Jeden Tag mit 100 Kindern spielen

Moin aus Ciudad del Este!

Das hier ist schon der letzte Blogeintrag hier aus Paraguay! Fast 11 der insgesamt 12 Monate sind vorbei. Ich kann mir noch gar nicht vorstellen, dass ich dann bald ein letztes von so vielen Malen am Terminal, dem kleinen Busbahnhof, in den Bus nach Buenos Aires und dort in den Flieger nach Deutschland steige. Ein ganzes Jahr habe ich hier verbracht und es ging Ende August 2024 damit los, dass wir vier Freiwilligen an der Grenze von Brasilien nach Paraguay aus dem Bus ausstiegen. In der hektischen und überfordernden Innenstadt mit seinen Hochhäusern, die für seinen Shoppingtourismus bekannt ist, haben wir uns damals einen roten Stempel in unserem Pass geben lassen und sind irgendwie mit sehr schlechtem Spanisch und ohne Guarani, der Landeswährung, zum Terminal gekommen. Da hatten uns dann Kollegen aus den zwei Projekten, in denen wir arbeiten, abgeholt. Und das Gefühl am Anfang durch die Straßen zu spazieren, das wunderschöne und große Projekt, das Hogar, mit den Mango-, Limetten-, Granatapfel-, Guayaba- und Bananenbäumen das erste Mal zu sehen und mit dem Aufhängen meiner Fotos an der Wand in meinem Zimmer, mich für ein Jahr einzurichten, das werde ich nicht vergessen. Bei allem dachten wir uns: So ist das also hier, wo wir jetzt ein ganzes Jahr lang leben werden. Trotzdem fühlt es sich lange her an, wie auch nicht. Denn seitdem hatte ich das ereignisreichste Jahr meines Lebens. Jeden Tag im Projekt mit den Kindern, Wochenendtrips nach Encarnación, Asunción, Campen unter Palmen, Seminare, Urlaube, Besuche bei und von Mitfreiwilligen und meiner Familie, Affenhitze, zuletzt auch unerwartete Kälte und ganz viel mehr. Und immer noch schlafe ich in demselben Zimmer auf meiner zu weichen Matratze, zwei Meter von einer Bananenpalme und einem Hahn, der seit Anfang an gerne die Nächte durchkräht, entfernt und unter der hier fast auf jedem Dach zu findendem blauen 500 Liter Wassertonne.
Dass das alles ganz bald für immer vorbei ist, versteh ich dann glaub ich auch erst, wenn es soweit ist.

Am Freitag, also in zwei Tagen, mache ich mich zusammen mit meiner Mitfreiwilligen auf nach Buenos Aires. Da geht dann nächste Woche das letzte Seminar mit der Organisation von hier, der evangelisches Kirche Argentiniens, Paraguays und Uruguays, los. Ich freu mich sehr, alle Freiwilligen wiederzusehen und auch die Wochenenden vor und nach dem Seminar in der riesigen Stadt zu verbringen, in der ich dann das ein oder andere ausnutze, das es hier nicht gibt, wie zum Beispiel Bäckereien und viel sehr gutes Essen oder auch Bars und Clubs. Ich rechne auch damit, dass es sehr guttun wird, sich wieder über verschiedenste Erfahrungen auszutauschen und dabei ein bisschen zu reflektieren. Vor allem denke ich auch, dass ich durch das Seminar nochmal besser realisieren werden kann, dass das Jahr dann bald vorbei ist. Denn gerade die letzten Monate, obwohl die 8-stündige Arbeit jeden Tag mit den Kindern teils sehr fordernd ist, habe ich mich enorm daran gewöhnt und ist es natürlich alltäglich geworden. Und so erfüllend das Spielen, Lernen und Quatschen mit den Kindern immer wieder ist, so sehr bin ich auch das gewohnt. Insofern nehme ich mir ganz fest vor, genau diese tollen Momente mit den Kindern, die ich jetzt 10 Monate lang jeden Tag hatte, nochmal richtig zu genießen. Denn ich kann ganz klar sagen: Es ist bei weitem nicht das Einzige und ich hab super viel an Paraguay und meiner Zeit hier sehr genossen, aber die Kinder sind das absolute Highlight meines Freiwilligendienstes.
Deswegen weiß ich, dass ich  am aller meisten vermissen werde, jeden Tag von 100 Kindern umgeben zu sein. Wenn ich wie heute aus der Klasse komme, in der ich 8 Kindern auf verschiedenen Niveaus Plus, Minus, Mal und Geteilt erkläre und aufpassen muss, dass nicht abgeschrieben und kein Radau gemacht wird, und dann die kleinen und größeren Kinder kommen und unbedingt Toca-Toca-Congelada, Eisticken, mit mir spielen wollen. Und sich ein Bein ab freuen, wenn ich mitspiele. Und dann wie jeden Tag voller Inbrunst gerannt und gelacht wird.
So sehr ich mich auf zuhause freue, so sehr wird mir das und vieles mehr vom Leben hier in Paraguay fehlen.

Das nächste Mal melde ich mich dann aus Deutschland, ich bin sehr gespannt auf die letzte Zeit hier!

Ganz liebe Grüße aus Südamerika

Ben  

Leave a Comment: