Ein Leuchten geht durch unser Leben – Leben in einem kleinen Dorf in Brasilien

Hey Guys, I’m back, and I hope you didn’t miss me too much.

Es ist nun gar nicht so lange her, seitdem mein letzter Blog online gegangen ist, aber in dieser kurzen Zeit ist bei mir echt einiges passiert, von dem ich euch heute berichten möchte.

Aber fangen wir doch genau an dem Punkt an, an dem mein letzter Blog geendet hat:

Es war Januar und ich war gerade auf dem Weg zurück nach Padilha. Als ich aus dem Auto direkt vor unserer Haustür stieg, lachte sie mich an. Das war das erste Mal, dass wir uns persönlich sahen. Meine neue Mitbewohnerin. Ich wusste, dass sie kommt, und trotzdem hatte ich fünf Minuten davor noch nicht gewusst, wie unsere Wohnsituation überhaupt aussehen würde.

[Kurze Info für euch: Das Haus, in dem Tilo und ich in den letzten sechs Monaten gewohnt haben, hat genau zwei Schlafzimmer, ein Bad sowie einen überschaubaren und gemütlichen Ess- und Wohnbereich.]

Bis zu meinem Urlaub stand noch nicht fest, ob ich mir nun ein halbes Jahr lang mein Zimmer teilen würde. Aber Spoiler für euch: Das sollte ich nicht. Denn während ich unsere neue Mitbewohnerin und Tilo begrüßte, teilten die beiden mir mit, dass Tilo ausziehen musste.

„Musste“ ist ein großes Wort, wobei er in diesem Punkt keine andere Wahl hatte. Unser Chef hatte nämlich eine weitere Wohnung, nicht einmal drei Minuten von unserem Haus entfernt, gefunden. Da diese aber direkt über der Billard-Bar der Gegend lag, war es unserem Chef lieber, wenn dort ein Mann einziehen würde.

Und so kam es, dass im Zimmer neben mir Lydia einzog. Anfangs muss ich sagen, war das Ganze noch sehr ungewohnt, eine WG zu dritt zu haben. Denn trotz des Fakts, dass Tilo jetzt in einem anderen Gebäude schlief, verbrachte er weiterhin die Zeit mit uns im Haus. Doch nach nicht einmal einer Woche verflog das Gefühl, denn wir kamen echt gut miteinander klar und waren schnell ein gut eingespieltes Team. Zu dritt kann man deutlich mehr Kartenspiele spielen als zu zweit, und es gibt auch wirklich immer eine Person, die okay damit ist, den Abwasch zu machen.

Nach nun mittlerweile vier Monaten, in denen wir zusammen leben, muss ich sagen, dass ich mir eine WG ohne Lydia gar nicht mehr vorstellen kann. Ich bin froh, dass sie uns auf unserem Weg begleitet, und unsere WG leuchtet wirklich noch einmal in einem ganz anderen Licht als zuvor.

Nun habt ihr zumindest mal ein kleines Update zum Punkt Mitbewohnerin bekommen. Lasst uns weitergehen und schauen, was noch so alles passiert ist.

Im Februar stand dann nämlich unser Zwischenseminar vor der Tür, das ich auch bereits im letzten Blog-Beitrag angeteasert hatte. Doch davor möchte ich noch ein Ereignis ansprechen, das man beim Gedanken an Brasilien meist nicht vergisst: Karneval. Karneval wird zwar hier im Süden nicht in der größe gefeiert wie in den Großstädten im Norden, wie zum Beispiel Rio de Janeiro oder Salvador. Aber auch hier findet man schöne Paraden.

Trotz dem Fakt, dass es in Padilha keinen Umzug gibt, haben die Mitarbeiter des LARs einen Mini-Karneval für die Kids veranstaltet, die sichtlich Freude daran hatten, sich bunt zu bemalen, leckere Süßigkeiten zu naschen und wild zu guter brasilianischer Musik zu tanzen. Ein buntes Licht ging in diesen Tagen durchs LAR.

