
Hamburg, 02. Juni 2026 – Fahrrad statt Auto: Dazu ruft ab dem 05. Juni 21 Tage lang die Aktion „Stadtradeln“ auf. Auch das Ökumenewerk ist hier seit einigen Jahren dabei, die Mitarbeitenden haben sich registriert und sammeln Kilometer, die sie mit dem Fahrrad zurücklegen. Auch viele Kirchengemeinden und Kirchenkreise machen mit. Sie zeigen: Wege können auch klimafreundlich zurückgelegt werden! Einfach mal ausprobieren.
Im Umwelt- und Klimaschutzbüro im Ökumenewerk der Nordkirche ist Jonas Fischer dafür zuständig, unsere Nordkirche klimafreundlich mobil zu machen.
Gespräch mit Jonas Fischer, Klimaschutzmanager für Mobilität
Jonas Fischer verfolgt eine klare Mission: Er berät und unterstützt die Nordkirche im Bereich Mobilität auf ihrem Weg zur Umsetzung des Klimaschutzgesetztes, also 90 % Treibhausgasreduktion bis 2035 und vollständige Treibhausgasneutralität bis 2040. Wir waren mit dem Klimaschutzmanager für Mobilität im Umwelt- und Klimaschutzbüro im Gespräch.

Jonas, beschreibe uns, wie Dein Arbeitsalltag aussieht:
Ich wirke in die Nordkirche und berate und unterstütze 13 Kirchenkreise und das Landeskirchenamt strategisch zu klimafreundlicher Mobilität, um die Klimaschutzziele zu erreichen. Konkret heißt es zum Beispiel, dass ich die Weichen für die Erhebung aussagekräftiger Mobilitätsdaten stelle, indem ich mit Verwaltungen spreche. Dabei geht es u.a. darum, wie Abrechnungsdaten verarbeitet werden und wir daraus die für die Treibhausgasbilanz wichtigen Informationen ableiten können. Mit der Datengrundlage wissen wir dann, wo wir stehen und langfristig auch, welche Mobilitätsmaßnahmen Wirkung zeigen. Eine weitere wichtige Aufgabe ist es, über gute Praxisbeispiele aus der Nordkirche zu informieren, damit zu zeigen, was alles möglich ist und alle Beteiligten zu gutem Handeln zu motivieren. Auch bei der Analyse von Herausforderungen und der nachfolgenden Entwicklung von Maßnahmen unterstütze ich. Dafür spreche ich viel mit den Klimaschutzmanager*innen aus den Kirchenkreisen.
Wie würdest Du Deine Erfahrungen bisher beschreiben?
Das Thema Mobilität ist im Vergleich zum Thema Gebäude dichter an den Menschen dran. Bei Gebäuden tauscht man z.B. die Heizung in der Kirche oder dem Gemeindehaus aus. Mobilität betrifft die Menschen direkter. Die Entscheidung, ob man das Auto, das Fahrrad oder den ÖPNV nutzt, wird jeden Tag neu getroffen. Wenn wir eine Wahl haben, dann ist es nicht immer leicht sich gegen die bequemste Variante – das Auto – zu entscheiden. Dazu gehören viel eigene Reflektion, Engagement und Überzeugung, aber auch Strukturen, die unterstützen. Ich bekomme in meiner Arbeit mit, dass viele Menschen sich genau dazu Gedanken machen und sich im wahrsten Sinne des Wortes „auf den Weg machen“ oder gemacht haben. Manche aus gesundheitlichen Gründen, weil Bewegung guttut oder Freude bereitet. Andere, weil sie etwas für das Klima tun wollen. Gemeinsam mit den anderen Klimaschutzmanager*innen schaffen wir dann gute Bedingungen, damit die Menschen es leichter haben, klimafreundlich mobil zu sein.
Gibt es weitere Herausforderungen?
