Irgendwo zwischen Alltag und Ankommen

Als ich in Argentinien angekommen bin, hat sich vieles überwältigend angefühlt: ein neues Land, eine andere Sprache, ein unbekannter Alltag und das Wissen, für lange Zeit weit weg von Zuhause zu sein. Einerseits war ich voller Vorfreude, ganz viel Neues zu erleben und zu erfahren. Nach zwölf Jahren Schule einmal etwas ganz anderes machen: ein neuer Ort, neue Menschen, neue Erfahrungen. Gerade deshalb hat das Ankommen nicht auf einmal stattgefunden. Es hat Zeit gebraucht – Zeit, um mich zu orientieren, um auch hier Routinen zu finden und um innerlich mit dieser neuen Lebenssituation Schritt zu halten.

Gerade am Anfang war Einsamkeit etwas, das ich kaum ignorieren konnte. Nach der Arbeit bin ich nach Hause gekommen und habe gemerkt, wie still es sein kann, wenn vertraute Menschen, Gespräche und Umarmungen fehlen. Ich habe meinen Freiwilligendienst in Buenos Aires mit einem Anfangsseminar in einer Zwölfer-WG begonnen, und mir ist das WG-Leben richtig ans Herz gewachsen. Die anderen Freiwilligen wohnen auch jetzt in WGs, während ich alleine lebe. Fotos von Spieleabenden und gemeinsamem Kochen haben mir vor Augen geführt, was mir gerade fehlte. Inzwischen weiß ich aber auch, dass es nicht immer so harmonisch in WGs abläuft und dass man manchmal mit Menschen zusammenwohnt, mit denen es einfach nicht passt.

Dieses Alleinsein hat sich oft schwer angefühlt, aber es hat mich auch gezwungen, mich mit mir selbst auseinanderzusetzen. Ich habe gelernt, Stille nicht sofort füllen zu müssen. Ich wusste von Anfang an, dass ich alleine wohnen würde, und ich habe mir das auch zugetraut. Und ja, inzwischen fühle ich mich sehr wohl damit. Trotzdem habe ich gerade durch das Alleineleben gemerkt, wie sehr ich es eigentlich genieße, mit anderen Menschen zusammenzuwohnen.

Was mir schnell aufgefallen ist und mir sehr gut gefällt: Ich habe die Menschen hier als unglaublich offen und herzlich erlebt. Ich hatte viele zufällige, schöne Begegnungen – kurze Gespräche auf der Straße, ein gemeinsamer Mate, ein Lächeln, ein „todo bien?“ (Alles gut?). Diese kleinen Momente haben mir immer wieder gezeigt, wie viel Wärme in einfachen Gesten liegen kann.

Mit der Zeit hat sich vieles verändert. Mein Spanisch hat sich langsam verbessert, und ich habe mich mehr getraut zu sprechen, auch wenn ich Fehler gemacht habe. Ich habe Freunde gefunden, die meinen Alltag hier sehr bereichern. Es ist schön zu wissen, dass ich Menschen um mich herum habe, mit denen ich jederzeit etwas unternehmen kann. Ich fühle mich nicht mehr alleine.

Auch im Projekt habe ich mehr Verantwortung übernommen und bin stärker in die Abläufe eingebunden worden. Dadurch fühle ich mich nicht mehr nur als Besucherin, sondern als Teil des Ganzen.



Inzwischen fühlt sich Mar del Plata vertraut an. Wenn ich weg war, war es ein richtiges Gefühl von Wiederankommen, sobald ich zurück bin. Ich kenne die Straßen, die Läden und teilweise sogar die Menschen – wie meinen Gemüsehändler oder Leute, die täglich denselben Bus nehmen wie ich. Ich genieße das Leben hier nun viel mehr. Und gerade jetzt im Sommer, mit den vielen Urlauber*innen, liegt eine wunderschöne, entspannte Stimmung über der Stadt.

Und irgendwo zwischen Alltag und Ankommen ist mir Mar del Plata ans Herz gewachsen.

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