Anfang Juni hatte unser Projekt für 2 Wochen geschlossen. Damit wir alles einmal aufräumen konnten. Wir haben eine alte Sporthalle, die vollgestellt war mit Spenden voller Klamotten und einen unorganisiertes Lebensmittellager und ca. 100 Stühle. Und das sollte alles sortiert und sauber gemacht werden. Wir haben unendlich viele Klamotten kategorisiert und in Kisten sortiert oder halt weggeschmissen. Und da wird der Überkonsum unserer Gesellschaft wieder so deutlich.
Die Menschen in dem Viertel haben wirklich nicht viel zum Leben. Aber was sie haben, sind Klamotten im Überfluss. Ich rede hier nicht von 3-4 großen Mülltüten voller Klamotten, die wir gespendet bekommen haben. Eher so 100 bis mindestens 200! Ich hoffe ich finde noch irgendwo ein Foto davon. Und ja den Menschen hier fehlt es and dicken wirklich guten Jacken oder Pullis. Aber so was wird auch eher weniger in Fastfashion produziert und besteht somit weniger im Überfluss.All diese Klamotten standen halbvergessen in dieser Sporthalle. Jede Woche haben wir ca. 4 Säcke hervorgeholt und probiert die auf einem kleinen Flohmarkt zu verkaufen, um etwas Geld für das Projekt zu bekommen. Aber die Klamotten sind gefühlt nicht weniger geworden. Man sollte sich öfter vor Augen führen wie viele Klamotten bereits existieren und wie viel davon Fastfahion ist. Man bzw. Ich oder wir sollten einen bewussteren Umgang damit haben, was wir kaufen und wo.
Am Ende der zwei Wochen gab es dann in der sauberen Sporthalle ein großes Fest für das ganze Viertel zu Ehren von Mauricio Silva. Ein Mönch, der während der letzten Militärdiktatur entführt wurde. Er gehörte dem gleichen Orden (Foucauld) wie meine Chefin an und lebten das Leben nach den gleichen Prinzipien. Ein leben unter den Armen. Auch meine Chefin galt in der Zeit als ”abtrünnig”. Das, was Hermano Mauricio passiert ist, hätte genauso gut meiner Hermana Marta passieren können! Sie ist damals dann ins Exil geflohen. In Erinnerung an sein Verschwinden und zu seinen Ehren haben wir dann einen Gottesdienst gehalten, es gab lecker Pizza, Brot und Saft für alle und es wurde ganz viel Folklore getanzt.
Mitte Juni ging dann auch endlich die Männer-Fussball-WM los. Das Wetter wurde immer kälter und ich hatte große Vorfreude auf die WM. Pünktlich für das erste Deutschlandspiel haben wir nochmal Besuch von anderen Freiwilligen bekommen. Zwei von unserer Organisation und eine die ich im Januar beim Wandern kennengelernt habe und die in der gleichen Stadt wohnt, wie eine der anderen beiden. Wir haben also zu viert in meiner kleinen Wohnung gewohnt fürs Wochenende. Hat aber super funktioniert. Das Wetter war leider nicht so gut. Aber wir haben das Beste daraus gemacht und zum Glück kann sich das Wetter hier am Meer schnell ändern. Wir haben es uns in einem Café gemütlich gemacht, sind etwas durch den Regen spaziert und haben uns es abends bei mir gemütlich gemacht und Pizza bestellt. Am nächsten Tag haben wir dann alle zusammen (mit noch ein paar deutschen Austauschschülern, die zurzeit in MDP sind) in einem Café das großartige 7:1 gegen Curacao gesehen. Hätten die sich mal lieber ein paar Tore aufgespart… Danach sind wir noch zum Hafen gefahren und haben die Seehunde angeguckt. Abends haben wir dann einen gemütlichen Kochabend gemacht und noch einen Nachtspaziergang zum Churroladen.
In den zwei Wochen darauf haben wir alle Deutschland- und Argentinienspiele verfolgt und waren zu Ehren von Mauricio mit unseren Kollegen ins Rathaus eingeladen. Dort hat meine Chefin eine wunderschöne Rede gehalten und man hat gemerkt, wie tief ihr diese Geschichte geht.
Und so schnell vergeht die Zeit und wir sind nach Buenos Aires zum Abschlussseminar gefahren. Der Einstieg war das WM-Aus für Deutschland gegen Paraguay. Was wir alle gemeinsam geguckt haben. Leider auch mit den Freiwilligen, die in Paraguay ihr Jahr verbringen und die in Paraguaytrikot ankamen…
Auf dem Seminar ging es viel um das Thema Abschied und wieder Ankommen in Deutschland. Aber auch um unsere anfänglichen Erwartungen und das, was wir alles Erreicht haben in diesem Jahr. Mir hat das Seminar sehr gut gefallen und wir hatten viel Zeit, um unsere Gedanken zu ordnen und aufzuschreiben. Das, was ich mir eh immer vornehme aber abseits des Seminare kaum dazu komme bzw. Mir auch nicht die Zeit dafür nehme.
Und dann war der vorletzte Monat auch schon wieder vorbei. Die Zeit rast so.





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