Die Advents und Weihnachtszeit ist in vollem Gange. Hier sieht diese Zeit ganz anders aus.Aber wo ist hier? In Brasilien, Curitiba, denn ich bin vor einigen Wochen zur Einsatzstelle in Curitiba gewechselt. Hier war bereits eine andere Freiwillige, die auch von einer anderen vorherigen Einsatzstelle hierher gewechselt ist. Es fühlt sich merkwürdig an, gerade in dieser Zeit die Einsatzstelle zu wechseln und es ist mit Sicherheit auch nicht leicht. Es ist alles neu, aber auch vieles gleich.

Der Start gelang hier deutlich einfacher durch die bereits erlangten Sprachkenntnisse, ein Übersetzer wird nicht gebraucht. Außerdem ist es eine ganz andere Situation, mit einer Freiwilligen aus Deutschland gemeinsam in einer Einsatzstelle zu sein. Ich verstehe mich gut mit ihr, aber ich kenne sie noch kaum. Interessanterweise werden wir, aufgrund unserer Ähnlichkeit, häufig als Schwestern verwechselt. Die zweite Frage, welche auf unserer negierung dieser Tatsache meist folgt, ist, ob wir Freunde sein. Der Einfachheit halber antworten wir seit Beginn mit ja. Eine Mitfreiwillige aus demselben Herkunftsland zu haben verleitet einen natürlich dazu mehr deutsch zu reden, auch wenn es manchmal gar nicht nötig wäre, da es schlicht einfacher ist. Daran versuchen wir aber aktiv zu arbeiten. Gerade am Wochenende redet man kaum Portugiesisch, was ich schade finde. Außerdem werden wir besonders, was diesen Aspekt angeht, immer wieder miteinander verglichen. Tatsächlich reden wir auch viel Englisch, da unsere beiden Mitbewohnerinnen aus dem Wohnheim aus Norwegen kommen.
Bisher habe ich noch nicht viel von Curitiba gesehen, da ich gerade in den ersten beiden Wochen krank war. Ich hoffe darauf, mehr Kontakte mit Brasilianern in meiner Freizeit zu knüpfen und mir ein Hobby anzulegen. Danach werden Katharina und ich auch in eine andere Wohnung, weiter ins Stadtzentrum umziehen, dort können wir dann auch noch nach der Arbeit leichter Freizeitaktivitäten unternehmen.
Morgens werden wir von unserem Wohnheim abgeholt und dann mit dem Auto zum Projeto Dorcas gebracht. Dorthin brauchen wir ungefähr 15-20min. Das Projeto Dorcas liegt in der Stadt Almirante Tamandare, direkt neben Curitiba. Während man zu Beginn aus dem Auto schaut, sieht man die gut betuchte Gegend mit Wohnhäuser in der Nähe unseres Wohnheims, meist ein großes Grundstück mit Garten. Daraufhin folgen einige Läden und Supermarkt. Je mehr man Stadtauswärts fährt, desto weniger dicht besiedelt ist es und es gibt an der Straße vereinzelte Industriebauten, weiterhin folgt die dicht bewachsene Natur. Die Straße wird zunehmend schlechter ausgebaut und die Läden an der Straße wirken verlassen. Die Häuser, welche man sieht, sind eng nebeneinander gebaut, klein und zum Teil etwas instabil. Am Dorcas angekommen, kann man Kinder von der anderen Seite über die viel befahrene Straße gehen sehen. Vor dem Tor, das nur mit einer Fernbedienung geöffnet werden kann, stehen die Kinder und warten darauf, dass sie reinkommen.
Die Arbeit hier unterscheidet sich ganz erheblich von der in meiner vorherigen Einsatzstelle. Es ist einfach immer etwas zu tun. Morgens begleite ich die Gruppe der Vier- bis Sechsjährigen, was wahrheitsgemäß eine andere Art Sprachgefühl und Geduld erfordert. Nach dem Mittagessen trockne ich gemeinsam mit Katharina das Geschirr ab und danach helfe ich entweder einen anderen Gruppe oder bin auf dem Sportplatz draußen mit den Kindern. Während morgens bis mittags die jüngeren Kinder vor Ort sind, kommen am Nachmittag die älteren zum Dorcas. Nachmittags ist häufiger noch unklar, was mein Aufgabenbereich ist, irgendwo kann man aber immer mithelfen.Dann warten Katharina und ich meistens noch eine gewisse Zeit, bis wir wieder zu unserem Wohnheim gebracht werden.
Besonders in der Anfangszeit, war es etwas überwältigend, da es viele Kinder im Dorcas gibt und der Ort entsprechend laut ist. Auch da sich mein Alltag vom Arbeitspensum quasi von null enorm erhöht hat. Manchmal fühlt man sich etwas überfordert mit einer Situation oder auch zu unqualifiziert, aber man lernt nach gewisser Zeit, Verhaltensweisen zu akzeptieren und sich davon nicht so schnell aus dem Konzept bringen zu lassen.
Beispielsweise ist auffällig, dass viele Kinder spürbar wenig Aufmerksamkeit von ihren Eltern bekommen und auch oft missachtet werden. Folglich wollen sie deine Aufmerksamkeit erlangen und hören nicht auf Anweisungen, dass das als Kleinkind bis zu einem gewissen Grad ganz normal ist, ist mir bewusst. Die Professoren sagen jedoch selbst, dass sich viele Kinder in Dorcas sich selbst erziehen müssen, weil ihre Eltern es nicht tun. Die kleinsten Dinge haben für die Kinder im Dorcas einen größeren Wert, als man sich vorstellen kann. Mir wird immer wieder vor Augen geführt, wie viel ich als Selbstverständlich sehe, was nicht selbstverständlich ist.
Das zweite Wochenende hat es ununterbrochen geregnet bis zum Dienstag, das hatte leider schwerwiegende Konsequenzen für Projekt Dorcas. Die Schaden belaufen sich auf einen Wert von über 16.000€. Darclê(Die Chefin vom Dorcas) ist sich sicher, dass die Schäden einfach verhindert hätten werden können. Es gibt einen Bach auf der anderen Seite der Straße.An der Baustelle der Straße, die vor dem Dorcas war, wurden keine Stützen in die Seite von Dorcas gebaut, so wie es vorgesehen war und trotz wiederholten Bedenken seiten Dorcas wurde es nicht geändert.
Am Freitag der letzten Woche, bevor die Starkregen anfing, gab es eine Art Lehrertreffen. Dabei haben sich alle Mitarbeitenden des Dorcas gemeinsam bei einem Schwimmbad getroffen und einen schönen Tag verbracht.
Wie bereits zu Beginn angeschnitten, ist die Weihnachtszeit anders und auch eine härtere Zeit, was Heimweh angeht. Aber es bietet einem die Möglichkeit, Weihnachten selber nochmal anders kennenzulernen. Außerdem beginnt die Reisezeit, was einen nochmal neugierig macht und Vorfreude auslöst. Dorcas hat viele Möglichkeiten sich einzubringen und die Arbeitskolleginnen sind alle sehr symphatisch und nehmen einen warm auf. Curitiba ist eine tolle Stadt, die vergleichsweise fortschrittlich ist und viele Freizeitmöglichkeiten bietet. Am schwierigsten ist es, glaube ich, damit umzugehen, dass ich hier noch keine Freunde , kein soziales Umfeld oder Hobbys habe. Jedoch bin ich zuversichtlich, dass sich das im neuen Jahr, mit einer kleinen Prise Mut, verändern kann.
