Flensburg und Püha in Estland: Lebendige Partnerschaft und gemeinsame Themen

Nach dem Gottesdienst am 20. September 2026 in der St. Jürgen Kirche Flensburg, von links: Pastor i.R. Klaus von Gadow, Europareferentin Zanda Ohff, Bischof Marko Tiitus, Pastor Hanno Jöhnk, Vorsitzender des Estland-Ausschusses des Kirchenkreises Schleswig-Flensburg, und Ökumenepastorin Silke Nicoline Hansen. Foto: privat

Flensburg/Hamburg, 22. September 2026 (zo/ce) – Nicht nur geografisch verbindet die St. Jürgen Gemeinde in Flensburg und die Gemeinde Püha der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Estland viel: Beide Gemeinden liegen ganz im Norden ihrer Kirchen, die Ostsee ist eine natürliche Grenze. Und beide Gemeinden verbindet eine jahrzehntelange Partnerschaft. Und so war es ein feierliches Ereignis, dass der Bischof der Kirche, Marko Tiitus, in Flensburg zu Gast war und dort im Gottesdienst predigte. 


Mehr zum Hintergrund zur Partnerschaft des Kirchenkreises Schleswig-Flensburg mit der Lutherischen Kirche in Estland.


Anlass des Besuchs war seine Einladung zur Feier des Jahrestages der Breklumer Mission vor 150 Jahren. In seiner Predigt am Sonntag nahm Bischof Tiitus Bezug auf die Mission oder den Auftrag der Kirche in der Welt. „Die Mission kann nicht unser eigenes Projekt sein. Der eigentliche Handelnde in der Mission ist Gott. Und wir sollen uns von ihm in sein Handeln und in seine Mission hineinnehmen lassen. Deshalb müssen wir nicht zuerst fragen, wie stark wir selbst sind. Wir sollen fragen, ob wir bereit sind, Gott zu vertrauen und dorthin zu gehen, wohin er uns ruft.“ 

Bischof: Estland muss unabhängig bleiben, sonst gibt es unsere Kirche nicht mehr

„Es ist für mich sehr bewegend, Menschen in der Nordkirche zu treffen, die Estland in ihrem Herzen tragen“, sagte Bischof Marko Tiitus. Diskutiert wurde während seines Besuchs sowohl über aktuelle politische Gefahren als auch über gemeinsame Herausforderungen der Kirchen angesichts der Säkularisierung. „Tut alles, dass Estland unabhängig bleibt. Denn wenn wir keinen freien Staat mehr haben, wird es auch unsere Kirche nicht mehr geben,“ sagte der Bischof auf die Frage, wie die Partner in Deutschland die estnische Kirche am besten unterstützen können.


Zum Nachlesen: „Begegnungen mit einer Kirche in einem Land neben Russland“. Bericht über den Besuch der Kirchenleitung der Nordkirche bei der Estnischen Kirche.


Veränderte Gesellschaft in Deutschland und Estland gemeinsames Thema

„Unsere Kirchen stehen aber auch vor ähnlichen gesellschaftlichen Fragen: Wie gelingt es uns, die jüngere Generation einzubinden? Wie bereiten wir Gemeindeglieder vor, mehr Verantwortung in der Kirche zu übernehmen? Beide Kirchen haben gute Ansätze und können sich gegenseitig inspirieren“, resümiert Europareferentin Zanda Ohff aus dem Ökumenewerk der Nordkirche, die den Gast begleitet hat.

Bischof Marko Tiitus am Grab von Pastor Paul Gerhard von Hoerschelmann. Foto: Hanns Hörschelmann

Mit zahlreichen weiteren Diensten und Werken der Nordkirche gab es deswegen Anknüpfungspunkte: Bei Begegnung mit Propst Stefan Paar, mit dem Kita-Werk des Kirchenkreises Hamburg-West/Südholstein, mit dem eine Kita-Partnerschaft angedacht wird, sowie mit der Leiterin des Pastoralkollegs der Nordkirche, Nicole Chibici-Revneanu. Gerade zu Beginn des Septembers war eine Jugend-Delegation der Nordkirche in Estland und Lettland zu Besuch: Es ging um Zukunftsfragen und neue Ideen, den christlichen Glauben zu leben.

Hier einen Reise-Blog dazu lesen…

„Die Deutsch-Estnische Geschichte ist nicht spannungsfrei, denn mehrere Jahrhunderte lang bildeten Menschen aus deutschen Gebieten die Oberschicht im Baltikum und prägten diese Region“, erklärt Europareferentin Zanda Ohff. Aus dieser historischen Verbundenheit heraus sind seit den 1980er Jahren Beziehungen entstanden, die zur Partnerschaft zwischen der Nordkirche und der Estnischen Evangelisch-Lutherischen Kirche geführt haben. So unterstützte in den 1990er Jahren zum Beispiel Pastor Paul Gerhard von Hoerschelmann den Aufbau des Predigerseminars der estnischen Kirche, das Bischof Marko Tiitus jetzt leitet.


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