Endlich angekommen!

Seit unserem ersten Vorbereitungsseminar im Januar ist die Zeit gefühlt verflogen. Der Freiwilligendienst kam mit Riesenschritten näher, und trotzdem schien das Ganze im alltäglichen Trott immer in weiter Ferne zu sein. Umso surrealer war es, plötzlich im Flieger zu sitzen. So richtig realisiert hatte ich es am Flughafen noch nicht: Ein ganzes Jahr in einem fremden Land leben, dessen Sprache ich nicht spreche und dessen Kultur völlig neu ist! Mit einer gesunden Mischung aus Vorfreude und Respekt ging es los. Nächstes Ziel: Porto Alegre!

Chaos in São Paulo und ein herzlicher Empfang

Der Flug bis São Paulo war ziemlich entspannt. Nach der Einreisekontrolle kam dann der erste bürokratische Boxenstopp: Gepäck vom Band holen und direkt wieder neu aufgeben. Beim Schalter realisierten wir schrittweise, dass ein Teil unserer Gruppe einen anderen Weiterflug hatte. Es entstand ein kleines Chaos – auch deshalb, weil am Flughafen gefühlt niemand Englisch sprach. Zum Glück haben wir es am Ende alle rechtzeitig zu unserem Gate geschafft.

Müde, aber glücklich in Porto Alegre angekommen, wurden wir von unserer Seminarleitung Simone herzlich empfangen. Nach einem kurzen Kennenlernen im Seminarhaus fielen wir wegen des Flugs und der Zeitverschiebung nur noch tiefentspannt ins Bett. Die erste Woche war vollgepackt mit nützlichen Infos über die Geschichte, Geografie und die gesellschaftlichen Herausforderungen Brasiliens. Natürlich durfte auch ein Portugiesisch-Crashkurs nicht fehlen. Während dieser intensiven Tage sind wir als Gruppe eng zusammengewachsen.

WG-Leben für Anfänger und der erste Arbeitstag

Für meinen Mitfreiwilligen und mich ging es mit dem Nachtbus weiter nach Curitiba, wo unsere Einsatzstelle liegt: das Projeto Dorcas. Die Fahrt war superkomfortabel – die Busse hier sind extrem gemütlich und bieten richtig viel Platz. Vor Ort wurden wir direkt herzlich aufgenommen. Man half uns sogar beim ersten Einkauf für unsere WG. Das war auch bitter nötig: Zwei Jungs, die noch nie allein gewohnt haben, sind im Supermarkt nicht unbedingt die geborenen Experten für den Erstbezug einer Wohnung! Am nächsten Morgen wurde es dann allerdings ernst: Um 8:40 Uhr wurden wir abgeholt. Mein erster Arbeitstag stand an!

Der Bus war echt bequem…

Erste Eindrücke und musikalische Arbeit

Kaum im Projekt angekommen, verflog meine anfängliche Aufregung wie im Flug. Wir wurden begrüßt und sofort von den Kindern belagert, die uns alle Hallo sagen wollten. Für viel mehr hätten meine Portugiesischkenntnisse ohnehin nicht gereicht. Nur unscheinbare fünf Minuten später drückte mir ein Musiklehrer eine Tuba in die Hand – es hatte sich wohl schon herumgesprochen, dass ich ein Instrument spiele. Ehe ich mich versah, saß ich mitten im Blechblasunterricht! Das Projekt legt enorm großen Wert auf die musikalische Entwicklung der Kids.

Das Projekt Dorcas

Nachdem wir in der ersten Woche das Projekt kennengelernt hatten, bekamen wir einen Musterstundenplan, dem wir so gut es geht folgen sollen. Vormittags begleite ich die Gruppe „Arco-Íris“ (Regenbogen) bei ihren Aktivitäten, spiele und bastle mit ihnen. Mittags steht für eine halbe Stunde Tellerwaschen auf dem Programm. Mein Rücken lässt grüßen – die Spülen hier sind definitiv für kleinere Menschen gebaut! Nachmittags kommen dann die älteren Kinder. Entweder mache ich bei den Musikangeboten mit (Chor und Blechbläserensemble) oder helfe beim Sortieren der Sachspenden. Manchmal läuft es auch einfach auf ein nettes Gespräch mit einem Kollegen hinaus, denn Brasilianer unterhalten sich sehr gerne!

Mein Arbeitsgerät

Neuer Rhythmus

Während der Schulzeit war meine Freizeit sehr durchgetaktet und ich wusste immer genau, was ich in den nächsten 2 Stunden machen werde. Hier ist das ein wenig anders. Ich habe 3 Tage die Woche frei und arbeite an den anderen Tagen von 9 bis 16:30. Wenn ich dann eine Stunde später zu Hause bin, habe ich dann gar keine Verpflichtungen mehr. Keine Hausaufgaben, kein Leistungsdruck, so gut wie keine Termine und auch keine festen Gruppen. Das war erstmal eine ziemliche Umstellung. Klar, viel Freizeit ist toll, aber so viel…….. Im Moment ist sie allerdings bitter nötig. Die ganzen neuen portugiesischen Wörter, die neue Kultur, da braucht der Kopf wirklich viel Pause. Natürlich habe ich mir auch die typische Freiwilligenerkältung eingefangen, durch die ich etwa 2,5 Wochen dauerschlapp und krank war. Aber damit musste ich rechnen. In der restlichen Zeit, in der ich Lust habe, etwas zu unternehmen, schaue ich mir sehr gerne Curitiba an und besuche die Parks, für die die Stadt bekannt ist. Allerdings muss dafür das Wetter passen. Hier regnet es nämlich andauernd. Und warm ist es hier nun wirklich nicht. Es ist zwar Winter, aber das es in Brasilien ein so kaltes Wetter mit Dauerregen und Gewitter (mind. Jeden zweiten Tag) gibt, hätte ich nicht erwartet. Zum Glück habe ich viele dicke Sachen eingepackt, denn Heizungen gibt es hier blöderweise nicht.

Der alltägliche Regen…

Trotzdem bin ich sehr froh, in der Stadt gelandet zu sein. Sie wird nicht umsonst als die sicherste Großstadt mit der besten Lebensqualität in Brasilien betitelt. Ich bin mir ziemlich sicher: Dieses eine Jahr wird unvergesslich!

Jardim Botanico

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