Innerhalb der Nordkirche gibt es unterschiedliche Herausforderungen: In der Stadt ist es beispielsweise recht einfach, ohne Auto zurechtzukommen, während es auf dem Land deutlich schwieriger ist. Aber auch dort gibt es Möglichkeiten, sich klimafreundlicher und inklusiver zu bewegen. E-Räder und E-Lastenräder bieten die Chance, auch längere Strecken von z.B. 10-15 km ohne Probleme zu bewältigen und nebenbei vielleicht mit Nachbarn ins Gespräch zu kommen. Gemeindemitglieder könnten sich auch ein Auto teilen und es in einem Carsharing-Verein organisieren, das wird zum Beispiel in der Kirchengemeinde Haddeby so gemacht. Das spart Kosten und bringt Gemeinschaft. Wir müssen zudem als Kirche auch an die Menschen denken, die aus gesundheitlichen oder finanziellen Gründen kein eigenes Auto besitzen. Daher ist es wichtig, Alternativen zu überlegen und innerhalb der Gemeinden anzubieten. Deshalb haben wir zusammen mit zwei weiteren Landeskirchen ein Mobilitätsplakat erstellt, welches als Orientierung für die dient, die aktiv werden wollen.
Was ist neben Deiner strategischen Arbeit geplant, um die Ziele zu erreichen?
Der Klimaschutzplan der Nordkirche gibt vor, was die Kirchenkreise und das Landeskirchenamt tun können, um klimafreundliche Mobilität voranzubringen. Ich unterstütze sie bei der Umsetzung. Insbesondere berate ich zu konkreten Maßnahmen, aber auch bei der Schaffung der Rahmenbedingungen wie bei der Erstellung von Mobilitätskonzepten. Diese müssen dann mit Leben, also konkreten Maßnahmen, gefüllt werden. Ich stehe den Kirchenkreisen und teilweise auch den Kirchengemeinden bei genau dieser Umsetzung beratend zur Seite.

Wie schaut es mit der Messbarkeit aus?
Daten sind momentan noch ein Schwachpunkt. Zwar können wir qualitative Meilensteine messen, z.B. ob alle Mitarbeitenden Zugang zum JobRad haben oder ob Dienstfahrten mit Bus und Bahn bevorzugt durchzuführen sind. Um die Reduktion von Treibhausgasen in der Nordkirche messbar zu machen, benötigen wir jedoch mehr Daten zur dienstlichen Mobilität. In diesem Zusammenhang müssen wir die Dokumentation von dienstlichen Wegen mit privaten Pkw und die dienstlichen Fahrten mit dem Deutschlandticket für eine genaue Bilanz noch weiter verbessern. Denn Pkw-Fahrten sind die Hauptursache für die Treibhausgasemissionen in der Nordkirche. Aber wir wollen natürlich auch wissen, wie gut wir schon bei der Nutzung des ÖPNV sind.
Welche Visionen hast Du, um Pkw-Fahrten zu reduzieren?
Ich wünsche mir, dass wir noch öfter das Rad oder den Bus nehmen, als das Auto. Strukturell benötigen wir die Mobilitätswende, um unsere Treibhausgasemissionen zu reduzieren. Die Schritte, die auch wir gehen können, sind diese:
- Fahrten vermeiden und durch digitale Formate ersetzen, wo es geht. Treffen, bei denen der zwischenmenschliche Kontakt wichtig ist, müssen natürlich weiter vor Ort stattfinden.
- Vom Pkw auf klimafreundlichere Verkehrsmittel umsteigen, wie den ÖPNV oder das Fahrrad.
- Einen Pkw nur für die allerwichtigsten Fahrten nutzen und wenn möglich auf ein kleines, elektrisch betriebenes Fahrzeug oder eine Mitfahrgelegenheit oder Carsharing zurückgreifen. Anschaffungen von Autos sollten überdacht und wenn sie nötig sind, sollte ein vollelektrisches Auto gekauft werden.
Gibt es schon erste Erfolge innerhalb der Nordkirche?
Ja, es wird schon einiges in den Kirchenkreisen und dem Landeskirchenamt getan: Die ida-App, eine App für Mitfahrgelegenheiten der Nordkirche, kann seit Ende 2024 bereits kostenfrei genutzt werden. In fast allen Kirchenkreisen gibt es Zuschüsse für Fahrradleasing oder Fahrradkauf für Mitarbeitende. Auch die Anschaffung von Diensträdern und Lastenrädern wird oft durch die Kirchenkreise gefördert. Es gibt fast überall einen Zuschuss zum Deutschlandticket. Viele Verwaltungszentren, aber auch einige Kirchengemeinden und Einrichtungen, verfügen bereits über Ladeinfrastruktur, die von Gästen und den Mitarbeitenden genutzt werden kann. Auch Angebote zur Nutzung von Carsharing für dienstliche Fahrten sind an einigen Standorten vorhanden. Wir sind also auf dem Weg!
Vielen Dank Jonas, für das interessante Gespräch!