Am 15.08.2026 ging es endlich für uns los ans andere Ende der Welt. Wir konnten es beide noch nicht so ganz realisieren, dass wir für die nächsten 11 Monate in dem isoliertestem Land der Welt leben würden. Auf dem kleinen Pazifik Atoll namens Tarawa.

Abflug in Frankfurt
Aber bevor wir weiter an unser nächstes Jahr denken konnten, hieß es für uns früh aufstehen. Für mich ging es schon um 4 Uhr morgens in Hamburg los, in die Bahn Richtung Frankfurt, während Titus Weg von Dortmund aus etwas kürzer war. Am Flughafen trafen wir uns also, und es hieß Abschied nehmen von den Familien. Wie absurd unsere Reise eigentlich ist, wurde uns bei der Security-Kontrolle erst so richtig klar. Wir mussten den Beamten überhaupt erstmal auf einer Karte zeigen, wo wir hinfliegen, da keiner von ihnen je etwas von Kiribati gehört hatte.
Der erste Flug war auch unser längster, von Frankfurt aus ging es 12 Stunden lang nach Hong Kong, wo wir unseren 8-Stunden-Zwischenstopp nutzten, um mit Dumplings unsere Energie für den kommenden Flug nach Fidschi wieder herzustellen.
Kaum saßen wir im Flugzeug nach Fidschi sprach uns unser Sitznachbar auf die Kiribati Flagge an, welche wir auf dem Rucksack trugen. Es stellte sich heraus, dass wir neben dem Bildungsbeauftragten zwischen Kiribati und den USA saßen. Der Herr neben uns bereitete also in Fidschi junge Menschen von Kiribati vor, um für ein Jahr in die USA zu gehen, um Englisch zu lernen. Sich mit ihm unterhaltend, ging der 10-Stunden-Flug nach Fidschi schneller vorbei als gedacht.
In Fidschi hatte das Ökumenewerk ein Hotelzimmer direkt am Flughafen gebucht, damit wir in den 24h Zwischenstopp auch etwas zur Ruhe bekommen konnten. Da wir aber um 6 Uhr morgens gelandet waren, und der Check-In erst ab 14 Uhr möglich war, entschieden wir uns dazu, unser Gepäck abzustellen und ohne die Hilfe unserer Handys (wir hatten auf Fidschi kein Internet) ein Weg zum Strand zu finden. Unser Weg führte uns also an einem Industriegebiet vorbei in ein kleines Dorf, welches an einer Brücke endete. Auf dieser Brücke befand sich ein Check-Point, denn anscheinend befand sich auf der anderen Seite eine private Insel, die aber noch unter Bauarbeiten stand. Statt jedoch umzudrehen, entschieden wir uns dazu, die Dame im Security-Häuschen anzusprechen und zu fragen, ob wir zum Strand dürfen. Diese Entscheidung war wohl die richtige, denn die Dame öffnete uns das Tor und sagte, dass wir den Strand gerne nutzen dürften, nur die rechte Seite sei Privatbesitz, den wir deshalb meiden sollten. Also, auf zum Strand und nach der einstündigen Wanderung etwas entspannen. Als es zu regnen begann, entschieden wir uns wieder umzudrehen und nochmal fast zwei Stunden in die Stadt Nadi zu laufen. Doch solange mussten wir gar nicht laufen, da plötzlich nach nur zehn Minuten Wanderung ein Auto neben uns anhielt. Eine Dame machte das Fenster runter und fragte uns, ob sie und ihr Mann uns mitnehmen sollen, um den Regen zu meiden. Wir nahmen das Angebot gerne an, und nachdem wir dem älteren Ehepaar von unserer Reise erzählt hatten, boten sie uns an, mit ihnen shoppen zu gehen und uns danach noch zu einem lokalen Fruchtmarkt zu fahren. Das taten wir auch, und auf dem Markt wurden uns auch noch zwei Kokosnüsse geschenkt. Wir konnten es eigentlich kaum glauben, wir waren noch nicht mal am Ziel angekommen und hatten schon so viel erlebt, das mussten wir erstmal verarbeiten und entschieden uns deshalb, zum Hotel zurück zukehren und die letzte Stunde vor Check-In in der Lobby zu verbringen. Der restliche Tag verlief sehr ruhig, wir hüpften in den Pool der Hotelanlage und machten einen kleinen Mittagsschlaf. Abends ging es dann noch einmal zu einem lokalen Restaurant, bevor wir uns ins Bett legten, um genug Schlaf vor unserer letzten Etappe zu bekommen.

Unser neuer Freund in Fidschi
Genug Schlaf haben wir dann auch bekommen, sogar etwas zu viel, denn wir beide verschliefen unsere Wecker und mussten unter Schock feststellen, dass wir eine Stunde zu spät aufgewacht waren. Deshalb war wohl nichts mit morgens noch einmal duschen. Es hieß, einfach schnell Gepäck schultern und so schnell es in Flipflops nur möglich war, zum Airport zu rennen. Zum Glück war dieser nicht allzu weit von unserer Unterkunft weg, weswegen wir schweißgetränkt nach 15 Minuten als letzte am Check-In-Counter standen. Wir hatten es gerade noch so geschafft, und konnten jetzt auch endlich unseren letzten Flug antreten.

Aussicht aus dem Flugzeug
Das Flugzeug nach Tarawa war kaum gefüllt, mehrere Reihen waren leer, wir setzten uns also ans Fenster und stellen mit Staunen fest, dass der Ex-Präsident Kiribatis, Anote Tong, nur zwei Reihen hinter uns saß. Wir hatten während unserer Vorbereitungsseminare mehrere Dokus über sein Engagement für den Klimawandel gesehen.
Nach 3 atemberaubenden Stunden über dem Pazifik landeten wir also in Kiribati und wir fragten Tong nach einem Foto. Unser Kiribati Abenteuer startete schon gut und wir bekamen schon direkt am ersten Tag einen Vorgeschmack auf die Improvisationsfähigkeit, die das Leben hier prägt. Das Gepäckband viel nämlich kurz nach unserer Ankunft aus, weswegen sich eine Alternative überlegt wurde. Auf Gepäckwägen und Rollen fuhren die Mitarbeiter die Koffer also im Kreis herum und wer sein Gepäckstück erblickte, schrie kurz und der Wagen hielt an.

Anote Tong, ehemaliger Präsident Kiribatis
Nun sind wir also in Kiribati, und 11 Monate am anderen Ende der Welt warten auf uns.
Tii ngaia anne mai irou! ao kam bati n rabw
