement in der Kirche zu geben“, betonten sowohl Rogath Mollel, als auch Dr. Christian Wollmann, Direktor des Ökumenewerks.
Umgang mit der Klimakrise ist gemeinsames Thema
Obwohl beide Kirchen in unterschiedlichen politischen, sozialen und demographischen Kontexten tätig sind, verbinden sie dennoch gemeinsame Themen. Bereits seit vielen Jahren fördert das Ökumenewerk Projekte zur Anpassung an die Klimakrise und zum Klimaschutz der Lutherischen Kirche und ihrer Diözesen in Tansania. Dies sind zum Beispiel Katastrophenvorsorge, ans Klima angepasste Landwirtschaft, kleine Solaranlagen, Aufbau einer nachhaltigen Wasserwirtschaft, Bildung und – ganz aktuell – die Anschaffung von E-Bikes für kirchliche Mitarbeitende. Auch das dreijährige Projekt „Church Climate Action Partnerships“ entstand in Kooperation mit dieser Kirche.

Gemeinsames Ziel: Klimaschutz und Klimagerechtigkeit
Drei Jahre – bis zum April 2026 – lief das Projekt „Church Climate Action Partnerships“. Für das Ökumenewerk und die tansanischen Partner war ein zukunftsweisendes Modell, wie künftig Partnerschaft gestaltet werden kann. Auf unserer Themenseite erfahren Sie mehr und können auch eine Broschüre mit Erfahrungsberichten downloaden.
Foto: Abschluss des Projektes war die Reise der deutschen Partner nach Tansania. Feierlich wurden Gastgeschenke überreicht.
„Jetzt ist es wichtig, Klimaschutz-Projekte in Deutschland und Tansania stärker miteinander in Beziehung zu bringen und miteinander zu teilen, damit auf beiden Seiten die Motivation und das gemeinsame Lernen gestärkt werden“, sagte Christian Wollmann. Die Landessynode der Nordkirche hat 2025 ein Klimaschutzgesetz beschlossen, nach dem die Nordkirche bis 2040 treibhausgasneutral sein soll. Das Umwelt- und Klimaschutzbüro im Ökumenewerk ist unter anderen für die Umsetzung verantwortlich.

Idee: Junge Menschen durch Stipendien fördern
Wie das Engagement junger Menschen für die Kirche gefördert werden kann und welche Voraussetzungen es braucht, damit sie sich langfristig in der Kirche zuhause fühlen können, beschäftigt ebenfalls beide Partner:innen. Ein zentraler Faktor hierbei ist die Bildung und persönliche Förderung von jungen Menschen, die Leitungspositionen innerhalb von Kirche und Gesellschaft übernehmen können. „Für uns ist es wichtig, den ökumenischen Horizont bei jungen Menschen zu fördern“, so Direktor Wollmann.
Rogath Mollel erläuterte, dass die Kirche in Tansania stark wachse und viele junge Menschen Interesse an einer theologischen Ausbildung hätten, sich diese allerdings oft nicht leisten könnten. Das Ökumenewerk unterstützt bereits seit langem ein breit angelegtes Stipendienprogramm der Partnerkirche für tansanische Theologiestudierende. Darüber hinaus entstand die Idee, deutschen Theologiestudierenden über ein Stipendium ein Studienjahr in Tansania zu ermöglichen. So können junge Theolog:innen aus der Nordkirche für Ökumene begeistert werden, zugleich werden die theologischen Ausbildungsstätten der tansanischen Partnerkirche unterstützt.
Schwierige finanzielle Lage in beiden Kirchen
Aufgrund der rückläufigen Kirchensteuermittel muss das Ökumenewerk die finanzielle Unterstützung der Partnerkirchen bereits jetzt reduzieren. Auch andere Partner der Lutherischen Kirche in Tansania in Europa und den USA müssen ihre Förderung senken. Gleichzeitig sind noch immer viele Menschen in Tansania von Armut betroffen und können ihre Kirche daher nur mit kleinen Beiträgen unterstützen.
In Zeiten von geringeren Finanzmitteln ist es sowohl für das Ökumenewerk als auch für die ELCT besonders wichtig, auf die Nachhaltigkeit und Wirksamkeit von Investitionen zu achten. Rogath Mollel hob hervor, dass Projekte wie Solardächer oder E-Bikes neben dem Klimaschutz zugleich kirchliche Ausgaben für Strom und Benzin reduzieren können.
„Es wurde deutlich, dass wir unsere Zusammenarbeit künftig noch stärker programmatisch ausrichten werden. Statt einzelne Projekte nebeneinanderzustellen, wollen wir gemeinsame Ziele verfolgen“, sagte Afrikareferentin Katharina Davis im Anschluss. Dass beide Kirchen auch einen unterschiedlichen Zugang verfolgten, sei kein Hindernis. Unterschiedliche Projekte könnten auf ein gemeinsames Ziel einzahlen. „Dafür sind wir sehr offen“, betonte Rogath Mollel.