Am 6. März ist Weltgebetstag: Frauen aus Nigeria zwischen Erwartungen und Verpflichtungen

Banner mit Titelbild des Weltgebetstags 2026 unter dem Motto "Kommt! Bringt eure Last."
„Kommt! Bringt eure Last“ lautet das Motto des diesjährigen Weltgebetstags, der Frauen aus Nigeria in den Fokus rückt. Hier: Das diesjährige Banner dieser ältesten weltweiten ökumenischen Basisbewegung.

Weltgebetstag: Den gemeinsamen Glauben und das Zusammenleben stärken

Jedes Jahr am ersten Freitag im März wird weltweit der Weltgebetstag gefeiert – in diesem Jahr zum 99. Mal. Es ist die älteste weltweite ökumenische Basisbewegung. In jedem Jahr stehen die Anliegen und Gebete von Frauen aus einem anderen Land im Fokus. In diesem Jahr sind es Frauen aus Nigeria. Längst sind diese Frauen aber auch Mitglieder unserer Gesellschaft in Norddeutschland. Eine gute Gelegenheit, einmal mit Ngozi Utoh-Samuel zu sprechen: Was bewegt sie? Was sind ihre Hoffnungen und Sorgen?

Hamburg, 3. März 2026 (ce) – “Das Bild in Deutschland von Nigeria ist zu einseitig”, sagt Ngozi Utoh-Samuel. Sie ist Teil der nigerianischen Community in Hamburg und begleitet Veranstaltungen rund um den Weltgebetstag. Diese weltweite ökumenische Basisbewegung rückt seit fast 100 Jahren Anliegen von Frauen jeweils eines Landes in den Fokus. Doch: Die Menschen und ihre Gemeinden mit Wurzeln in Nigeria sind längst Mitglieder unserer Gesellschaft auch in Norddeutschland.

Ngozi Utoh-Samuel_Vorstandsmitglied des Vereins Positiv Live Global Empowerment
Ngozi Utoh-Samuel, Vorstandmitglied des Vereins „Positive Live – Global Empowerment“

Internationaler Kirchenkonvent: Mitglieder haben auch Wurzeln in Nigeria

Der Weltgebetstag ist ein wichtiger Anlass, den gemeinsamen Glauben und das Zusammenleben zu stärken. Das geschieht auch im Internationalen Kirchenkonvent auf dem Gebiet der Nordkirche, den Pastor Prince Ossai Okeke betreut. Er ist Referent für Internationale Gemeinden im Ökumenewerk der Nordkirche. Unter den mehr als 40 Mitgliedern des Kirchenkonvents sind etwa zehn Gemeinden, die mehrheitlich von Menschen nigerianischer Herkunft besucht werden.

Ngozi Utoh-Samuel ist Vorstandmitglied des Vereins „Positive Life – Global Empowerment“, der sich in Hamburg für Bildungsgerechtigkeit einsetzt. Sie ist Mitglied der freien Gemeinde „Wort des Glaubens“ in Hamburg-Tonndorf und engagiert sich dort in der Kinder- und Jugendarbeit.

Im Gespräch anlässlich des diesjährigen Weltgebetstags beschreibt sie die Herausforderungen, vor denen gerade Frauen aus ihrer Community stehen:

Hintergrund und Links:

Gespräch: „Frauen zwischen Integration, Familie und Beruf“

Frage: Wie haben Sie Ihren Weg von Nigeria nach Deutschland erlebt?

Ngozi Utoh-Samuel: Meine eigene Geschichte steht stellvertretend für viele Frauen mit Migrationsgeschichte: Mein Weg begann in Biafra und er hat mir gezeigt: Gott schreibt keine Lebensläufe nach Alter, Herkunft oder gesellschaftlichen Erwartungen. Obwohl mein nigerianischer Hochschulabschluss in Lebensmitteltechnologie nicht anerkannt wurde, ich mich in Deutschland beruflich völlig neu orientieren und zugleich für meine Familie sorgen musste, habe ich mich nicht entmutigen lassen. Ich erkämpfte mir einen akademischen Abschluss und baute ehrenamtlich meinen Verein auf, um Menschen mit meiner Migrationsgeschichte zu empowern und das Zusammenleben in unserer Zivilgesellschaft zu stärken.

Titelbild des Weltgebetstags 2026 mit dem Titel „Rest for the Weary“ von der Künstlerin Gift Amarachi Ottah
Das diejährige Motiv des Weltgebetstags mit dem Titel „Rest for the Weary“ von der Künstlerin Gift Amarachi Ottah. © 2024 World Day of Prayer International Committee, Inc.

Welche Lasten müssen vor allem Frauen in Nigeria aktuell tragen?