Nach Karneval kam dann auch endlich das bereits erwähnte Zwischenseminar. Schon Anfang des Jahres stand fest, dass dieses in einem kleinen Ort namens Barra Velha in Santa Catarina stattfinden würde. Dahin machten Tilo, Lydia und ich uns dann auf den Weg.    

Dort angekommen bestaunten wir erst einmal die schöne Szenerie, die uns das süße Airbnb nahe dem Strand bot. Gleich danach kam dann aber auch das langersehnte Wiedersehen mit den anderen Freiwilligen. Einige neue Gesichter waren diesmal dabei. Denn zu unserer Gruppe stießen außer den Nachzüglern Emily und Lydia fünf weitere Freiwillige hinzu, die ein ökologisches Jahr in Brasilien absolvierten, und das machte unsere Gruppe komplett.

Trotz der Tatsache, dass unser Airbnb direkt am Meer stand und das Wetter zu dem Zeitpunkt auch nicht gerade das schlechteste war, konnten wir nicht die ganze Zeit am Strand verbringen – verständlicherweise.

Zwischenseminar 2025/26

Simone, unsere Ansprechpartnerin in Brasilien, und Regina, eine Stellvertreterin der Organisation in Deutschland, hatten ein abwechslungsreiches Programm für uns vorbereitet. Zu diesem Programm gehörte es vor allem, unseren Fortschritt anzuschauen, und zum ersten Mal hatte ich auch wirklich gesehen, welche Hürden ich schon überwunden habe. Und natürlich durfte auch nicht fehlen, einen Blick in die Zukunft zu wagen und zu schauen, was denn noch alles vor uns liegt.

Zwischen den Einheiten hatte man dann aber doch Zeit, sich mit den anderen Freiwilligen auszutauschen und sich besser kennenzulernen. Und während des Kochens entstanden dann auch wirklich interessante Gespräche. Es war eine schöne Zeit.

Ich bin wirklich froh, ein Teil dieser tollen Gemeinschaft sein zu dürfen, und wünsche allen Freiwilligen schöne letzte Monate. Nicht nur die Sonne hat während dieser Woche gestrahlt.

Trip zu den Fortaleza Canyons

Nach dem Seminar waren dann auch sechs Monate vorbei und der März begann. Und schon Anfang März klopfte es an unserer Tür … und davor stand Julia, unsere Teamerin und gleichzeitig auch unsere Vorfreiwillige. In den nächsten Wochen begleitete sie uns im Alltag. Wie ich hatte sie sich in das Projekt verliebt und war froh, es mal wieder besuchen zu können und sich außerdem mit den Teamern zu reconnecten. Aber bei Alltag blieb es nicht nur. Es ist ja nicht alle Tage so, dass man zurück nach Padilha kommt. Deshalb sind wir an einem Tag gemeinsam mit unserem Chef, ein paar Kollegen und natürlich Julia zu den Fortaleza Canyons gefahren. Der Ausflug war wirklich schön und der Blick auf die Canyons ist atemberaubend. Ich bin mir sicher, dass Julia ihre kurze Zeit hier bestimmt in Erinnerung behalten wird und sie mit einem Leuchten in sich trägt. Und während wir Julia schon fast fest in unsere WG eingespannt hatten, war es dann auch wieder Zeit für den Abschied. In nicht einmal vier Monaten werden wir sie ja schon wiedersehen.

Nachdem wir wieder zur Normalität zurückgefunden hatten, fiel uns auf, dass es nicht mehr lange bis Ostern war. Und da wir fanden, dass das Haus von Casa 1 noch nicht bunt genug war, beschlossen wir, mit den Kids Ostergirlanden zu basteln. Die Kleinen hatten auf jeden Fall eine Menge Spaß dabei, die süßen Osterformen mit viel Farbe auszumalen. Danach war der große Saal definitiv bereit für Ostern.

