Nordkirche unterstützt Rabbis for Human Rights

„Gerechtigkeit pflanzen“ – so lautet das Motto der israelischen Friedensorganisation Rabbis for Human Rights (RHR, Rabbiner für Menschenrechte ) in Israel. Und sie meinen es ganz wörtlich, denn eine der Hauptaktionen der Rabbinerinnen und Rabbiner ist das Pflanzen von Olivenbäumen im besetzten palästinensischen Gebiet. Schon seit Jahren werden dort für den Bau von israelischen Siedlungen ganze Olivenhaine abgeholzt. Immer wieder greifen Siedler palästinensische Bauern auf ihren Feldern an. Seit dem Amtsantritt der rechtsextremistischen israelischen Regierung im Dezember 2022 und nach dem 7. Oktober 2023 ist die Situation immer schlimmer geworden. Die Siedler sehen sich im Einklang mit der Regierungspolitik. Straftaten gegen Palästinenser*innen werden kaum verfolgt und so nimmt die Gewalt extrem zu.

Die Rabbis for Human Rights handeln aus der Überzeugung, dass Gerechtigkeit für alle fest in der jüdischen Tradition und in der rabbinischen Lehre verwurzelt ist. Sie engagieren sich gegen Zerstörung palästinensischer Häuser und unterstützen palästinensische Bauern bei der Olivenernte. Die Rabbis gehen in palästinensische Gemeinden, die von Siedlergewalt oder Armeeübergriffen betroffen sind, und schützen palästinensische Bauern, wenn diese durch Siedler angegriffen werden und pflanzen mit ihnen gemeinsam neue Bäume.

Das Ökumenewerk der Nordkirche ist seit einigen Jahren mit den RHR partnerschaftlich verbunden. Es gab mehrere gegenseitige Besuche, zuletzt war Anton Goodman von den Rabbis zusammen mit Omar Haramy in Hamburg zu Gast (siehe hier) und Tobias Pfeifer, Referent für Christlich-Jüdischen Dialog und Mittleren Osten, nahm im Rahmen seiner Antrittsreise in den Nahen Osten Ende Mai am jährlichen Interfaith March in Jerusalem teil.

Interfaith March im Mai 2025 in Jerusalem. © Jacob Lazarus / Rabbis for Human Rights
Aktion Gerechtigkeit pflanzen

Der Olivenbaum ist zum Symbol für eine Verbindung mit dem Land und dem Göttlichen geworden. Dieselben Bäume werden routinemäßig von Siedlern abgefackelt, um zu demonstrieren, dass sie die Herren des Landes sind und dass sie die Kontrolle haben. Auf der anderen Seite, wenn Palästinenser und Israelis zusammenkommen, um Bäume zu pflanzen, wird eine Botschaft der Zugehörigkeit, der Solidarität und der Hoffnung auf eine gemeinsame Zukunft geäußert. Das ist die Botschaft des Olivenzweiges und es ist die Botschaft der RHR mit jedem gepflanzten Baum.

Wenn Sie einen oder mehrere Bäume spenden, werden sie von Israelis und Palästinensern gepflanzt, die sich gemeinsam für Menschenrechte, Gerechtigkeit und Frieden in palästinensischen Dörfern im Westjordanland und in den nicht anerkannten Beduinendörfern des Negev einsetzen.

Hintergrundinformationen zu den Rabbis for Human Rights (RHR)

Rabbis for Human Rights (RHR) ist die einzige rabbinische Organisation in Israel, die sich ausdrücklich für die Menschenrechte in Israel und den besetzten palästinensischen Gebieten einsetzt. RHR wurde 1988 gegründet. Heute sind über 170 israelische Rabbinerinnen und Rabbiner sowie Rabbinatsstudierende aus verschiedenen Strömungen des Judentums Mitglied (u.a. Reform, Konservativ, Orthodox, Humanistisch und Rekonstruktionistisch). Dazu wird RHR von Tausenden Rabbinerinnen und Rabbinern aus der ganzen Welt unterstützt.

Rabbis for Human Rights setzen sich für die Einhaltung der Menschenrechte in den besetzten Gebieten ein. Foto: RHR

Sie wollen die untrennbare Beziehung zwischen jüdischer Religionspraxis und Menschenrechten in Israel-Palästina aufzeigen mit folgenden Schwerpunktzielen:

1. Menschenrechte in den besetzten Gebieten stärken
RHR-Mitarbeiter und Freiwillige bieten regelmäßige Schutzpräsenz (protective presence) für palästinensische Hirten in den besetzten Gebieten an. Im Jahr 2024 halfen mehr als 1.000 Menschen als Freiwillige in den palästinensischen Gemeinden bei der Olivenernte mit. 400 Freiwillige übten Schutzpräsenz aus. Über 1.000 gespendete Olivenbäume wurden in Partnerschaft mit palästinensischen Gemeinden im Rahmen der Initiative „Gerechtigkeit pflanzen (Planting Justice)“ gepflanzt. RHR beobachtet und dokumentiert kontinuierlich die Gewalt von Siedlern in den besetzten Gebieten, stellt den Entscheidungsträgern Daten und Analysen zur Verfügung und setzt sich für einen Einstellungswandel in der israelischen Gesellschaft ein.

Olivenernte in den besetzten Gebieten. © Jacob Lazarus / RHR

2. Armut und sozioökonomische Ungleichheit in der israelischen Gesellschaft bekämpfen
Das langjährige Menschenrechtszentrum von RHR in Hadera bietet jedes Jahr rund 1.300 Menschen kostenlose Rechtsberatung auf Hebräisch und Arabisch an, von denen 20 Prozent palästinensische Staatsbürger Israels sind. Die Organisation betreibt Lobbyarbeit für Mitglieder der Knesset und Regierungsbehörden zu Fragen der Ernährungssicherheit und der Armut für die rund 20 Prozent der Israelis, die unterhalb der Armutsgrenze leben.

3. Menschenrechtsbildung fördern
RHR führt ein jährliches Programm in israelischen vormilitärischen Akademien durch. Dort werden ca. 1.000 junge Erwachsene vor ihrem Wehrdienst über die Werte der Menschenrechte und ihre Verbindungen zu Judentum und Demokratie unter Verwendung der Unabhängigkeitserklärung Israels als Leittext unterrichtet.

© Jacob Lazarus / RHR

4. Interreligiöse Aktionen durchführen
RHR leitet ein Interreligiöses Forum für Menschenrechte, an dem über 30 glaubensbasierte Organisationen und Glaubensführer zusammenarbeiten, um während des Jahres interreligiöse Menschenrechtsaktionen zu planen und durchzuführen. Dazu gehört auch der jährliche Jerusalem Interfaith Marsch für Menschenrechte und eine interreligiöse Konferenz, die mit dem Tag der Menschenrechte zusammenfällt.



Mehr Informationen