Die Halbzeit ist für mich geprägt von sehr vielen gemischten Gefühlen. Auf der einen Seite fühlt es sich schon wie eine Ewigkeit an, auf der anderen kann ich gar nicht glauben, dass ich schon so lange hier bin. Auf einmal wirkt meine Rückkehr nach Deutschland wieder so nah und ich habe das Gefühl so viel noch machen und die Zeit, die mir jetzt auf einmal so kurz vorkommt, noch besser ausnutzen zu müssen. Dabei ist die Halbzeit eben genau das – erst die Hälfte.
Da ich mich auf der Südhalbkugel befinde bedeutet dies momentan auch, dass Sommer ist. Und Sommerzeit ist Ferienzeit.
Die ersten Tage im Kinderheim war es ein bisschen überwältigend. Da normalerweise die eine Hälfte der Kinder morgens und die andere nachmittags zur Schule geht, ist natürlich auch immer nur eine Hälfte zur Zeit im Heim. In den Ferien sind dann auf einmal immer alle Kinder da. Wo andere Projekte in den Schulferien auch selbst schließen, ist es bei uns mit die intensivste Zeit.
Dies heißt aber auch, dass es für uns erfrischender Weise mal viel zu tun gab. Die Kinder hatten viel mehr Interesse an Aktivitäten mit uns und so konnten wir eigentlich jeden Tag eine Malstunde, ein Schminken oder eine Spielerunde anleiten.


Außerdem organisiert das Kinderheim in den Ferien viele Ausflüge. Das Highlight war, dass alle Kinder in Gruppen zwei Tage mit Übernachtung am Strand verbringen konnten. Meine Mitfreiwillige Lia und ich hatten das Glück, die eine Hälfte der Jugendlichen Mädchen dabei begleiten zu können. Mit dem Bus ging es dann knapp zwei Stunden an den nächsten Strand und in das Haus, das für die Zeit gemietet wurde. Einmal die Sachen abgelegt wurden auch sofort die Badesachen angezogen und ans Meer gerannt. Für einige war es das erste Mal, dass sie am Strand waren und das Meer sahen und dementsprechend aufregend. Da konnten auch die vielen Quallen im Wasser niemanden mehr vom Baden abhalten. Beim Spaziergang am Strand haben wir sogar viele tote portugiesische Galeeren sehen können. Für die Nacht wurde in dem größten Raum des Hauses ein riesiges Matratzenlager aufgeschlagen, wobei es nicht viel Schlaf gab, da wir uns nicht den Sonnenaufgang überm Meer entgehen lassen wollten. Da hier Sommer ist, war der natürlich pünktlich um fünf. Nach einem weiteren Tag voller Badespaß ging es dann am Abend auch wieder mit dem Bus zurück. Die Rückfahrt war etwas abenteuerlich, weil uns ein Reifen geplatzt ist aber nach einer Weile sind wir alle wieder heil in Padilha angekommen.

Leider haben Lia und ich uns beide am Strand einen Hautmaulwurf eingefangen, einen Wurm, der sich in den Fuß bohrt und dort langsam immer weiter fortbewegt, was sehr juckt und wehtut. Da der Mensch ein Fehlwirt ist, ist es aber in keiner Weise gefährlich, nur sehr sehr ekelig. Da ich meinem ersten Impuls, mir den Fuß abzuhacken, aber nicht nachgegangen bin und der Arzt uns eine Salbe verschrieben hat, die das Absterben des Wurmes beschleunigt, habe ich jetzt glücklicherweise wieder einen top fitten und wurmfreien Fuß. Lediglich eine kleine Narbe ist zurückgeblieben.
Abgesehen von dem Strand Ausflug wurden auch viele Wanderungen in der Umgebung und eigentlich jeden Tag ein Spaziergang zum Fluss unternommen – bei der Hitzewelle, die wir momentan haben auch sehr notwendig.
Und dann war da natürlich noch Silvester. Wir drei aus Padilha haben uns mit noch fünf weiteren Brasilienfreiwilligen für vier Tage ein Airbnb in Florianopolis gebucht, einer sehr beliebten und schönen Insel im Bundesstaat Santa Catarina. Es war unglaublich schön die anderen wiederzusehen, die wir teilweise seit dem Vorbereitungsseminar Anfang August nicht mehr gesehen hatten. Die Silvesternacht war sehr aufregend und ganz anders als ich sie je erlebt habe.


Typischerweise feiert man am Strand und es war so unglaublich voll, dass man das Meer erstmal suchen musste. Viele Tragen weiß und werfen um Mitternacht weiße Rosen für die Meeresgöttin ins Wasser. Außerdem kann man über sieben Wellen springen und sich bei jeder etwas wünschen, was wir natürlich auch gemacht haben. Was mich gewundert hat war, wie wenig Feuerwerk gezündet wurde aber das hat mich auch überhaupt nicht gestört. Es war eh viel spannender herumzulaufen, allen ein frohes neues Jahr zu wünschen und viele neue Leute kennenzulernen.

Wieder zuhause ging es dann mit dem Alltag weiter und ich musste mich langsam auf den Abschied von Lia vorbereiten. Denn was bei mir Halbzeit ist, war für Lia das Ende ihrer Zeit in Brasilien. Bei ihr war von Anfang an geplant, dass sie nur ein halbes Jahr hier bleibt und obwohl ich das auch von Anfang an wusste, machte das den Abschied nicht unbedingt leichter. Aufgrund der Tatsache, dass wir uns ein Zimmer geteilt, zusammen gearbeitet und auch die gesamte Freizeit zusammen verbracht haben, ist es schon eine sehr große Umstellung, jetzt nur noch zu zweit statt zu dritt zu sein und sie natürlich auch sehr zu vermissen.
Da wir auch unsere Workshops im Heim zusammen geleitet haben, was für mich gerade am Anfang eine große Hilfe war, da sie fließend Portugiesisch spricht, muss ich mich jetzt auch diesbezüglich darauf umstellen, diese alleine anzuleiten.
Glücklicherweise merke ich momentan deutliche Fortschritte bei meinem Portugiesisch, wodurch ich es einfach als Herausforderung sehen kann. Es ist zwar immer noch eine Überwindung Gespräche anzufangen und in größeren Gruppen halte ich mich auch noch oft lieber zurück, im zweier Austausch mit Leuten klappt es mittlerweile aber echt gut.
Nächste Woche haben wir dann unser Zwischenseminar und ich freue mich sehr, alle wiederzusehen und gemeinsam Karneval zu feiern.
