
Hamburg, 05. Januar 2026 (ce) – Der 6. Januar ist für Christen und Christinnen weltweit ein wichtiger Feiertag. Je nach Konfession oder Tradition erinnern sich die Menschen an unterschiedliche biblische Ereignisse. Während für Katholiken und auch evangelische Christ*innen die Heiligen Drei Könige im Mittelpunkt stehen, feiern orthodoxe Christen die Taufe Jesu im Jordan. In Erinnerung daran ziehen vielerorts Gläubige zur Großen Wasserweihe – auch in Norddeutschland laden orthodoxe Kirchen zu dieser Feier ein.
Viele Verbindungen zu orthodoxen Kirchen im Ökumenewerk
In Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern feiern Griechisch-, Russisch- und Serbisch-Orthodoxe Gemeinden regelmäßig ihren Gottesdienst. Es gibt sie unter anderem in Hamburg, Lübeck, Kiel und Schwerin. Gerade die Rumänisch- und die Bulgarisch-Orthodoxen Gemeinden erleben zurzeit ein großes Wachstum. Daneben sind im Bereich der Nordkirche auch orientalisch-orthodoxe Kirchen präsent. Zu ihnen gehören die Äthiopisch-Orthodoxen, Kopten, Armenier und Syrisch-Orthodoxen. Diese Kirchen haben ihren Ursprung im Mittleren Osten und sind daher stark von der politischen Situation in diesen Gebieten betroffen.
Gestaltet und koordiniert wird die Zusammenarbeit mit den orthodoxen Kirchen vom Orthodoxieausschuss der Nordkirche, deren Leitung die Ökumenebeauftragte der Nordkirche, Annette Reimers-Avenarius, innehat. Orthodoxe Kirchen bilden mittlerweile die drittgrößte Konfession in Norddeutschland. In ganz Deutschland gehören rund 3,8 Millionen Menschen den orthodoxen Kirchen an.
6. Januar: Epiphanias oder Heilige Drei Könige
Im Kirchenjahr heißt der 6. Januar „Epiphanias“. Das Wort Epiphanias bedeutet so viel wie „Erscheinung“. Unter orthodoxen Christen spricht man auch von Theophanie, also Gotteserscheinung. Im christlichen Glauben wird diese Gottesoffenbarung in der Welt an unterschiedlichen biblischen Ereignissen festgemacht.
In westlichen Ländern, die überwiegend katholisch geprägt sind, wird diese Gottesoffenbarung hauptsächlich mit der Ankunft der Heiligen Drei Könige im Stall zu Bethlehem verknüpft. Für orthodoxe Christen hat dagegen die Taufe Jesu im Jordan große Bedeutung.
Gefeiert wird Epiphanie nach gregorianischem Kalender am 6. Januar. Dieser wird etwa von den orthodoxen Kirchen von Konstantinopel, Alexandrien, Antiochien, Rumänien, Bulgarien, Zypern, Griechenland, Albanien und Finnland benutzt. Ebenso feiern evangelische und katholische Christen Epiphanias nach gregorianischem Kalender am 6. Januar.
Das russisch-orthodoxe Patriarchat, zum dem auch die serbisch- und die georgisch-orthodoxe Kirche gehören, und auch orientalisch orthodoxe Kirchen benutzen hingegen den julianischen Kalender, den der römische Kaiser Julius Cäsar vor mehr als 2.000 Jahren eingeführt hat. Demnach wird die Geburt Christi am 6./7. Januar gefeiert und Epiphanias dementsprechend später, am 19. Januar.
Doch Ende des 16. Jahrhunderts beschloss Papst Gregor XIII. den julianischen Kalender zu überarbeiten. Dabei kam der gregorianische Kalender heraus, nach dem sich heute fast alle Menschen auf der Welt richten. Doch wenn es um kirchliche Feiertage geht, zählt für manche orthodoxen Kirchen der alte julianische Kalender.

Gedenken an die Taufe Jesu mit der Großen Wasserweihe
Begangen wird die Feier der Taufe Jesu traditionell mit einer Großen Wasserweihe: Die Gläubigen ziehen in einer Lichterprozession zu einer Wasserstelle im Freien oder zum Taufbecken der Kirche, wo gesungen und gebetet wird. Im Anschluss segnet ein Priester mit einem Kreuz das Wasser – „oft ein Fluss, ein See und damit nach orthodoxem Verständnis die ganze Schöpfung“, heißt es in einer Erklärung der Griechisch-Orthodoxen Metropolie.
Segen auch für die Elbe im Hamburger Hafen
Seit vielen Jahren schon lädt Erzpriester Georgios Manos zur „Großen Wasserweihe“ im Hamburger Hafen auf das Traditionsschiff Rickmer Rickmers ein. Zahlreiche Gläubige und auch Schaulustige versammeln sich am Hafenbecken, wenn das Kreuz in die Elbe getaucht wird.
„Nach altem Volksbrauch steigt der Priester und danach ein großer Teil der Gemeinde ins Wasser und taucht dreimal unter – im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes“, so die Tradition. Bei den Griechisch-Orthodoxen ist es zudem Brauch, dass derjenige, der das Kreuz im tiefen Wasser findet, einen besonderen Segen erhält.

Ob im See, am Fluss oder in der Kirche – das Wasser wird bei dieser Zeremonie als Ur-Element des Lebens gefeiert, ohne das kein Leben möglich ist, heißt es in der Mitteilung der griechisch-orthodoxen Metropolie. Zugleich symbolisiere es die Reinigung und Heilung und mit ihnen die Hoffnung auf Erneuerung. Nach dem orthodoxen Glauben hat Jesus durch seine Taufe den Menschen die Kraft der Erneuerung geschenkt.
Weihnachten und Fastenzeit – wie passt das zusammen?
Für die russisch-orthodoxen Christen endet am 6. Januar auch die 40-tägige Fastenzeit, mit der sie sich auf die Ankunft Jesu vorbereiten. Mit dem Verzicht auf Fleisch und andere tierische Produkte soll der Körper gereinigt werden. Am Abend, wenn die Sonne untergegangen ist und der ausgedehnte Gottesdienst vorbei ist, beginnt das Festessen, so erklärte es einmal Erzpriester Dionisij Idavajn, der etwa in der russisch-orthodoxen Kirche in Hamburg und Schwerin predigt. „In dieser stillen Nacht dürfen wir laut sein“, sagte er. „Wir sitzen an einem Tisch und singen und lachen.“
Neben dem Brauch des Schenkens ist es am orthodoxen Weihnachtsfest – wie wohl in allen christlichen Konfessionen – Sitte, wohltätige Organisationen mit einer Spende zu unterstützen: „Christus sagt: Wenn ihr mir etwas Gutes tun wollt, dann gebt es euren Nächsten“, erläuterte Erzpriester Idavajn.
Was haben alle Feste gemeinsam?
„Weihnachten und Epiphanias feiern wir als Christen in den Kirchen, um an die Menschwerdung Gottes und seines Wirkens in dieser Welt zu erinnern“, sagt Pastor Uwe Onnen, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) Hamburg.
Es sei gut, wenn wir unseren Blick weiten und wahrnehmen, wie andere diese Feste feiern. „Dabei lernen wir voneinander, in dem wir aufeinander schauen und die unterschiedlichen Traditionen als Schätze des Glaubens anerkennen. Es ist eine Bereicherung!“, so Onnen.