Aber nicht nur im LAR fehlte es an Farbe. Nein, wir fanden, auch bei uns daheim würde ein wenig Farbe nicht schaden. Und während wir dabei waren, unsere bemalten Ostereier direkt neben unserer noch hängenden Weihnachtsdeko anzubringen, dachten wir, dass auch wir ein bisschen Farbe vertragen konnten. Und so begannen wir, meiner Mitbewohnerin Lydia die Haare zu färben. Und während ich dabei war, Schnörkel und Muster auf ihre Haare zu malen, fiel uns auf, dass noch einiges von der lila Farbe übrig war, die wir benutzt hatten. Also entschied sich Tilo dazu, auch seinen kurzen Mohawk zu färben. Und dann war nur noch ich übrig. Da ich aber nicht ganz so der Fan von komplett lila Haaren war, beschloss ich, nur meine Bangs zu färben. Die Kinder fanden diese Veränderung auf jeden Fall gut und meinten, unsere Haare passten super zu ihren gefärbten Strähnen.

Und dann begann auch schon die Osterwoche.

Gleich am Gründonnerstag, also dem Donnerstag drei Tage vor Ostern, fand in Padilha der Lichterlauf statt. Dafür hatten die Kinder im Voraus die Leute aus der Nachbarschaft eingeladen. Und als dann an diesem Tag die Sonne unterging und die Straßenlichter angingen, begann eine große Traube von Menschen mit leuchtenden Kerzen, sich vom LAR aus auf den Weg zu machen, um mit ihren Lichtern die Nacht ein wenig zu erhellen. Es war wirklich ein unglaublich schöner Anblick. An den von den Pastorinnen vorbereiteten Stationen hielten wir an, sangen, lauschten Geschichten und feierten Abendmahl, an dem Groß und Klein teilnehmen durften. Ich bin immer wieder dankbar, an solchen herzerfüllenden Tagen das Licht zu sehen und zu sehen, wie sehr es strahlt.

Der Karfreitag hat auch hier, wie in vielen christlich geprägten Familien, die Tradition, kein Fleisch zu enthalten. Stattdessen gab es Fisch und Reis und für mich einfach nur eine MENGE Reis. 😉

Und dann … dann war auch schon Ostersonntag. Tilo hatte sich am Freitagmittag in seinen Urlaub aufgemacht und Lydia verbrachte das Wochenende in Porto Alegre, also war von unserer WG nur ich übriggeblieben. Aber das war nicht weiter schlimm, denn auch ich hatte Pläne. Von meinem Kollegen Vitor war ich eingeladen worden, den Ostermorgen gemeinsam mit seiner Familie zu verbringen. Darüber habe ich mich natürlich super gefreut.

Bereits am Abend zuvor habe ich mit Rani, meiner Kollegin und Vitors Freundin, den Nachtisch vorbereitet.

Es gab Mango-Sagu.

[Kurze Sideinfo: Sagu ist ein beliebtes Dessert hier im Süden Brasiliens. Dabei werden Tapiokaperlen meist in Wein oder Traubensaft aufgekocht oder – wie in unserer Abwandlung – mit Mango zubereitet. Dadurch entsteht ein geleeartiges Gemisch, das oft mit Vanillesoße serviert wird.]

Die Familie meines Kollegen hat mich wirklich herzlich aufgenommen und seine kleinen Neffen waren auch allerliebst. Zum Mittagessen gab es Churrasco mit vielen Side Dishes und zum Nachtisch dann die verschiedensten brasilianischen Desserts und natürlich unser selbstgemachtes Sagu.

Ich bin meinem Kollegen wirklich dankbar, dass er mich mitgenommen hat. Seine Familie hat mir Wärme und ein freudiges Licht geschenkt. – Vielen lieben Dank dafür! –

Glücklich und mit vollem Magen fuhren wir dann wieder nach Hause. Doch mein Tag sollte hier noch nicht enden. Gegen Abend war ich nämlich noch zu Friends Easter eingeladen. Also machte ich mich gegen 17 Uhr auf den Weg zur WG meiner Kollegen. Einer meiner Kollegen, Fernando, ist wirklich super kreativ und kocht und backt gerne. Er hatte schon im Voraus riesige Schokoeier hergestellt, die wir gemeinsam an diesem Tag befüllen durften, was eine Menge Spaß bereitete. Danach schauten wir noch einen Film. Und als ich an diesem Abend nach Hause lief und dabei noch Rolfs Zuckowskis Hasengeschichten anhörte, war ich wirklich ein glückliches Kind. Zwar war dieses Ostern ganz anders, als ich es von daheim gewohnt war, aber trotzdem war es wunderschön.

