Es ist kalt! Denkt man bevor man im Winter hier ist gar nicht, dass es so in Brasilien Möglich wäre, Brasilien wird meiner Meinung nach in vielen Hinsichten sehr unterschätzt. Mit der Kälte bekommt der Chimarrão, die Stricksocken und mehrere Lagen Decken kombiniert mit einer Wärmflasche eine neue Bedeutung, denn leider sind die Häuser nicht so dicht und gedämmt wie bei uns. Aber man gewöhnt sich mehr oder weniger dran.
Für mich geht es nochmal für ein langes Wochenende nach Urugay, nach Montevideo um andere Freiwillige zu besuchen. Dort konnte ich endlich mal wieder am Strand sein, dort Spazieren gehen und haben dort auch ein paar stunden bei Sonne und mit dem Fußball verbracht.Wir hatten auch ein wenig wärmeres Wetter was recht angenehm war, am Tag und in der Nacht. Gespräche über was machen wir alle eigentlich nach diesem Jahr, das selbstgemachte und an Urugay angepasste Siedler wurde viel bespielt und die riesen Feria (ein riesen Markt, der über das Wochenende in den Straßen Montevideos steht), Zusammen Musik machen und einen abend unterwegs sein haben unsere Tage gefüllt.
Dann geht es nach diesen paar Tagen wieder zurück in das Dörfchen nach Padilha, ein Zwölfstunden Bus, den halben Tag warten und dann noch zwei kürzere Busse und dann bin ich nach so zwanzig Stunden unterwegs endlich wieder zurück, das hört sich nach richtig viel an und ist es natürlich auch. Das ist man In Deutschland absolut nicht gewohnt aber man gewöhnt sich richtig schnell an die weiten Distanzen.
In Padilha angekommen, auch hier ist es Tagsüber ein wenig wärmer, das nutzen wir häufig zum Spazieren gehen und haben endlich einen Tucan gesehen, zweimal sogar und einmal eine Brüllaffen Familie, das hat mich riesig gefreut, denn die kann man immer brüllen hören aber zu sehen bekommen kann man sie eher selten. Oben auf dem Berg angekommen wird man mit einem richtig schönen Blick über das Dorf und wieder den Mandarinen belohnt.
Das Wetter nutzen wir auch häufig mit den Kindern, dann gehen wir aber in der Regel zum Fußball/- Spielplatz, dann begleiten uns oft auch die Heimhunde. Dort wird dann auch fleißig ball gespielt, geschaukelt und geklettert. Ich lasse die Kinder jetzt auch oft auf meinen Schultern stehen um Mandarinen zu pflücken, da haben einige Kinder mal was neues ausprobieren und ihre Angst überwinden können.
Dann die Umstrittene WM:
Das Erste Brasilienspiel haben wir mit den Kindern geschaut. Die Kinder haben in Brasilienfarben ihr Gesicht bemalt bekommen und wir haben mit ihnen Flaggen gemalt die wir später zu einer Girlande getackert haben.
Als Deutschland rausflog waren wir zum Glück bei anderen Freiwilligen in Porto Alegre zu besuch und mussten uns erst zwei Tage später von den Kindern anhören, dass Brasilien besser ist als Deutschland. Das „sieben zu eins“ das sitzt hier noch tief in den Knochen und wird manchmal als blöd gelaufen genutzt.Was man vielleicht denken würde nachdem auch Brasilien ausgeschieden ist, ist dass die Brasilianer dann für Argentien wären, das war nur ganz vereinzelt der Fall. Ansonsten gibt es ziemlich viel Abneigung (so wie ich das wahrgenommen habe), ein paar Gründe dafür sind die Kolonialmächte, die damals von der Regierung aktiven „verweißung“ in Argentinien und anderen Ländern und dem aktivem Rassismus der damit zusammenhängt und leider auch bei der WM in den Sozialen Medien zu sehen war.
Sich mit der Geschichte näher und aktiv zu beschäftigen lässt einen die Menschen in Brasilien/Argentinien/Urugay/… und natürlich generell Nord und Südamerika besser verstehen (Das sind nur die Beispiele die ich über dieses Jahr besser kennengelernt habe.). Das Lohnt sich, sich damit zu beschäftigen!
Dann durfte das Haus 1 in dem die 7 bis 12 Jährigen sind und mit denen wir die meiste Zeit verbringen in ein Archäologisches Museum, wo aus der ganzen Region Ausgrabungen ausgestellt sind. Dort konnten die Kinder einiges über ihre Nativen Vorfahren lernen, aber auch über sich und was von damals noch heute tief in der Kultur und im täglichen Leben verankert ist. Was wurde gegessen und was ist noch heute Tagtäglich dabei, ist zum Beispiel Fejão (Bohnen), Reis, Mandioka und Pinhão und sonst ging es natürlich darum, wie gejagt, gewohnt, gemeinsam getanzt wurde und natürlich noch einiges weitere. Zum schluss durften die Kinder noch einwenig draußen spielen und Chimmarão (der Mate der hier getrunken wird) trinken, der hier auch in dem Süden Brasiliens ganz stark immer mit dazugehört.








