Dieses Jahr habe ich zum ersten mal Advent und Weihnachten im Sommer erlebt. Es ist ganz ungewohnt bei 30 Grad am Strand baden zu gehen während man aus Deutschland Bilder von Weihnachtsmärkten und Bergen mit Schnee und Skifahrern sieht. Trotzdem muss ich sagen, dass ich ein bisschen in Weihnachtsstimmung gekommen bin, es ist nur eine ganz andere Art von Weihnachten und Advent. In unserer WG haben wir einen Adventskranz gemacht, Plätzchen gebacken und Weihnachtslieder gesungen. Und auch in meinem Projekt, dem CAIF, habe mit meiner Gruppe der 2-Jährigen Plätzchen gebacken, da das hier nicht so typisch ist 🙂
Der Casa de la Amistad ist eine Kinderkrippe in der Kinder von 0-3 Jahren betreut werden. Solangsam neigt sich hier alles dem Ende zu, da es das CAIF den ganzen Januar über, was der wärmste Monat im Jahr ist, geschlossen bleibt. Letzte Woche waren wir für den Abschlussausflug mit Eltern und Kindern in einem Tierpark in Montevideo. Wir haben dort gemeinsam gefrühstückt, die Tiere angeschaut und es gab Spielangebote. Der Ausflug ist eine sehr schöne Sache für die Familien, da alles vom CAIF organisiert wird und gerade Familien, die es sich nicht leisten können so die Möglichkeit haben mal rauszukommen und neue Orte kennenzulernen. Ein anderes Ereignis der letzten Zeit war der marcha de los derechos de los niños (Parade der Kinderrechte) an dem mein Projekt teilgenommen hat. Mit buntbemalten Bannern sind wir durchs Viertel gezogen haben an verschiedenen Stellen halt gemacht und letztendlich in einer großen Halle mit Artisten, Spielen für Kinder und Livemusik geendet.
Ansonsten genieße ich gerade den Sommer hier, wir gehen oft Baden und es gab auch hier einige Weihnachtsmärkte mit kunsthandwerklichen Ständen. Letzte Woche fand „la Bajada“ statt, ein großes Musik und Partyevent an der Rambla(Küstenpromenade), das den Beginn des Sommer und der Badesaison feiert. Das war ein sehr schönes Erlebnis mit vielen Menschen und guter Stimmung 🙂
Weihnachten kam dann doch ziemlich schnell. Die Gesellschaft hier in Uruguay ist im Gegensatz zu Argentinien oder Brasilien stark säkularisiert und kirchliche Feste haben somit einen niedrigeren Stellenwert für viele Menschen als das bei uns der Fall ist. Das Land ist konsequent laizistisch. Kirche und Staat werden also strikt voneinander getrennt. Deshalb wurden viele kirchliche Feiertage als arbeitsfreie Tage beibehalten, aber sie wurden umbenannt und haben eine andere Bedeutung. Weihnachten wird hier am 24. und 25. gefeiert, aber der 25. ist offiziell zum Beispiel der „día de la familia“ (Tag der Familie) und nicht Weihnachten. Und auch die Karwoche wird offiziell als „semana de turismo“ (Turismuswoche) betitelt. Weihnachtsgottesdienste finden normalerweise am Sonntag vor Weihnachten statt.
Entgegen aller Traditionen haben wir den 24. Dezember am Strand verbracht und sind anschließend in einen Weihnachtsgottesdienst in einer deutsch-spanischen Gemeinde gegangen. Den heiligen Abend haben wir bei der Familie einer Freundin hier verbracht, die uns eingeladen hatte. Wir haben auf einer Dachterasse gefeiert. Es gab Asado und um 00.00 Uhr ein großes Feuerwerk. Asado ist eine traditionelle, südamerikanische Art des Grillens über offenem Feuer. Dabei geht es vorallem um die Geselligkeit und das Zusammensitzen, da es meist mehere Stunden dauert. Durch das Feuerwerk hat sich der Abend für mich auch irgendwie nach Silvester angefühlt. Insgesamt war es eine besondere Weihnachtserfahrung und ich bin sehr dankbar für die lieben Menschen hier und dass ich Weihnachten in einem anderen Kontext erlebt durfte.

Plätzchen backen 

marcha de los derechos de los niños 

Feliz Navidad