Frauen in Nigeria tragen einen Großteil der familiären, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Verantwortung. Sie leisten einen erheblichen Anteil der landwirtschaftlichen Arbeit und sichern die Ernährung vieler Familien, haben jedoch häufig keinen gleichberechtigten Zugang zu Land, Bildung, Krediten oder politischer Mitbestimmung. Hinzu kommen geschlechtsspezifische Gewalt, frühe Heirat, unzureichende Gesundheitsversorgung sowie die Folgen von Armut, Unsicherheit und regionalen Konflikten. Viele dieser Lasten bleiben gesellschaftlich wenig sichtbar.

Welche Lasten tragen Frauen mit nigerianischen Wurzeln in Deutschland?

Frauen mit nigerianischen Wurzeln in Deutschland stehen oft zwischen verschiedenen Erwartungshaltungen.

Neben Integration, Familie und Beruf tragen viele eine transnationale Verantwortung, etwa durch finanzielle Unterstützung von Angehörigen in Nigeria. Diskriminierung, Rassismus sowie Hürden bei der Anerkennung von Abschlüssen oder im Arbeitsmarkt können zusätzliche Belastungen darstellen.

Gleichzeitig engagieren sich viele dieser Frauen aktiv in Gemeinden, Vereinen und zivilgesellschaftlichen Initiativen.

„Weltgebetstag fördert Solidarität über Grenzen hinweg“

Wie bekannt ist der Weltgebetstag in Nigeria und in der nigerianischen Community in Norddeutschland?

Der Weltgebetstag ist Teil einer weltweiten ökumenischen Bewegung, die in über 150 Ländern präsent ist. In Nigeria ist er vor allem in kirchlichen und ökumenischen Zusammenhängen bekannt. Durch das Weltgebetstagsland Nigeria erhält er aktuell besondere internationale Aufmerksamkeit. In Norddeutschland wird der Weltgebetstag auch in Gemeinden mit internationaler und migrantischer Prägung gefeiert, darunter zunehmend auch in nigerianischen Community-Kontexten.

Welche Kraft und welches Empowerment kann vom Weltgebetstag ausgehen?

Der Weltgebetstag stärkt Frauen, indem er ihre Stimmen, Erfahrungen und Glaubenszeugnisse weltweit hörbar macht. Er fördert Solidarität über Ländergrenzen hinweg, schafft Bewusstsein für soziale Ungerechtigkeiten und ermutigt Frauen und Mädchen, ihre Rolle in Kirche und Gesellschaft aktiv zu gestalten. Die Verbindung von Information, Gebet und Engagement wirkt empowernd – lokal wie global.

Welche Bedeutung hat die Kirche in Nigeria und für Menschen mit nigerianischen Wurzeln in Deutschland?

In Nigeria ist die Kirche eine zentrale gesellschaftliche Institution. Sie bietet nicht nur spirituelle Orientierung, sondern auch soziale Unterstützung, Bildung und Gemeinschaft.

Für Menschen mit nigerianischen Wurzeln in Deutschland sind Kirchen häufig Orte der Identität, Vernetzung und gegenseitigen Hilfe. Sie schlagen Brücken zwischen Herkunft und neuem Lebensumfeld.

Ist das Bild von Nigeria als Land von Terrorismus und Armut unvollständig?

Ja. Nigeria steht vor großen Herausforderungen, doch dieses Bild greift zu kurz. Das Land ist kulturell, religiös und gesellschaftlich vielfältig, wirtschaftlich dynamisch und reich an Kreativität, Unternehmergeist und zivilgesellschaftlichem Engagement. Millionen Menschen gestalten ihr Land aktiv und verantwortungsvoll – diese Perspektiven finden in der öffentlichen Wahrnehmung oft zu wenig Beachtung.

Was verbindet Menschen in Deutschland und Nigeria?

Beide Gesellschaften verbindet der Wunsch nach Frieden, Gerechtigkeit und einem würdigen Leben. Familie, Gemeinschaft, Glaube, Bildung und kultureller Austausch spielen in beiden Ländern eine wichtige Rolle. Kirchliche Partnerschaften, Migration und internationale Zusammenarbeit schaffen zudem persönliche und institutionelle Verbindungen.

Wie werden Deutschland und die Kirche in Deutschland wahrgenommen?

Deutschland wird vielfach als Land der Chancen, der Stabilität und der sozialen Absicherung wahrgenommen. Kirchen in Deutschland gelten als wichtige Orte für Gemeinschaft und Unterstützung, auch für Menschen mit internationaler Geschichte. Gleichzeitig gibt es Erwartungen an mehr interkulturelle Offenheit und gegenseitiges Lernen auf Augenhöhe.