Ich habe so viele Lichter strahlen sehen dürfen, dass ich nur Freude empfinden konnte.

An dieser Stelle noch eine kleine Empfehlung für Rolfs Zuckowskis Hasengeschichten und daraus das Lied „Frohe Ostern“. [Einfach ein Stück Kindheit für mich, das mich an all das Schöne denken lässt.]

Ich hoffe, ihr hattet in dieser Zeit alle ein gesegnetes Wochenende.

Am nächsten Tag ging es für mich wieder ins Projekt. Die Kids waren alle am Strahlen, vor allem als sie mir zeigten, wie viel Schokolade sie zu Ostern bekommen hatten. Außerdem standen noch eine Hüpfburg und ein Trampolin auf dem Platz, wodurch die frohe Energie nur verstärkt wurde. Denn wer kann schon schlechte Laune haben, wenn er auf einer Hüpfburg herumturnen kann?

Super süß fand ich vor allem auch die Tatsache, dass ganz viele Kids die Schokolade untereinander und auch mit den Mitarbeitern teilten. Über den ganzen Tag bekam ich von mehreren Kindern Süßigkeiten geschenkt. An manche hatten ein paar der Mädels sogar Zettelchen geklebt, auf denen stand: „Feliz Páscoa, Tia“. Wirklich eine schöne Geste, die zeigt, dass Teilen Freude macht.

Als dann nach einer Woche die ganze Schokolade vernascht war, wurde es auch wieder ein wenig ruhiger im LAR. Aber nicht in Padilha, denn in der Woche nach Ostern fuhr ein echt hoher LKW durchs Dorf, der dummerweise einige der Strom- und Internetkabel abräumte und damit einen kleinen Stromausfall in den betroffenen Gebieten verursachte. Da das Wochenende vor der Tür stand, war eine schnelle Reparatur nicht in Sicht, zum großen Bedauern der Anwohner. Zu dieser Zeit war unser Licht also leider aus, aber auch diese Zeit haben wir überstanden. Und als der Strom dann endlich wieder da war, freuten wir uns umso mehr.

Nun zu meinem letzten Punkt, von dem ich euch in diesem Blog erzählen möchte. Denn vor einigen Wochen hatten Lydia und ich beschlossen, ein wenig mehr von Padilha zu erkunden. Dabei fiel mir ein Ort ein, den ich bereits mit meinen Kollegen besucht hatte. In meinem Kopf wusste ich den ungefähren Weg, was auch nötig war, denn in Padilha hat man keinen Mobilfunkempfang. Also machten Lydia und ich uns auf den Weg, um zu dieser schönen Stelle zu laufen. Als wir nach zweieinhalb Stunden immer noch nicht angekommen waren und schon einige Abzweigungen erkundet hatten, beschlossen wir, wieder umzukehren und in der Nähe unseres Hauses zu picknicken. Das Licht führte uns also wieder zurück. Aber ich dachte mir: Es kann doch nicht sein, dass ich mich so in der Richtung geirrt habe und wir uns verlaufen haben. Stellt sich heraus: Ich hatte nur vergessen, wie lange wir damals mit dem Auto dorthin unterwegs waren.  

Ungefähr 25 Minuten waren wir gefahren. Was bedeutet, dass wir noch etwa eine Stunde hätten weiterlaufen müssen, dann wären wir angekommen. Ich sollte wirklich noch an meinem Einschätzungsvermögen arbeiten. Oder was meint Ihr?

Und das war’s auch schon, wovon ich euch in diesem Blog berichten wollte.

Ich hoffe, Ihr hattet Spaß beim Lesen und keine Sorge: Das war noch nicht das letzte Mal, dass Ihr von mir gehört habt.

Beim nächsten Mal erzähle ich euch, wie uns die Kälte eingeholt hat, was wir mit den Kids unternommen haben und wie sich die wirklich letzten Monate in Brasilien angefühlt haben.

Und bis dahin hoffe ich, dass Euch ein Licht durch die nächsten Wochen begleitet.

Adeus, eure Romy

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