Gedanken zur Zeit im September: „So halten wir nun dafür, dass der Mensch gerecht wird…“

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„So halten wir nun dafür, dass der Mensch gerecht wird ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben.“
(Römer 3, 28)

Die aktuellen Krisen fordern uns Menschen unterschiedlich heraus: Manche sind erschöpft und fühlen sich ohnmächtig, andere – gerade auch junge Menschen – politisieren und engagieren sich bei Fridays for Future, kleben sich mit Vertreter*innen der Letzten Generation auf der Straße fest oder kämpfen für Generationsgerechtigkeit vor dem Bundesverfassungsgericht.

Die Aktionsformen sind kreativ und auch provokant. Dahinter verbirgt sich die Not und das Wissen, dass wir jetzt handeln müssen. Da entsteht Frust und eine innere Spannung zwischen dem Anspruch und der Erfahrung: ich muss die Welt retten und zugleich erlebe ich meine eigene Begrenztheit.

Die Rechtfertigungsbotschaft hat daher auch für heute eine große Aktualität: sie erinnert daran, dass ich nicht alles aus mir selbst heraus schaffen kann. Gott nimmt mich so an wie ich bin. Gottes Gerechtigkeit bedeutet Liebe und Wertschätzung. Vor Gott ist mein Scheitern angenommen und ich habe zugleich die Möglichkeit immer wieder neu zu beginnen. Aus meinem Glauben heraus kann ich antworten und handeln.

Die reformatorische Grundeinsicht, die „allein durch Christus“ – solus Christus – und „allein durch den Glauben“- sola fide – zum Ausdruck kommt, führt nicht zu einer egozentrischen Lebensperspektive. Sondern sie bedeutet, dass sich der Glaube vielmehr zur Welt hin öffnen muss.

Die Kirchen und christlichen Gemeinschaften haben das in unterschiedlicher Weise in den letzten Jahrhunderten und Jahrzehnten getan, besonders auch in ihrem Engagement für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung. 1983 hat der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) bei der 6. Vollversammlung in Vancouver/ Kanada zum Konziliaren Prozess für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung aufgerufen. Dieser globalen Bewegung schlossen sich weltweit viele Kirchen und Initiativen an.

Auch nach 40 Jahren sind diese Impulse weiterhin aktuell: Unter Federführung der ACK Deutschland hat sich ein breites Netzwerk von Kirchen, regionalen ACKs, Initiativen und Einzelpersonen zusammengefunden und hat unter dem Motto: „Hoffnung für die Erde leben. Gerechtigkeit.Frieden.Schöpfung“ von März bis September 2024 zu einer gemeinsamen Kampagne eingeladen.

Als Höhepunkt findet vom 13. bis 15. September 2024 in Dresden eine Ökumenische Tagung statt. Neben dem Austausch über inhaltliche Impulse in Paneln und Workshops ist auch ein Ökumenischer Gottesdienst in der Kreuzkirche in Dresden geplant.

Wer nicht in Dresden mit dabei ist, kann auch vor Ort in der Kirchengemeinde einen eigenen Gottesdienst unter dem Motto: „Freut euch in der Hoffnung“ (Römer 12,12) feiern. Einen vorbereiteten Gottesdienstablauf mit liturgischen Bausteinen sowie einen Predigtimpuls von Nora Steen, Bischöfin im Sprengel Schleswig und Holstein und weitere Impulse finden Sie unter: www.nordkirche-weltbewegt.de/position-beziehen/theologie-und-nachhaltigkeit/kampagne-hoffnung-fuer-die-erde-leben/

Weitere Informationen zu den Aktivitäten und Ergebnissen der Kampagne „Hoffnung für die Erde leben. Gerechtigkeit.Frieden.Schöpfung.“ unter: www.hoffnungleben2024.de


Anne Freudenberg-Klopp, Leiterin des Bereichs Globale Gerechtigkeit im Ökumenewerk der Nordkirche