Das Christian Jensen Kolleg in Breklum, Gebäude und Geschichte

Campus Breklum

Hamburg/Breklum, Juli 2026 (ce) – Zahlreiche Orte auf dem Gelände des Christian Jensen Kollegs erinnern an die Missionsgeschichte und an koloniale Verflechtungen. Eine gemeinsame Arbeitsgruppe des Kollegs, des Ökumenewerks, des ERW und der Akademie nimmt diese Spuren rassismuskritisch und dekolonial in den Blick. Ziel ist es, bestehende Strukturen, Darstellungen und Routinen zu überprüfen und weiterzuentwickeln.

Erste Schritte: Sichtung von Orten und Objekten

Ein erster Schritt betrifft die Gestaltung der Gästezimmer: Anstelle von Bildern, die Menschen und Regionen in einer einseitigen Perspektive darstellten, zeigen die Zimmer heute Landschaftsaufnahmen aus Nordfriesland.

Auch die Bibliothek im Kaminzimmer des CJK wird neu ausgerichtet. Vor allem alte Bücher, die koloniale Stereotype oder rassistische Hierarchien reproduzieren, gehören nicht mehr zum Bestand. Stattdessen entsteht Raum für rassismuskritische, dekoloniale und postkoloniale Literatur sowie für weitere Themen, die die Arbeit auf dem Campus widerspiegeln.


Eines der Gästehäuser auf dem Breklumer Campus des Christian Jensen Kollegs.

Namen der Gästehäuser – was sollen sie erzählen?

Die Namen einiger Gästehäuser, etwa „Haus Afrika“, „Haus Ostasien“ oder „Haus Indien“, stehen für eine frühere Sichtweise, die große und vielfältige Weltregionen pauschal zusammenfasst. Gemeinsam mit Partnerkirchen und weiteren Beteiligten soll deshalb nach Namen gesucht werden, die heutigen Perspektiven auf Partnerschaft, Vielfalt und gegenseitige Verbundenheit besser entsprechen.

Auf einer überdimensionierten, ausklappbaren Tafel sind Fotos von "Missionaren"und "Missionarinnen", sowie den Direktoren der Missionswerke eingeordnet.

Porträtgalerie im „Missionshaus“

Im Foyer des sogenannten Missionshauses befindet sich eine großformatige Porträtgalerie mit Fotografien von Missionaren, Missionarinnen und Leitungspersonen der früheren Missionsgesellschaft und des Missionszentrums. Die Gestaltung und Aussage der Galerie werden derzeit kritisch überprüft.

Bislang erzählt die Galerie vor allem aus der Perspektive der entsendenden Institution. Informationen zu den abgebildeten Personen sind nicht überall einheitlich, und Auswahl sowie Anordnung der Porträts sind für Besucher*innen häufig nicht nachvollziehbar. Zugleich fehlen die Stimmen und Perspektiven von Menschen, Gemeinden und Kirchen aus den Regionen, in denen die Missionsgesellschaft tätig war.

Für die Zukunft wird daher über einen anderen Standort, eine veränderte Präsentationsform und ergänzende Einordnungstexte nachgedacht. Ziel ist es, die Geschichte differenzierter darzustellen und insbesondere Perspektiven der Partnerkirchen und Gesellschaften einzubeziehen.

Ausschnitt eines Wandteppichs aus Indien, der dem heutigen Ökumenewerk einst geschenkt wurde.

Verantwortungsvoller Umgang mit Artefakten und Geschenken

Das Ökumenewerk besitzt „Objekte“ und Kunstwerke, deren Herkunft und Besitzverhältnisse zum Großteil noch nicht geklärt sind. Bevor sie erneut öffentlich gezeigt werden, sollen die Fragen der Provenienz sorgfältig recherchiert und transparent dokumentiert werden.

Daneben gehören zum Bestand, beziehungsweise befinden sich auf dem Campus auch Kunstwerke, die dem Ökumenewerk oder dem Christian Jensen Kolleg geschenkt wurden. Dazu zählen nach interner Kenntnis zwei Kalamkaris aus Indien und ein großformatiger Scherenschnitt aus China. Künftig sollen, soweit möglich, Angaben zu den Kunstschaffenden, zur Herkunft, zu Material und Gestaltung sowie zu den dargestellten Motiven ergänzt werden.

Eine verantwortliche Erinnerungskultur bedeutet nicht, Geschichte zu tilgen. Sie macht historische Zusammenhänge, offene Fragen und unterschiedliche Perspektiven sichtbar und erzählt sie kritisch, transparent und vielstimmig.